Remus rannte und rannte so weit ihn sein Füße nur tragen konnten. Sirius und das Hufflepuff Mädchen-- das ist es, was das Fass zum Überlaufen gebracht hat. Er lief hoch zum Astronomie Turm, wo er sich mit den Händen am Geländer abstützte.
,,Das ist zu viel. Das ist zu viel. Ich kann das nicht."
Verzweiflung lag in seiner Stimme. Verzweiflung und Wut. Seine Hände verstärkten ihren Griff um das Geländer. Wieso musste das gerade jetzt passieren? Hätte er in zwei, drei Wochen so etwas erzählt wäre es okay gewesen, aber jetzt? Jetzt konnte Remus ohnehin nicht klar denken, geschweige denn seine Emotionen kontrollieren-- und das wusste Sirius genau.
,,Ich mag dich."
Ein Flüstern.
,,Ich mag dich, also warum tust du mir das an?! Warum vergisst du mich?!"
Dieses Mal schrie Remus seine Gedanken aus dem Turm heraus und trat in seiner Wut mit voller Wucht gegen eine der kleinen Holzkisten, die hier standen. Die Kiste flog mit einem lauten dumpfen Geräusch gegen die anderen Kisten. Seine Atmung war immer noch schneller als üblich, größtenteils von seinem Sprint hierher. Ihm war gerade alles zu viel. Der Wind und die Vögel, wie sich sein Hemd auf seiner Haut anfühlte, dass ihm warm und kalt zu gleich war und das er seine Atmung nicht kontrollieren konnte. Er wollte gerade nichts mehr als aus seiner eigenen Haut raus; aber er musste jetzt los. Der Werwolf in ihm, würde sich heute nicht einfach so zähmen lassen, so viel war ihm bewusst.
Madame Pomfrey wartete schon im Krankenflügel auf ihn und begleitete ihn, wie immer, zu der Peitschenden Weide. Ab da ging Remus alleine den engen, stickigen und dunklen Gang entlang, bis er in einem abgelegenen "Schlafzimmer" ankam. Es war dunkel und staubig, die Möbel waren kaputt und alles war einfach- verlassen. Nichtsdestotrotz, setzte sich der Gryffindor hin und wartete auf sein unumgängliches Leid.
Zwanzig Minuten später, kamen James und Peter angelaufen; total aus der Puste.
,,Tatze ist--"
James wurde von Remus unterbrochen, welcher anfing sich zu verwandeln. Gedämpfte Schreie füllten den Raum. Blitzschnell verwandelten sich James und Peter auch: Krone in einen Hirsch und Wurmschwanz eine Ratte. Remus hatte unglaubliche schmerzen. Das Sirius nicht hier war, machte es umso schlimmer für ihn. Er war so unglaublich wütend auf Sirius, dass er nicht bei Verstand bleiben konnte-- oder wollte. Sonst hatte er es manchmal geschafft das Monster in sich zu bändigen, aber dieses Mal übernahm es ihn komplett. Ohne auch nur mit der Wimper zu zucken warf er den Hirsch bei Seite und lief durch die Tür. Er rannte aus dem Haus, hinein in den Wald. Krone und Wurmschwanz liefen ihm hinterher, doch Moony war um einiges schneller. Sie verfolgten Moony bestimmt eine Stunde quer durch den Wald, bis Moony anfing Richtung Schloss zu laufen. Sofort beschleunigten Krone und Wurmschwanz ihre Geschwindigkeit; ohne Tatze waren sie jedoch so oder so aufgeschmissen. Eine Ratte konnte einfach nichts gegen einen Werwolf aussetzen.
Als die beiden ihn dann eingeholt hatten, lieferten sich Krone und Moony einen Kampf. Krone wurde nicht verheerend verletzt, denn Moony war wütend, ja, aber trotzdem wollte er nicht gegen den Hirsch kämpfen; tief im Inneren wusste er, dass der Hirsch ein Verbündeter war. In dem Moment, in dem Moony eine Chance zum entkommen sah, lief er tiefer in den Wald hinein und blieb dann mit gespitzten Ohren an einer Lichtung stehen. Ein knacken ertönte. Er drehte sich um, nur um zu sehen dass hinter ihm ein Zentaur angriffsbereit da stand. Moony fletschte die Zähne, nichts menschliches war mehr in ihm zu sehen. Er lief auf den Zentauren zu. Dieses Mal hatte Moony keine Scheu und so lieferten sie sich einen erbitterten Kampf. So stark der Werwolf auch war, gegen einen Zentauren konnte er nicht viel anrichten. Spätestens als ein zweiter Zentaur dem anderen zur Hilfe kam, war der Kampf entschieden.
Moony war sehr stark verletzt und lag auf dem Boden, die beiden Zentauren nur einige Meter entfernt. Sie spannten ihre Bögen.
Wurmschwanz und Krone suchten Moony panisch im Wald und liefen immer tiefer hinein. Sie hatten ihn jetzt schon seit über einer Stunde nicht mehr gesehen, doch plötzlich nahmen sie Geräusche wahr. Krone und Wurmschwanz kamen angelaufen und verwandelte sich sofort zurück als sie die beiden Zentauren mit gespannten Bögen sahen. Sie stellten sich vorsichtig vor Moony und versuchten den Zentauren ruhig zu erklären, dass Moony ein Hogwartsschüler war. Die Zentauren waren jedoch sehr misstrauisch und nur dadurch, dass der Rest der Herde dazu kam und James einen Zentauren überreden konnte, der Hagrid gut kannte, ließen sie Moony in Ruhe und verschwanden. Die Zentauren wussten zwar von Dumbledore, dass es so einen Schüler wirklich gab, aber das hieß nicht gleich, dass es dieser Werwolf war.
James und Peter knieten sich neben Moony, welcher schwerverletzt da lag. Gerade als Peter etwas sagen wollte, kam ein schwarzer Hund auf sie zugelaufen. Beim Anblick von dem liegenden Werwolf, verwandelte Sirius sich zurück in einen Menschen und lief besorgt auf sie zu. Er kniete sich neben Moony und betrachtete den Werwolf mit panischem und hilflosen Augen.
,,Was ist passiert? Ich habe euch bestimmte über eine Stunde lang gesucht!"
James räusperte sich, weil es sich so anfühlte als hätte er einen Klumpen im Hals.
,,Er-- er war außer sich. Es war als ob es ihn komplett übernommen hat. Wir konnten ihn nicht stoppen."
Peter guckte hektisch nach links und rechts.
,,Wir müssen ihn in den Krankenflügel bringen! Er ist zu stark verletzt!"
,,Peter hat Recht wir--"
James fiel Sirius bedrückt ins Wort.
,,Das können wir nicht. Überlegt doch mal. Wir können keinen Werwolf ins Schloss bringen. Wenn uns jemand sieht..."
Die anderen beiden nickten bestürzt.
,,Glaubt mir, ich möchte gerade nichts anderes als das, aber es geht nicht. Wir versuchen es mit den Heilungszaubern, die wir kennen und ohne Zweifel können. Das wird schon. Wir kriegen das hin."
Die letzten beiden Sätze sagte James mehr zu sich selbst als zu den anderen beiden. Ihm war gerade gar nicht gut zumute. In so einer Situation waren sie noch nie gewesen. Zitternd hob er seinen Zauberstab, hielt jedoch nochmal inne. Sirius schien sich aus seiner Trance befreit zu haben und sah nun entschlossen zu James und Peter.
,,Alle zusammen. Wir schaffen das. Für Remus."
,,Für Remus."
Sobald Remus sich zurück verwandelt hatte, machten sich die Freunde auf den Weg zurück ins Schloss. Madame Pomfrey schien schon gespürt zu haben, dass etwas passiert war, denn sie wartete nervös vor dem Krankenflügel. In Menschenform sah Remus noch schlimmer hingerichtet aus als in seiner Werwolf Gestalt. James, Sirius und Peter hatten ihn aber so gut es ging schon mit einigen Zaubern verbunden. Kaum hatte Madame Pomfrey sie gesehen, kam sie schon auf sie zugelaufen; ihre Augen weiteten sich sofort, während sie neben den Schülern zum und in den Krankenflügel her lief.
,,Bei Merlins Namen! Was ist passiert?"
,,Zentauren."
War alles was Sirius hervorbringen konnte.
,,Wir haben versucht ihm mit einigen Zaubern zu helfen, aber-- wir sind natürlich nicht so gewandt wie Sie."
Madame Pomfrey orderte sie Remus auf eine der Betten zu legen und bat die drei draußen zu warten. Widerwillig gingen sie nach draußen in den Korridor. Peter setzte sich auf den Boden, während Sirius pausenlos auf und ab ging. James stützte sich an der kühlen Wand ab und lehnte seine warme Stirn gegen sie. Irgendwann konnten ihn seine Beine nicht mehr halten, weshalb er sich mit seinem Rücken an der Wand runtergleiten lies. Sirius hatten indessen aufgehört auf und ab zu gehen und setzte sich jetzt vor Peter und James mit auf den Boden. Die ganze Zeit redeten sie kein Wort miteinander. Es war Sirius dessen leise und unsichere Stimme die Stille durchbrach.
,,Denkt ihr er ist wegen mir so unumsichtig gewesen? Weil er gedacht hat ich hätte ihn vergessen und würde nicht an seiner Seiter sein, wenn er sich verwandelt?"
Peter schüttelte seinen Kopf.
,,Du hast doch bloß Professor Slughorn abgelenkt, damit wir uns rausschleichen konnten-- und du bist nachgekommen. Aber das konnten wir Remus nicht rechtzeitig sagen."
Sirius' Augen waren auf den Boden fixiert.
,,Deswegen ja. Er hatte keine Ahnung, warum ich zu spät da war-- oder aus seiner Perspektive: gar nicht da war. Und-- Oh bei Godric Gryffindor!"
,,Was?"
Sirius schlug sich die Hand auf die Stirn und vergrub sein Gesicht danach in seinen Händen.
,,Ich habe bei Hagrid erzählt, dass mich ein Hufflepuff Mädchen nach einem Date heute Abend gefragt hat, aber Remus weiß nicht das ich abgelehnt habe. Deswegen-- deswegen hat er wahrscheinlich gedacht, dass ich nicht da bin! Oh nein, oh nein, oh nein! Es ist meine Schuld!"
James griff nach seinen Händen und zog diese von seinem Gesicht weg.
,,Es ist nicht deine Schuld, Sirius. Das war alles eine Reihe unglücklicher Ereignisse. Wichtig ist es jetzt, das Remus da drin ist und Poppy ihm hilft. Sie kriegt das hin. Das hat sie immer."
Sirius nickte und wollte gerade wieder mit seinem Gesicht in seine Hände versinken, als die Tür aufging und Poppy sie hineinwinkte. Die drei Gryffindors folgten ihr in den hinteren Teil.
,,Als erstes: ich kann Ihnen noch nicht sagen wie schlecht es um Mr Lupin steht. Was ich weiß ist, dass sie gute Vorarbeit geleistet haben. Ich schätze sie haben gewartet bis er sich zurück verwandelt hat und sind dann hergekommen?"
Peter und die anderen beiden nickten. Sie fürchteten sich vor dem was Poppy sagen würde; warum sie bei Remus waren und nicht in ihren Schlafsaal. Aber sie fragte nicht nach, adressierte dieses Thema nicht weiter.
,,Das war klug von Ihnen. Hätten sie ihm in dieser Zeit jedoch nicht geholfen, dann-- naja, das können sie sich wahrscheinlich denken. Mr Lupin hat mehrere Verstauchungen und Prellungen, zwei Rippenbrüche und er hat außerdem viel Blut verloren. Ich habe ihm ein paar Sachen gegeben, womit die Prellungen und Verstauchungen spätestens Morgen weg sein sollten. Aber wie es weiter geht, das kann ich Ihnen erst Morgen sagen. Dann sehe ich ob sich sein Zustand verbessert oder verschlechtert hat. Ich tue was ich kann; und das muss ich auch, denn er ist zu schwach um ins St. Mungo zu transportiert zu werden. Professor Dumbledore wurde schon informiert."
Vor dem Bett mit dem zugezogenen Vorhang, blieben sie stehen. Madame Pomfrey stockte bevor sie die Schüler allein lies.
,,Erschrecken sie sich nicht. Ihr Freund sieht sehr mitgenommen aus. In diesem Licht mehr als in der Dunkelheit. Sie können solange bleiben wie Sie möchten. Immer hin ist es nicht mehr Mitten in der Nacht."
Die drei Schüler nickten bedrückt und zogen den Vorhang etwas beiseite, während Madame Pomfrey in ihr Büro ging. Der Atem von James, Sirius und Peter stockte bei dem Anblick von Remus. Madame Pomfrey hatte Recht: im Licht sah Remus noch übler aus als vorher. Remus war bleich, seine Lippen waren aufgerissen, er hatte eine neue Narbe die sich quer über sein Gesicht zog. Sirius wurde auf einmal schwummrig und er merkte wie sein Bein nachgaben. James bemerkte das sofort und legte eine Hand stützend auf Sirius' Arm, welcher sich am Bettgestell abstützte.
,,Sirius--"
,,Hast du gehört, was Poppy gesagt hat? Sie weiß nicht wie schlimm es ist. Er könnte-- was ist, wenn er--"
James stoppte ihn sofort.
,,An sowas darfst du erst gar nicht denken."
,,Aber was ist wenn?"
Sirius sah ihn mit Tränen in den Augen an, was James selber zu Tränen rührte.
,,Das kann es nicht gewesen sein, James. Nicht so. Das kann es einfach nicht gewesen sein."
Die Verzweiflung, die Remus erst auf dem Astronomie Turm gespürt hatte, spürte Sirius nun hier. James zog ihn in eine Umarmung und wischte sich seine Tränen weg, die immer wieder neu nachkamen. Es war schwer positive Wort zu finden, wenn selbst Poppy es als nicht abzuwägende Möglichkeit sah, dass Remus es dieses Mal zu harsch erwischt hatte. Statt James, meldete sich Peter zu Wort.
,,Remus wäre echt sauer auf uns, wenn er sehen würde, dass wir nicht an ihn glauben."
James und Sirius sahen zu ihm, nachdem sie sich aus der Umarmung gelöst haben.
,,Wenn er wieder aufwacht -- und das wird er -- dann wollt ihr doch nicht, dass er euch fragt 'Und ihr habt daran gezweifelt, dass ich wieder werde? Das ihr zukünftig alle Streiche ohne mich macht?' Das wollt ihr doch nicht oder?"
James schüttelte den Kopf.
,,Natürlich nicht. Er würde doch auch an uns glauben, wenn die Rollen andersherum wären."
Sirius' Lippen umspielten ein kleines Lächeln, als er zu Remus sah.
,,Er würde nicht einmal in Erwägung ziehen, das wir es nicht schaffen."
Peter nickte aufmunternd.
,,Seht ihr? Er wird es schaffen, weil er nicht alleine da drin steckt. Wir sind bei ihm. Wir kämpfen zusammen."
Gegen halb neun Morgens, kam Professor McGonagall in den Krankenflügel und fand ihre Schüler um Remus' Bett auf Stühlen sitzend da.
,,Mr Potter, Mr Black, Mr Pettigrew. So leid es mir tut, aber ich muss Sie bitten am Unterricht teilzunehmen."
Ihre Stimme war so einfühlsam wie noch nie, weshalb die drei kurz nickten und mit einem letzten Händedruck zu ihrem Gemeinschaftsraum liefen, um ihre Sachen zu holen. Zum Unterricht zu gehen, fanden die drei Schüler tatsächlich nicht allzu schlimm, weil sie hofften sich dort ablenken zu können. Für Sirius war es in Geschichte der Zauberei am Schlimmsten. Dort saß er nämlich eigentlich Remus. Er konnte sich nicht konzentrieren und beantwortete alle fragen von Professor Binns falsch, auch wenn sie noch so einfach waren. Professor Binns erzählte, wie üblich, seine Geschichten und dort fehlte ihm Remus am meisten. Denn bei seinen langweiligen Geschichten (also fast allen), machte Sirius immer Blödsinn und manchmal machte Remus sogar mit. Aber meistens beobachtete er Remus dabei, wie er interessiert die Geschichten verfolgte und lächelte. Und genau das fehlte Sirius gerade; Remus' Anwesenheit.
James guckte Sirius manchmal an und lächelte leicht, was Sirius sehr zu schätzen wusste.
Als nächstes hatten sie Verwandlung, dort saß er neben James. In Verwandlung hatte er noch Hoffnung, dass er hier etwas konnte- wieder falsch gedacht. Egal wie lange Sirius es versuchte, er konnte seinen Frosch nicht in einen Kelch verwandeln. Nicht einmal ansatzweise. Entweder sprach er den Zauberspruch falsch aus oder machte eine falsche Bewegung mit dem Zauberstab. Alle schätzten sich glücklich, dass Sirius so ruhig blieb und nicht ausrastete. Und auch in dem Aufsatz, den sie in der ersten Stunde gemacht hatten, hatte er nur weil Professor McGonagall so nett war, keine Zensur bekommen. Glücklicherweise sollte er seinen Aufsatz zur nächsten Woche nochmal machen. Alles schien schief zu laufen, obwohl sich Sirius darauf konzentrierte positiv zu bleiben.
Die Mittagspause verbrachten James, Sirius und Peter im Krankenflügel, aber die Zeit verging viel zu schnell.
Als letztes mussten sie sich noch durch Zaubertränke schlagen, was halbwegs funktionierte. Auch wenn Sirius' Trank fast explodiert wäre. Lily half ihm zum Glück.
Nach dem Unterricht, gingen die drei zusammen mit Lily wieder in den Krankenflügel, in der Hoffnung von Poppy gute Nachrichten zu bekommen...
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These Days {Remus x Sirius}
FanfictionIn Hogwarts, der Schule für Hexerei und Zauberei, lernten sich am 1. September 1971 vier Jungen kennen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Trotzdessen teilten sie auch viele Gemeinsamkeiten... Sie nennen sich selbst 'Die Rumtreiber'. Ein eing...
