Kapitel 5

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Der Kloß wollte sich erst recht nicht auflösen, als ich Fills Augen sah. Vorhin waren sie wieder ein bisschen fröhlicher, so wie früher immer. Aber jetzt waren sie wieder voll mit Trauer und von der Freude war keine Spur mehr. ,,Aber nur, wenn das für dich klargeht.", fügte ich noch schnell hinzu. Er starrte auf sein Essen und dann schaute er mir wieder in die Augen. ,,Nein, ist schon in Ordnung. Vielleicht hilft es uns.", sagte er recht leise. ,,Ok", sagte ich und aß meinen Reis. Ich stellte gerade mein Tablett weg, da entdeckte ich Pudding. Ich nahm zwei Schälchen. Eine gab ich Fill und zwinkerte ihm zu. Pudding machte uns immer glücklicher. Als wir fertig waren, gingen wir nach draußen und setzten uns auf eine Steinmauer. Fill legte sich nach einiger Zeit hin und als ich dann zu ihm sah merkte ich, dass er gleichmäßig und ruhig atmete. Man, der Typ hat Nerven! Einfach am helligten Tag einzuschlafen! Ich schüttelte grinsend den Kopf und dachte nach. Ich würde mich gleich mit Dr. Strange in der Bibliothek treffen, aber was sollte ich mit Fill tun? Nicht, dass er sich Sorgen machte... Ich beschloss einen Mann, der gerade trainierte, zu fragen, ob er Fill sagen könnte, wo ich war. Er nuckte freundlich und ich machte mich auf den Weg zur Bibliothek.

Mittlerweile fand ich mich recht gut zurecht und kam auch schnell an. In der Bibliothek war niemand zu sehen. Ich hörte aber leichtes Poltern. Wahrscheinlich Wong, dachte ich. Ich ging los und wollte ihm helfen. Auf dem Weg entdeckte ich eine Art Schrein. Auf diesem lag eine Art Kette mit einem komischen Amulett. Sollte ich es in die Hand nehmen oder nicht?
Ich fasste es vorsichtig an und nahm es hoch. Es war echt eindrucksvoll. Als ich es noch einmal berührte, öffnete es sich und ein grüner Stein schimmerte auf. Er zog mich in seinen Bann und ich legte mir das Amulett um. Wie durch jemand  anderen gesteuert, machte ich ein paar Handbewegungen aus dem Buch und um meine Handgelenke bildeten sich grüne Kreise.
Bevor ich jedoch weiter machen konnte, rief jemand:,,Stopp!" Ich drehte mich um und sah Stephen. Schnell legte ich das Amulett ab und blickte zu Boden. Er sah mich wütend und geschockt zugleich an. Verdammt!, dachte ich. Er kam auf mich zu, lief jedoch an mir vorbei und nahm das Amulett an sich. ,,Was hast du dir dabei gedacht?", fragte er streng. ,,Ich weiß es nicht", sagte ich mit weiterhin gesenktem Blick. ,,Es tut mir leid. Ich hätte vorne warten sollen.", fügte ich noch hinzu. Er sah mich an und sein Ärger wurde ein bisschen weniger. ,,Lass uns jetzt nicht darüber reden! Wir sind ja eigentlich wegen etwas anderem da, oder?". Ich nickte und folgte ihm zu einer Sitzgruppe zwischen Bücherregalen. Ich setzte mich und er setzte sich mir gegenüber. ,,Wie geht's dir?", fragte er nach einer Weile des Schweigens. War er jetzt mein Therapeut? Ich sagte langsam:,,Ganz gut, wieso?". ,,Nun ja, du warst heute Morgen sehr aufgebracht, weshalb ich mir Sorgen machte.", sagte er mit einem sanften Lächeln. ,,Nein, es geht schon wieder.", sagte ich. ,,Nun ja, es wäre vielleicht besser für dich und deinen Bruder wieder etwas Gewohntes zu tun. Deshalb solltet ihr ab sofort wieder zur Schule gehen.", sagte er. ,,Wir sollen in die Schule, um uns abzulenken?", fragte ich ungläubig. Er nickte und sagte:,,Es gäbe da die Option, dass ihr hier im Tempel lernt mit den anderen Jugendlichen." ,,Wir sprechen doch aber nicht die gleiche Sprache wie die anderen.", entgegnete ich. ,,Ich weiß, aber ihr werdet euch sicher schnell daran gewöhnen." Ich blieb jetzt stumm, da es keinen Sinn machte sich zu wehren. ,,Kann ich nochmal nach Hause? Ich würde mich gerne verabschieden und ich glaube auch Fill würde sich gerne verabschieden."
Er nickte:,, Wir sollten das schnell erledigen." ,,Ok, dann suche ich mal meinen Bruder."
Ich ging los und stellte fest, dass er immer noch auf der Mauer lag. Mittlerweile war er aber wach. ,,Hey, komm mal mit", rief ich ihm zu. Er stand auf und sprang die Mauer runter. Wir gingen wieder Richtung Hauptraum und dort trafen wir auch schon Stephen. Er öffnete ein Portal und wir gingen hindurch.

Zu Hause war es recht frisch und anscheinend früh am Morgen. Wir landeten in der Nähe unseres Hauses. Als wir ankamen sahen wir, dass es abgesperrt war. Die Polizei war also schon hier gewesen. Wir gingen unter der Absperrung durch und rein ins Haus. Ein Blick auf die Uhr sagte uns, dass es gerade mal 6 Uhr war. Ich ging hoch in mein Zimmer genauso wir Fill in seins ging. Schnell schnappte ich mir einen Rucksack, wo ich ein bisschen Zeug von mir reinpackte. Ein paar Anziehsachen, meine 3 Lieblingsbücher, Stifte und Schreibblöcke, ebenso packte ich auch noch mein Portmonee und ein paar Bilder ein. Der Rucksack war fast voll. Ich ging die Treppe runter und erinnerte mich wieder an diese eine Nacht. Langsam ging ich nach unten. Dort sah ich, wie Stephen sich alte Familienbilder anguckte, auf denen ich noch klein war und Fill noch ein Baby war. Er musste bei ein paar davon schmunzeln. Ich konnte mir ein kleines Grinsen nicht verkneifen. Ich stellte mich neben ihn und als Fill runterkam, machten wir uns auf den Weg.

Life Of A Sorcerer [Doctor Strange FF] Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt