B...

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Behutsam klopfte ich an die schwere Holztür und wartete, dass sie aufging. Nichts passierte. Ich klopfte nach einiger Zeit noch einmal, doch noch immer rührte sich nichts und ich beschloss, noch etwas zu warten. Nach ungefähr 5 Minuten klopfte ich das letzte Mal und eine große schwarzhaarige Person riss zeitgleich die Tür auf. Snape starrte in mein verdutztes Gesicht und setzte einen Todesblick auf.
"Warum kommen Sie erst jetzt?!", presste er verärgert hervor.
"Professor, ich habe vorhin schon geklopft und niemand hat aufgemacht!", rief ich empört.
Seine Augen verengten sich zu Schlitzen und er baute sich bedrohlich vor mir auf:"Wollen Sie mich für dumm verkaufen?"
Als ich antworten wollte, hob er die Hand. "Ich möchte darauf keine Antwort!", knurrte er sauer.
Snape ließ mich eintreten und ich setzte mich an den Tisch vor seinem Pult. Er verschwand in seinem Nebenzimmer und kam mit einem großen Gefäß voller winziger Bestandteile wieder.
"Ich möchte, dass Sie diese Zutaten für mich ordnen. Nach Farbe, Form und Wirkung. Außerdem erwarte ich einen Aufsatz über die bestehenden Regeln und Verbote in Hogwarts. "
"Das schaffe ich doch niemals an diesem Abend!"
Er zog die Augenbrauen hoch und grinste hämisch:"Nun, dann halten Sie sich besser ran und verschwenden keine Zeit.."

Ein paar Minuten später schob ich das durchsichtige Glas weg und verschränkte die Arme. Ich spürte, wie sich sein kühler Blick auf mich legte. Ich schauderte, dennoch reckte ich, während ich mit den Augen die Decke fixierte um ihn auszublenden, mein Kinn siegessicher nach oben :"Nein."
Im Augenwinkel nahm ich war, dass sich die dunkle Gestalt langsam erhob und elegant aber dennoch bestimmt den Abstand zwischen uns überbrückte. Snape lehnte sich bedrohlich zu mir herunter:"Wie meinen?"
"Ich mache das nicht. Ich sehe keinen Sinn in Bestrafungen wie solchen...", bevor ich meine Beweggründe genauer erklären konnte, fiel er mir ins Wort. "Wissen Sie, Miss Gray? Ich schätze ihren Enthusiasmus, die Welt von Ungerechtigkeiten gegen Ihre Person zu befreien. Meinen Sie nicht, bevor dies gelingt, würde es nicht schaden, sich etwas in Demut und Respekt zu üben?", seine dunkle Stimme war mit diesen Worten immer eisiger geworden und hallte an den Wänden wider. Ich war bemüht, mir meine Unsicherheit nicht anmerken zu lassen, dennoch verriet meine Körpersprache alles, was er wissen musste, um sich seiner Autorität sicher zu sein. Snape schnellte mit einer Bewegung hinter mich und drückte mich auf den Stuhl zurück. "Weitermachen."
Ich setzte zum Widerspruch an, doch er klang so bestimmt, dass jeder Einwand zwecklos gewesen wäre. Seufzend machte ich mich ans Sortieren. Zwischendurch spürte ich immer Snapes prüfende Blicke auf mir lasten, die ich bestmöglichst ignorierte.

Drei Stunden später ordete ich das letzte Teilchen aus dem Glas in ein anderes Gefäß. Der Zaubertranklehrer zog skeptisch die Augenbraue hoch, er hatte wohl mit mehr Zeit gerechnet. In trozigem Tonfall fragte ich, ob er die Güte hätte, mich zu entlassen. Snape nickte langsam und ging mit großen Schritten zur Tür, um mich zu entlassen. Ich war erleichtert, als ich an der Türschwelle angekommen war. Seine Blicke brannten auf meiner Haut und ich hatte das Gefühl, durchleuchtet zu werden. Also verließ ich schnell das Zimmer und hörte, wie Snape mir ein "Morgen, 21 Uhr wieder hier!", hinterher warf.

Meine Schritte führten mich zum Slytherin-Gemeinschaftsraum, dabei spürte ich noch lange das brennende Gefühl auf der Haut. In dem grün schimmernden Saal angekommen, setzte ich mich allein auf das Sofa. Es war so still und friedlich, wenn alle schliefen. Diese Zeit genoss ich immer sehr. Ich horchte in die Stille und fand zu meiner Ruhe.

Plötzlich wurde die Leere im Raum mit Schritten gefüllt, die sich auf mich zu bewegten. Ich fuhr schnell herum und sah ein Mädchen aus den jüngeren Jahrgängen. Sie wirkte etwas verängstigt und hielt einen Brief in der Hand. Ich konnte nur ein schwarzes ungebrochenes Siegel erkennen und schaute das Mädchen fragend an.
"Hi, ich bin Lizzy, zweites Jahr. Ich soll dir das hier geben. Es lag vor deinem Schlafsaal." Schüchtern streckte sie mir den Brief entgegen, welchen ich schnell griff und mich flüchtig bedankte. Sobald sich die Schritte komplett entfernt hatten, riss ich den Brief auf und laß:

Der Mensch hat die Macht, Gut oder Böse zu wählen.
Du solltest dich bald entschieden haben.

Morgen, 20 Uhr, Peitschende Weide.

B.

Ich war verwirrt. Warum stand dort  kein richtiger Name als Unterschrift und warum sollte der Treffpunkt ein so sonderbarer Platz wie die peitschende Weide, sein? Ich faltete den Zettel wieder zusammen, doch ehe ich ihn wegstecken konnte, zerfiel er in meinen Händen zu staub. Scheinbar war dem Absender wichtig, dass niemand sonst von der Verabredung erfuhr.
Ich überlegte sofort, ob es klug wäre, Draco einzuweihen. Schließlich war er mein bester Freund und sehr gut in Verteidigung. Ich hielt es für sehr vernünftig, andererseits hatte ich die Überzeugung, das Treffen könnte eine große Chance sein und diese müsste ich dann mit Draco teilen.
Wer könnte es sein? B... Mir fiel niemand ein, vor allem niemand, mit dem ich etwas zutun haben könnte. Hilfreich wäre es, um sich auf die Situation vorzubereiten. Es machte schließlich einen Unterschied, ob ich wusste, wie die Person zu mir stand, ob sie gar gefährlich für mich war, oder nicht. In diesem Moment blieb mir nur, vorsichtig zu sein, den Zauberstab griffbereit unter dem Umhang und die Hoffnung, auf jemand wohlgesinntes zu treffen. Wer sollte mir nach dem Leben trachten? Würde sich ein Mörder überhaupt die Mühe machen, das Risiko eingehen, sein Opfer an einen Ort zu bestellen? Das Risiko, ich würde nicht allein kommen, war viel zu groß. Nein, es musste jemand sein, der etwas anderes wollte.
Mein Blick galt der Uhr. 3 Uhr in der Nacht. Langsam erhob ich mich, um mich ins Bett zu begeben. Meine Gedanken kreisten... was könnte man von mir wollen? Kurz dachte ich an den Hauselfen zurück, den ich auf dem Gewissen hatte. Vielleicht ein Auror? Nein... der hätte auch die Möglichkeit, mich öffentlich festzunehmen. Solche Methoden waren typischer für das Zaubereiministerium. Erschöpft sank ich ins Bett und starrte noch lange an die Decke, ständig das bevorstehende Treffen im Kopf. Das Beste würde sein, ich leistete erstmal Folge und ließ es auf mich zukommen. Ich sperrte die Zweifel aus meinem Kopf und machte mir bewusst, dass ich nichts zu befürchten haben würde.

So entschloss ich mich, auf eigene Faust zu gehen. Ich fühlte mich mächtig und unbesiegbar, außer Gefahr. Doch meine Unvorsichtigkeit sollte ich schon bald bitter bereuen.

Slytherin Proud  (Severus Snape FF)Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt