Es gibt Momente, in denen mich meine Freunde so richtig abfucken.
Sie heulen mich in Sport voll IM SCHEIß TURNEN, DASS SIE EINE SACHE NICHT KÖNNEN UND DASS SIE JA SO AM VERZWEIFELN SIND UND ICH DENKE MIR NUR SO:
„Ach, fick dich doch einfach ins Knie, du scheiß Pottsau.“
Ich kann nichts im Turnen. Und ich muss seit Jahren Dinge tun, zu denen mein Körper nicht im Stande ist. Und das fuckt einen ab.
Und dieses Jahr habe ich sogar geweint. Weil es mich in diesen Momenten so sehr gehasst habe. Ich habe alles an mir gehasst. Mein Autimus, - den ich ja so oder so nicht ausstehen kann (Probs an dich Gott) - meinen Körper und mein ganzes Dasein.
Ich habe mir einfach gewünscht, mal von der Decke zu baumeln oder zu sehen, wie das Blut aus meiner Pulsader die weißen Wände mal so ordentlich einfärbt und die Ohnmacht langsam vor meinen Augen herumtänzelt.
Ja, es klingt scheiße, doch so war es auch. Ich musste mir verkneifen zu weinen, da es nichts Erbärmlicheres gibt, als in der Schule zu weinen, aber als dann einer meiner Freundinnen mich dort stehen sah und sagte: „Es ist okay zu weinen.“, habe ich einfach losgelegt.
Und ich werde es nie wieder tun.
In dem Moment wollte ich einfach nicht mehr Dinge tun, die ich nicht konnte. Wo mir selbst bestätigt wurde, die ich kann. Ich muss einmal im Jahr zu einem Orthopäden, damit er mich untersuchen kann, ob sich irgendetwas verschlechtert hat. Meine Füße sind nicht die besten, ich habe eine leichte S-Wirbelsäule und Motorik existiert - wie gesagt - auch nicht wirklich bei mir.
Dazu kommt noch Epilepsie, die sich bisher nur durch EEGs bemerkbar gemacht hat und noch nie durch Anfälle. Ich bin sehr auf Licht anfällig. Ich war kurz vor einem Anfall, glaube ich jedenfalls. Ich bin mir nicht ganz sicher, aber ich werde es nie vergessen. Als wir in unserem Wohnzimmer eine neue Lampe angebracht haben mit LEDs und der Schirm ab war, habe ich in das Licht geschaut und meine Mutter hatte mich davor gewarnt nicht reinzugucken. Ich kleine Motte konnte es nicht lassen und habe ins Licht geguckt. Ich weiß nicht, wie lange, aber wenn meine Mutter mich nicht aus meiner Starre gelöst hätte, wer weiß, was passiert wäre. Ich hoffe jedenfalls, dass ich nie einen Anfall bekommen werde, denn ich habe schon wenig Kontrolle über meinen Körper und mit diesen Anfällen, habe ich so gut wie fast keine mehr.
Scheiße, ich bin komplett abgedriftet.
Es tat einfach nur noch weh. Ich wollte nicht mehr und als ich meiner Mutter das erzählt habe, die genauso wenig konnte wie ich, meinte sie, ich müsste drüber hinwegkommen. Der Unterschied zwischen mir und meiner Mutter ist jedoch, dass sie ein außerordentliches Selbstbewusstsein hat und sie mir nichts davon vererbt hat.
Ich werde nie damit richtig umgehen können.
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Igelkind
General FictionWillkommen in meinem autistischen Kopf. Ich beschreibe hier mich selbst, um Dinge zu verarbeiten. Einfache Situationen oder Gedankengänge. Autismus. Das ist schwierig zu erklären, doch wenn ich sage, ich bin wie Sheldon Cooper, tue bloß so, als wär...
