15. Kapitel

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Rachel

„Wenn du nicht in fünf Minuten runter kommst. Dann hast du wirklich ein großes Problem mit mir.", waren seine einzigen Worte bevor er mein Zimmer verließ.

Für einen kurzen Augenblick blieb ich nur stehen und starrte die weit aufgesperrte Tür an, wo Brain bereits durchging. Zögernd überlegte ich, ob es doch sicherer wäre, wenn ich mich von ihm weit fern hielt und hier blieb. Bis mir wieder einfiel, dass er einen Ersatzschlüssel für mein Zimmer besitzt. 

Weshalb ich nun die Treppen runterstieg und zum Esszimmer ging. Jedoch hörte ich auf einmal einen lauten Schrei von unten.

„Eines kann ich dir sicher sagen, Kleines. Ich hasse es wenn man mich warten lässt.", hörte ich ihn mit seiner tiefen Stimme brüllen. Weshalb ich jetzt mehr Gas gab, um nach unten zu gelangen.

Als ich auch das Esszimmer erreicht hatte, sah ich, wie Brain auf dem Stuhl mit einem Glas in der Hand saß. Dieses Glas war mit einer braunen Flüssigkeit befühlt. Wahrscheinlich war es ein alkoholisches Getränk. Als nächstes wendete ich meinen Blick an den bereits gedeckten Tisch, was mich allerdings irritierte, war, dass mein Platz neben Brian's rechte Seite gedeckt ist und nicht gegenüber von ihm. Dies passte mir absolut garnicht. Mal abgesehen davon, dass ich keinen wirklichen Hunger habe.
Muss ich neben ihm noch sitzen.

Vorsichtig nahm ich neben ihm Platz und wartete ab. Selbstverständlich wagte ich es nicht ihm auf die Augen zu sehen. Ich blieb einfach nur noch still sitzen.

„Dein Essen wird noch kalt."

Hiernach reagierte ich sofort und nahm mir den Besteck her. Dabei beobachtete er mich ganz genau. Er selbst nahm nichts weiteres zu sich bis auf seinem Getränk. Nach kurzer Überlegung wagte ich es doch diese unerträgliche Stille zu unterbrechen:

„Hast du keinen Hunger?"

„Nein.", meinte er kurz und knapp.

„Aber Durst."

Vor Schreck weiteten sich meine Augen als ich merkte, wie ich meine Gedanken laut aussprach. Mit starken Herzklopfen sah ich rüber zu ihm und erkannte, wie er seine Brauen zusammenzog. Automatisch entschuldigte ich mich für meine Aussage. Warum ich dies tat, kann ich mir selbst nicht erklären. Mein Gefühl sagte mir nur, ich kann ihn damit etwas beruhigen.

Ich versuchte es auch nicht mehr weiter ein Gespräch mit ihm zu führen und konzentrierte mich auf mein Essen.

„Im Büro wollte ich etwas klarstellen.", fing er nach einer Zeit an, während ich aufmerksam zu hörte.

„Du wirst in Zukunft dich von diesen kleinem Nichtsnutz fernhalten. Keine Sorge er weiß schon Bescheid und das mit deinem Referat ist auch geklärt worden."

Kurz musste ich überlegen um wen es ging. Bis es bei mir endlich klick machte.

„Du meinst Jason?!", stellte ich verwundert fest.

„Erwähne nicht seinen Namen in meiner Gegenwart, Kleines.", zischte er und ballte zugleich seine freie Hand zu Fäusten.

Mir fiel die Nachricht von Jason vorhin ein. Plötzlich zählte ich eins und eins zusammen.

„Was hast du getan?", wollte ich vor Schreck wissen. Schließlich konnte ich ihm einiges zutrauen. Wenn man bedenkt, was für Aggressionsprobleme er hat.

„Das geht dich nichts an. Danach kannst du in dein Zimmer gehen. Bevor du natürlich mir dein Handy abgegeben hast.", sagte er mit einem ruhigen Ton.

„Nein.", war meine einzige Antwort dazu und wollte von meinem Stuhl aufstehen. Ich wollte einfach nur dieses Zimmer verlassen, weshalb ich mich auf dem Weg zur Tür machte. Bis ich am Arm mit einem festen Griff gepackte wurde. In wenigen Sekunden saß ich auf dem Esstisch und erkannte Brian's starke, breite Brust vor mir.

Ich blinzelte meine Augen mehrmals, um zu realisieren, was soeben geschah. Anschließend richtete ich meinen Blick zu diesem perfekten, aber auch teuflischem Gesicht zu. Seine tiefen dunklen Augen irritiert mich und ließen mich fast vergessen, weshalb ich soeben wütend war. Sein Blick war ebenso auf meine Augen gerichtet. Seine eine Hand lag immer noch auf meinem Oberarm, während seine andere kräftige Hand auf meine Hüfte lag. Im Gegensatz zu meinen zierlichen Händen, waren seine Hände gewaltig groß. Plötzlich spürte ich den Verlangen seine Hände zu halten. Allerdings stoppte ich mich selbst bei meinem absurden Gedanke und versuchte mich eher von ihm zu befreien.

Ich schrie ihn an.
Ich schlug hart auf seine breite Brust.
Ich versuchte ihn von mir wegzuschubsen.
Ich zwickte ihn am Oberarm.
Ich versuchte alles in meiner Macht, jedoch rührte sich diese zwei Meter große Muskelmasse nicht vom Fleck.

Dennoch merkte man, dass es ihm auf die Nerven ging und seine Geduld nun wirklich bald am Ende war. Sein Griff verstärkte sich an meinem Körper und er kam mir auch so nah wie es nur möglich war. Zuerst verstand ich nicht, was er vor hatte. Bis ich realisierte, was hier vor sich ging.

Er umarmte mich.

Ich verstand nicht, weshalb er dies machte. Jedoch brachte er mich dafür still zu sein. Es war ein befremdliches und zugleich schönes Gefühl diese Nähe von ihm zu spüren. Ich wollte noch mehr von ihm, weshalb ich unsere Umarmung erwiderte. Indem ich meine zierliche Hände an seine Arme hochstreifte bis zu seinen Schultern und hackte mich um seinen Nacken ein. Dabei lehnte ich mein vollen Oberkörper an ihm und breitete meine Beine noch mehr für ihn aus, um seine Wärme an mich zu haben. Ich hörte ihn tief seufzen und etwas zu leise flüstern, was ich nicht verstehen konnte.

Es ist absurd was ich hier tue, da ich vor kurzem versuchte ihn von mir wegzuschieben und jetzt ihn an meinem Körper drücke. Aber das ist falsch und es darf nicht sein. Weshalb ich langsam von ihm los ließ und von mir wegschubste, was diesmal funktionierte, da er ebenso von unserer Umarmung losließ. Ich spürte dabei seinen stechenden Blick zu mir, während ich konzentriert auf seinem Oberkörper sah, um mir selbst ein Blick auf seinen attraktivem Gesicht zu verbieten.

„Sieh mich an.", Waren seine Worte. Allerdings gehorchte ich ihm nicht und richtete stur meinen Blick auf seine breite Brust, welch aus Frustration sich senkte. Anscheinend bin ich wirklich ihm zu anstrengend. Zwar hat er sich, dass selbst angetan, indem er meinem Vater überzeugte auf ein 17-jähriges Mädchen aufzupassen, was noch sich in der Pubertät befindet. Dennoch wirkt er leicht überfordert auf mich.

Sieht er mich nicht als eine bald erwachsene, junge Frau, sondern als ein naives, kleines Mädchen?
Ist er der Meinung nach, dass ich zu unerfahren und zu zerbrechlich bin?
Gehe ich ihm mit meinem Verhalten auf die Nerven?

Wenn ja, weshalb hatte er sich darauf eingelassen und warum gibt er nicht auf und ignoriert mich bis mein Vater wieder da ist. Schließlich haben wir beide was davon.

„Worüber denkst du nach, Kleines?"

Kleines.

Meine Fragen lassen sich wohl nach dieser Aussage, bzw. Spitznamen, beantworten.

„Ich bin müde und morgen muss ich wieder zur Schule. Wenn du mich jetzt entschuldigen würdest.", daraufhin stand ich vom Tisch auf und ging hoch. Dabei war ich froh, dass er mir nicht gefolgt ist und mich zumindest für die restliche Nacht in Ruhe lässt. 
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𝐷𝑒𝑟 𝑏𝑒𝑠𝑡𝑒 𝐹𝑟𝑒𝑢𝑛𝑑 𝑚𝑒𝑖𝑛𝑒𝑠 𝑉𝑎𝑡𝑒𝑟𝑠Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt