hinter der Fassade

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Wütend schnaubte Vanessa. Die Arme verschränkt lief sie fast schon stampfend zur Villa. Sie hatte sich noch die Einkaufstaschen geschnappt, damit die Jungs mit dem Grillen anfangen konnten.
Pah! Als würde dieser Sonnyboy sie interessieren. Lukas hatte wohl eine Schraube locker.
Warum musste er sie auch immer beschützen? Sie war nicht mehr das kleine Mädchen, dass nicht allein über die Straße gehen durfte, sondern nur, wenn ihr großer Bruder ihre Hand hielt.
Warum nur kapierte er das nicht?
Vor der Villa angekommen, kam ihr bereits Leon entgegen. Er hatte eine kurze Hose und ärmelloses Shirt mit einer blauen Bluse drüber an und sah ihrer Meinung nach noch Meilenweit besser aus als dieser Möchtegernvolleyballer. Sie durfte nicht zu viel über ihn nachdenken. Vielleicht hatte Lukas ja doch Recht. „Wo wart ihr denn so lang?", fragte ihr Freund etwas besorgt, nahm ihr die Taschen ab, stellte sie kurz neben sich und umarmte Vanessa. Diese war es nicht bewohnt, dass er die Initiative ergriff und stand stocksteif da, ehe sie ihm beruhigend auf den Rücken klopfte. „Wir haben noch jemanden getroffen", sagte sie schnell. Er nickte, löste sich von ihr und trug die Einkäufe durchs Haus, nach hinten auf die Terrasse. Der Griller wurde angeheizt und die köstlichsten Spezialitäten darauf zubereitet. Während des Essens verhielten sie die meisten Kerle still, so wie alle Jungs, wenn sie was zu essen hatten. (xD) Vanessa machte freiwillig den Abwasch und schickte ihre Jungs nach einer DVD ins Bett, die gehorsam folgten. Offensichtlich waren alle sehr müde.

Als sie Lukas draußen sah, ging sie noch schnell zu ihm. „Du rauchst?!", stellte sie verblüfft fest.
„Gelegentlich", meinte er trocken. „Hör zu Luke, es tut mir Leid wegen vorhin. Aber ich bin doch kein kleines Mädchen mehr", versuchte sie ihm beizubringen. Er nickte. „Ich weiß. Aber für mich wirst du immer meine kleine Schwester bleiben. Ich will bloß nicht, dass dir irgendwas passiert. Seit heute Morgen bist du so glücklich und ich denke Leon ist daran nicht ganz unschuldig..." Vanessa grinste und blickte aufs Meer hinaus. Dabei hielt sie sich am Geländer fest. „Magst du ihn?", fragte sie. „Er scheint nett zu sein. Und er macht dich glücklich, das Einzige was zählt." „Ohh". Vanessa ließ sich seufzend in seine Arme fallen und drückte ihn fest. Sie war sehr stolz so einen Bruder zu haben.

Ein wenig später tapste Vanessa vom Bad in ihr uns Leons Zimmer. Seit dem sie aufgewacht war, hatte sie sich schon auf das Schlafen gefreut. Der einzig wahre Grund dafür war Leon. Es war wundervoll in seinen Armen zu liegen.
Die Tür knarrte, als sie geöffnet wurde. Leon lag schon im Bett, hatte sie Arme hinter den Kopf verschränkt und grinste, als sie reinkam. Vanessa atmete tief durch und legte sich zu ihm. Eine Weile sagte keiner etwas. Hin und wieder grinsten sie sich an. „Du hättest heute beim Schwimmen ruhig zu mir helfen können", meinte er plötzlich. Vanessa war nicht sicher, ob er es ernst meinte, oder sie nur auf den Arm nahm. „Ja", sagte sie deshalb nur. „Ich bin auch nur ne Mitläuferin", erklärte sie. „Soso", entgegnete er. „Außerdem konnte ich nicht widerstehen", gab sie leise zu. „Wusste ich's doch!", rief er aus. „Schon gut, nächstes Mal bin ich auf deiner Seite", versprach sie. Er drehte sich zu ihr, rückte etwas näher und strich ihr langsam über den Bauch. „Bist du das denn so auch?", fragte er leise. Vanessa verstand nicht. „Was meinst du?" „Ob du so auch an meiner Seite bist, also immer, nicht nur bei den Wasserschlachten", drückte er sich unbeholfen aus. Sie verstand was er meinte. Er war sich nicht sicher, ob sie jetzt seine Freundin war. Und ob sie es für immer sein würde.
Sie hob die Hand und streichelte sanft über seine Wange. „Ich bin immer da", sagte sie deutlich.
Leon blickte auf. „Wirklich?", fragte er rau. Sie nickte, lächelte lieb und drückte ihm einen Kuss auf die andere Wange. Ihm wurde heiß. Er konnte sich nicht erinnern, dass sie das schon jemals gemacht hatte. Aber es fühlte sich gut an. Seine Wange kribbelte wie verrückt. Er war noch nie so verliebt gewesen wie jetzt gerade. Nicht, dass er sich jemals auf irgendeine Weise für irgendein anderes Mädchen interessiert hätte, aber seine Liebe zu Vanessa war wohl im Aufblühen. Und deshalb konnte er dem Drang, sie zu küssen nicht länger wiederstehen. Sie erwiderte den Kuss und er strich sanft an ihrer Seite auf und ab.
Gestern Abend war für beide etwas Besonderes gewesen. Keiner der beiden hatte jemals einen Zungenkuss gehabt. Und für beide war es überhaupt nicht ekelhaft, wie es manche Menschen beschrieben. *hust* schon wieder Nerv *hust*
Leon mochte dieses Gefühl, wenn sie sich küssten. Das hatten sie ja noch nicht allzu oft getan.
Plötzlich fühlte er etwas Warmes an seinem Bauch. Vanessas Hand hatte sich unter sein Shirt geschummelt, das er zum Schlafen benutzte. Der Anführer wusste gar nicht wie ihm geschah, als sie seine nackte Haut ganz zärtlich streichelte.
Was war er doch für ein Glückspilz! Heute hatte er Vanessa das erste Mal im Bikini gesehen. Und er war aus dem Staunen nicht mehr rausgekommen. Sie war noch so viel schöner als er je zu träumen gewagt hatte. Allein bei dem Gedanken, sie würde jetzt wieder so neben/unter ihm liegen, musste er stöhnen.
Vanessa löste sich kurzerhand von ihm und zog somit auch die Hand unter seinem Shirt weg. Enttäuscht und sehr verlegen blickte er aus dem Fenster. Bis er fühlte, wie zwei zärtliche Hände seinen Kopf wieder zu ihr drehten und sie ihn erneut küsste, sich allerdings schnell wieder löste.
„Gute Nacht", flüsterte Vanessa leise. „Schlaf gut" hauchte er zurück, traurig, dass sie schon schlafen wollte.

2 Tage später war Vanessa mit Marlon in der Stadt. Er wollte sich neue Klamotten kaufen und hatte sie als Beraterin mitgenommen. In einem kleinen Laden stieß Marlon mit einem Mädchen zusammen, was zur Folge hatte, dass sich die gesamten bisherigen Einkäufe auf dem Boden verstreuten. „Oh, das tut mir-", begann er, doch als er in ihr Gesicht blickte, stockte er. Sie war wunderschön. Ein war ein richtig exotisches Mädchen. Sie hatte braune Haare, grüne, glitzernde Augen und ein rotes, kurzes, luftiges Kleid an, das an Indien erinnerte. Marlon blieb der Mund offen stehen. Als Vanessa ihm einen kräftigen Stoß in die Rippen gab, fasste er sich, sammelte seine Sachen ein und ließ sich von der Unerschrockenen wegziehen. Sie zog ihn in eine enge Seitengasse und baute sich vor ihm auf. „Sag mal, geht's noch? Du flirtest hier mit den australischen Schönheiten? Schon mal an deine Freundin gedacht? Wo ist sie überhaupt?", bombardierte sie ihn mit Fragen, sodass einige Leute zu ihnen blickten. „Was, ist? Hier gibt's nichts zu sehen!", fuhr Vanessa sie an.
Marlon blickte nur traurig in die Luft. „Ich warte", sagte die Unerschrockene ungeduldig. „Ich flirte nicht und selbst wenn würde meiner Ex das egal sein", wehrte er sich leise. Vanessa riss die Augen auf „Bitte?" „Sie hat mich für ihren neuen Macker sitzengelassen" „Das ist nicht dein Ernst", rief Vanessa ungläubig. „Doch ist es und wenn's dir nichts ausmacht, ich will nicht mehr darüber sprechen", sagte er, drückte ihr die Taschen vor die Brust und ließ eine verwunderte, traurige und verwirrte Vanessa zurück.

Bis jetzt wussten nur Leon, Vanessa und Markus, Marlons bester Kumpel von der Trennung mit Horizon. Leon hatte diese Nachricht wohl am meisten schockiert. Sie war ihm von Anfang an unsympathisch gewesen, aber er hatte ersucht, dies für seinen Bruder zu ändern. Weil er dachte, die beiden würden sich lieben. Aber da hatte er sich wohl getäuscht. So schnell konnte man auch niemanden wirklich lieben. So etwas brauchte Zeit, das wusste er nur zu gut.
Aber dass sie Schluss gemacht hatten, obwohl sie vor kurzem noch so glücklich gewesen waren, machte ihm Angst. Wenn Vanessa und er...Nein, er durfte gar nicht daran denken! Aber Horizon hatte einen Neuen gefunden. Einen besseren. Vanessa würde auch bestimmt jemand besseres finden. Sie war doch perfekt. Sie hatte jemand besseres als ihn verdient!
In diesem Moment wurde er von hinten umarmt und ihm ein Kuss auf die Wange gedrückt.
„Hey Süße", sagte er sofort verliebt. „Mhh hey", sagte Vanessa verträumt. „Lust n bisschen Tischtennis zu spielen?", fragte er unschuldig. „Klar, gern", erwiderte sie grinsend.

Nach einem sehr spannenden Match konnte Vanessa doch noch die Ehre der Frauen gewinnen, obwohl Leon behauptete, er hätte sie absichtlich gewinnen lassen. „Natürlich Schatz, ich wusste nicht, dass du so ein Gentleman bist. Aber süß, dass du dir einredest, du wärst besser als ich", zog sie ihn den restlichen Tag auf. Gegen Abend bekam sie dafür auch eine ordentliche Portion Wasser des Gartenschlauchs ab, wofür er wiederum eine Kitzelattacke kassierte.
War schon eine besondere Beziehung zwischen den Beiden. Ständig mussten sie sich aufziehen.
Aber sie wussten beide, dass es nicht ernst gemeint war. Bevor sie wieder zusammen gekommen waren, hatten sie Angst, sie würden sich nur zerfetzen, wenn sie wieder ein Paar werden würden. Aber nichts dergleichen war geschehen. Sie waren einfach viel zu verliebt, um aufeinander böse sein zu können. Das nervte zwar die meisten Kerle, da sie die Streite des Anführerpaars vermissten, doch insgeheim freute sich jeder für sie.

An einem extrem heißen Tag tauchte dann plötzlich Matt auf. Er wünschte, Vanessa zu sprechen.
Leon beobachtete dies misstrauisch. Sie hatte ihm nichts von einem Kerl erzählt. Doch anscheinend war dieser „Kerl" gar nicht so doof, er lud sie alle zu seinem Surfwettbewerb am Strand des Nachbarortes ein. Etwas desinteressiert sagte Vanessa im Namen der Kerle zu.
Doch das anfängliche Desinteresse war wie weggeblasen, als Vanessa sah, wie gut Matt surfte und wie süß er doch eigentlich war. Sie jubelte gemeinsam mit den Fans und beglückwünschte ihn schließlich zu seinem Sieg.
Als Leon sah, wie seine Freundin diesen Typen anhimmelte, wenn auch nur für sein Surfen, begann er zu kochen. Was hatte dieser Kerl denn bitte, was er nicht hatte? Außer dass Matt-was für ein schleimiger Name-auf einem Brett stehen konnte, dass im Wasser schwamm. Pah, so schwer konnte das doch nicht sein. Er würde das sofort können. Moment! Das war es doch! Wenn er selbst surfen würde, würde sie ihn, und nur ihn anhimmeln. Er grinste. Was dieser Typ konnte, konnte er schon lange.

Doch so einfach war surfen auch nicht, wie Leon bei der 3. Surfstunde feststellte, die übrigens echt teuer war. Wenn das so weiterging konnte, er sich das bald nicht mehr leisten.
Doch er übte fleißig und hatte offenbar doch Talent. Nach 3 Tagen konnte er ganz passabel darauf stehen. Er konnte halt einfach alles!
Also forderte er Matt zu einem Wettkampf heraus. Nur seine und Leons Clique waren dabei.
Aber als Leon sah, wie Vanessa Matt angrinste und ihm nicht mal Glück wünschte, verlor er die Konzentration und fiel ständig vom Brett. Matts Kumpels und er selbst lachten sich schlapp über ihn.
Marlon und Maxi fischten ihn raus. Sein Gesicht war voller Sand. Vanessa wollte zu ihm laufen, doch Matt hielt sie zurück. „Du willst doch nicht wirklich zu diesem Loser? Komm mit uns, ich geb' nen Drink aus", sagte er und zog sie einfach mit sich.
Vanessa langweilige sich tierisch. Matt redete nur vom Surfen oder von sich, prallte mit seinen Siegen oder machte sie billig an. Er überredete sie dann, mit zu seinem Haus zu kommen.
In seinem Zimmer war alles riesig. Dieser Typ schwamm regelrecht in Geld.
Er kam mit einer seltsam schmeckenden Cola zu ihr und setzte sich neben sie aufs Bett.
„Und du, was machst du immer so?", fragte er. Vanessa wollte schon anfangen zu erzählen, da redete er weiter. „Ach egal, surfst du auch. Ich sage dir Surfen ist wie...bla bla bla..." Der Unerschrockenen fielen fast die Augen zu. Sie war schon im Gehen, da hielt er sie zurück.
„Vanessa, warte! Ich, ich rede eigentlich nicht so viel, aber deine Anwesenheit macht mich so nervös, wo du doch so hübsch und nett bist", schleimte er zuckersüß. Vanessa fiel drauf rein. „Findest du echt?" „Klar, wunderschön". Er rückte näher an sie ran und dabei verrutschte sein Rucksack und dessen Inhalt entleerte sich auf dem Boden.

Leonessa - Firework | Die Wilden KerleGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt