Kapitel 1

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Langsam öffnete ich die Augen. Es war dunkel. Ich lag auf etwas hartem. Vorsichtig setzte ich mich auf und dann fiel es mir wieder ein: Ich war in der Box. Sie bewegte sich. Nicht zu schnell, aber auch nicht unbedingt sehr langsam. Ich spürte den Zettel in meiner Hand und mir fiel ebenfalls wieder ein, was dort drauf stand. 'Tötet sie, um herauszukommen'. Natürlich war das eine Lüge. Was sonst? ANGST würde sie nicht einfach raus lassen.

Doch das Komische ist, dass ich mich an alles erinnern konnte. Ich wusste mehr, als nur meinen Namen. Wahrscheinlich dachten sie, dass ich noch bewusstlos bin, wenn ich oben ankomme. Das heißt, dass es jetzt auch nicht mehr lange dauern kann. Ihre Strafe war mein Tod. Sie wollten, dass sie mich umbringen. Und wahrscheinlich würden sie es tun. Wenn es da so stand und sie dadurch Hoffnung schöpften. Nicht alle, aber Einige.

Gally auf jedenfall. Bratpfanne vielleicht auch. Alby würde auch viel tun, um herauszukommen und Minho würde ich es auch zutrauen. Was nicht bedeutet, dass er es auch wirklich machen würde. Bei Newt habe ich meine Zweifel. Würde er einen Menschen opfern? Thomas würde versuchen einen anderen Weg zu gehen...hoffte ich. Und Chuck...er war eben Chuck. Er mochte irgendwie alle, also denke ich nicht, dass er es wollen würde.

Doch könnte ich darauf vertrauen, dass ich nicht doch einfach in der Nacht umgebracht werde? Das konnte ich nicht. Ich zerknüllte den Zettel und stopfte ihn in meine Hosentasche. Ich würde es nie jemanden herausfinden lassen. Allen würde ich vorspielen, dass ich mich nur an meinen Namen erinneren konnte, genauso wie sie. Ich konnte keinem trauen was das anging. Jedenfalls noch nicht. 

Doch ich wusste auch, dass Thomas einer der Leute war, denen viele vertrauten. Er hatte sich in der Zeit gut - vielleicht sogar schon sehr gut - mit Minho und Newt angefreundet. Ebenso mit Chuck. Wenn Thomas auf meiner Seite stehen würde, dann würden also wenigstens noch drei weitere Personen auf meiner Seite sein. Vielleicht sogar noch Bratpfanne. Doch mein Bauch sagte mir, dass es sehr schwer werden würde ihn zu überzeugen. Und wenn das schon schwer sein würde, dann wäre es unmöglich die anderen zu überzeugen. Dazu wären schon auch noch Newt und Alby nötig.

Mir wurde bewusst, dass ANGST mir nie erklärt hat, wie man aus dem Labyrinth herauskommt. Schließlich hatte ich nicht geholfen es zu konstruieren. Wahrscheinlich hatten sie schon immer vor mich in eine der beiden Gruppen zu schicken. 

Mir fiel auf, dass ich nicht mehr die Sachen von vorhin trug. Wahrscheinlich wurde ich noch schnell umgezogen. Das Einzige was daran erinnerte, dass ich noch vor knapp einer Stunde für ANGST gearbeitet habe war mein Dutt. Diesen löste ich schnell. Die Box blieb stehen. Nun hieß es zu schauspielern. Ich würde einen auf verängstigtes Mädchen machen. 

Schnell kauerte ich mich an den Rand der Box und versuchte ein verängstigtes Gesicht zu machen. Sie begann sich oben zu öffnen. Es war nicht mehr hell. Nein, im Gegenteil: Draußen war es stock duster. Hatten sie mich etwa wirklich Nachts hergeschickt? 

Jemand sprang in die Box. Es war Gally. Die Anderen Jungs bildeten langsam einen Kreis um die Öffnung der Box und sahen zu mir herunter.

"Ist das ein Mädchen?", ertönte eine Stimme entsetzt und verwundert. Nun begannen alle durcheinander zu reden. Gally sah mich an.

"Kannst du dich an irgendwas erinnern?", fragte er mich. Weiterhin sah ich ihn nur verängstigt an.

"Ich heiße Beth...Wo bin ich hier?", wollte ich wissen. Natürlich wusste ich wo ich war. Das war nur die Frage, die alle immer gestellt hatten. Also tat ich es ihnen gleich. Das Lustige ist, dass mein Name nicht wirklich Beth ist. Das ist mein Spitzname. Eigentlich heiße ich Bonnie Elizabeth, doch schon immer wurde ich nur Beth genannt. Nun fand ich, dass mein Name Bonnie passte. Und nun wurde mir auch klar, warum mein Bruder Clyde hieß. Bonnie und Clyde waren ein Verbrecherpaar. 

"Du bist auf der Lichtung", ertönte eine andere Stimme, nicht die von Gally. Gally ging einen Schritt zurück und Alby sprang ebenfalls in die Box. "Du bist ziemlich spät gekommen. Wir hatten alle schon geschlafen."

"Was mache ich hier?", fragte ich. Nun klang meine Stimme mehr verwirrt als ängstlich. Sollen sie ruhig denken, dass ich ein starkes Mädchen bin. Besser, als dass sie mich sofort als Lügnerin enttarnen.

"Wir erklären dir alles Morgen. Du solltest lieber schlafen. Chuck und Thomas werden dir deinen Schlafplatz zeigen", sagte er. Dann kletterten er und Gally aus der Box. Jemand reichte mir die Hand hin nachdem ich aufgestanden war. Ich sah in das Gesicht desjenigen. Es war Thomas. Zögernd nahm ich sie entgegen und er half mir heraus. Ich sah aus dem Augenwinkel Alby, Newt und Gally. Wahrscheinlich waren sie verwundert darüber, dass ein Mädchen auf die Lichtung kam. Und dann auch noch so spät.

"Wenn du Fragen hast, dann frag ruhig", sagte Thomas während wir in die Richtung der Hängematten liefen. Ich nickte und überlegte was ein Frischling wohl fragen würde.

"Erklär mir all das hier", bat ich ihn schlussendlich. Chuck befästigte eine neue Hängematte neben Thomas seiner. Er setzte sich auf seine und nickte.

"Die gesammte Rasenfläche - plus Wald - bezeichnen wir als Lichtung. Wir selber nennen uns Lichter. Es gibt drei einfache Regeln hier. Eigentlich werden dir die von Alby oder Newt erklärt, aber ich übernehm' das mal. Regel Nummer eins: Leiste deinen Beitrag, denn Schmarotzer werden hier nicht gebraucht. Regel Nummer zwei: Füge niemandem hier Schaden zu, obwohl ich dir das nicht zutrauen würde. Und Regel Nummer drei: Geh' niemals weiter, als bis zur Mauer. Dahinter verbirgt sich das Labyrinth. Nur Läufer dürfen dort rein. Nachts schließen sich die Tore, damit die Griewer uns nicht angreifen." Ich nickte einfach nur und setzte mich auf meine Hängematte, als Chuck damit fertig war.

Thomas erklärte mir noch alle Aufgaben, die ich machen könnte. Ich müsste alle einmal ausprobieren, außer die Läufer Sache. Obwohl ich das sowieso nicht machen würde wollen. Ich hatte zwar Ausdauer und all das, aber ich wusste was sich dort hinter verbarg. Ich hatte schon Leute darin sterben sehen. Ich hatte Newt darin gesehen wie er Suizid begehen wollte. Dann musste ich leicht schlucken. Ja, das war einer der Tage an denen ich etwas begriff: ANGST ist nicht gut.

"Beth, hörst du mir überhaupt noch zu?", wollte Thomas wissen. Ich sah zu ihm. "Oh, sorry. Ich war in Gedanken. Was hast du gesagt?" Ich legte mich hin und sah weiterhin zu ihm.

"Ich sagte, dass du ganz schön locker mit deiner Lage umgehst. Wie kommt's dazu?" "Vielleicht habe ich einfach akzeptiert, dass mein altes Leben - an das ich mich sowieso nicht erinnere - vorbei ist und ich hier neu anfangen muss?", antwortete ich. Und das war wahr. Das hatte ich mittlerweile akzeptiert. Hatte ich überhaupt eine Wahl? Obwohl, die hatte keiner. Wahrscheinlich war ich sogar noch gut dran. Schließlich hatte ich noch all meine Erinnerungen. Obwohl, hatte das überhaupt einen Vorteil?

Nun, wenigstens war ich mir schon ziemlich sicher was ich machen wollte: Ich wollte ein Sanitäter werden. Nicht nur, weil man wenig zu tun hatte, sondern auch, weil ich den Leute hier helfen wollte. 

"Dann gute Nacht, Beth", sagte Thomas, nachdem er weiter geredet hatte. Wahrscheinlich dachte er, dass ich eingeschlafen sei oder so, weshalb ich auch nichts erwiederte, sondern wirklich versuchte einzuschlafen. Doch ich konnte es nicht. Die ganze Nacht welzte ich mich in meiner Hängematte hin und her und konnte nicht einschlafen. 
 
* * *
Meine Augen waren zwar geschlossen, doch ich schlief nicht. Ich hörte, dass Schritte näher kamen bis mir schließlich jemand vorsichtig eine Hand auf den Mund legte. Schnell riss ich meine Augen auf und sah direkt in Newts Gesicht.

"Morgen Frischling. Komm mit", flüsterte er mir zu. Ich nickte nur und stand auf. Dann folgte ich ihm leise. Er hatte ein Messer in der Hand. Natürlich wusste ich schon was folgen würde, doch ich musste so tun, als wüsste ich es nicht.

"Hast du vor mich zu töten?", wollte ich wissen. Er lachte leicht. "Quatsch, nein. Du wirst dich auf der Wand da verewigen", antwortete er und deutete auf die Wand vor uns, auf die wir zusteuerten. Ich gab ein 'Ah' von mir. Dort angekommen reichte er mir das Messer und ließ mich meinen Namen dort einmeißeln. Währenddessen erklärte er mir alles über die Lichtung und das Labyrinth was ich als Frischling wissen musste und erfahren durfte. 

"Achja und Alby hat 'ne neue Regel erlassen die einstimmig angenommen wurde: Du darfst mit niemandem hier eine Art Beziehung anfangen. Das Letzte, was wir hier gebrauchen könnten, wären Babys." Ich nickte und reichte ihm das Messer als ich fertig war. Eine Weile sah er mich an.

"Du hast bestimmt Hunger. Gehen wir was essen." Wieder nickte ich nur und folgte ihm. Bratpfanne stand schon bereit und die ersten Lichter stellten sich in einer Schlange auf, um sich ihr Essen abzuholen. Nachdem wir unseres hatten setzten wir uns zu Minho, Thomas und Chuck an den Tisch.

"Willst du immernoch Läufer sein, Tommy?", wollte Newt wissen als er mit dem Essen begann. Thomas kaute auf und nickte.

"Jap. Wir müssen endlich herausfinden, wie wir hier herauskommen", antwortete er. Stimmt, Thomas wurde zum Läufer ernannt. Gally erfreute das nicht so sehr, doch er hatte beschlossen die Klappe zu halten. Aufeinmal ertönte wieder ein Geräusch. Ein Geräusch das darauf hinwies, dass die Box gleich ankommen würde. Schon wieder? Ich war doch erst in der Nacht gekommen. 

Alle sprangen auf und rannten zur Box. Außer Newt. Er stand langsam auf und lief im normalen Tempo dort hin. Thomas und ich taten es ihm gleich. Als wir dort ankamen und hinunter sahen konnte ich meinen Augen nicht trauen. 

Dort lag mein Bruder Clyde. Bewusstlos. Mit einem Zettel in der Hand. Gally nahm ihn und las ihn sich durch. Sein Gesicht war unlesbar. Dann las er den Zettel laut vor:

Ihr habt einen Lügner unter euch. Findet heraus wer es ist bevor die Zeit abläuft.

Bevor die Zeit abläuft? Was sollte das denn heißen? Und konnte Clyde sich an alles erinnern, oder war er einfach ein normaler Frischling, der sich nur an seinen Namen erinnern konnte?

Maze Runner - The Liar ✓Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt