„Hey wach auf!" verlangte eine raue noch schläfrige Stimme neben ihr.
Als sie die Augen öffnete erfasste sie eine tiefe Dunkelheit. Eine Kerze in einer Ecke des Raumes entzündete sich und sie konnte die Umrisse des Mannes neben sich wahrnehmen.
Lucretia wusste was geschehen war. Sie hatte wieder von diesem Tag geträumt, der nun bereits viele Monate zurück lag. So ging es fast jede Nacht. Sie erwachte schweißgebadet und schrie.
„Schon wieder?" fragte Abraxas ruhig und musterte sie aufmerksam.
Es war nicht als hätte sie ihm freiwillig davon erzählt, nein er hatte Leglimentik erlernt. Von Tom persönlich. Ihre nächtliche Panik sorgte dafür, dass sie im Schlaf kaum eine Möglichkeit hatte die Barriere zu ihren Gedanken aufrecht zu erhalten. So wusste er was sie Nacht für Nacht durchlebte.
„Ja." antwortete sie etwas atemlos und sah einen Moment in seine Augen.
Es war Mitten in der Nacht, doch der Malfoy erhob sich und zog einen Pullover über seinen zuvor entblößten Oberkörper.
„Komm ich mach dir etwas warmes zu trinken." sagte er und drehte sich bereits zur Tür.
Auch die ehemalige Black erhob sich aus dem Bett. Die Seide ihres dunkelgrünen Nachtkleides schmiegte sich sanft an ihren Körper. Sie fröstelte leicht und zog einen mit Spitze verzierten Morgenmantel, des gleichen Stoffes, über.
Dann folgte sie ihrem Mann hinunter in den Salon. Sie waren seit Abraxas Abschluss nun verheiratet. Sie selbst hatte man noch vor den OWLs von der Schule genommen, angeblich zur Vorbereitung auf die Hochzeit. Ihre Mutter war überzeugt, dass sie zum Kinder bekommen und Hauselfen anweisen, keine weitere Bildung benötigte. Allein der Gedanke daran verursachte in ihr Übelkeit. Alles in ihr sträubte sich gegen dieses Leben.
Zwar war es nicht ganz, wie ihre Mutter es sich vorstellte, aber sie wusste nicht ob es das besser machte. Man zwang sie weiterhin Toms Todessern anzugehören und seine Interessen zu vertreten. Es war ihnen egal, was sie davon hielt.
Der Einzige, der sich noch über Lucretias Befinden erkundigte, war ihr Bruder. Orion sprach viel mit ihr. Er kam sie oft besuchen und war meist direkt neben ihr, wenn Tom sie versammelte. Von Endira und Mony hatte sie schon lange nichts mehr gehört. Ihre Briefe waren nie angekommen und sie wusste auch, dass das an Malfoy lag. Genauso hatte auch sie keine Briefe erhalten. Hatte Abraxas sie auch abgefangen? Hatten sie vielleicht erfahren, was sie getan hatte und wollten ihr gar nicht schreiben?
Sie wusste es nicht genau.
Als sie den Salon betrat beobachtete sie wie der Blonde sich in einem Sessel niederließ und auffordernd auf seinen Schoß klopfte. Wie gerne hätte sie die Augen verdreht und sich einfach weit weg auf die Couch gesetzt. Doch sie wusste was passierte, wenn er wütend wurde. Gerade war nicht der Moment ihn zu provozieren sie konnte darauf verzichten schon wieder drei Tage in den Keller, des Manors, gesperrt zu werden und am Tag ein Glas Wasser zu bekommen. Sie fragte sich wieso er nicht einfach wie damals den Cruciatus nutzte, doch bisher hatte er keine Magie mehr gegen sie verwendet. Wäre sie naiv, hätte sie geglaubt er hätte aus seinen Fehlern gelernt, aber nein. Er konnte sie auf ganz anderen Wegen verletzen uns niemand konnte ihr helfen, außer sie sich selbst.
Sie ließ sich also auf seinem Schoß nieder und lehnte sich etwas an seinen starken Oberkörper. Seine Arme legten sich um ihren zierlichen Körper und einen Augenblick entspannte sie sich bei der schon so gewohnten Wärme. Er war nicht immer schlecht und grausam. Er hatte seine guten und seine schlechten Tage und sie war sicher, würde sie sich an die Regeln halten, die er nie wörtlich aufgestellt hatte, wäre die Situation wohlmöglich anders.
Ein Hauself brachte ihnen einen heißen Tee und sie merkte wie seine Hand beinahe zärtlich über ihren Oberarm strich.
„Du solltest aufhören, das so an dich heran zu lassen, Lucretia." sagte er ruhig in die Stille.
„Das geht nicht so einfach" erwiderte sie nur emotionslos und trank einen Schluck des noch viel zu heißen Tees.
Seine Hand schlang sich um ihre dünne Taille, als er fragte: „Hat es geklappt?"
Einen Moment sah sie ihn verwirrt an. Dann verstand sie und zögerte ehe sie den Kopf schüttelte.
„Nein" meinte sie fast tonlos.
Wollte er das wirklich jetzt besprechen?
Seit Anfang an schon wartete er vergeblich auf ein Kind. Sie war froh, dass es bisher nicht funktionierte sie könnte gut darauf verzichten. Lucretia wusste nicht, wieso es ihm so wichtig war.
Sie kannte den Gesichtsausdruck, als sie ihn ansah. Er wirkte ehrlich enttäuscht. Nicht von ihr, aber von der Antwort. Kurz dachte sie nach. Er schien so sanft und ruhig in diesem Moment, dass man meinen könnte das Böse in ihm würde nicht existieren.
„Warum ist das so wichtig?" wollte sie vorsichtig wissen.
Sie rechnete bereits mit einer kalten Antwort oder einer Drohung, doch er antwortete ehrlich „Weil es das ist, was man von uns erwartet. Was mein Vater erwartet."
Sein Vater, Enceladus war ein strenger Mann. Sie mied ihn auf den Reinblüter Veranstaltungen meist. Doch sie wusste, das auch der Blonde es in seiner Kindheit nicht leicht hatte.
Lucretia seufzte leise und lehnte den Kopf an seine Brust. Sie war sicher sie war bereits verrückt geworden, diesen Moment zu genießen. Einfach gehalten zu werden. Aber diese Liebe, die Nähe fehlte ihr. Sie fühlte sich unter den Todessern mehr als unwohl, auch wenn bereits mehr Frauen Mitglieder geworden waren.
Ihre Gedanken wurden unterbrochen, denn der junge Malfoy fragte nachdenklich „Was ist, wenn ich es nicht kann?"
Sie dachte sich verhört zu haben. Dachte er wirklich mal, er hätte Schuld?
„Nun ich könnte auch das Problem sein...aber wie auch immer. Wenn es so ist, können wir es nicht ändern." erwiderte sie.
„Du willst gar nicht, oder?" fragte er
Was für eine überflüssige Frage. Natürlich wollte sie nicht, war ihm das denn nicht aufgefallen, als sie die ersten Male wie eine Wilde um sich geschlagen hatte?
Sie ließ die Frage unbeantwortet. Sie wollte nicht lügen. Dennoch fügte er hinzu „Antworte mir!"
Sein herrischer Tonfall ließ sie kurz zusammenzucken und tatsächlich setzte er noch ein „Bitte" hinten ran.
„Nein. Um ehrlich zu sein nicht." sagte sie ernst und sah in seine klaren blauen Augen, die jetzt fast schmerzlich zu schimmern schienen.
Der junge Mann nickte leicht. Als sie ihren Tee ausgetrunken hatte, hob er sie einfach hoch und trug sie zurück ins Bett. In seinen Armen schlief sie wieder unruhig ein.
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Hidden Scars//Harry Potter FF
FanfictionNachdem Lucretia in ihrem letzten Schuljahr eine Beziehung mit dem arroganten Abraxas Malfoy eingehen musste, ist nun ein Jahr vergangen. Abraxas und Lucretia haben geheiratet, doch der Strudel der Dunkelheit reißt sie mehr und mehr in den Abgrund...
