4 - Ein verwirrter Prinz

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Gezeichnet von der Erschöpfung sackten Hayden und Shade gleichzeitig zu Boden. Ihre Herzen hämmerten in demselben ängstlichen Takt: Viel zu laut und viel zu schnell.

Minutenlang saßen sie schweigend auf dem nasskalten Untergrund, den Blick stets auf die riesige Stahltür gerichtet.

Shade wusste zwar, dass die Wachen des Königshauses die Zahlenkombination nicht kannten – dafür hatte Novalee höchstpersönlich gesorgt – aber dennoch wollte die Angst nicht von ihm ablassen. Seit Shade gemeinsam mit Hayden durch den Wald gerannt war und von goldenen Pfeilen verfolgt wurde, war die Angst zu seinem Wegbegleiter geworden. Wie ein lästiger Parasit saß sie ihm nun im Nacken und knabberte an seiner Seele.

Hayden war die Erste, die nach einiger Zeit wieder zu Luft kam. Das Adrenalin wich langsam aus ihrem Körper und machte Platz für die kreisenden Fragen, die ihr Hirn beinahe zum Explodieren brachten.

„Was wollten die Männer von uns?", fragte Hayden leise in die Dunkelheit hinein. Außer den blitzenden Augen, die dem fremden Jungen gehörten, konnte Hayden nichts sehen.

Wo auch immer sie sich gerade befand, dieser Ort hatte dringend einen Lichtschalter benötigt. Auch der Geruch nach Abwasser hätte ruhig durch einen blumigen Rosenduft ersetzt werden können.

„Was die Wachen des Königs von uns wollten?" Shade konnte sich trotz der Schmerzen, die seinen Körper in Flammen setzten, ein spöttisches Lachen nicht verkneifen. Dass Hayden die Dreistigkeit besaß, ihm solch eine Frage zu stellen, entfachte ein Feuer des Zorns in Shades Innerem. „Sie wollten uns töten, Hayden! Oder denkst du etwa, dass sie nur zum Spaß mit Pfeilen auf uns geschossen haben?!"

Shades Stimme überschlug sich vor Wut, sodass er kläglich nach Luft röcheln musste.

Er durfte sich nicht aufregen. Sein Herz hatte in den vergangenen Minuten ohnehin genug Strapazen erleiden müssen.

Hayden bemerkte sofort, dass es ihrem Gegenüber nicht gutging. Da sich ihre Augen langsam an die Dunkelheit gewöhnt hatten, konnte sie die Schweißperlen, den müden Blick und den schmerzverzogenen Mund des fremden Jungen ganz genau sehen.

Er brauchte dringend Hilfe.

„Du musst in ein Krankenhaus", stellte Hayden im Einklang mit ihren Gedanken besorgt fest. Zwar hätte sie den Jungen viel lieber weiterhin über die schwarzen Krieger ausgefragt, doch sein Gesundheitszustand, der sich mit jeder Sekunde zu verschlechtern schien, hatte in jenem Moment Vorrang.

Tot würde ihr der Junge schließlich auch keine Fragen beantworten können. Außerdem hätte sich Hayden niemals verziehen, für den Tod eines Menschen verantwortlich zu sein.

„Hast du vielleicht dein Handy dabei? Dann kann ich den Notarzt anrufen." Hayden wurde ungeduldig. Je mehr Zeit sie verschwendeten, umso lauter wurde das schmerzerfüllte Keuchen des Jungen.

Wenn er nicht schnell von einem Arzt behandelt werden würde, würde er in der nächsten Stunde sterben.

Shade selbst spürte ebenfalls, wie ihn seine Kraft immer mehr verließ. Das lag allerdings nicht nur an dem Pfeil, der noch immer in seiner Schulter steckte, sondern auch an den Worten, die Hayden von sich gegeben hatte.

Seit Shade mit Hayden im Wald verschwunden war, redete Hayden in Rätseln.

„Ein Handy?", hakte Shade ungläubig nach. „Du willst mich wohl verarschen, oder? Du weißt doch, dass König Arvid vor zehn Jahren alle Handys zerstört hat."

Dieses Mal lag es an Hayden, überrascht die Augen zu weiten, denn sie hatte keine Ahnung, wovon der fremde Junge sprach.

König Arvid?

In einer Zeit nach dir und mirGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt