11

788 35 11
                                        

Lucretia merkte wie sie Tag für Tag vorsichtiger sein musste. Egal was sie sagte, fragte oder in der Bibliothek des Manors nachlas, Abraxas schien sie bei einfach allem stets im Blick zu haben.
Als sie eines Morgens aufwachte, fand sie ihn, wie so oft, nicht neben sich im Bett vor. Sie zog einen ihrer teuren Morgenmäntel über und ging hinunter zum Frühstück. Ein Zettel lag für sie bereit, welcher sich von selbst vorlas, als sie den Speisesaal betrat.

„Guten Morgen, Mein Herz. Ich bin bis Heute Mittag nicht hier. Iss etwas und ruh dich aus. Später haben wir noch Pläne."

Abraxas Worte waren gut gewählt, aber eindeutig. Das bedeutete so viel wie „mach keinen Unsinn solange ich fort bin". Zu seinem Glück hatte sie das auch nicht vor. Stattdessen ließ sie sich Frühstück bringen, auch wenn ihr wegen der Schwangerschaft am Morgen immer ein wenig übel war. Anschließend nahm sie ein wohltuendes Bad. Sie musste die Zeit vergessen haben, da sie bereits wenig später die Stimme ihres Mannes in der Eingangshalle hörte „Lucretia! Wo bist du? Ich habe etwas für dich."
Die junge Frau seufzte. Am liebsten hätte sie es ignoriert und das warme Wasser weiter genossen. Sie ließ einen Hauselfen ausrichten, dass sie im Bad war und in zehn Minuten fertig wäre.

Pünktlich zehn Minuten später trat sie durch die Verbindungstür ins Schlafzimmer. Sie hatte nur wieder den Morgenmantel übergeworfen und würde ihre Kleiderwahl von seinen Plänen abhängig machen. Sie hatte nicht damit gerechnet, dass er im Schlafzimmer auf sie wartete, doch vor ihr stand Abraxas, am Fenster. Wie die meiste Zeit trug er auch Heute einen schwarzen Anzug was seine blauen Augen und das beinahe weiße Haar nur umso deutlicher hervorstechen ließen.

„Abraxas.." meinte sie beinahe erschrocken. „Ich dachte du wartest im Wohnzimmer."

Der junge Mann winkte ab. Er schien gut gelaunt zu sein, denn auf seinen Lippen zeichnete sich die kleinste Spur eines Lächelns. Eine bessere Reaktion gab es bei ihm schlichtweg nicht.
„Da bist du ja endlich. Rate was geschehen ist, mein Herz." forderte er sie auf.

Die ehemalige Black sah ihn zweifelnd beinahe misstrauisch an und zuckte mit den Schultern. Das konnte nichts gutes bedeuten. „Ich...weiß es nicht?" gab sie zögerlich zu. Es war nie klar wie er reagierte. Seine Stimmung schwankte schnell und so wählte sie jedes Wort mit Bedacht.

Der Blonde lachte leise „Na schön na schön...vor dir steht der neue Zaubereiminister. Leach wurde abgesetzt und ich bin sein Nachfolger."

Da all die Umstände und die Schwangerschaft ihr ohnehin die Kraft raubten, war Lucretia blass, aber nun wurde sie noch ein wenig blasser. In ihrem Kopf begannen ihre Gedanken zu kreisen. Abraxas war der neue Minister des Ministeriums? Das musste geplant gewesen sein. Aber wieso er? Wieso nicht Tom? Wieso jetzt auf einmal? Und vor allem..wie? Es war definitiv ein Schritt in Riddles neue Welt. Ein Schritt tiefer in die Dunkelheit.

Erst Abraxas auffordernder Blick entlockte ihr ein gezwungenes Lächeln „das ist....wundervoll..." erwiderte sie beinahe etwas brüchig. Der Malfoy schien zu bemerken, dass sie sich nicht freute und er trat einen Schritt zu ihr heran.

„Nein Darling. Es ist nicht wundervoll. Es ist ein Schritt in die bessere Zukunft. In unsere Zukunft und in die unseres Kindes" erwiderte er ernst und sah auf sie hinab. Mit zwei Fingern hob er ihr Kinn an sodass sie gezwungen war ihn anzusehen. Ihre grünen Augen trafen auf seine. Sie wusste was er versuchte. Seit sie Okklumentik beherrschte schaffte er es nur noch so in ihren Kopf und dann auch nur, wenn sie sich nicht wehren konnte. Sie spürte wie seine Kraft gegen ihre traf, wie ihr Kopf begann zu schmerzen. Sie schloss ihre Augen und versuchte ihn wieder zu verdrängen. Doch jetzt wo sie ihre Magie teilen musste, mit dem Kind das in ihr heranwuchs, fiel es ihr schwerer.

„Hör auf" bat sie leise und versuchte ihn an der Brust von sich zu drücken, auch wenn ihr klar war, dass das nicht helfen würde.

„Dann sag mir was du denkst und zwing mich nicht dazu, Lucretia." erwiderte er ruhig, aber hörte nicht auf gegen sie anzukämpfen. Auch wegschieben ließ er sich kein Stück.

Die junge Frau nickte und hielt sich den Kopf „na schön..." murmelte sie und sammelte sich kurz.

„Ich freue mich nicht für dich. Ich würde gerne lügen, aber das willst du ja nicht hören. Die Zukunft die du willst, die Riddle will, ist nicht die Zukunft die ich mir wünsche. Wieso soll ich mich also freuen, dass irgendeiner euerer Pläne aufgeht? Wieso überhaupt du? Wieso nicht Riddle selbst? Er ist es doch, der die Macht so unbedingt will..."

Abraxas lachte nur leise und ging zu einem kleinen Tisch, wo er sich Feuerwhisky aus einer Karaffe einschenkte.

Dann antwortete er „Süße Lucretia. Du solltest doch freuen, weil es mich freut, dass dieser Plan aufgegangen ist. Alles andere spielt für dich überhaupt keine Rolle. Sei stolz darauf, dass du mit dem politisch mächtigsten Zauberer unserer Gesellschaft verheiratet bist und lächle hübsch für die Kameras. Mehr erwarte ich gar nicht von dir, meine Liebe".

Lucretia spürte erneut wie es ihr einen Stich gab, wenn er so sprach. Sie sollte nur neben ihm hübsch aussehen und das tun was er ihr sagte. Das war seine Definition von ihrem Leben.

„Ich denke ich sollte mich ausruhen, wenn du Heute Abend noch Pläne hast" meinte sie leiser um einer Diskussion zu entgehen.

„Oh bitte nur zu. Wir gehen Heute Abend zu einem Essen mit ein paar Ministeriumsmitgliedern. Ich denke dir ist bewusst was passiert, wenn du dich nicht benimmst?" fragte er und zog die Augenbrauen dabei ein wenig in die Höhe. Die junge Frau nickte resignierend „natürlich." es war nicht so, dass er sie irgendwie verschonte, nur weil sie ein Kind erwartete.

Sie wollte den Raum verlassen, aber erneut kam Abraxas ihr zuvor „Ah bevor ich es vergesse. Komm her." befahl er.

Sie zögerte unsicher was er vor hatte, aber kam der Aufforderung nach und kam zu ihm. Er zog ein Etui aus seiner Jacketttasche und öffnete es. „Schließ die Augen"
-„Abraxas, ich..." murmelte sie.
„Ich sagte schließ die Augen!" erwiderte er. Sie seufzte aber schloss die Augen. Dann spürte sie etwas kühles an ihrem Dekolleté und seine dunkle Stimme neben ihrem Ohr sagte leise „öffne sie." und sie kam dem nach.

Um ihren Hals lag ein Collier aus Diamanten und Smaragden, wie sie im Spiegel vor sich sehen konnte. Es war schön. Es gefiel ihr sogar. Aber es war von ihm.

„Danke" meinte sie leise während ihre Hand an ihren Hals glitt um es zu berühren.

„Sieh es als Ausdruck meiner Guten Laune. Du willst doch nicht, dass diese wieder verschwindet, oder nicht?"  meinte er beinahe warnend und drehte ihren Kopf dabei zu sich damit sie ihn ansehen musste.

„Nein...das...will ich nicht." erwiderte sie leise.

Hidden Scars//Harry Potter FFWo Geschichten leben. Entdecke jetzt