Erst sagte niemand etwas. Minho drehte sich kurz um. Wahrscheinlich um zu schauen, ob uns jemand beobachtete. Als er sich wieder umdrehte begannen wir alle leise miteinander zu diskutieren. Chuck schlug vor, dass wir die zwei mitten in der Nacht aus dem Loch holen könnten. Dann könnten wir mit ihnen ins Labyrinth gehen und durch den Ausgang abhauen. Doch Minho war strickt dagegen.
"Und was ist mit den anderen Lichtern? Willst du die sterben lassen? Außerdem ist es glatter Selbstmord dort Nachts rauszugehen", sagte er. Da hatte er wohl oder übel Recht. Außerdem sollten wir den Anderen wirklich die Chance geben mit uns mitzukommen. Also wurde leise weiter diskutiert. Nur Newt war nicht ganz da. Er schwieg und sah einfach nur auf seinen Teller.
"Alles okay?", wollte ich wissen. Fragte es jedoch so, dass ich Minho und Chuck bei ihrer Diskussion nicht störte. Er sah aus, als hätte ich ihn aus seinen Gedanken gerissen und sah mich dann an.
"Ja, alles okay", antwortete er, doch man konnte deutlich sehen, dass er log. Deshalb stand ich auf und bat ihn mit mir mitzukommen. Den Anderen sagten wir nichts, als wir gingen. Vielleicht hatten sie nichteinmal gemerkt, dass wir gegangen sind. Wir blieben vor dem Wald stehen.
"Ist es wegen Alby und Zart?", wollte ich wissen. Ich wusste, dass er besonders Alby nahe stand. Sie waren enge Freunde und Vertraute. Der Verlust musste mehr als nur schmerzhaft sein. Er nickte, doch sagen tat er nichts. Das war auch nicht nötig. Ich umarmte ihn einfach, wollte ihn trösten. Und das schien mir die angemessenste Art zu dafür zu sein.
Sofort erwiderte er die Umarmung und legte seine Arme um meine Hüfte. Ich streichelte seinen Rücken leicht.
"Sie sind jetzt an einem besseren Ort", murmelte ich leise. Er nickte nur. Eine ganze Weile blieben wir stumm so stehen, dann ertönte eine Stimme.
"Hey ihr Turteltäubchen. An die Arbeit." Sofort schreckten wir beide auseinander und sahen zu der Person, die uns gerade angesprochen hat. Es war Minho, welcher ein schiefes Grinsen auf dem Gesicht hat. Ich seufzte. Arbeiten hieß heute aufbauen. Ob die Läufer ins Labyrinth mussten? Ich bezweifelte es irgendwie. Hier würde jede helfende Hand gebraucht werden. Jedenfalls heute.
Gemeinsam gingen wir drei zu Gally, um zu erfahren, was wir tun sollten. "Newt wird seiner Arbeit nachgehen, Minho hilft bei mir und du musst nichts machen. Du bist ein Mädchen und ich kein Unmensch. Entweder hilfst du ein bisschen auf den Feldern oder du leistest Chuck Gesellschaft", sagte er. Langsam nickte ich. Dachte er etwa, dass ich nichts aufbauen könnte? Nicht, dass ich mich jetzt beschweren würde, nichts machen zu müssen, aber irgendwie fand ich das auch ein wenig beleidigend. Ich war zwar ein Mädchen, aber das hieß nicht, dass ich nichts aufbauen könnte.
Ich hatte beschlossen bis Mittag auf den Feldern zu helfen und danach mit Chuck zu faulenzen, damit er nicht den ganzen Tag alleine war. Doch ich wollte erst irgendwie helfen, sonst würde ich mir nutzlos vorkommen. Ich half also dabei die Pflanzen rauszureißen, die durch den Regen ertrunken waren. Es war nicht die sauberste Arbeit, wenn es am Vortag geregnet hatte, aber auch bei weitem nicht die schwierigste heute.
Hin und wieder sah ich zu Chuck, welcher mit Teresa durch das Gitter redete. Ob Thomas schon wach war? Ich denke nicht. Man hat ihn hin und wieder schreien gehört, wie es bei der Verwandlung üblich war. Clint half ebenfalls auf den Feldern mit, Jeff war beim Aufbauen behilflich. Alles war heute unter den zwei Aufgabenbereichen unterteilt. Nur Bratpfanne hatte noch Glück, denn er musste das Essen vorbereiten.
Sobald ich ans Essen dachte knurrte mein Magen. Heute Morgen hatte ich nicht allzu viel gegessen und das machte sich jetzt bemerkbar. Doch ich würde bis zum Mittagessen durchalten müssen. So wie alle. Langsam zogen Wolken auf und es sah wieder nach Regen aus. Das war überhaupt nicht gut.
"Wenn es jetzt wieder regnet können wir auch gleich mit der Feldarbeit aufhören", sagte Newt. "Denn dann werden auch die restlichen Pflanzen ertrinken." Leider hatte er da Recht. Doch es begann nicht zu regnen, also arbeiteten wir bis Mittag weiter. Dann holten wir uns von Bratpfanne wie üblich das Essen und setzten uns.
Der Himmel war noch immer von Wolken bedeckt und die Sonnenstrahlen schafften es nicht, sich einen Weg hindurch zu bahnen. Das miese Wetter spiegelte sich in der Laune der meisten Lichter wieder. Sie waren alle schlecht drauf. Besonders Gally war unzufrieden. Ich habe gehört, wie er gesagt hat, dass sie in der Zeit viel zu wenig geschafft hatten.
"Anführer ist das falsche Wort. Sklaventreiber würde eher passen", meckerte Minho leise und sah Gally abwertend an. Kaum zu glauben, dass er Gally vor nicht allzu langer Zeit noch halbwegs verteidigt hatte. Die Zeiten sind scheinbar längst vorbei.
Aber auch das Essen schmeckte heute nicht sonderlich gut. Bratpfannes Essen war immer lecker, außer heute. Aber wahrscheinlich kam es nur mir so vor, denn wenn ich daran dachte, dass heute Nacht wieder Griewer kommen würden verging mir der Appetit gewaltig. Dennoch aß ich alles auf.
Nach dem Essen lief ich mit Chuck ein wenig über die Lichtung, bis wir uns schließlich vor das Loch setzten. Teresa hatte die Augen geschlossen. Schlief sie etwa? Doch dann öffnete sie sie und setzte sich auf. Also hatte sie nicht geschlafen.
"Hey", begrüßte ich sie. Sie entgegnete das Gleiche. Ich sah zu Thomas.
"Ist er schon einmal aufgewacht?", wollte ich wissen, doch Teresa schüttelte den Kopf. Hätte ich mir auch denken können. Er würde erst später aufwachen.
"Aber wenigstens schreit er nichtmehr", sagte sie. Gerade als Chuck etwas sagen wollte kam Jeff angerannt und sagte uns, dass eine Versammlung stattfinden würde. Verwirrt standen Chuck und ich auf und liefen zu der Gruppe, die sich auf der Lichtung gebildet hatte, da vom Versammlungsraum ja nicht mehr viel übrig war. Die Lichter standen um Gally und den Hütern drumherum. Auch Newt war unter den Hütern, was selbstverständlich war, denn er hat ja Zarts Platz eingenommen.
Chuck und ich drängelten uns vor, um besser sehen zu können. Wieso fand jetzt eine Versammlung statt? Das ergab überhaupt keinen Sinn. Als alle da waren bat Gally mich nach vorne zu kommen. Verwirrt tat ich was von mir verlangt wurde. Nun stand ich vor Gally. Minho sah misstrauisch zu ihm. Dann warf er mir einen Zettel vor die Füße. Schnell hob ich ihn auf und las mir durch was draufstand. Dann schloss ich kurz die Augen. Es war der Zettel, den ich am Anfang in der Hand hatte. Der auf dem stand, dass sie mich umbringen müssten, um hier raus zu kommen. Ich schluckte als ich die Augen wieder öffnete.
"Da haben wir unsere Verräterin", sagte Gally. Nun sah Newt ebenfalls misstrauisch zu Gally. Alle anderen Lichter waren nur verwirrt.
"Um hier raus zu kommen muss sie sterben", fuhr er fort. Von allen Seiten kamen geschockte Laute. Selbst Minho sah geschockt aus. Verdammt, er wusste ja nichts von dem Zettel. Genauso wenig wie Chuck oder irgendwer sonst. Nur Newt. Scheinbar hat er den Zettel verloren. Oder?
"Woher hast du den Zettel?", wollte ich wissen und ließ mir nichts von meiner Angst anmerken, die ich hatte. Würde er mich jetzt umbringen? Hilfesuchend sah ich zu Newt, doch dieser sah mich nicht an.
"Von Newt. Er sagt, er sei dir vorhin beim Arbeiten aus der Tasche gefallen." Nachdem er das sagte sah ich Newt nun geschockt an. Er hatte mich echt verraten. Ich konnte es nicht glauben. Noch immer sah Newt mich nicht an.
"Und was hast du nun mit ihr vor?" Die Frage kam von Bratpfanne. "Sie wird mit den anderen beiden verbannt. Bringt sie ins Loch", wieß Gally die Lichter an. Sofort wurde ich von zwei Lichter gepackt und ohne mich auch nur im gerinsten zu wehren zogen sie mich zum Loch, in das sie mich dann auch hineinschubsten. Geschockt sah Teresa mich nun an.
"Was machst du denn hier?", wollte sie wissen. Da mir der Zettel nicht aus der Hand genommen wurde hatte ich ihn noch immer bei mir, also gab ich ihn ihr. Nachdem sie sich den durchgelesen hatte gab sie ihn mir wieder zurück und gab nur ein 'Oh' von sich. Dann erklärte ich ihr, dass ich den schon von Beginn an hatte und nur Newt davon wusste. Dieser ihn jetzt aber Gally gegeben hat.
"Ja, aber überleg doch mal. Wenn er das getan hat, dann hatte das seinen Grund. Ihm ist genauso wie mir bewusst, dass ANGST wahrscheinlich schon lügt, sobald die den Mund aufmachen. Wenn er es solange für sich behalten hat, dann wird er es Gally aus einem bestimmten Grund gesagt haben." Da hat Teresa natürlich Recht. Nur aus welchem Grund? Wenn er damit erreichen wollte, dass ich im Loch lande dann hat er das geschafft. Doch was hätte er gemacht, wenn Gally mich hätte umbringen lassen?
Teresa und ich schwiegen dann und ich musste eingeschlafen sein, denn als ich aufgewachte hockten Minho, Chuck und Newt vor dem Loch am Gitter. Sofort richtete ich mich auf, doch ehe ich etwas sagen konnte begann Newt schon zu reden.
"Es tut mir leid, aber das musste sein. Es gehört zu einem Plan, den ich mir überlegt habe und bis jetzt hat es gut geklappt, denn du wirst ja ebenfalls verbannt", versuchte er sein Handeln zu erklären. Also hatte ich Recht: Er wollte erreichen, dass auch ich verbannt werde.
"Und was, wenn Gally mich hätte sofort umbringen wollen?", wollte ich wissen. "Oh, das wollte er. Doch ich hab ihm gesagt, dass du bei einer Verbannung sowieso sterben wirst." Also hatte er vorher noch mit ihm geredet. Das ergab natürlich Sinn. Gerade als ich nach seinem Plan fragen wollte, stubste Teresa mich jedoch an und zeigte auf Thomas, welcher begann zu blinzeln.
Als er aufwachte und sich aufsetzte erklärte Minho ihm, was auf ihn zukommt, weshalb er hier drinnen sitzt, dass Gally jetzt der Chef hier ist und warum Teresa hier mit drinnen ist.
"Gally hat ja auch Recht. Teresa und ich sind Schuld an allem", sagte er und dann sah er zu mir. "Genauso wie du. Du hast uns die Wahrheit gesagt." Ich nickte. Natürlich hatte ich das. Dachte er etwa, dass ich ihn angelogen habe?
"Das alles spielt keine Rolle, okay? Wir sitzen jetzt alle im selben Boot, schon vergessen? Die Leute, die wir vor dem Labyrinth waren existieren nicht mehr. Wir sollten jetzt beenden, was wir begonnen haben und hier aus dem verdammten Labyrinth verschwinden, denn sonst ist Alby umsonst gestorben und das kann ich nicht zulassen", sagte Newt nun. Minho schien ihm zuzustimmen, genauso wie Chuck, und er hatte Recht. Wir alle saßen jetzt hier drinnen fest. Da spielt es keine Rolle wer von uns am Anfang mit ANGST zusammen gearbeitet hat und wer nicht.
"Aber wie kommen wir an Gally vorbei?", wollte Thomas wissen. Alle schienen zu überlegen.
"Indem du noch so tust, als wärst du ohnmächtig, Tommy", schlug Newt vor. Eine relativ gute Idee. Wir arbeiteten den Plan weiter aus. Außerdem beschlossen wir noch, dass Chuck all die Waffen holt, die wir brauchen würden. Minho legt sie ihm vorher zurecht. Er sollte möglichst so zu uns kommen, dass man ihn nicht sieht. Newt würde sowieso sein Messer dabei haben und Minho behält seinen Speer einfach bei sich. Gally würde schon nichts sagen, meinte er. Newt hat außerdem gesagt, dass er mal mt Bratpfanne reden würde.
* * *
Einige Zeit war seit diesem Gespräch schon vergangen und bald würde es für die Lichter Abendessen geben auch, wenn es noch hell war. Dann kamen sechs Lichter zu uns.
"Kleine Planänderung. Gally hätte alles gerne schon heute hinter sich", sagte der Größte von ihnen. Ich sah geschockt zu Teresa und dann zu Thomas, welcher sich zum Glück hingelegt hatte, als er Schritte gehört hatte. Nun tat er so, als wäre er ohnmächtig. Aber trotz dem ganzen Plan bekam ich Angst. Sie würden uns jetzt schon verbannen wollen. Ob Minho die ganzen Waffen schon hingelegt hatte? Denn ohne diese würde es nicht funktionieren. Wir brauchten sie, um gegen die Griewer zu kämpfen.
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Maze Runner - The Liar ✓
FanficAls Beth in der Box aufwachte erinnerte sie sich an alles. Ihren Namen, den Grund weshalb sie auf die Lichtung geschickt wird und was auf dem Zettel in ihrer Hand steht. 'Tötet sie, um herauszukommen'. Alles eine Lüge, doch die Lichter wussten es ni...
