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16 Jahre
Den abgedunkelten Raum hatte seit Tagen niemand mehr betreten oder verlassen. Es roch hauptsächlich nach Schweiß und ungewaschenen Klamotten. Niemand war mehr in Erens Zimmer gewesen. Niemand hatte mit ihm geredet. Und er hatte niemanden mit sich reden lassen. Mikasa hatte es öfter Mal versucht. Doch er blockte sie ab. Seine Eltern versuchten zu ihm durchzudringen. Doch er blockte sie ab.

Sein Psychologe versuchte es. Doch er blockte ihn ab. Wenn er am Telefon war, sagte er nichts, sondern wartete darauf, dass er wieder auflegte.

Er ließ niemanden an sich ran. Wollte einfach nur alleine sein. Obwohl, nein. Das war falsch. Er wollte nicht alleine sein. Er wollte, dass Levi wieder kam. Er wollte, dass der Mann, der ihm das Leben gerettet hatte, wieder kam.

Auch, wenn alle anderen meinten, dass er sich das Gesicht seines Fantasiefreundes nur eingebildet hatte, als der Ersthelfer ihn wiederbelebte, so war er sich sicher: Er wurde nicht von einer Rettungskraft ins Leben geholt. Es war Levi. Er hatte seinen Namen gesagt. Und er hatte darauf reagiert.

Kaum hatte er das Thema wieder aufgebracht, begann die Therapie erneut. Carla und Grisha machten sich erneut Sorgen um ihren Sohn. War bei dem Unfall etwas in seinem Hirn beschädigt worden? Sie sorgten sich. Und das zu sehr.

Seit dem Unfall wurde Eren mehrmals wöchentlich ins Krankenhaus gebracht. Er hatte unzählige MRT's hinter sich. Er wollte einfach nicht mehr. Er war kaputt.

Seitdem hielt er sich zurück. Schloss sich in seinem Zimmer ein. Niemand brauchte verrückte Menschen in seinem Leben. Und Eren wollte nicht mehr der Verrückte sein. Nicht schon wieder. Die einzige Möglichkeit, die er sah, war totale Abschottung.

Und das funktionierte auch gut. Bis vor drei Wochen. Er war mit Mikasa und einigen Freunden auf einer Party. Rauchte ein wenig Gras und endete schließlich mit einem verstauchtem Bein unter einem Klettergerüst, von dem er gesprungen war.

Nun lag er in seinem Bett, hatte die Decke bis zur Nase gezogen, schaute gegen die Wand und ließ einfach zu, dass die Tränen nur so aus seinen grünen Augen flossen.

Es war ihm einfach nur egal.

Wieder klopfte es an seiner Tür. Wieder antwortete er nicht. Wieder öffnete Carla die Tür einen Spalt. Wieder sah sie, dass Eren noch immer in seinem Bett lag. Wieder seufzte sie traurig. Stellte Essen auf den Schreibtisch. Wieder schloss sie die Tür und wieder rührte Eren das Essen nicht an.

____

Mit brennenden Augen stand der 16-Jährige am Brückengeländer, sah hinunter. Noch nie sah Wasser so verlockend aus. Noch nie wollte Eren so sehr ins Wasser springen, wie jetzt.

Er kletterte über das Metall, krallte sich in den kalten Streben fest und schloss die Augen. „Wenn du nicht her kommst, werde ich-", er brach ab, sah wieder auf das Wasser, atmete tief durch. „Wenn du nicht her kommst, werde ich springen.", Eren konnte nicht wirklich einschätzen wie hoch diese Brücke wirklich war. Er meinte, dass sein Vater mal etwas von 30 Metern gesagt hatte.

Vermutlich würde es ihn nicht umbringen, wenn er springen würde – aber selbst wenn, fand er es nicht schlimm.

Er wollte nur Levi sehen. Er wollte nur Gewissheit darüber, dass er nicht verrückt war. Der Schwarzhaarige erschien ihm doch bereits um sein Leben zu retten. Vielleicht würde er es jetzt auch tun.

„Bitte.", hauchte er leise und merkte, wie seine Knie anfingen zu zittern. „Mach das nicht!", schrie plötzlich eine vertraute Stimme. Eren drehte sich um.

„Bitte mach das nicht.", außer Atem kam Mikasa bei ihm an, griff nach Erens kalten Händen und sah ihm in die grünen Augen. „Bitte nicht." – „Ich kann nicht anders."

Imagine a Demon [Ereri/Riren]Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt