Kapitel 11

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Trotz allem hatte ich noch immer gewisse Schwierigkeiten, meine Waffen zu formen und war dabei nicht einmal halb so beweglich und flexibel wie die anderen. Doch Cho war ein guter Lehrer und Trainingspartner. Er ermutigte mich, gab mir Tipps und war geduldig. Es machte mir mittlerweile recht viel Spaß, zu üben, so sehr sogar, dass ich mich kaum noch über meine vielen Misserfolge ärgerte.
,,Mach dir nichts draus, das wird noch.", rief mir Cho nach einem weiteren Misserfolg zu. 
Mittlerweile spürte ich schon, wie das Training an meinem Kräften zehrte, weshalb ich Cho immer öfter um eine kleine Pause bitten musste. Schließlich ließ er sich neben mir auf dem Boden nieder und klopfte mir auf die Schulter. ,,Gar nicht mal so schlecht für dein erstes Training. Du könntest gute Chancen haben, vorausgesetzt du bleibst konzentriert und fokussiert. Natürlich hängt auch einiges mit dem Gegner zusammen. Aber das wird schon." Er lächelte und gemeinsam beobachteten wir die anderen. Es war nicht schwierig, zu erkennen, dass sich viele von ihnen definitiv auf einem anderen Niveau bewegten. Sie bewegten sich viel flüssiger, konnten ihre Angriffe besser koordinieren und wussten genau, wo ihre Grenzen lagen.
Meister Tobi kam zu uns und wir standen vom Boden auf. ,,Wir fangen gleich an.", meinte er, dann ging er weiter, um es auch den letzten Gruppen mitzuteilen.
Wir versammelten uns ungefähr in der Mitte des Platzes und bildeten dort eine unbeholfene Reihe. ,,Ich habe mir Gedanken gemacht, wer wohl am besten mit wem als Kampfpartner zusammenpasst. Also den Anfang machen Lu und Morgan. Danach Daniel und Wade. Amy und Kathie. Son und Declan. Fill und Noah. Dillan und Riley. Megan und Mai. Und zu guter letzt Kei und Cho. Die Kämpfe finden genau in dieser Reihenfolge statt. Ich will ordentliche Kämpfe sehen, klar? Wenn der Gegner am Boden liegt, tretet ihr zurück! Wenn der Gegner bewegungsunfähig ist oder aufgibt, ist der Kampf vorbei.", rief uns Meister Tobi nochmal ins Gedächtnis. Ein paar wenige nickten, doch die Mehrheit schwieg und blieb regungslos. Ich schluckte schwer. Ok, zum Glück bin ich nicht am Anfang oder am Ende dran. Reine Schullogik: Beim Vortrag am Anfang und am Ende sind alle komischerweise am aufmerksamsten.
Lu und ein anderes Mädchen, Morgan, stellten sich in der Mitte gegenüber voneinander auf und gingen in Kampfposition. Meister Tobi gab ein Signal und der Kampf begann.
Sofort erzeugten die beiden Waffen und gingen aufeinander los. Und Halleluja! Dafür, dass Lu das Kämpfen nicht mag, ging sie ordentlich ab! Morgan verteidigte sich recht gut, aber Lu übte einen zu enormen Druck auf sie aus, dass sie immer weiter zurückweichen musste und schließlich die Kampffläche verließ. Meister Tobi gab wieder ein Signal und der erste Kampf war vorbei. ,,So viel zum Thema, du siehst keinen Sinn im Kämpfen...", murmelte ich an Lu gewandt, als sie sich zu uns stellte.
Wie sich herausstellte, hatte Lu mich zurecht vor den Geschwistern Daniel und Kathie gewarnt. Daniel gewann seinen etwas längeren Kampf trotzdem noch mit Leichtigkeit. Er war die ganze Zeit über locker und nicht zu verbissen gewesen und seine hohe Beweglichkeit machte ihn zusätzlich gefährlich. Aber er war ein fairer Sportsmann. Sofort nachdem er Wade besiegt hat, versicherte er sich, dass es Wade gut ging. Kathie war mindestens genauso herzlich, aber ihr Kampfstil war etwas für sich. Amy biss sich daran ganz schön die Zähne aus. Kathie war nicht so beweglich, wie ihr Bruder, aber dafür war sie verdammt zäh. Wieder einmal schlug Amy auf Kathies großen Schild ein. Wieder brach er nicht und letzlich hatte Amy kaum noch Kraft zu einem erneuten Angriff. Genau auf diesen Moment hatte Kathie anscheinend gewartet, denn sie schlug sofort zu und machte Amy mit einer magischen Fessel bewegungsunfähig.
Wie schon gesagt, war Kathie mindestens genauso herzlich und offen wie ihr Bruder, denn auch sie erkundigte sich nach ihrem Sieg sofort nach Amys Wohlergehen.
Als Amy zu uns kam, murmelte sie: ,,Verdammt... Es endet immer so, aber ich hatte dieses Mal wirklich ein gutes Gefühl. Ich dachte, ich könnte gewinnen." ,,Also ich bin zwar noch recht neu, was das hier alles angeht, aber ich finde, du hast dich gut geschlagen.", versuchte ich sie zu trösten. Sie lächelte leicht und gemeinsam schauten wir uns schweigend die nächsten Kämpfe an.
Son machte, wie Lu vorhergesagt hatte, kurzen Prozess mit seinem Gegner und entschied innerhalb weniger Minuten mit kleinem Kraftaufwand den Kampf für sich. Er war wirklich kein Gegner, gegen den ich gerne kämpfen würde.
Nun war Fill an der Reihe. Sein Gegner Noah stellte sich ebenfalls als 14-Jähriger heraus und war sogar ein bisschen kleiner als mein Bruder. Er hatte einen frechen Gesichtsausdruck, welchem er schon zu Beginn der Auseinandersetzung alle Ehre machte. Noah war trickreich und stellte meinem kleinen Bruder eine Falle nach der anderen und Fill hatte damit anfangs seine Schwierigkeiten, doch er wehrte sich tapfer und bot Noah die Stirn. ,,Gar nicht so übel, Mann.", rief Noah ihm sogar zu und grinste dabei ehrlich. Blöd nur, dass dies anscheinend ein Trick war, um Fill abzulenken und dieser volle Kanne darauf einging. Na gut, er war vielleicht für ein paar Sekunden verunsichert, aber das reichte aus, damit Noah ihm die Beine mit einem erschaffenen Seil wegziehen konnte. Die beiden gaben sich die Hände, als Zeichen der Versöhnung und redeten nach dem Kampf noch weiter. Doch ich war mit meinen Gedanken mittlerweile woanders...
Jetzt war ich an der Reihe.
Riley, mein Gegner, war ungefähr so alt wie ich, vielleicht sogar älter, er war definitiv größer als ich und vermutlich auch kräftiger. Ganz einfach, er war ein verdammter Athlet.
Wir gingen in Kampfstellung und starrten uns gegenseitig an. Keiner wagte auch nur einen Schritt auf den Gegner zu. Wir gingen im Kreis umeinander herum, immer genug Abstand zwischen uns. Ich brauche den richtigen Moment!, dachte ich verbissen und sah Riley an, dass er dasselbe dachte. Einen Augenblick sahen wir uns in die Augen, um noch einmal abzuwägen wie der jeweils andere reagieren würde. Dann legten wir die ehrfürchtige Vorsicht ab und gingen beide in den Angriff über. Nur mit Mühe und Not konnte ich eine Energiepeitsche erzeugen, die aber bei weitem nicht so stabil wie die von Riley war. Er holte aus, doch ich machte einen Hechtsprung zur Seite und er verfehlte mich. Schnell sprang ich auf die Beine und schlang die Energiepeitsche in einer flüssigen Bewegung um seine linke Wade. Ich war genauso verblüfft wie er. Riley versuchte, sich zu befreien, doch ich ließ das Ende nicht los, sondern zog einmal daran, weshalb er das Gleichgewicht verlor und taumelte. Das war meine Chance. Ich rannte auf ihn zu, schlang meinen Arm um seinen Hals und hielt ihn fest, bis er an meinem Arm dreimal abklopfte. Sofort lockerte ich meinen Griff und hielt ihm besorgt die Hand hin. Riley schaute mich erst schweigend an, dann schlug er lächelnd ein und klopfte mir mit der anderen Hand auf die Schulter. ,,Du warst echt gut.", meinte er.
Wir gingen zu den anderen, wo uns anerkennend zugenickt wurde und einige tätschelten mir den Arm.
,,Mann, mann, mann. Das war der Hammer, Dillan!", rief mir Cho zu, ,,Da muss ich ja versuchen, noch krassere Moves auszupacken." ,,Viel Erfolg.", wünschte ich ihm und er betrat den Kampfbereich, wo Kei schon wartete.

Life Of A Sorcerer [Doctor Strange FF] Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt