Zeitverzug [11]

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MJ fand als Erste ihre Stimme wieder. "Laureline?!"
"Du kennst sie?", wisperte ich ihr zu und sie nickte. Wir standen fast unbeweglich dort und musterten den Rücken des Mädchens. Ihre aufrechte Haltung und die Unversehrtheit ihres Outfits ließ mich darauf schließen, dass das ganze Blut definitiv nicht von ihr war. Ich sah MJ erneut an und sie signalisierte mir, dass ich das Mädchen ansprechen sollte. Was ich auch tat.
"Hey... Laureline. Ich bin's, Peter." Meine Stimme klang sehr rau und stockend. Sie zeigte allerdings keinerlei Reaktion darauf, dass sie mich gehört hatte, sondern starrte weiterhin die Wand an. Sie war definitiv lebendig, jedoch konnte ich kein Atmen wahrnehmen. Vielleicht täuschte ich mich ja, der Raum war ziemlich groß. "Laureline...", versuchte ich es erneut, "erinnerst du dich nicht? Partnerin?"
In das letzte Wort hatte ich vielleicht eine Spur zu viel Sarkassmus gelegt. Ein Ruck ging durch ihren Körper, sie schoss herum und in den nächsten Sekunden stand sie direkt vor mir. Sie war so schnell, dass nicht einmal ich mit meiner sehr guten Reaktionszeit darauf vorbereitet war. Ihre leuchtend roten Augen starrten mich an und ich vermied es, sie direkt anzusehen. Ihre Lippen bewegten sich kaum, als sie anfing zu sprechen.
"Weg mit der Waffe Michelle oder er ist tot!" Diese Stimme schallte in meinem Kopf... sie klang wie computerprogrammiert und mir jagte dieser emotionslose, monotone Klang eine riesen Angst ein. Erst jetzt bemerkte ich, dass sie mir eine Waffe in den Bauch drückte und mir wurde ganz kalt.
Sie bewegte sich einerseits verdammt schnell, andererseits hatte sie die Ruhe weg, als sie den Kopf drehte und mich anblickte. Alles erinnerte an einen Roboter. War das wirklich das selbe Mädchen, dem ich geholfen hatte?
Sie sah nicht mehr aus wie die Laureline, die ich "kannte". Ihre Haut war sehr bleich und zu makellos, ihre Bewegungen übernatürlich schnell, ihr Auftreten verdammt mysteriös. Aber ihre Augen... damals waren sie blau, jetzt allerdings verdammt stechendes Rot.
Zu meinem Überraschen gehorchte MJ und ließ ihren Granatwerfer fallen. Ich wollte ihr einen Blick zuwerfen, doch im nächsten Moment verspürte ich überall an meinem Körper Schmerzen, als ich mit viel Schwung gegen die Wand krachte. Mein Kopf dröhnte, Laureline war so schnell, dass ich es nichtmal wahrgenommen hatte, wie sie mir einen Tritt verpasste. Und vor allem... wie viel Kraft hatte sie bitte?
Mühsam stützte ich mich hoch, bis ich einigermaßen aufrecht da saß, da spürte ich auch schon MJ's Hand auf meinem Arm.
Plötzlich ging eine Art Schauder durch meinen Körper, meine Sicht wurde klar und es war, als hätte ich eine Art Ironman-Maske auf. Meine Sinne schienen noch schärfer geworden zu sein und wohin ich auch schaute - ich erkannte jedes kleinste Detail. Es war, als wäre etwas in meinem Kopf aktiviert worden, eine Art erweiterter Gefechtsmodus, allerdings trug ich nicht mal einen Anzug.
Jede Bewegung von MJ lief für mich wie in Zeitlupe ab. Ich sah Laureline ein paar Meter von mir entfernt stehen und kalt lächeln. Als hätte sie gewusst, was sie tat. Ich schob MJ's Hände weg und richtete mich auf. Jeglicher Schmerz war aus meinem Körper verschwunden, zurückgeblieben war pures Adrenalin. Ich musterte Laureline und mein Kopf begann zu arbeiten.
Anzug aus Vibranium, wirkt nach Außen wie normale Passantenkleidung. Scharfschützenwaffen trägt sie auf der rechten Seite, also Rechtshänderin.
Aufrechter Gang und erhobene Haltung - bevorzugt Nahkämpferin.
Unnatürlich rötlich gefärbte Augen, wahrscheinlich ist sie eine Art Laborexperiment, an ihrem Hals sind Narben von Injektionsnadeln erkennbar. Ebenfalls eine Narbe an ihrer Schläfe - ihrem Auftreten und ihrer Aura nach ein computerprogrammierter Chip.
Ein kleines Symbol auf ihren Waffen und am Kragen ihrer Jacke, sie ist womöglich eine Agentin. Keine Anzeichen von alten Verletzungen, bis auf die beiden Narben, also eine Agentin, die sauber, schnell und auch sorgfältig arbeitet.
Ich war mehr als verwirrt von meinen plötzlichen Fähigkeiten, aber versuchte mich zu fokussieren und meine unwichtigen Gedanken auszublenden. Sie hatte garantiert irgendwo eine Schwachstelle, ich musste sie nur finden.
Sie lächelte immer noch. Ich vernahm ihre Stimme in meinem Kopf. "Gut gemacht, Peter. Es stimmt also, was sie über dich gesagt haben. Wir werden uns sehr bald Wiedersehen." Sie drehte sich um, lief schnurstracks auf eine Wand zu und ging einfach hindurch. Ich hechtete hinterher, doch prallte einfach gegen die Fliesen, als wäre dort nie ein Durchgang gewesen. Ich blinzelte, verharrte dort einen Moment und wandte mich schließlich wieder MJ zu.
Die schaute mich an als wäre ich das 8. Weltwunder und ich musste lachen.
"Alles okay?", fragte ich sie grinsend.
"Du bist echt der Hammer.", entgegnete sie fassungslos. "Du hättest dich eben sehen müssen. Plötzlich bist du aufgesprungen und im nächsten Moment stehst du am anderen Ende des Zimmers, von der Tussi fehlt jede Spur! Ich hab ja schon miterlebt, wie stark dieses Teil dich macht, aber das hier war echt Wow!"
Ich sah sie verwirrt an. Ich dachte, ich hatte mindestens eine halbe Minute dort gestanden und Laureline angestarrt. Und so schnell hatte ich ihr doch gar nicht nachgesetzt, als sie seelenruhig durch die Wand spaziert ist.
Mir kam ein Gedanke und ich sah MJ mit einem durchdringenden Blick an. "Was meinst du mit 'Teil'?!"

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Was könnte sie wohl damit meinen hmmmm :D

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Das Schicksal hat HumorWo Geschichten leben. Entdecke jetzt