7. Kapitel

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Ich erschauderte. Vor mir stand ein Mann mit pechschwarzem zerstrubbelten Haar. Ich hob meine rechte Augenbraue. Diese skurille Situation überforderte mich. Die Gestalt vor mir hatte schöne braune Augen. Ich schätze ihn auf Mitte 20. Er trug einen 3-Tage-Bart und ein schmutziges Hemd, was wohl weiß gewesen war. Die dunkle Hose ging ihm bis zu den Knien und man konnte erkennen, dass er sie abgeschnitten hatte. War bei der Hitze auch nicht komisch. Eine gefühlte Ewigkeit starrten wir uns in die Augen. Mir fiel auf, dass er eines der schönsten Männer war, die ich gesehen hatte. Was machte so ein gutaussehender Mann auf einer unzivilisierten Insel? Das war doch absurd. Ich, mit meinen jungen 16 Jahren, strande irgendwo im nirgendwo. Musste das echt ausgerechnet mir passieren? Was hatte ich getan, verdammt?

Aber kommen wir zurück zu der heißen Schnitte vor mir. Haha, heißen Schnitte. Meine Ausdrucksweise ließ zu wünschen übrig. Er hob seine Augenbrauen und grinste mich verschmilzt an. Das brachte mich aus dem Konzept. Erst packt er mich grob an dann schaut er mich so an. Und in dem Moment knurrte mein Magen. Ich stehe vor dieser Zuckerstange und mein Magen knurrt. Das ist doch ein Witz! Der Mann schaute von meinen Augen zu meinem Bauch und dann zurück. Er lachte. Verlegen schaute ich weg. Warum sind die anderen eigentlich so ruhig? Ich stehe hier schon ziemlich lange. Dachte ich. Ich drehte mich um und sah Carlos, der den 'Wilden' vor mir missmutig musterte. Der war doch nicht etwa eifersüchtig?

Auch Amelie und Caleb musterten den Fremden. "Ist das ein Kannibale?", flüsterte Amelie Caleb zu. Caleb's Augen weiteten sich. "Ich hoffe doch nicht.", erwiderte er. Die Pupillen des Fremden wurden groß. "Ihr sprecht Deutsch?" Benebelt schaute ich ihn an. "Seit wann sprechen Urwaldmenschen denn deutsch? Auf den Fiji-Inseln spricht man doch Fiji! Sag mal, ich bin doch nicht betrunken?", meinte Caleb. Ich schaute meinen Bruder kopfschüttelnd an. "Warum kannst du Deutsch? Bist du hier alleine? Warum bist du hier?", fragte ich den Fremden  forsch. Er überging meine Frage und deutete nur mit seinem Finger in eine Richtung. "Folgt mir", äußerte er. Fragend schaute ich die anderen an. Achselzuckend folgte Caleb dem Mann und wir taten es ihm gleich. 

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