Kapitel 10

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"Schieß los", brach Jeff die unangenehme Stille, die sich gebildet hatte. Niemand von uns wusste so recht, wie wir es ihm erklären sollten und als niemand antwortete, beschloss ich das Reden zu übernehmen.

"Nur so rein theoretisch: Könntest du eine Operation am Kopf durchführen? Ohne, dass diese Person sterben würde?", wollte ich wissen. Gespannt warteten wir alle auf eine Antwort. Chuck bewachte draußen die verschlossene Tür und wenn Gally kommen würde, dann würde er dreimal klopfen.

"Ja, theoretisch könnte ich das. Wieso?", fragte er und das letzte Wort zog er ein wenig in die Länge. Wie erklärte man ihm das am Besten ohne, dass er gleich ausflippt und zu Gally rennt? Oder zu Alby, welcher wach im Nebenraum liegt. 

"Ich gehe mal kurz mit ihm sprechen", sagte Thomas leise und ging zu Alby. Teresa folgte ihm. Noch immer hatte niemand auf Jeffs Frage geantwortet.

"Wir wollen, dass du einen Chip aus dem Kopf von Clyde deaktivierst. Es ist wichtig. Es geht quasi um Leben und Tod", sagte ich und wartete auf seine Reaktion. Ich hatte ein Lachen erwartet, das segnalisiert, dass er uns nicht glaubte. Doch es kam kein Lachen. Auch kein komischer Gesichtsausdruck. Mehr ein fragender.

"Woher wisste ihr, dass er einen Chip in seinem Kopf hat? Und warum soll ich ihn deaktivieren?", wollte er wissen. Das waren alles berechtigte Fragen, nur ich wusste nicht, wie ich darauf antworten sollte ohne mir selber ins eigene Fleisch zu schneiden. Nicht, dass ich es für Clyde nicht tun würde, aber wenn Jeff die Wahrheit wüsste, dann würde er ihm nicht helfen, da war ich mir sicher. Und das konnte und durfte ich nicht geschehen lassen. 

"Dieser Chip kontrolliert ihn. Deshalb hat er Beth verletzt. Er weiß mehr über den Ort hier als wir alle. All diese Dinge hat er Beth gesagt, als er kurzzeitig bei Verstand war", log Newt gekonnt. Meinen Respekt. Auf eine solche Lüge wäre ich im Leben nie gekommen. Kurz sah ich zu ihm, dann wieder zu Jeff.

"Wirklich?", fragte er und ich nickte. "Ja, dann ist er jedoch wieder ausgetickt und ich hatte ein Gitter am Kopf", sagte ich. Jeff betrachtete mich eine ganze Weile, dann sah er zu Minho und dann zu Newt.

"Und du hälst diesen Vorschlag für gut?", wollte er von Newt wissen. Natürlich war ihm seine Meinung besonders wichtig. Er war der Anführer hier. Jedenfalls jetzt gerade noch. Newt nickte.

"Es war sogar meine Idee", antwortete er und das war sogar die Wahrheit. Er kam als erstes auf diese Idee. Noch immer schien Jeff unsicher zu sein. "Und was hält Gally davon?" 

"Gally darf davon nichts wissen. Du kennst ihn. Er würde Clyde nie einfach so eine Chance geben", flehte ich ihn an. Langsam wurde ich nervöser. Ich hatte Angst davor, dass er es Gally sagen wird. 

"Führe die Operation durch und erzähle Gally nichts", ertönte Albys tiefe Stimme von hinten. Thomas stützte ihn, dann setzte Alby sich auf den Stuhl. Sie hatten ihm alles erklärt. Obwohl sie wahrscheinlich nicht einmal viel erklären mussten, denn er hatte ja die Verwandlung durchgemacht.

Jeff nickte einfach. Wahrscheinlich vertraute er auf Albys Meinung. Unser Glück, dass Alby scheinbar auf unserer Seite war. "Dann müssen wir ihn holen ohne, dass uns jemand sieht." Wir alle wussten das natürlich schon. Doch da sie dafür Thomas, Newt und Minho brauchten müsste Chuck Gally ersteinmal alleine ablenken.

Wir sagten ihm, dass er ihn irgendwie in den Wald locken sollte, damit wir Zeit bekommen. In ungefähr zehn Minuten würden Thomas und Minho nachkommen. Jeff entfaltete eine Art Taschentuch und tropfte eine, mir unbekannte Substanz, hoch. Wahrscheinlich eine Art Nakosemittel. Etwas anderes dafür hatten sie nicht. Ich war froh, dass es hier wenigstens Schmerzmittel gab. Jedenfalls ein paar.

Die Jungs verließen den Raum und somit waren Teresa und ich mit Alby, welcher noch immer auf dem Stuhl saß, alleine. Teresa und ich bereiteten das Bett vor, auf dem Jeff die Operation durchführen wird. 

"Warum hilfst du uns, obwohl du alles weißt?", fragte ich, als das Bett fertig war. Alby lächelte leicht. "Wenn du so böse wärst wie die, dann wärst du ja wohl kaum hier, oder?", sagte er und ich lächelte ebenfalls und nickte. Das hieß zwar nicht, dass er Zwanghaft auf unserer Seite war, aber wenigstens würde er uns nicht verraten.

Die Jungs kamen mit Clyde rein. Minho und Thomas trugen ihn und legten ihn auf das Bett. Für die Beiden blieb aber keine Verschnaufpause, denn sie mussten Chuck helfen, weshalb sie uns nur viel Glück bei der Operation wünschten und dann hinausliefen.

Ich sah zu Clyde und ging auf ihn zu. Dann nahm ich seine Hand. "Das wird alles wieder", flüsterte ich und kniete mich vor das Bett. "Bald wirst du wieder selbstständig denken können." 

Fast eine Stunde dauerte die Operation schon. Alby sagte, dass es für Gally komisch aussehen würde, weder mich noch Newt draußen zu finden, weshalb wir nacheinander rausgingen. Mir persönlich fiel das schwer, doch Teresa versicherte mir, dass sie mir sofort sagen würde, wenn etwas passiert war. 

Wir gingen zu Bratpfanne und nahmen uns jeweils einen Apfel und tranken einen Schluck Wasser. Dann liefen wir herum, schwiegen uns jedoch an. Der Zeitpunkt jetzt schien mir richtig, um mich bei ihm zu bedanken. Ich kaute auf und blieb stehen. Dann drehte ich mich zu ihm um und umarmte ihn. Etwas überrumpelt erwiderte er die Umarmung.

"Danke", murmelte ich. In dem Moment, als er seine Arme um meinen Körper legte wusste ich, dass er mir wieder vertraute. Wieso ich das wusste, wusste ich nicht. Aber ich fühlte es. Ich fühlte die Verbundenheit zwischen uns. 

"Für was?", fragte er. Ich löste mich aus der Umarmung und sah ihn an. "Für alles. Dafür, dass du mir hilfst, dass ich dir vertrauen kann und auch dafür, dass Teresa und ich heute früh ausschlafen durften", sagte ich. Er lachte leicht, wegen dem letzten Satz und lächelte dann.

"Kein Problem", entgegnete er und auch ich lächelte. Dann liefen wir noch eine Weile über die Lichtung. Ich fragte mich, wie weit Jeff schon war, und ob er überhaupt wusste wie man den Chip abstellte. Wenn ihr jetzt denkt, dass es dann dumm von mir war wegzugehen, dann liegt ihr falsch. Ich wusste genauso wenig, wie man dieses schreckliche Ding deaktivieren konnte.

"Du hast auch so einen Chip im Kopf, weißt du? Ihr alle habt das", sagte ich schließlich und kickte einen kleinen Stein mit dem Fuß weg. Was, wenn sie ihn oder einen der anderen nun kontrollieren wollten? 

"Konnte ich mir denken. Aber ich habe nicht vor ihn mir rausnehmen zu lassen. Erst, wenn ihr merkt, dass meine Handlungen nicht von mir stammen können, dann darf Jeff an meinen Kopf", entgegnete er. Ich kaute auf meiner Unterlippe. Er hatte Angst davor operiert zu werden. Wieso konnte ich mir nicht vorstellen. Obwohl, Jeff hat ja ebenfalls einen im Kopf. Was, wenn sie beginnen ihn zu kontrollieren? Newt schien gerade das Selbe zu denken und sah mich mit weiten Augen an. Schnell rannten wir zu ihnen und stürmten durch die Tür. 

Doch zum Glück lagen wir falsch. Jeff wusch sich gerade die Hände. Scheinbar waren wir gerade rechtzeitig gekommen, denn er war fertig.

"Ich glaube das Ding dürfte nicht mehr funktionieren", sagte er. Er glaubte? Was sollte das heißen? Und was machte ihn da so sicher? Genau dasselbe fragten ihn Newt. Er nahm etwas Kleines aus einer Schüssel. Ich sah es mir genau an und dann machte es klick: Das war der Chip.

"Als mir keine Idee zum deaktivieren des Chips einfiel habe ich kurzerhand beschlossen, ihn einfach rauszuholen. Ist das schlimm?", wollte er wissen, doch ich schüttelte den Kopf. Solange Clyde noch lebte war mir das egal. 

Gemeinsam hieften wir ins zurück zum Loch. Wir legten ihn auf ein Laken. Jeff hatte die Schnittwunde zwar gut zugenäht, aber dennoch sollte lieber kein Dreck dort hin gelangen. Und ein Verband wäre zu offensichtlich gewesen. Jeff spritzte ihm noch etwas, wahrscheinlich ein Schmerzmittel. Dann verließ er das Loch und Newt schloss das Gitter.

"Danke, dass du uns geholfen hast, Jeff", sagte ich am Ende erleichtert. Es war vorbei. Nun konnte ich beruhigt aufatmen, denn dieser Chip war nicht länger im Kopf meines Bruders.

"Immer wieder gern. Solange ich euch damit auch wirklich helfen konnte", sagte er und wollte gehen, doch er drehte sich wieder um. "Übrigens hat Alby gesagt, dass du ab Morgen wieder als Sanitäter arbeiten darfst, also verschlaf nicht." Dann ging er und ich lächelte. Endlich würde ich wieder etwas zu tun haben.

Ich fragte mich gerade, was wohl Chuck, Minho und Thomas taten, um Gally abzulenken, als ich sie von weitem sah. Er half ihnen auf dem Feld. Ich musste mir ein Lachen verkneifen. Das ist das erste Mal, dass ich Gally wirklich richtig arbeiten sah. Jedenfalls solange ich hier war.

Als Chuck hersah winkten wir ihn in unsere Richtung. Gemeinsam mit Thomas und Minho kam er zu uns. Newt grinste leicht.

"Na, habt ihr Strünke schön gearbeitet?", neckte er sie leicht. Minho schien das überhaupt nicht lustig zu finden.

"Wir mussten dort mithelfen. Die Läufer sollten sich jetzt anderweitig betätigen, solange sie nicht ins Labyrinth konnte. Ablenkung war nicht nötig", sagte er. Thomas nickte zur Bestätigung seiner Aussage. 

"Wie geht es Clyde?", wollte Thomas dann wissen. Wir klärten Minho und Thomas über die Situation auf, aber nur so, dass Thomas und Minho es verstanden. Für Chuck ergab das, was wir ihnen erzählten, wahrscheinlich keinen wirklichen Sinn. Wir hatten gesagt, dass er den 'Test' gut überstanden hatte und nun müde war. 

Nun konnten wir uns einem neuen Problem zuwenden. Nur welches würde das sein? Das Problem, dass die Box nicht wieder runter fuhr, oder dass wir womöglich einen Ausgang hatten, welcher aber auch unser Tod sein könnte? Ich versuchte aus Newts Gesichtzügen irgendetwas herrauszufinden, doch sein Gesicht war unlesbar.

"Also, nun zu der Sache mit dem Ausgang. Was sagst du dazu, Newt?", wollte Minho wissen. Noch immer war er Anführer hier, denn Alby war noch nicht wirklich auf den Beinen. Alle waren auf seine Antwort gespannt. Besonders ich, denn ich wusste wie viel Angst er vor dem Labyrinth hatte. Okay, Minho wusste es auch.

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