atemlos und schwerelos

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Außer Atem fuhr Vanessa in die Höhe. Was träumte sie eigentlich für sinnloses Zeug?
Sie und Leon betrügen? Niemals!
Aber dieser Traum wirkte so verdammt real...Nur die Tatsache, dass sie betrunken war, passte nicht ins Bild. Denn eigentlich trank Vanessa gar keinen Alkohol. Das war wohl der endgültige Beweis dafür, dass das alles nur ein schrecklicher Traum gewesen war.
Sie wollte Leon wirklich etwas sagen.
Aber das hatte rein gar nichts mit Untreue zu tun.
Müde rappelte sie sich auf, schleppte sich nach unten um zu frühstücken. Ihre Oma war noch nicht wach. Bei Oma Schrecklichs gestriger Aussage: „Ich brauche doch meinen Schönheitsschlaf" hatte sie nur die Augen verdreht. Aber trotzdem fehlte es auch der Unerschrockenen an Schlaf.

Am frühen Nachmittag brach sie dann auf um mit Leon zu reden. Sie hatte sich im Park auf ihrer Lieblingsbank verabredet.
Leon kam etwas zu spät, aber das war sie ja gewohnt. Inzwischen war es September geworden und obwohl es ein ziemlich verregneter Monat war, schien an diesem Tag die Sonne, als wäre es das letzte Mal, dass sie ihre Strahlen aussandte. Ein paar Entenbabys schwammen im Teich ihrer Mutter nach. Leon und Vanessa schauten ihnen lächelnd zu. Das kleinste war immer das letzte und hatte Mühe mitzukommen. Doch die Mutter wartete immer wieder geduldig auf ihren Sprössling.
Vanessa wunderte sich, dass es um diese Zeit noch Babys gab. Sie hatte Leons Hand genommen und drückte sie immer wieder leicht. Nach etlichen Minuten räusperte sie sich. „Leon, ich wollte mit dir...was besprechen". Er lächelte sie aufmunternd an. „Also die Sache ist die...wegen Marlon und Horizon..." „Sag schon was ist mit seiner Ex?" Vanessa leckte sich über die Lippen und sah auf das Wasser. „Sie hat mich gebeten...Marlon zu sagen...naja, dass sie halt Schluss machen wollte."
„Was?!", entfuhr es Leon. Ein paar Vögel in der Nähe flogen erschrocken davon und eines der Entenbabys blickte in ihre Richtung. „Ja, sie hat sich nicht so wirklich getraut, es ihm persönlich zu sagen. Aber ich hab es auch nicht übers Herz gebracht, auch wenn ich schon lange mit ihm befreundet bin. Vielleicht auch gerade deshalb...Jedenfalls hab ich in Australien total überrascht getan. Eigentlich war ich es ja auch, weil sie nicht persönlich Schluss machen wollte. Und vorgestern hab ich sie in der Stadt getroffen. Sie sagte sie hätte ihm per SMS den Laufpass gegeben."
„Wie bitte? Ist diese kranke...Ich fasse es nicht. Per SMS Schluss machen. Mit meinem Bruder.
Vanessa warum hast du es ihm nicht gesagt?"
"Ich, ich wollte mich nicht einmischen. Er war ziemlich glücklich mit ihr, und ich dachte...keine Ahnung"
„Die knöpf ich mir vor!", meinte Leon nur.
Vanessa legte eine Hand auf seine Schulter und flüsterte: „Bist du mir böse?"
„Unsinn, dir könnte ich doch nicht böse sein", flüsterte er zurück.
„Ich hätte es trotzdem wenigstens dir sagen sollen...", sah sie ein.
„Ja, aber das ist doch jetzt auch schon egal. Horizon ist eine Idiotin. Und ein Typ wie Marlon findet doch schnell ein neues Mädchen.
„Stimmt. Ihr Wessels seht nämlich sehr gut aus", zwinkerte Vanessa.
Er blickte sie an.
Sein Herz schlug schneller als bei jedem Fußballspiel und die Welt schien sich dagegen gar nicht mehr zu bewegen, ebenso wie die Zeit. Ein Haufen Liebe lag in ihren Augen. Sanft küsste sie ihn.
Ihm lief es heiß und zugleich kalt über den Rücken runter. Und ebenso sanft küsste er zurück.
Sie blieben noch eine Weile auf der Parkbank sitzen. Auf ihrer Parkbank.
„Und zu deinem Geburtstag wünscht du dir wirklich nichts?" fragte er und legte den Arm um sie.
„Wehe du schenkst mir was, ich warne dich, dann kram ich meine Boxhandschuhe raus", drohte sie lächelnd.
„Vanessa, du hast übermorgen Geburtstag. Und ich werde dir auf jeden Fall etwas schenken". Leon ließ wieder mal den Sturkopf durchblicken.
„Ich bin doch glücklich, mit dem was ich habe. Ich brauche nicht mehr. Ich habe dich, tolle Freunde, eine gute Schule...was könnte ich mir denn noch wünschen? Glaub mir Leon. Ich bin wunschlos glücklich mir dir".
„Du bist kitschig", meinte er knapp.
„Und du ein Romantikverderber". Vanessa streckte ihm die Zunge raus, nahm ihre Tasche und stand auf. „ Sehn wir uns nachher?"

Es war der 8. September. Auch bekannt als Vanessas Geburtstag (AN: Hab ich mal so von Joachim Masanneks „Die Wilden Fußballkerle" übernommen)
Zwar ließ sich die Sonne nicht so oft sehen, wie zwei Tage zuvor, doch trotzdem war es für Vanessa ein unglaublich schöner Tag.
In der Früh feierte sie mit ihrer Omi, die ihr einen schrecklich-süßen, pinken Kuchen gebacken hatte. Wie jedes Jahr =)
Eine weitere Besonderheit an diesem Tag war, dass ihr Vater sich freigenommen hatte, um den Vormittag mit seiner Tochter zu verbringen. Etwas ganz Besonderes für die Unerschrockene.
Gleich nach dem Mittagessen wurde sie von Leon abgeholt der sie erst mal zu einer Abkühlung im Pool überredete und schließlich mit ihr in einen Hochseilgarten fuhr. Am Abend wollte sie einfach gemütlich draußen chillen und die Sterne beobachten, so wie vor wenigen Wochen noch in Australien.
„Das war wirklich cool in 20 Metern Höhe zu klettern", lächelte Vanessa glücklich, als sie mit dem Bus zurückfuhren.
„mhm", sagte Leon nur. Er war ziemlich blass und Vanessa wusste auch genau woran das lag.
Der Häuptling, der Anführer der wilden Kerle, ihr Leon hatte Höhenangst. Ihr zuliebe war er natürlich mutig in die Höhe geklettert. An der Strickleiter 10 Meter in die Baumwipfeln, dann über verschiedenste Hindernisse...immer hatte er sich wacker geschlagen und den Mutigen gespielt, da er ihre Liebe zum Klettern kannte. Doch als er nach 5 „Flying Fox" ein Haufen Schürfwunden und höchstwahrscheinlich auch blaue Flecken hatte, war es ihm zu viel geworden. Und so war es dazu gekommen, dass Vanessa den letzten der 5 Parcours alleine durchgemacht hatte, Leon hatte ihr vom Boden aus zugesehen und zur Sicherheit seinen Helm aufbehalten.
„Danke Leon! Das war echt ein toller Nachmittag. Und danke, dass du hoch bist, obwohl du...naja", sagte Vanessa lieb und küsste ihn.
„Obwohl ich was?" fragte Leon unschuldig, obwohl er die Antwort längst kannte.
„...Höhenangst hast", beendete Vanessa den Satz, und bevor Leon protestieren konnte küsste sie ihn so intensiv, dass sie hoffte, er bekäme noch Luft.
Benebelt blickte er sie an und wollte schon etwas sagen, als sie ihm zuvorkam.
„Leon jeder Mensch hat doch vor irgendetwas Angst".
„Und wovor hast du bitte Angst?", fragte er halb belustigt, halb vorwurfsvoll.
„Spinnen, Schlangen,... Menschen zu enttäuschen und..."
„Was?"
„Dich zu verlieren ist meine größte Angst", sagte sie deutlich, aber leise.
Leons Blick wurde noch weicher, als er es ohnehin schon war.
„Süße ich werde immer da sein. Mich wirst du nicht verlieren, okay?"
„Danke", sagte sie und küsste ihn erneut.
An diesem Nachmittag kamen sich die beiden noch näher als je zuvor. In seelischer Hinsicht.

Gähnend schloss Vanessa die Haustüre auf. Es war bereits finster geworden und sie hatte einen Tag voller körperlicher Anstrengung hinter sich.
Als sie eintraten war es seltsam Still im Haus. Normalerweise summte Oma Schrecklich von einem Blumenstock zum nächsten und sang dabei Lieder, die wirklich keiner kannte.
Doch Vanessa meinte bloß, ihre Oma hatte bereits angekündigt, dass sie sie und Leon alleinlassen wollte. Dabei hatte sie ihrer Enkelin so dermaßen auffällig unauffällig zugezwinkert, dass diese einen knallroten Kopf bekam. Was ihre Omi auch immer für Sachen von ihr dachte...
Vanessa streckte sich und Leon legte von hinten die Arme um sie. „Alles Liebe zum Geburtstag", flüsterte er ihr ins Ohr. Das verursachte bei Vanessa ein sanftes, angenehmes Kribbeln, das sich durch ihren ganzen Körper zog.
Mit Vanessa in seinen Armen ging Leon langsam vorwärts in Richtung Wohnzimmer.
Dort küsste er sie und drängte sie sanft zur Terrassentür und auf die Terrasse selbst hinaus.
Dort lösten sie sich von einender. Als Vanessa ihre Augen öffnete, fiel ihr auf wie sonderbar hell es hier war, obwohl sie sich nicht daran erinnern konnte, das Gartenlicht eingeschaltet zu haben.
Mit verzogenen Augenbrauen drehte sie sich um und erblickte....

Maxi, Markus, Klette, Nerv, Raban, Joschka, ihr Dad, ihre Oma, sogar Marlon und Lukas. Außerdem viele andere ihrer Freunde und Familienmitglieder.
Insgesamt waren etwa 50 Personen anwesend. Eine Band aus der Umgebung hatte sich eine Bühne aufgebaut und spielte tolle Musik. Vanessas Oma hatte zusammen mit ihrem Sohn ein leckeres Buffet gemacht. Vanessa kam aus dem Staunen nicht mehr raus.
Doch schon hatte sie ihre beste Freundin im Arm und wurde mit Geschenken überrumpelt.
Später, während die Band eine kurze Pause machte, schnappte sich Leon das Mikro und räusperte sich. Die Partygäste verstummten und sahen gespannt zu ihm auf. Auch Vanessa.
„Ich danke erst mal für euer Kommen. Ich hoffe ihr fühlt euch alle wohl". Er blickte zu Vanessa und hob sein Glas. „Alles Gute, Vanessa! Wir lieben dich!", sagte er feierlich. „Ich liebe dich", fügte er leiser hinzu.
Für Vanessa war es wirklich der schönste Tag ihres Lebens. Bisher zumindest.
Sie feierte mit ihren Freunden und tanzte noch lange mit Leon. So lange, bis keiner mehr da war und sich die Musik nur noch in ihrem Kopf abspielte.
Das Zirpen der Grillen erinnerte beide sehr stark an die Nacht ihres ersten Kusses. Nein falsch, es war nicht ihr erster Kuss. Aber der erste in Australien.

Ausnahmsweise durfte Leon an diesem Tag bei ihr übernachten. Aber auch nur, weil Lukas im Nebenzimmer schlief und alles Unangebrachte hören würde.
Völlig fertig schleppten sich die beiden in Vanessas Bett.
Daneben standen alle Geschenke die die Unerschrockene heute – oder gestern, weil es ja schon nach Mitternacht war – bekommen hatte. Vanessa schlief nach einem Kuss und Dankeschön sofort ein.
Leon blickte grinsend auf die Geschenke.
Von Raban hatte Vanessa ein Jahresabonnement des Wissenschaftsmagazins „Spektrum" bekommen. Sie war zwar nicht überrascht darüber gewesen, hatte sich dennoch sehr gefreut. Natürlich war ihr klar, dass Raban das Magazin nicht ohne Hintergedanken bestellt hatte. Er hatte schon gefragt ob er ab und an mal einen Blick hinein werfen dürfte.
Von Nerv hatte sie eine selbstumrührende Tasse mit ihrem Lieblingstee bekommen. (Vanessa hatte ihm einen Kuss auf die Wange gedrückt und Nerv hatte gleich darauf das Gesicht verzogen.)
Von Lukas gab's einen Volleyball, unterschrieben von der Australischen Nationalmannschaft. (Leon fragte sich, wie er das bloß hinbekommen hatte.)
Ihre Oma schenkte ihr einen Gutschein für ein Wellnesshotel in der Steiermark in Österreich. („Kindchen du musst da auch mal hin", hatte sie gesagt. „Und ein Eselsmilchbad nehmen".)
Von Maxi bekam sie ein Digitales Fotoalbum als Schlüsselanhänger, mit Fotos der Kerle damit sie ihre wichtigsten Menschen immer bei sich hatte.
Klette schenkte Vanessa das neue Rihanna-Album sowie eine Packung Durex-Kondome, die Vanessa schnell unter ihrem Shirt versteckte, als ihr Vater gerade kam, um ihr zu gratulieren.
Von Andreas bekam sie ein neues Handy und einen Dicken Schmatzer.
Markus hatte ihr einen Goldbarren-USB-Stick gekauft, da Vanessas alter wenige Tage zuvor durch einen ungeschickten Unfall kaputt gegangen war.
Von Marlon bekam Vanessa den 7. American-Pie-Film, den sie noch nicht kannte. Ihre Oma wollte den Film gleich abspielen oder zumindest am nächsten Tag schauen, aber Vanessa hatte gemeint, der wäre nichts für sie. (AN: Aus welchen Gründen auch immer xD)
Joschka hatte Vanessas Filmeleidenschaft abgedeckt, indem er ihr Kinogutscheine schenkte.

Und von ihm hatte sie ein silbernes Edelstahl-Armband mit seinem Namen (er trug dasselbe mit ihrem), ein Buch mit dem Titel: „Alles ist Liebe – für einen besonderen Menschen", und einen Brief bekommen.
Glücklich hatte sie sich 1000 Mal dafür bedankt. Für ihn war es das größte Glück, dass er seine Vanessa heute nur lächeln gesehen hatte.
Er gähnte. Es war wirklich ein anstrengender Tag gewesen, aber ein Unvergesslicher.
Er war sich nun komplett sicher, dass Vanessa und er für immer zusammen gehörten.
Mit diesem Gedanken legte er beide Arme um sie, zog sie ganz nah zu sich und schlief ein.

Leonessa - Firework | Die Wilden KerleGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt