von Kissenschlachten, Abwaschdiensten und Urlauben

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POV Leon:

Verdammt, was soll ich ihr denn jetzt sagen? Ist sie überhaupt noch meine Freundin? Die andern haben ja Recht, ich hab sie total mies behandelt...Will sie mich überhaupt noch?
Hab ich sie überhaupt noch verdient? Hab ich jemand wundervolles wie sie verdient? Nein, wenn ich ehrlich bin nicht. Aber wieso ist Maxi in sie verliebt? Maxi, mein bester Freund. Vielleicht empfindet sie ja auch was für ihn...manmanman, ich darf gar nicht drüber nachdenken...

Als ich vor Nessi's Zelt ankam hörte ich leises Schluchzen. Nessi? Schluchzen? Das passte doch nicht zusammen, das hatte sie noch nie gemacht. Vielleicht hat Maxi ihr ja was angetan *grrr*.
Ich nahm all meinen Mut zusammen, atmete tief durch und sagte mit fester Stimme: „Nessi?" „Hmpf" machte sie nur eingeschnappt. Ich verdrehte überflüssigerweise die Augen. „Vanessa, ist alles in Ordnung?", erkundigte ich mich, wobei die Betonung eindeutig auf ihrem Namen lag.
Sie hasste es, wenn man sie Nessi nannte, immer dachte sie, wir würden es als Schimpfwort sehen, in Verbindung mit dem Ungeheuer von Loch Ness. Aber so war das gar nicht. Es war nur sehr amüsant zu sehen wie ein einziges Wort sie so sehr auf die Palme bringen konnte.
„mhhmhh" gab sie leise von sich und ich war mir nicht ganz sicher, ob das ein Ja oder Nein war.
Als ich mich ohne sie zu fragen neben sie setzte, nahm sie eines ihrer Kissen und drückte es sich gegen den Kopf, so dass ich nichts mehr davon erkennen konnte. Außer ihre Haare. Ihre Haare...Irgendetwas war anders mit ihnen. JA! Ich hatte sie noch nie offen gesehen, fast immer trug sie ein Kopftuch. Aber jetzt hatte sie es wohl abgenommen. Sie sah so wunderschön aus, obwohl ich nur ihre Haare sah. Wie ein Engel.
„Hör zu Vanessa", begann ich leise. „Raban hat das doch gar nicht so gemeint. Nur weil du ein Mädchen bist, heißt das noch lange nicht, dass wir das ausnutzen."
„So sieht's für mich aber aus", ertönte es unter den Kopfkissen.
„Aber so ist das gar nicht", antwortete ich wahrheitsgemäß und strich ihr sanft über den Rücken.
Sie sagte nichts, aber ich wusste, dass es ihr gut tat. Also fuhr ich mit meinem Zeigefinger auf ihrem Rücken herum, malte dabei Kreise und Formen darauf. Nach wenigen Minuten erschien ihr Kopf unter dem Polster, aber er schaute in die entgegengesetzte Richtung wie ich. Demnach starrte ich gedankenverloren auf ihren Hinterkopf.
„He, den Abwasch mach ich für dich und kochen tut Raban", sprach ich mit rauer Stimme.
„Schleimer!", flüsterte sie. Obwohl sie mich immer noch nicht ansah, wusste ich, dass sie am Grinsen war.
Ich glaubte, mich verhört zu haben. „Wie bitte?", fragte ich mit gefährlich klingendem Unterton.
„Du hast mich schon verstanden Häuptling" Sie musste noch mehr grinsen, das hörte ich an ihrer Stimme. Das würde ihr noch vergehen. Blitzschnell hatte ich das Kissen unter ihr weggezogen und ihr ins Gesicht geworfen. Erst mal war sie total baff, doch dann grinste sie mich angriffslustig an und schon im nächsten Moment schloss auch mein Gesicht mit dem weinroten Daunenpolster Bekanntschaft. Und so entstand eine wilde Kissenschlacht, die zwar nur mit einem Kissen geführt wurde, aber dennoch reibungslos verlief. Vanessa schrie vor Lachen, ich ebenfalls. Die ganzen Hemmungen waren plötzlich weggeblasen und wir hatten so viel Spaß wie noch nie zusammen.
Die ganze Geschichte ging dann so aus, dass ich unter ihr und ihren Decken begraben war und sie mit dem Kissen in der Hand auf mir saß. Ich will ja nicht sagen, dass mir das nicht gefiel, im Gegenteil, es war schön, ihr so nah zu sein, aber die Tatsache, dass ich ihr nun hilflos ausgeliefert war, machte mich doch etwas nervös. „Oh bitte große Nessi, oh Sonnenkönigin, tut mir nichts", bettelte ich, obwohl ich vor Lachen kaum noch ein Wort herausbrachte. „Sonnenkönigin? Na warte, dafür wirst zu bezahlen", drohte sie und schon schlug sie mir das Kissen ins Gesicht, immer und immer wieder. „Ist das der Dank, dass ich deine Arbeit mache?" fragte ich hilflos und unter Lachen. „Du bist mein Untertan, du machst all die Arbeit für mich!" schlussfolgerte sie logisch. „Uhh hätt ich dich nur nicht zur Königin gewählt..." faselte ich zuckersüß. „Eine Königin wird auch nicht gewählt" entgegnete sie blitzschnell und musste so lachen, dass sie rücklings auf den Zeltboden fiel und dort noch mehr lachte.
Ich konterte: „Ich weiß doch, aber dich hätte man wählen sollen, obwohl...wer würde dich wählen?"
Das war fies, das wusste ich. Aber ich wusste auch, dass sie das noch mehr anspornte und schon hatte sie mich an sich gezogen, mich auf den Boden gedrückt und wieder saß sie auf mir.
„Wie bitte?", fragte sie sehr sehr langsam und ich wusste nicht, ob sie verstanden hatte, dass das hier alles nur Spaß war. Schnell schluckte ich und versuchte, wegzukommen, aber es half nichts.
Als ich sie so hilflos anschaute begann sie plötzlich wieder zu lachen. Doch leider stieg sie damit auch von mir runter und setzte sich neben mich. Plötzlich war die Spannung wieder da. Und das Knistern in der Luft. Als ich verstohlen zu ihr blickte, merkte ich, dass sie das gleiche tat. Doch als wir uns ansahen, blickten wir beide peinlich berührt weg. Ich merkte sofort, wie mir das Blut ins Gesicht schoss. Mir wurde heiß und ich begann zu schwitzen. Gott, hoffentlich bemerkte sie das nicht! Aber wieso sagt sie nur nichts mehr? Grade war's noch total schön und auf einmal...
Plötzlich spürte ich etwas Warmes an meiner Hand. Ein angenehmes Kribbeln durchfuhr mich, das sich in meinem ganzen Körper ausbreitete. Was machte dieses Mädchen nur aus mir? Was machte sie mit mir? Ich senkte den Blick und sah, dass ihre Hand dicht an meiner lag. Ein Lächeln überzog mein Gesicht. Es war ein schönes Gefühl, einfach nur neben ihr zu sitzen. Die Unerschrockene seufzte leise. Sie hatte sich zurück nach hinten sinken lassen und dabei war ihre Hand wieder weggerutscht.
Ich rückte näher an sie heran und strick ihr durch die Haare. Sie sah mich nicht an, aber schloss die Augen und seufzte erneut.
„Komm schon Leon, jetzt oder nie!", hörte ich mein Gewissen durch meinen Kopf brüllen.
Sie sah so süß aus, so lieb und unschuldig. Meine Hand wanderte zu ihrer Stirn, über ihre Nase, ihre Wangen, bis sie an ihren Lippen Halt machte. Sie waren leicht geöffnet und zogen mich nahezu magisch an. Wenn ich ihr noch ein bisschen näher kommen würde, bloß ein bisschen, dann könnte ich sie endlich wieder küssen. Aber wollte sie das? Was, wenn es mir wie Maxi erging, und ich mir eine fangen würde? Sie war ungeschlagene Boxerin in unserem Umkreis, ihre Hand hätte bestimmt seeeehr viel Kraft...Also ließ ich es vorerst lieber bleiben, obwohl ich Mühe hatte, mich zu beherrschen, wo sie doch so nah war. Meine Finger strichen noch immer über ihre Lippen.
Sie waren so rot und schön. Vanessa hatte die schönsten Lippen der Welt, so viel war klar.
Und sie war definitiv die beste Küsserin überhaupt. Eigentlich hatte ich ja kein Vergleichsmaterial, immerhin war sie das erste und einzige Mädchen, das ich jemals geküsst hatte. Und eigentlich hatte ja sie mich geküsst. Jetzt könnte man meinen, zum Küssen gehören immer zwei, natürlich ist auch so. Aber es gibt doch irgendwie einen, der die Initiative ergreift und einen Geküssten, in dem Fall ich.
Vielleicht hätte ich mal etwas für unsere sogenannte Beziehung tun sollen. Richtig gekümmert habe ich mich nie darum, wenn ich recht darüber nachdenke. Ich hab es immer als selbstverständlich gesehen, dass Vanessa zu mir gehört und ich zu ihr. Das war wahrscheinlich mein großer Fehler. Mein Vater hat mir viel über Liebe und Mädchen beigebracht und er hat auch gesagt, dass man sich immer daran erinnern sollte, wie glücklich man ist. Und den anderen nicht als selbstverständlich sehen sollte. Denn das war er nicht. Vanessa schon gar nicht. Sie war wundervoll. Ich konnte, ich durfte nicht riskieren, sie zu verlieren. Wenn ich es nicht schon längst hatte.
Ich bemerkte, dass sie mich anschaute. Sie hatte diesen Blick drauf, so undefinierbar. Ihre Augen glitzerten und funkelten, wie sie es sonst nur taten, wenn sie wütend war. Aber sie sah nicht wütend aus, im Gegenteil.
Und in dem Moment war mir wirklich alles egal. Das einzige was zählte, war sie. Sie und allein sie. Niemand und nichts sonst. Es war mir plötzlich egal, wie die Sache ausgehen könnte. Dass ich mich blamieren könnte. Dass sie mich auslachen könnte. Mich gar hassen könnte. Oder mich tatsächlich eine scheuern könnte...Ich dachte einfach nicht darüber nach sondern kam ihr näher.
Sie durchschaute sofort was ich vorhatte und schloss die Augen, ich ebenfalls. Gleich würde es soweit sein und meine Lippen würden endlich ihre wiederfinden. Und in einer Einheit verschmelzen. Leon! Du schreibst doch hier keinen kitschigen Liebesroman. Das ist die Realität!
Ich fühlte ihren Atem an meiner Haut. Zwischen uns bedarf es keinen Worten, wie verstanden uns auch so. Ihre Lippen waren noch millimeterweit von meinen entfernt, die Spannung zwischen uns wuchs ins Unermessliche. „Leon", flüsterte sie plötzlich. Ich riss die Augen auf und bemerkte, dass sie mich auch ungläubig anstarrte. „Was?" flüsterte ich zurück und legte die Hand auf ihren Bauch. Sie setzte an, um was zu sagen, doch ehe sie mir irgendwie zu verstehen geben konnte, was sie wollte, würden wir aus der schönen Situation gerissen. „VANESSA!", hallte es durch den ganzen Wald. „Abwasch!", schrie Raban. Vanessa stöhnte auf. „Ich regle das" sagte ich.
Wütend ging ich nach draußen. Jetzt hatte ich einmal den Mumm meine Vanessa zu küssen, dann stört dieser aufgeblasene...soll doch selbst abwaschen. „Raban! Vanessa hat zu tun, und DU wirst die ganze nächste Woche den Abwasch machen!", befahl ich laut. Nerv und Klette begannen lauthals zu lachen, während der Rothaarige nur ungläubig dastand. „Leon, das kannst du doch nicht machen!", wehrte er sich. „Und ob ich das kann! Und ihr"- Ich zeigte auf Nerv und Klette-„Helft ihr dabei!" schrie ich eiskalt. „Was?" entfuhr es den Kleinen. Ohne ein weiteres Wort ging ich zurück zu Nessi.
Ich war so wütend auf Raban. Wie er Vanessa nur behandelte! Dabei waren sie doch Freunde.
„Hey, ich hab's klargemacht", erklärte ich ihr, als ich mir neben sie setze. Sie nickte. „Ich hab's gehört. Leon du hättest nicht so ausrasten dürfen". Ich verstand nicht. „Wieso? Jetzt machen sie den Abwasch und alles ist wieder okay". „Nein, nein du solltest dich entschuldigen", erklärte sie.
„Okay, wenn du meinst", gab ich nach. Erst jetzt fiel mir auf, dass sie ein Foto in der Hand hielt. Es zeigte einen etwa 20-jährigen Jungen. Vanessa grinste das Bild an. „Wer ist das?", fragte ich sie verwirrt. „Mein Bruder Lukas", sagte sie. Ich schluckte. „Du, du du hast einen Bruder? Wieso hast du das nie erzählt?" „Weil du nie gefragt hast. Er hat ne Mail geschrieben. Er wohnt seit einem dreiviertel Jahr in Australien und möchte, dass ich ihn besuche."
„Aber du hast abgesagt, weil du ja hier uns hast und nicht einfach wegkannst", stellte ich überzeugt fest. Sie biss sich auf die Unterlippe und sagte leise: „Nein, nein ich hab zugesagt". Ich glaubte, mich verhört zu haben. „Wie bitte? Wie lange? Wann?" „Ich hab ihn schon so lange nicht mehr gesehnen, und hab ihn noch nie unten besucht. Nächste Woche geht's los. Für die ganzen Sommerferien".
Das wurde langsam einfach zu viel. „Aber, aber, aber du kannst nicht weg, Vanessa, wir brauchen dich doch", meinte ich. „Ich dachte mir, vielleicht wäre es mal toll, gerade jetzt wo es zwischen uns allen kriselt, einen Mannschaftsurlaub zu machen." Meinte sie glücklich. „Wie, du meinst, wir sollen mitkommen? Ist das dein Ernst?", fragte ich sie vollkommen aus den Häuschen. „Wir müssen noch ein Hotelzimmer mieten, besser gesagt mehrere. Und das Flugticket. Und-" „Lass mal", unterbrach sie mich. „Es ist alles geregelt. Lukas hat ne große Villa am Strand. Da haben 8 Kerle leicht Platz, hat er gemeint. Die Tickets werden aus der Vereinskasse bezahlt, wozu sparen wir sonst wie die Blöden? Außerdem wäre ein gemeinsamer Urlaub doch genau das richtige für die Mannschaft."
Ich war vollkommen baff. „Vanessa!", schrie ich vor Freude. „Das ist toll, du bist toll, dein Bruder, ich weiß gar nicht was ich sagen soll...". Sie grinste. „Naja, es wäre gut, wenn du's den anderen mal sagst und dich endlich entschuldigst und die Strafe zurückziehst"
Ich schaute sie lieb an. „Du hast Recht" Sie grinste mich verliebt an.  

Leonessa - Firework | Die Wilden KerleGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt