Wir machen unseren Ausflug an das Haus am See mindestens zwei Mal im Jahr, aber ich habe mich noch nie so sehr darauf gefreut, wie dieses Mal.
Was daran liegt, dass der November die Hölle auf Erden gewesen ist. Im Winter, wenn ständig die Coca Cola Santa Claus Werbung im Fernseher läuft, ist es für sie am schlimmsten.
Am 22. Dezember wird es vier Jahre her sein. Ich weiß nicht, ob ich darüber überrascht bin, dass wir das nun schon so lange irgendwie auf die Kette bekommen, oder ob ich mich fürchten sollte, weil sich die vier Jahre fast schon wie vierzehn angefühlt haben.
Obwohl ich mit jedem Jahr routinierter werden sollte, habe ich eher das Gefühl, jedes Mal schwächer zu werden, als würde mir alle Energie aus den Knochen gezogen werden.
Die ersten beiden Dezemberwochen sind fast schon entspannt gewesen und das, obwohl Grace, Zoey und ich gemeinsam ihr Haus weihnachtlich geschmückt haben und ich jeden Dienstagabend zu ihnen gehe, um Zoey eine Weihnachtsgeschichte vorzulesen.
Ich gehe Dienstags, weil das Ende meiner Schicht in der Werkstatt perfekt passt, um danach bei meiner Tante zu Abend zu essen. Zumindest rede ich mir das ein, denn prinzipiell würden dafür ebenso gut der Mittwoch und der Donnerstag in Frage kommen. Aber Dienstags ist Ivy in Zoeys Kindergarten und die Kleine redet ohne Punkt und Komma über die blonde Schönheit.
Wenn Zoey von ihr spricht, dann muss ich nicht darauf achten, ob ich gerade ein träumerisches Lächeln auf den Lippen habe oder in welche Richtung, meine Gedanken wandern. Denn wenn ich bei meiner kleinen Cousine bin, dann sieht mich keiner meiner Freunde und keiner ahnt, wie sehr mir das Mädchen mit dem Dauerlächeln mittlerweile den Kopf verdreht hat.
Vielleicht freue ich mich auch gerade deshalb so sehr auf den diesjährigen Trip zum See, denn dieses Jahr, ist Ivy dabei.
Ich versuche mich an dieses positive Gefühl zu klammern und das Brennen des Handys in meiner Hand, in den Hintergrund zu rücken.
Wenn ich auf den Anruf warte, wird es nicht passieren. Das ist immer so. Es passiert immer dann, wenn ich am wenigsten darauf vorbereitet bin, dann, wenn es mich eiskalt erwischt.
Müde dehne ich meinen Rücken, drehe mich etwas zur Seite, um meine Wirbelsäule knacken zu lassen. Den unzähligen Nächten auf Tante Grace Couch muss ich langsam Tribut zollen. Aber am Wochenende hätte ich in meiner eigenen Wohnung wohl kaum Schlaf gefunden. Heute sind es nur noch sechs Tage bis zum 22. Dezember. Es kann jeden Augenblick passieren.
Hätte Adam nicht bei meiner Tante vorbeigeschaut, wofür ich ihm noch immer am liebsten eine reinhauen würde, wäre ich dieses Mal gar nicht mitgekommen. Aber zusammen mit meinem besten Freund, hatte Grace mich beinahe gezwungen mir die eine Nacht Auszeit mit meinen Freunden zu gönnen. Mitch hatte die Werkstatt heute extra früher geschlossen, um seine Frau unterstützen zu können.
Der nächste Umstand, den sie sich für meine Mum und mich machen, an dem ich die Schuld habe.
Irgendwann in den letzten Jahren habe ich aufgehört zu zählen, wie oft sie die Werkstatt für uns geschlossen haben, wie viele Ausflüge sie verschoben und wie viele Nächte Schlaf wir ihnen geraubt haben.
Die Liste an Dingen, die ich ihnen schuldig bin wird länger und länger. Es ist wohl eine Frage der Zeit, bis sie mich erdrücken wird.
Ich merke selbst, dass ich mich in meinen eigenen trüben Gedanken im Kreis drehe, aber ich kann mich aus dem Strudel einfach nicht befreien. Seufzend bringe ich mich wenigstens dazu das Handy in meine Hosentasche zu stecken.
Gerade, als ich meiner inneren Anspannung Luft machen will, indem ich wild durch den Innenhof tigere, öffnet sich die Haustür und mir strahlt ein einnehmendes Lächeln entgegen, dass mich sofort alles vergessen lässt.
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At First Smile
ChickLitAuf einmal ist Keith überall. Sein Duft steigt mir in die Nase und ich meine die Berührung seines Körpers auf jedem Zentimeter meiner Haut brennen zu spüren. Unsere Beine sind ein einziger Knoten, doch ich bekomme gerade so viel geordnet, dass ich s...
