Kapitel 1

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• Unsere größte Schwäche liegt im Aufgeben. Der sichere Weg zum Erfolg ist immer, es doch noch mal zu versuchen. ~ Thomas Alva Edison •

Was habe ich mir bloß gedacht wieder her zu kommen? Immerhin war ich seit 6 ganzen Jahren nicht mehr hier.
Immernoch starre ich auf das riesige große weiße Haus vor mir. Hier habe ich 18 Jahre gelebt aber es kommt mir jetzt so fremd vor, als wäre ich das erste mal hier. Neben mir hält ein Auto. Erst als eine Autotür aufging, drehte ich mich um. Dann sah ich sie. Sie würde ich überall wieder erkennen. „Jessi?", frage ich überrascht. „Sieh mal einer an wer da Heimweh hat.", sagt sie lächelnd und sprang mir in die Arme. „Ich hoffe du weißt das ich tierisch sauer auf dich war, als du ohne ein Wort abgehauen bist und nicht mehr wieder kamst.", sagt sie in mein Ohr. Ich drücke sie etwas fester an mich. „Ich weiß. Es tut mir auch verdammt leid aber ich musste hiermit abschließen und neu anfangen.", versuchte ich mich zu erklären. Dann ließ sie mich los und musterte mich. „Nach den Jahren kann ich dich wirklich verstehen. Aber damals war ich so wütend. Wir alle. Dean hat es nie verdaut.", das letzte hauchte sie nur noch. Und da war er wieder. Dieser ziehende Schmerz in der Brust. Ich sagte nichts mehr dazu. Sie sollte nicht sehen wie verletzt ich immer noch bin. „Du siehst so toll aus. Ich hätte dich fast gar nicht wieder erkannt.", sagt sie schließlich. Ich muss Lächeln. Meine Haare trage ich jetzt lang und offen mit Wellen. Ich trage enge Klamotten die Figurbetont sind und ich schminke mich jetzt. „Danke, ich hatte ja genug Zeit mein Äußeres zu ändern.", sagte ich schmunzelnd. „Aber wie ich sehe hat sich hier nichts verändert. Jedes Haus sieht aus wie immer und du siehst immernoch wunderschön aus.", sage ich immernoch lachend. „Oh doch hier hat sich so viel geändert. Das täuscht alles.", gab sie auch lachend zu. Ich zog fragend eine Augenbraue hoch. Sie hielt mir ihre Hand vors Gesicht. „Ich glaub's nicht.", sage ich baff. An ihrem Finger funkelt ein wunderschöner Ring. „Seit wann?", frage ich. „Naja Ryan und ich sind seit 4 Jahren zusammen und verlobt seit 6 Monaten.", antwortet sie lächelnd und strahlt im ganzen Gesicht. „Der Ryan!?", frage ich baff. Sie nickt und ich beglückwünsche sie. „Ich muss jetzt los aber wir treffen uns alle im Pub wie früher ...heute Abend. Kannst ja gerne dazu kommen. Wir treffen uns um 20 Uhr.", sagt sie hoffnungsvoll. „Mal gucken.", sage ich nachdenklich.
Sollte ich da wirklich hin gehen. Was wenn Dean da ist? Ich habe 6 Jahre geschafft ihn zu verdrängen dann komme ich ja wohl jetzt auch damit klar.
Gerade fühle ich mich wieder so als wäre ich 18 Jahre alt und als wäre das alles gestern erst gewesen.
Ich schüttle meinen Kopf um diese Gedanken los zu werden und ging dann zum Haus meiner Eltern.
Beide begrüßen mich herzlich und zogen mich dann in die Küche. Wir redeten über mein Collage und über NewYork. „Wir haben schon gedacht du bringst einen Enkel mit oder zumindest ein Mann.", sagt meine Mom ein wenig bedrückt. Ich schüttle lächelnd den Kopf. „Ich bin gerade mal 24.", sage ich wieder ernst. „Naund, das hat ja nichts zusagen.", warf mein Papa ein. Ich rollte die Augen. „Aber vielleicht trifft du hier ja jemanden.", redet meine Mom munter weiter. Nochmals verdrehe ich die Augen. „Ich habe gerade Jessi getroffen sie hat mich heute Abend ins Pub eingeladen.", erzähle ich. „Oh wirklich? Das ist ja wundervoll.", antwortet meine Mom wieder. „Die sind immernoch so eine zusammenhaltende Gruppe wie früher.", erklärt sie mir. Ich nicke nur. Es würde nie wie früher sein wenn ich da hin gehe. Ich habe sie im Stich gelassen und zwar 6 ganze Jahre lang. Nur weil Jessi mir verziehen hatte, heißt es nicht dass die anderen das auch getan haben. Lange überlegte ich hin und her bevor ich beschloss zu gehen.
Ich entschied mich für eine enge schwarze Jeans und ein enges weinrotes Top welches einen tiefen V-Ausschnitt hat. Dazu trug ich meine schwarze Lederjacke und meine weinroten Pumps.
Meine goldschimmernden Haare lockte ich und frischte mein Make-up nochmal auf. Noch einen letzten Blick in den Spiegel und ich war bereit.
„Ich bin dann weg.", sagte ich etwas lauter als ich unten ankam. Meine Eltern wünschten mir viel Spaß und dann ging ich. Es war angenehm draußen. Eine leichte Brise wehte durch meine Haare. Es war nicht wirklich kalt aber ich war froh über meine Jacke. Zum Pub lief man von meinem Elternhaus ungefähr 20 min. Ich wollte nicht mit Auto fahren weil ich mir ein wenig Alkohol genehmigen wollte.
Wie immer war ich viel zu spät. Es war bereits 20.15. Im Pub angekommen, war es Rappel voll und ich musste erst mal nach meinen alten Bekannten suchen. Ich konnte sie an unserem alten Stammplatz entdecken. Wahrscheinlich war es immer noch ihr Stammplatz nur meiner nicht mehr.

Wie früher saßen sie in der Ecke etwas abseits: Jessi, Ryan, Lilly, John, Will und Ali. Nur einer fehlte, Dean, stattdessen saß ein junger Mann mit dem Rücken zu mir. Er hatte eine Mütze auf und seinen Kragen hoch gestellt. Als er sich etwas zur Seite dreht sah ich das er eine Sonnenbrille trug. Ist der blöd? Wie rennt der denn rum...in einem Pub. Leute gibts. Aber was wollte er bei meinen Freunden. Oder eher damaligen Freunden. Dann entdeckte mich Jessi und winkt mir zu. Jetzt musste ich zum Tisch gehen denn alle drehten sich um. Auch der Typ mit Sonnenbrille. Er hatte die Mütze So tief ins Gesicht gezogen das man ihn nicht erkennen konnte. Der sah echt zum Lachen aus. Jessie stürmt auf mich zu und umarmt mich nochmals. Dann zog sie mich zum Tisch, alle sahen mich baff an. „Achso ich habe vergessen zu erwähnen das ich Nel eingeladen habe.", sagt Jessi zuckersüß. Ich sah sie böse an. Dies quittiert sie nur mit einem Lächeln. „Nelia?", fragt jetzt Ali. Ich nicke. „Omg. Ich hab dich gar nicht erkannt.", schrie sie und stürzt sich auf mich. Auch Lilly begrüßt mich so stürmisch. Ryan und John umarmten mich kurz und Will wollte mich fast gar nicht wieder los lassen. Will und Jessi waren von allen meine besten Freunde. „Ich hab dich so vermisst.", sagt er leise in mein Ohr. Als er mich etwas wegdrückt und mich mustert lächelt er leicht. „Du siehst toll aus.", sagt er so freundlich. Dann sahen alle zu diesem verdeckten Typen. Ich reichte ihm einfach die Hand. „Ich bin Nelia.", gab ich noch hinzu. Er zögerte und gab mir dann die Hand. Antworten tat er nicht aber die anderen fingen an zu lachen. Ich sah sie fragend an aber Will zog mich einfach neben sich in die Sitzecke. „Erzähl mal was hast du getrieben als du weg warst.", fragt Ryan mich freundlich. „Ich war in NewYork und habe studiert. Vor ein paar Monaten habe ich mein Studium abgeschlossen.", erzählte ich stolz. Über meine weiteren Machenschaften werde ich ihn ein anderes mal erzählen. „Du hast in NewYork gewohnt?", fragt Lilly baff. „Ja ich habe in einer WG gewohnt, neben dem Kampus direkt. Und gearbeitet habe ich bei Starbucks.", erklärte ich weiter. „Wow du hast dein Leben echt richtig im Griff.", stellt Will fest. Ich zuckte mit den Schultern. „Hast du denn in NewYork einen Freund?", bei dieser Stimme lief mir ein Schauer über den Rücken und ich bekam Gänsehaut. Irgendwoher kenne ich diese Stimme. Aber als ich bemerke das es von dem verhüllten kommt wusste ich, ich habe mich getäuscht.
„Nein. Nichts festes jedenfalls.", antworte ich jedoch. „So wie du aussiehst müssen sie doch Schlange stehen.", sagt John grinsend. Lilly boxte ihn spielerisch. Also waren sie immernoch zusammen. „Ähm naja keine Ahnung ich hatte nur Augen für mein Job und Collage und naja eigentlich war ich auch nicht wieder bereit für eine Beziehung nach der letzten.", gab ich verlegen zu. Lilly sah mich an als würden ihre Augen gleich rausfallen. „Was?", frage ich weil ich bei ihrem Blick unwohl fühle. „Das ist 6 Jahre her.", stellt sie fest. „Ja und?", frage ich nach. „Naja du hast in den 6 Jahren keine Beziehungen geführt.", fragt sie nochmals vorsichtig. „Wie gesagt nichts festes. Mir war ja auch klar das ich irgendwann wieder zurück kommen würde also wäre es eh kaputt gegangen", erklärte ich Schulter Zuckend.
Der Abend lief echt toll. Wir haben über alles geredet was in den Jahren passiert ist. Nur der Unbekannte redete eigentlich gar nicht. Sehr seltsam. Ich werde die anderen mal drauf ansprechen.
Um halb 4 ging ich dann endlich nachhause.

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