Kapitel 11

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Newt sah uns alle an. "Ihr sagt, dass ihr euch noch nicht genau sicher seit, richtig?", wollte er wissen und Thomas und Minho nickten. Newt sah hin und hergerissen aus. Natürlich wollte er hier raus, das wollte jeder, aber ins Labyrinth wollte er auch nicht unbedingt. Doch von Beginn an war ihm klar, dass er, um hier raus zu kommen, noch einmal da rein müsste.

"Morgen geht ihr noch mal rein, richtig?", fragte Newt die zwei wieder und wieder nickten sie. Gespannt wartete ich worauf er hinauswollte.

"Gut, dann schaut ihr euch das morgen wirklich ganz genau an. Oder jedenfalls so genau, wie ihr es könnt. Dann reden wir nocheinmal drüber. Und Beth? Morgen Abend ist die Verbannung. Schon eine Idee die Anderen zu überzeugen, dass keine Verbannung nötig ist?" Ich schüttelte den Kopf. Darüber hatte ich noch nicht nachgedacht. Alby hatte zwar geholfen Jeff zu überzeugen, doch würde er auch die anderen Lichter, insbesondere Gally, überzeugen können?

"Minho? Wenn Morgen darüber abgestimmt wird enthalten wir uns der Stimme, verstanden? Noch soll Gally keinen Verdacht schöpfen auf wessen Seite wir genau sind", sagte Newt. Hieß das etwa, dass er vollkommen auf meiner Seite war? Natürlich hieß es das, Beth. Sonst hätte er dir ja wohl kaum bis hier hin geholfen, oder?

Minho nickte. "Aber unsere Meinung dazu äußern wir trotzdem?", wollte er wissen.

"Indirekt. Wir versuchen die Anderen indirekt von unserer Meinung zu überzeugen. Irgendwie." Minho war einverstanden. Eine weitere Frage quälte mich jedoch.

"Wird die Versammlung nur für die Hüter sein?" Newt schüttelte den Kopf. "Alle Lichter nehmen daran teil. Jeder Hüter wird zwei Lichter auswählen, die ihre Meinung ebenfalls äußern können", antwortete er und sagte uns auch, dass Thomas, Teresa, Chuck und ich auf jeden Fall zu Wort kommen werden. Wir sollen unsere klare Meinung dazu äußern. Dagegen hatte ich nichts. 

Aufeinmal begann mein Magen lautstark zu knurren und alle sahen zu mir und grinsten. Minho lachte sogar leicht. "Da hat aber jemand ganz schön hunger." 

"Dieser Jemand hat heute ja auch noch nicht so viel gegessen, weil sie zu nervös wegen der Operation war", entgegnete ich und verschrenkte die Arme, konnte mir ein Schmunzeln jedoch nicht verkneifen, als ich Thomas ansah, welcher versuchte nicht ebenfalls zu lachen. 

"Dann ist es ja gut, dass es gleich Abendessen gibt. Gehen wir schonmal zu Bratpfanne", sagte Newt und gemeinsam machten wir uns alle auf den Weg zu Bratpfanne. Wir waren dort die Ersten und eigentlich waren es noch zehn Minuten bis zur Essensausgabe, aber wir bekamen unseres dennoch, denn Minho hat Bratpfanne von meinem traurigen Magen erzählt, der dringend etwas essen musste, was uns alle zum Lachen brachte.

Lachen tat gut und es kam hier selten genug vor, also genossen wir diesen Moment. Besonders Newt hatte ich bis jetzt sehr selten lachen gesehen und ich war froh darüber zu wissen, dass er es noch nicht verlernt hatte. Gemeinsam setzten wir uns und begannen zu essen.

Wir verfielen mal wieder in ein Schweigen und niemand hatte vor dieses Schweigen zu brechen. Bis Gally kam und Newt am Rücken antippte.

"Ich muss mal kurz mit dir unter vier Augen sprechen", sagte er und Newt nickte. Er stand auf und folgte ihm. Als sie weit genug weg waren begann Minho zu reden.

"Was will Gally jetzt schon wieder von ihm?", fragte er, als ob einer von uns die Antwort wüsste, doch Thomas zuckte nur mit den Schultern und sagte, dass er keine Ahnung habe. Das hatte niemand von uns. Wahrscheinlich wollte er nur irgendetwas Unwichtiges.

"Hüter hin oder her: Gally wird mir immer unsympatischer", gab Teresa zu bevor sie sich einen Löffel Suppe in den Mund schob. Die ersten bekamen noch die Reste vom Eintopf heute Mittag. Thomas sah zu ihr.

"Ich fand ihn vom ersten Augenblick an unsympatisch", sagte er. Minho schluckte sein Essen runter und trank einen Schluck Wasser, bevor er ebenfalls etwas dazu beisteuerte.

"Unsympatisch oder nicht, er ist wichtig für die Lichtung und will für die Lichter nur Gutes. Auch, wenn er das nicht unbedingt immer so rüber bringt, aber die Lichtung ist sein Zuhause. Manchmal denke ich sogar, dass er hier nicht weg will." Daraufhin sagte niemand mehr etwas. Leider hatte er Recht. Sie brauchten Gally. 

Dann stand Minho auf. Alle sahen ihn fragend an und Thomas fragte ihn, was er vorhatte.

"Ich werde meine Blase ein wenig entlasten", sagte er und ging weg. Als alle aufgegessen hatten und Minho wieder zurück war warteten wir auf Newt, denn er musste schließlich auch aufessen. Endlich kam er wieder und setzte sich. Sofort begann er wieder zu essen und versuchte fürs Erste alle fragenden Gesichter zu ignorieren, doch schließlich beantwortete er uns unsere unausgesprochene Frage. Jedenfalls zum Teil.

"Ich sage euch später was er wollte. Wenn alle schlafen treffen wir uns am Kartenraum", sagte er leise und alle nickten. Minho nannte es unsere kleine, eigene Versammlung. Irgendwie hatte er Recht. Der Kartenraum wurde zu einer Art Versammlungsraum für uns. Es war einer der Orte, an dem man uns nicht sofort vermuten würde. Irgendwann würde man uns sicherlich auch da finden, doch nicht gleich.

* * * 

Wir lagen alle auf unseren Hängematten. Keiner sagten ein Ton, denn die Anderen sollten denken, dass wir schlafen. Das klappte recht gut, außer dass Teresa eingeschlafen war. Doch ihr könnten wir das auch morgen früh sagen.

Ungefähr eine Stunde nachdem alle ins 'Bett' gegangen waren erhoben wir uns. Auch Chuck war zu der 'Versammlung' eingeladen. Gemeinsam gingen wir möglichst leise zum Kartenraum. Newt und Minho warteten schon auf uns und wollten wissen wo Teresa war. Thomas sagte ihnen, dass sie schlief und wir sie nicht aufwecken wollten. 

Wir betraten den Kartenraum und nachdem die Tür geschlossen war begann er zu reden. "Er möchte, dass ich euch ein wenig ausspioniere. Ich soll ihm jeden Tag sagen worüber ihr redet", beantwortete er die Frage. Ich schluckte. Hatte er eine Ahnung, dass wir Clyde retten wollten, oder dass ich mich an alles erinnerte und für ANGST gearbeitet hatte? Möglich. Ich hoffte jedoch, dass dies nicht der Fall war.

"Das hast du aber nicht vor, oder?", wollte ich wissen. Er schüttelte den Kopf. "Nein, natürlich nicht. Ich werde ihm jeden Tag irgendwelchen Müll erzählen. Er wird nie erfahren über was wir in Wirklichkeit reden. Jedenfalls nicht von mir", sagte er und ich glaubte ihm ohne zweimal darüber nachzudenken. Warum hatte ich das überhaupt gefragt? Das war eine sinnlose Frage gewesen. Er würde mich nie verraten. 

* * *

Vorsichtig wurde ich geweckt. Es war Thomas. Wieso war er noch nicht losgelaufen? War es noch garnicht so spät? "Morgen", murmelte ich und setzte mich auf. Ich hatte wenig geschlafen, denn ich konnte ewig nicht einschlafen. Wenn alles schiefgeht würde mein Bruder die heutige Nacht schon im Labyrinth verbringen. 

"Was ist los? Warum sind du und Minho noch nicht los?", wollte ich wissen und fuhr mir durch die Haare. "Ich breche gleich auf, aber alleine. Minho muss an der Versammlung teilnehmen und die ist gleich, also beeil dich", sagte er. Dann verabschiedete er sich und ging zum Wald. Zum Tor, das von Newt bewacht wurde. Dort würde er durchgelassen werden. 

Mit einem Schwung stand ich auf. Wahrscheinlich bin ich aber zu schnell aufgestanden, denn kurz wurde mir schwindelig. Das legte sich aber gleich wieder. Nachdem ich auf 'Toillette' war ging ich zu den anderen Lichtern, welche sich versammelt hatten. Der Raum, wo die Versammlungen sonst stattfanden, war zu klein für alle Lichter zusammen. Die Meisten standen, einige saßen auch auf dem Boden. 

Ich blieb stehen. Alle warteten auf Newt, welcher schließlich auch kam. Er stellte sich in die Mitte der Hüter, direkt zwischen Minho und Gally und schon begannen die Diskusionen. Immer wenn es zu laut wurde und alle durcheinander redeten beruhigte Newt die Menge. Am Ende kam es zur Abstimmung. Erst sagte jeder Hüter seine Meinung. 

Alle waren für die Verbannung und Minho enthielt sich der Stimme. Newt würde seine Meinung als Letzter abgeben. Gally war der vollen Überzeugung, dass es das Richtige war, Clyde zu verbannen. Er hatte einfach keine Ahnung. 

Thomas sollte ursprünglich hier sein und Gally fragte, wo er sei, doch Newt antwortete nur, dass er nicht wüsste wo er sein könnte. Er sollte eigentlich auch seine Meinung abgeben, doch das konnte er ja jetzt schlecht. Jeder Hüter durfte zwei Leute bestimmen, die ihre Meinung dazu gaben.

Minho wählte Teresa und Chuck. Beide sagten offen, dass sie dafür sind Clyde noch eine Chance zu geben. Schließlich könnte er sich ja auch ändern. Dann wählte Newt Jeff und mich. Jeff sagte, dass er sich dieser Stimme komplett enthalten würde, da er sich nicht sicher sei. Nun war ich an der Reihe.

"Ich schließe mich Teresa und Chuck an. Er hat noch eine Chance verdient. Jeder verdient eine zweite Chance", sagte ich und fasste mich somit ziemlich kurz. Umso mehr ich gesagt hätte, umso mehr hätte ich mich selber mit reinreiten können. Gally sah mich an.

"Ihre Stimme ist ungültig. Sie hat irgendeine Verbindung zu dem Strunk", sagte er. Ich biss mir auf die Unterlippe. Das war nicht gut, denn bis jetzt waren erst drei Leute dafür ihm noch eine Chance zu geben. Wenn meine Stimme nichtmehr zählte, dann waren es nurnoch zwei. Und das war eindeutig die Unterzahl.

Keiner erhebte Widerspruch. Nun war Newt an der Reihe. Er sah kurz zu mir und dann zu den Andern. "Ich bin dafür ihm eine Chance zu geben. Stellt euch nur mal vor wir hätten jeden, der am Anfang Mist gebaut hat, gleich verbannt. Dann wären die Meisten von euch nicht hier", sagte er. Eigentlich sollte er sich doch der Stimme enthalten, also warum tat er das? Vielleicht, weil er wusste, dass er ein wenig Einfluss auf die Anderen hatte. Doch Gally konnte kontern. Leider.

Am Ende durften alle, die dafür waren ihm noch eine Chance zu geben, die Hand heben. Ich ausgeschlossen, denn meine Stimme würde eh nicht zählen. Auch Minho hob plötzlich seine Hand.

"Ich dachte du enthälst dich", sagte Gally. Minho zuckte mit den Schultern. "Vielleicht hat Newts kleine Rede mich ja überzeugt", entgegnete er und Gally schwieg. Newt, Minho, Teresa und Chuck hoben die Hand. Nach kurzem Zögern entschied sich auch Jeff dafür die Hand zu heben. Wahrscheinlich hatte Newt ihn ebenfalls überzeugen können. Auch ein paar Andere hoben die Hand. Insgesamt waren es acht Lichter die dafür waren. Von knapp fünfzig. Mein Bruder würde also verbannt werden. Nein, nein, nein! Das passierte gerade nicht wirklich. Das konnte gerade nicht wirklich passieren.

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