Ein paar Jahre später

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Nun war ich also schon 16 Jahre. Fast fünf Jahre wurde ich nun Zuhause von meinem Vater unterrichtet. An sich war er kein schlechter Lehrer. Ich war dem Lehrstoff, der in Hogwarts gelehrt wurde, weit voraus. Aber wollte ich das ? Nein. Ich hätte alles dafür gegeben, diese Jahre in Hogwarts verbringen zu dürfen. Das imposante Schloss, die große Halle und der dunkel schimmernde Slytherin Gemeinschaftsraum kam mir fast wie ein alter Traum vor. Meine Schwester ging natürlich noch nach Hogwarts, als ich dort nicht mehr hin durfte, aber inzwischen hatte sie dank meines Vaters einen relativ guten Posten im Zaubereiministerium. Mein kleiner Bruder Jason war schon im dritten Schuljahr, da er ja genau zwei Jahre jünger als ich war. Ich wusste, dass ich keinerlei Chancen hatte, wieder nach Hogwarts zu kommen, geschweige denn meine Freunde zu sehen.

Gerade waren Ferien, und meine beiden Geschwister hier Zuhause. Ich traf sie nicht oft, da ich mich meist in meinem Zimmer aufhielt. Mein kleiner Bruder war eigentlich relativ nett zu mir, meine Schwester ignorierte mich größtenteils, so wie ich sie.

Resigniert ließ ich mich auf mein weißes Himmelbett fallen und starrte mal wieder an die Decke. In Slytherinfarben durfte ich mein Zimmer nicht mehr halten, da meine Eltern damit ein großes Problem gehabt hätten. Und ich wollte vor allem meinen Vater nicht verärgern. Zu oft hatte er mich für falsche Worte bestraft...

~Flashback~

Es war mitten in der Woche und ich saß mit meinen Eltern am Frühstückstisch. Meine Geschwister waren natürlich nicht da, weil sie ja in Hogwarts waren. Es war komplett still und man hörte nur immermal wieder Besteck klirren. Mein Vater laß den Tagespropheten, und meine Mutter trank schweigend ihren Tee.

„Vater ?", fragte ich unsicher.

Der großgewachsene Mann legte leicht genervt die Zeitung weg und nickte mir zu, als Zeichen, dass er zuhörte.

„Ich bin doch nun schon seit 3 Jahren hier auf unserem Anwesen. Nie durfte ich raus, und habe etwas anderes gesehen, als die Mauern, die unser Grundstück eingrenzen. Ich wollte fragen, ob ich mal wieder Freunde besuchen dürfte ?"

Die Augen meines Vaters verengten sich sofort.

„Wen meinst du mit Freunden, Allison ?", fragte er streng.

Ich wusste genau, dass er mich niemals zu Draco oder Pansy lassen würde. Selbst alle Briefe, die von ihnen kamen, hatte er, bevor ich sie lesen konnte, verbrannt. Es blieb mir nichts übrig, als zu lügen.

„Ich dachte da vielleicht an Hermine Granger."

Der Blick meines Vaters wandelte sich in Verwunderung, doch dann wechselte er in plötzliche Erkenntnis. Missbilligend schüttelte er den Kopf und schnalzte mit der Zunge.

„Allison... was mache ich nur mit dir. Versuchst also, deinen Vater anzulügen. Tz,tz,tz..."

Er schob ruckartig den Stuhl zurück, kam um den Tisch herum und zog mich am Oberarm nach oben.

„Diese Flausen wollen wir dir doch mal ganz schnell austreiben."

Er brachte mich in sein Arbeitszimmer. Das bedeutete nie etwas Gutes. Ich stand mitten in Raum und mein Vater umkreiste mich, und betrachtete dabei abwesend die Bücher im Regal. Nach einiger Zeit des Schweigens schaute er mir plötzlich direkt in die Augen und sprach leise und bedacht.

„Ich möchte dir nicht wehtun, Allison. Aber du lässt mir keine Wahl. Deine falschen Charakterzüge müssen dir schließlich ausgetrieben werden. Wenn du nur nicht immer so vorlaut und frech wärest... aber keine Sorge, wir heilen dich schon noch davon. Und dafür musst du auch Opfer bringen. Schmerz... ist die beste Methode, Menschen gefügig zu machen. Du bist weder gefügig, noch demütig. Also ist es meine Aufgabe als Vater, dir das beizubringen. Es tut mir leid, mein Schatz, aber irgendwann wirst du mir dafür danken."

Und dann entstand dieser Schmerz. Der Schmerz, der immer entstand, wenn ich mich unrecht verhalten hatte. Mein Vater hatte eine Vorliebe für den Folterfluch, und diese konnte er ungebremst an mir ausleben. So wurde ich Stück für Stück ruhiger und weniger ich selbst.

~Flashback Ende~

Plötzlich klopfte es an meiner Tür, und meine Mutter trat in mein Zimmer. Sie sah sich kurz um, bis ihre Augen die meinen trafen, und setzte sich auf meine Bettkante. Kurz zögerte sie, doch dann fing sie an, zu sprechen.

„Allison, ich muss dir etwas sagen. Dein Vater wollte eigentlich nicht, dass du dabei bist, aber ich konnte ihn überzeugen, dass du aus deinen Fehlern gelernt hast, und weißt, wie sich eine richtige Gray zu verhalten hat. Heute Abend veranstaltet dein Vater einen Ball. Du weißt, dass er letzte Woche Geburtstag hatte, und auf diese Feier werden viele wichtige Leute der Zaubereigesellschaft kommen. Ich hoffe, du weißt wirklich, wie du aufzutreten hast. Dein Vater wollte dich eigentlich auf deinem Zimmer lassen, aber ich denke, es wäre gut, wenn du mal wieder unter Menschen kommst. Ich habe mit ihm alles abgeklärt, und er möchte dir eine Chance geben, dich zu beweisen. Nutze diese gut !"

Ich fing an zu strahlen. Wichtige Leute aus der Zaubereigesellschaft ? Das hieß, es bestanden Chancen, dass ich Leute aus Hogwarts wiedertraf. Meine Mutter war derweil zu meinem Kleiderschrank gegangen, und wühlte sich durch die vielen Kleider, die ich besaß, aber eigentlich nie anzog. Nach einiger Zeit wurde sie fündig, und zog ein dunkelrotes, langes Kleid mit Spitze, und einem tiefen Rückenausschnitt heraus. Dazu bekam ich hohe Schuhe, und eine kleine glitzernde Kette mit dem Familienwappen. Dann rief die blonde Frau noch eine Hauselfe, welche begann, mir die Haare kunstvoll hochzustecken.

Nach einiger Zeit war ich fertig. Eigentlich mochte ich dieses übertriebene Zurechtmachen gar nicht. Aber ich hatte keine Wahl. Und vielleicht bestand ja die Chance, ein paar meiner Freunde aus Hogwarts wiederzutreffen, da diese ja auch meist aus hoch angesehenen Familien stammten. Mit einem Schnipsen der Hauselfe war ich noch dezent geschminkt, und trug dunkelroten Lippenstift.

Als ich mich genauer im Spiegel betrachtete, stockte mir kurz der Atem. Ich sah wirklich gut aus. Und eigentlich war ich mit sowas wirklich kritisch. Aber die Hauselfe hatte gute Arbeit geleistet. Das Kleid passte wie angegossen und die vorderen Haarsträhnen umrahmten mein Gesicht, während der Rest hochgesteckt war. Kurz warf ich einen Blick auf die Uhr. Es war kurz nach 19 Uhr. Ich öffnete meine Zimmertür, und ging zur Treppe. Unten waren bereits viele Gäste, denn es war ziemlich laut. Überall klirrten Gläser, es spielte leise klassische Musik, und man hörte viele Stimmen, die sich angeregt unterhielten. Alles fand in unserer großen Eingangshalle statt, so war viel Platz, und sehr viele Leute da. Oben kam mir mein kleiner Bruder Jason entgegen. Er trug einen teuren, dunklen Anzug und einen Umhang aus Samt. Er lächelte mir zu, ich grüßte ihn. Dann stieg ich langsam die Treppe hinab. Ich spürte die neugierigen Blicke auf mir...

Slytherin Proud  (Severus Snape FF)Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt