Er ist wieder da

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Das kleine Mädchen schaute mich ängstlich an.
"Hey... ich sage nichts. Aber was tust du hier ?"
Mit einem gezielten Griff schnappte ich mir ihr Buch. "Flüche, wie man sie erkennt und abwehrt."
Ich starrte sie fragend an.
"Was willst du mit solchen Büchern ?"
Gunda zögerte und schaute an mir vorbei.
"Sag es mir, und ich behalte die ganze Sache für mich!"
Ich merkte, dass sich das Mädchen unwohl fühlte, und beugte mich hinunter. Schließlich sprach sie mit
mir:" Naja, du, ich möchte doch so gern Auror werden..."
Meine Augen wurden groß.
"Auror ? Bei deiner Familie ? Hast du dir das gut überlegt ?"

"Miss Gray.", raunte eine dunkle Stimme verärgert.
Erschrocken drehte ich mich um und betete, es wäre nicht er.
Snape stand in voller Größe vor mir und schaute aus blitzenden Augen zu mir herab.
"Greengrass... sie gehen jetzt besser, bevor ich mich vergesse.",zischte er bedrohlich.
Hinter mir hörte ich kleine Schritte, die sich schnell entfernten. Weiter weg fiel eine schwere Tür ins Schloss. Wir waren allein. Die Dunkelheit und die Stille um uns herum schien zu pulsieren und erdrückte mich fast. Niemand sagte ein Wort. Ich schaute ihn nur an und wartete auf eine Regung seinerseits.
"Folgen sie mir.", sagte er plötzlich.
Ich tat, wie mir geheißen. Ich wollte nicht noch mehr Ärger bekommen als ohnehin schon.

Auf dem Weg zu den Kerkern machte ich mir Gedanken. Wie viel Nachsitzen konnte ein Lehrer dem Schüler maximal aufbrummen ?
Snape schritt mit schnellen Schritten voran und wartete nicht, also musste ich sehr große Schritte machen.
Er öffnete die Tür und ließ mich eintreten. Es war mitten in der Nacht, und der Raum war dunkel. Mit einem Schwenken seines Zauberstabes wurde es heller. Er ließ mich an einem Tisch vor dem Lehrerpult Platz nehmen und beäugte mich.
"So, Gray. Was wollten Sie in der verbotenen Abteilung ? Kaum wieder hier, und schon Ärger machen!"

Ich schaute betreten auf den Fußboden.
"Das Gitter war offen..."
"Sparen Sie sich ihre Lügen!", fuhr er mir dazwischen.
"Sie wissen, dass ich Sie nicht so davon kommen lassen kann. Zwölf Stunden nachsitzen erscheinen mir recht. Drei Stunden pro Woche. Ich schicke eine Eule."
Ich verdrehte unauffällig die Augen.
"Was war das gerade?", fragte er bedrohlich.
"Nichts...", brummte ich.
Snape beäugte mich streng, ließ mich dann aber mit den Worten "Bis morgen Abend und seien Sie pünktlich!", gehen.

Ich lief zu meinem Schlafsaal. Etwas anderes blieb mir auch nicht übrig.

Als ich den Gemeinschaftsraum betrat, traute ich meinen Augen nicht, als ich Blaise vor dem Kamin sitzen sah. Er schien mich nicht zu bemerken, deshalb lief ich auf ihn zu und setzte mich neben ihn.
"Alles gut, Blaise?", fragte ich ihn leise. Er schaute in die Flammen und antwortete erst nicht. Nach einigen Minuten, die wir zusammen still da saßen, redete er,
"Ich kann nicht schlafen. Ich fühle mich nicht gut."
Ich wollte wissen, weshalb.
"Meine Eltern begeben sich in Gefahr."
Er räusperte sich leise und erläuterte dies genauer.
"All, der dunkle Lord ist wieder da. Das ist keine Lüge. Potter hat recht."
Absolute Stille. Ich fragte mich, ob Blaise den Verstand verloren hatte und woher er das wissen wollte.
"Woher weißt du das so genau?", hakte ich also nach.
Der junge Mann starrte auf den Boden. "Meine Eltern sind in diesem Moment bei ihm."

Es war erneut still zwischen uns im Gemeinschaftsraum. Keiner von uns wusste, was er sagen sollte. Ich musste das erst mal verdauen. Schließlich überwand ich mich und strich beruhigend über seinen Arm.
"Blaise, deine Eltern tun das Richtige. Überleg mal, wie es wäre, wenn deine Eltern sich nicht anschließen würden? Dann wären sie erst recht in Gefahr. Mach dir nicht zuviel Gedanken. Sie werden wissen, was sie tun!", redete ich ihm gut zu.
Blaise schaute mich an und schien zu überlegen, was er sagen sollte. Dann erzählte er mir zögerlich, was ihn daran genau bedrückte.
"Ich soll auch beitreten..." Die Worte kamen ihm nur schwer über die Lippen und er verstummte augenblicklich wieder. Damit hatte ich noch nicht gerechnet. Fragend zog ich eine Augenbraue hoch.
"Was ist das Problem dabei?", fragte ich. Er zog nur die Schultern hoch und schaute gedankenverloren in die Flammen, welche knisternd im Kamin flackerten.
Meine Frage blieb offen. Langsam erhob ich mich. Ich merkte, dass Blaise nicht weiter sprechen wollte.
Leise wünschte ich ihm eine gute Nacht und begab mich in meinen Schlafsaal.

Am nächsten Morgen fühlte ich mich wie gerädert.
Ich hatte die ganze Nacht wach gelegen und über die jetzige Situation gegrübelt. Blaise würde also demnächst ein Todesser sein. Er sollte sich freuen und es war mir ein Rätsel, weshalb er so unglücklich darüber zu sein schien. Während ich mich anzog, überlegte ich, wie ich in eine ähnliche Situation kommen könnte. Einfach zum dunklen Lord gehen und anklopfen? Dumme Idee, wenn man noch ein paar Jahre seines Lebens haben wollte.
Blaise war mein Freund. Das hatte den Vorteil, dass ich durch ihn schon mal etwas näher an den Todessern wäre. Der Rest musste sich finden.
Tief in Gedanken schlenderte ich in die große Halle und setzte mich etwas entfernt von allen an den Tisch. Auf Pansy und Draco war ich nicht gut zu sprechen, da ich mehr von ihnen erwartet hatte. Vor allem von Draco. Wir hatten nicht mehr dieses gute Verhältnis, was wir damals hatten, bevor ich Zuhause unterrichtet wurde. Er hatte sich mit den Jahren geändert und ich mich auch. Vielleicht passte das im Moment einfach nicht gut zusammen. Trotzdem hoffte ich, mich bald wieder besser mit ihm zu verstehen. Ich wollte Draco als Freund nicht verlieren. Blaise hatte ich heute noch nicht gesehen. Vielleicht würde ich nachher nach ihm suchen. Ich bemerkte plötzlich, wie sich jemand neben mich setzte. Als ich aufschaute, war es Daphne. Sie nahm sich ein Toast und fragte, ob ich ihr die Marmelade reichen könnte. Dann biss sie in ihr Toast und erkundigte sich schmatzend, wie es mir ging. Ich gab eine knappe Antwort.
"All, magst du mit Draco, Pansy und mir heute Abend an den See gehen? Vielleicht kommt Goyle auch mit!"
"Tut mir leid... ich muss heute Abend nachsitzen. Aber vielleicht geht ihr Morgen nochmal?", fragte ich erstaunt. Mit so einer Einladung hatte ich nicht gerechnet und sicher war es gut, Zeit mit Freunden zu verbringen. So konnte ich vielleicht noch einige Streitpunkte klären. Vor allem Pansy ging mir seit gestern aus dem Weg. Sie nickte, dann begaben wir uns gemeinsam in den Unterricht.

Der Schultag ging leider recht schnell vorbei, so rückte das Nachsitzen bei Snape immer näher. Am liebsten wäre ich nicht hingegangen, aber eine Wahl blieb mir nicht wirklich. Außer ich wollte, dass er mich persönlich umbringt.
Also begab ich mich gegen Abend in die Kerker und blieb mit einem mulmigen Gefühl vor seiner Tür stehen.

Slytherin Proud  (Severus Snape FF)Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt