Newt sah mich an, als würde ich spaßen, bis er zu erkennen schien, dass es mein ernst war. Schlussendlich zuckte er mit den Schultern.
"Klar, wenn es weiter nichts ist", antwortete er und ging schließlich. Kurz sah ich ihm hinterher bis ich mich ebenfalls auf den Weg zu meiner Hängematte machte. Chuck saß noch und war gerade dabei sich hinzulegen. Thomas lag schon, war aber noch wach. Ich begann mich zu fragen, ob Newt ihnen erzählt hatte, weshalb er humpelt.
"Thomas? Hat Newt einem von euch erzählt was mit seinem Bein passiert ist?", wollte ich wissen und fragte deshalb leise, denn um uns herum schliefen schon einige Lichter. Ich konnte Thomas kaum sehen, doch ich sah, dass er den Kopf schüttelte.
"Er redet nicht darüber, wieso?", fragte er. "Nur so", antwortete ich. Natürlich wusste ich es, doch ich wollte einfach nur wissen, ob er es jemandem hier gesagt hat. Alby wusste es. Vielleicht auch noch Minho und einige andere Lichter, die schon länger da waren.
Dann sagte niemand mehr ein Wort. Ich schloss meine Augen, denn ich musste schlafen. Doch es dauerte ewig bis ich zur Ruhe kam, denn die ganze Zeit musste ich über meinen Bruder nachdenken. Ich betete, dass er mit ANGST nichts zu tun hatte, dass mein Gefühl falsch liegt. Irgendwann schlief ich ein.
* * *
Als ich am nächsten Morgen aufwachte bemerkte ich, dass ich die Einzige bin die noch lag. Die anderen Lichter aßen schon oder machten sich gerade auf den Weg zu Bratpfanne. Schnell setzte ich mich auf und zog meine Schuhe an. Dann band ich meine Haare mit einem Zopfgummi zusammen, welchen ich in der Nacht, in der ich nicht schlafen konnte, in meiner Hosentasche gefunden hatte.
Ich machte mich auch auf den Weg zu Bratpfanne. Dieser begrüßte mich mit einem Lächeln, welches ich erwiderte. Zu meiner Verwunderung hatte ich echt gut geschlafen. Kaum zu glauben. Als ich mein Essen in der Hand hatte suchte ich mit den Augen nach Thomas und Chuck. Beide saßen bei Minho und Newt. Was hatte ich auch anderes erwartet? Dann fiel mir wieder ein, dass die Versammlung vor dem Essen war.
Ich ging zu ihnen und ließ mich neben Thomas nieder. Newt saß mir gegenüber. "Morgen alle zusammen", sagte ich lächelnd.
"Hast aber ganz schön lange geschlafen, Frischling", entgegnete Minho. Ich verdrehte die Augen. "Aber ich habe nicht verschlafen sondern sitze hier. Was willst du mehr?" Das ließ ihn grinsen. Ich musste ebenfalls grinsen und begann zu essen. Dann unterhielten Thomas und Minho sich über das Labyrinth. Der Rest schwieg. Aus dem Augenwinkel konnte ich Gally erkennen. Er sah nicht so fröhlich aus. Wahrscheinlich ist die Versammlung nicht so gelaufen wie er es wollte.
Irgendwann standen Minho und Thomas auf und verabschiedeten sich. Nun würden sie ihrer Aufgabe nachgehen und im Labyrinth nach einem Ausgang suchen. Wie jeden Tag. Chuck saß noch hier, doch trotzdem musste ich Newt jetzt einfach fragen. Die Neugier ließ mich fast platzen und Chuck würde bestimmt nichts weitererzählen. Zumal es sowieso 'nur' um Clyde geht.
"Was hat Alby gesagt? Wie lief die Versammlung?", wollte ich wissen und hörte auf zu essen. Zu gespannt wartete ich auf eine Antwort. Doch diese kam nicht von Newt, sondern von Chuck.
"Sowas geht uns nichts an. Wenn es wichtig ist und wir es wissen sollen, dann werden sie es uns selber sagen", tadelte er mich und schien stolz darauf zu sein, dass er sich an daran hielt nicht zu neugierig zu sein. Doch Newt lächelte nur leicht.
"Schon okay, Chuck. Also", begann er und erzählte mir alles. Natürlich sprach er nicht all zu laut, denn er wollte nicht, dass jemand mitbekam, dass er mir alles erzählte. Eigentlich hielt Newt gerne alle Regeln ein.
Newt erzählte mir, dass er Alby die Theorie ebenfalls erklärt hat. Natürlich sagte er, dass er selber darauf gekommen sei, damit Alby keine unnötigen Fragen stellt. Dann war Gally dafür es nicht darauf ankommen zu lassen und ihn in das Labyrinth verbannen zu lassen. Ich riss vor Schock meine Augen auf.
"Das kann er nicht machen. Noch hat er nichts getan", sagte ich und konnte meine Entrüstung nicht verbergen.
"Das habe ich ebenfalls gesagt und Alby hat mir zugestimmt. Er wird ihn erst einmal weiterhin im Loch lassen und sehen, ob irgendetwas passiert." Ich nickte und war froh darüber das zu hören. Chuck lauschte ebenfalls neugierig.
"Aber Gally ist nicht sonderlich erfreut darüber. Er traut ihm nicht", fügte er noch hinzu. Chuck trank einen Schluck Wasser bevor er etwas sagte.
"Gally traut fast niemandem hier", entgegnete Chuck. "Nicht einmal Thomas." Newt nickte wissend, doch ich wusste, dass noch etwas anderes war. Und falsch schien ich nicht zu liegen, denn Newt begann wieder zu reden.
"Mag sein, aber ich habe das Gefühl, dass er trotz allem weiß, dass Tommy keine all zu große Gefahr ist. Außerdem weiß er, dass Minho, Alby und ich hinter ihm stehen", begann er. "Aber da ist noch etwas." Das hieß nichts Gutes. Wenn jemand soetwas sagt, heißt das nie etwas Gutes.
"Er hat deinen Gesichtsausdruck gesehen, als Clyde hier ankam. Dir traut er ebenfalls nicht über den Weg. Er sagte, er habe die Befürchtung, dass du und Clyde unter einer Decke stecken könnten." Entsetzt riss ich meine Augen auf. War das Gallys ernst? Und hatte man mir wirklich so sehr angesehen, dass ich ihn kennen muss? Wahrscheinlich würde Gally mich bald, sehr bald, darauf ansprechen.
"Seine Vermutung stimmt aber nicht. Ich würde nichts machen was euch schaden könnte. Schließlich möchte ich ja selber hier raus", sagte ich und Newt nickte. "Ich weiß", gab er von sich. Dann verfielen wir alle wieder in ein Schweigen und aßen unser Frühstück auf bevor jeder sich an seine Arbeit machte.
Jeff und ich behandelten gerade Bratpfanne, welcher sich geschnitten hatte. Als er fertig war sah er mich kurz an und ging nachdem er sich bei uns bedankte. Mir wurden von Jeff noch ein paar Sachen erklärt die ich als Sanitäter hier wissen musste. Gespannt hörte ich zu und versuchte mir alles einzuprägen. Das war garnicht so einfach.
In der Pause nach dem Mittagessen hatte ich mich ins Gras gelegt und versuchte mich ein wenig auszuruhen. Heute schien von einigen hier nicht der Tag zu sein, denn wir hatten schon mindestens drei Patienten. Aber nie etwas Ernsthaftes. Immer nur kleine Verletzungen.
Jemand ließ sich neben mir nieder, doch ich sah nicht dort hin. "Kennst du Clyde?", ertönte eine Stimme. Nun sah ich auf, um zu sehen wer mir diese Frage gestellt hatte. Es war Gally. Meine Befürchtung, dass er mich bald ansprechen würde ist wahr geworden. Ich dachte, dass ich wenigstens noch einen Tag Ruhe hätte. Tja, falsch gedacht.
"Nein. Und wenn doch, dann erinnere ich mich nicht mehr an ihn", antwortete ich. Dass das nicht der Wahrheit entsprach wusste er ja zum Glück nicht. Er nickte, doch ich wusste, dass er mir nicht glaubte. Innerlich seufzte ich, doch äußerlich ließ ich mir nichts anmerken. Es wäre zu riskant auch nur einen falschen Gesichtsausdruck in seiner Gegenwart zu machen.
"Und du und Newt? Seid ihr befreundet?", wollte er wissen. Erst hatte ich vor zu fragen was ihn das angeht, doch dann rief ich mir wieder ins Gedächtnis, dass er nie etwas ohne einen Grund wissen wollte. Er wollte wissen, ob es sein könnte, dass Newt mich wegen irgendetwas deckte. Was sogar der Fall war. Also log ich weiter.
"Nein, wir reden nur hin und wieder. Ich bin nur mit Chuck befreundet", fuhr ich meine Lüge fort. Denn eigentlich war ich auch mit Thomas befreundet. Denke ich jedenfalls. Bei Minho war ich mir nicht so sicher und bei Newt auch nicht. Wieder nickte er nur.
"Wenn dir etwas einfallen sollte, dann musst du es uns sagen." "Geht klar", antwortete ich in der Hoffnung, dass er verschwinden würde. Dann rief ihm jemand zu, dass Bratpfanne mit ihm sprechen wollte und er stand auf. Noch einmal sah er kurz zu mir und dann ging er. Ich dachte an die Zeit zurück bevor die Ersten hier her geschickt wurden.
Mit Gally hatte ich mich nie besonders gut verstanden, aber gehasst hatten wir uns auch nicht. Bei Bratpfanne war ich mir nicht mehr so sicher, denn er war schon damals mit Gally befreundet. Thomas, Aris, Teresa und ich waren sehr gut befreundet, das weiß ich noch. Wir hatten uns alles erzählt, bis Thomas und ich uns einig waren, dass ANGST schlecht ist. Die anderen wollten das erst nicht einsehen und konnten nicht verstehen, wieso Thomas sich alles nicht mehr ansehen wollte. Ich verstand ihn jedoch.
Minho, Newt und Alby waren ebenfalls befreundet. Aber mit ihnen hatte ich kaum etwas zu tun. Doch ich wusste, dass sich fast niemand vom Charakter her verändert hatte. Sie erinnerten sich nur nicht mehr daran wie sie früher waren oder mit wem sie alles befreundet waren.
"Clyde möchte dich sprechen." Als Chucks Stimme ertönte zuckte ich zusammen. Dann richtete ich mich auf und sah ihn an. "Okay", sagte ich und stand schließlich auf. Ich machte mich auf dem Weg zu dem Loch, wo er noch immer drinnen saß. Chuck folgte mir ein Stückchen bis ich ihn wegschickte. Am Loch angekommen sah Clyde mich an.
"Und? Lassen sie mich raus?", wollte er wissen. Ich schüttelte den Kopf. "Noch nicht. Aber bestimmt bald. Sie werden sich heute Abend noch einmal beraten", log ich. Dass ich Alby nie gefragt hatte erwähnte ich lieber nicht. Und dass ich sogar dafür war, dass er drinnen bleibt musste er auch nicht wissen. Da ich sowieso nicht vorhatte lange zu bleiben drehte ich mich wieder um.
"Ich komme nach der Arbeit wieder", versprach ich, doch sicher war ich mir da nicht. Würde ich Informationen aus ihm herausbekommen? Vielleicht. Doch mit irgendetwas mussten sie ihm gedroht haben, denn selbst wenn er daran glaubt, dass ANGST gut ist, er würde nie etwas tun, um einem Menschen zu schaden. Jedenfalls nicht einfach so. Dabei wird der Fakt, dass er das Labyrinth quasi mit gesteuert hat einfach mal außenvor gelassen.
Wieder bei Jeff saßen wir nur rum. Nachmittag war nichts los. Jeff sagte mir, ich könne gucken ob ich irgendwo helfen kann. Wenn er mich braucht würde er mich holen. Ich nickte und machte mich auf den Weg zu den Feldern. Dort würden sie immer Hilfe gebrauchen können, dachte ich.
Vor den Feldern blieb ich stehen. Ich erblickte Newt und sah ihm beim Arbeiten zu und wollte gerade zu ihm gehen, um ihm zu helfen, als Thomas angerannt kam. Er schrie, dass Minho gestochen worden sei. Alle sahen geschockt zu ihm. Einige fragten wo Minho liege und er sagte ihnen, dass er am Eingang des Labyrinths lag in dem sie heute Morgen verschwunden sind.
"Seit wann greifen die Griewer auch tagsüber an?", ertönte Gallys Stimme. Thomas zuckte mit den Schultern. Dann zog Alby Gally mit und beide rannte zu Minho. Sie würden ihn wahrscheinlich zu Jeff bringen, also sollte ich da mal lieber auch hin. Der letzte dem das passierte wurde verbannt. Das konnte ich noch von sicherer Entfernung auf einem Monitor beobachten. Würde das mit ihm nun auch passieren? Ich hoffte nicht.
Newt ließ die Schaufel fallen und steuerte meine Richtung an. Gemeinsam liefen wir dann zu Jeff, welcher schon mit Minho beschäftigt war. Unterwegs fragte Newt mich was ich bei den Feldern wollte und ich erklärte ihm, dass ich irgendwo helfen sollte, wo Hilfe benötigt wird.
Als ich Minho da so liegen sah musste ich schlucken. Wir alle standen um ihn herum. Dann ergriff Gally das Wort.
"Ich werde das ungute Gefühl nicht los, dass unser Zeit, den Lügner zu finden, schon abgelaufen ist", sagte er und alle sahen zu ihm. Außer Newt, der sah zu mir.
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Maze Runner - The Liar ✓
Fiksi PenggemarAls Beth in der Box aufwachte erinnerte sie sich an alles. Ihren Namen, den Grund weshalb sie auf die Lichtung geschickt wird und was auf dem Zettel in ihrer Hand steht. 'Tötet sie, um herauszukommen'. Alles eine Lüge, doch die Lichter wussten es ni...
