Unruhig trete ich von einem Bein aufs andere während das schwere Eisentor von mehreren Soldaten aufgeschoben wird. Ich bin froh diesen kalten Ort endlich verlassen zu können. Keine Sekunde länger möchte ich hier bleiben. Der kleine Mann mit der Brille, Dr. Zola ist sein Name, wie ich während unseres Gesprächs erfahren habe, hat mir zwar immer wieder versichert, dass ich keine Gefangene sei, aber ich fühle mich gefangen in den kalten Steinwänden des Gebäudes und auch der Himmel, der von stahlgrauen Wolken verstärkt dieses Gefühl nur, genauso wie es die vielen Verzierungen und die farbigen Tapeten im Inneren es nicht schaffen an der Gefahr und Kälte, die es ausstrahlt etwas zu ändern. Jetzt, da ich das trostlose Gebilde aus Stein von außen sehe, bin ich froh es endlich verlassen zu können und möchte nur noch eine so große Distanz zwischen mich und den Hydra Stützpunkt bringen wie nur irgendwie möglich.
Während sich das Tor immer weiter auseinander schiebt und den Blick auf eine grüne Wiese freigibt, die an ihrem Ende steil abzufallen beginnt und durch eine schlammige Straße wie von einem Schwert durchschnitten wird, höre ich in meinen Gedanken immer wieder Dr. Zola sagen: "Nun da ich Ihnen mein Angebot vorgetragen habe, steht es Ihnen frei zu bleiben und die Welt von Grund auf zu verändern oder zu gehen und zu tun wonach auch immer Ihnen der Sinn steht."
Nun werde ich gehen. Ich weiß weder wo ich bin, noch welcher Tag heute ist, aber das tut nichts zur Sache. Denn anhand des Berges auf dem ich mich dem Anschein nach befinde kann ich sagen, dass ich mich schon weiter im Süden sein muss und ohnehin ist jetzt nur noch die Richtung, in die ich gehe, entscheidend.
Es kommt mir wie eine Ewigkeit vor, die die Soldaten brauchen um das Tor aufzuschieben, obwohl es viel kürzer gewesen sein musste. Als es weit genug aufsteht um hindurch zu schlüpfen, tue ich genau das und stampfe durch den Matsch, aus dem der mit tiefen Pfützen gesprenkelte Weg vor dem Tor, besteht. Hin und wieder sind aus den mit Wasser gefüllten Löchern kleine Rinnsale geworden, die neben mir her den Abhang hinunterfließen. Ich versuche den Pfützen auszuweichen oder über sie zu springen, aber immer wieder muss ich durch sie hindurch waten, weil sie so groß sind, dass es unmöglich geworden ist um sie herum zu gehen.
Meine Schuhe und der Saum meines Kleides sind schon nach wenigen Metern voller Dreck. Als ich dann auch noch mit einem Fuß im Morast stecken bleibe, vor Wut fluchend ziehe ich sie aus und werfe sie mit aller Kraft. In einem hohen Bogen fliegen sie über die Mauer, die das Gelände der Hydra Basis umgibt. Die können sie gern behalten. Sie tun so als seien sie nett, höflich und zuvorkommend, aber das sind sie nicht oder können sie nicht soweit eigenständig denken, dass sie mir besseres Schuhwerk für meinen Marsch angeboten hätten. Grillenhirne, alles Grillenhirne, denke ich. Ich kann sie in ihren Köpfen zirpen hören. Es gibt ein schönes Konzert, aber was nützt mir die Musik? Kopfschüttelnd setze ich meinen Weg – nun barfuß – fort. Ich hoffe für die Männer im Stützpunkt, dass ich nicht an einer Lungenentzündung sterben werden, denn sollte ich es doch, werde ich sie heimsuchen und meine Rache wird erbarmungslos sein.
Aber dennoch nehme ich den beschwerlichen Weg willig in Kauf, denn schon nach wenigen Minuten habe ich die Hydra Basis hinter mir gelassen und ich fühle mich augenblicklich besser – irgendwie befreit. Gleichzeitig befürchte ich jedoch bei jedem Schritt, dass sie jeden Moment mit ihren Transportern hinter mir auftauchen könnten um nach einer Hetzjagd wieder zurück zu bringen. Immer wieder drehe ich mich deswegen um und bleibe stehen. Jedes Mal wenn ich hinter mir nichts dergleichen erkenne, scheint es dann, als würde ein großes Gewicht von meiner Brust abfallen, das sich sobald ich mich wieder umdrehe und weitergehe nach und nach wieder an mich heftet – so lange bis ich mich wieder umblicke.
Irgendwann taucht ein Wald vor mir auf, zu dem ein steiler Abhang führt. Ohne viel darüber nachzudenken sprinte los, in der Hoffnung mich zwischen den Bäumen verstecken zu können und endlich das Gefühl abzuschütteln, dass sie mich wieder zu sich holen kommen. Doch bevor ich auch nur in die Nähe eines Baumes komme, rutsche ich auf dem schlammigen Boden aus nachdem ich über eine der vielen Pfützen gesprungen bin. Der Aufprall auf dem Boden presst mir die Luft aus den Lungen und als ich versuche einen Atemzug zu nehmen, schlucke ich nur Schlamm. Ich versuche mich mir beiden Armen hoch zu stemmen, aber das ruft mir nur schmerzhaft meine verletzte Schulter in Erinnerung und ich lasse mich zurück auf den Boden fallen. Luft, Luft, ich brauche Luft. Doch um mich herum ist nichts als Wasser, vermischt mit etwas Erde. Ich muss atmen und wünsche mir, dass ich Kiemen hätte wie ein Fisch, aber die habe ich nicht.
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Changes (Arbeitstitel)
Fanfiction[Captain America - The First Avenger ff] Gelangweilt von diesen typischen Captain America ff's? In denen ein Mädchen gut mit Bucky und Steve befreundet ist und dann mit ihnen nach Europa in den Krieg zieht um dann von Hydra entführt, gequält, gefolt...
