Ich biss mir mehrmals auf die Lippen. Was wollte Leon gerade sagen? Etwa, dass er mich noch..."mag"?
Doch er ließ mich nicht weiter darüber nachdenken, denn mit einem Satz hatte er sich seine Gitarregegriffen und angefangen zu spielen. Er war echt gut. Sehr gut.Nachdem ich ihm 2 Lieder lang zugehört hatte, beschloss ich mich wieder neben ihn aufs Bett zu setzen. Die ganze Zeit über redeten wir kein Wort. Es war schön einfach nur neben ihm zu sitzen und seine Nähe zu spüren. Vor allem aber liebte ich es, seinen Gitarrenkünsten zu lauschen.
Er hatte echt Talent. Ich lehnte mich zurück an den Polster und genoss die Musik. Ich hatte die Augen geschlossen, doch ich fühlte kein Anzeichen von Müdigkeit.
Als ich wenig später keine Musik mehr vernahm, öffnete ich sie wieder. Leon hatte sich ebenfalls zurückgelehnt und lag nun direkt neben mir. Ich drehte den Kopf in seine Richtung. Ich spürte, wie mein Herz wieder schneller zu schlagen begann. Es raste regelrecht.
In diesem Moment dachte ich daran, dass es bestimmt auch toll wäre, mit ihm befreundet zu sein. Einfach „nur" befreundet. Er war doch immer ehrlich zu mir. Und er war auch so kein schlechter Mensch. Bestimmt konnte man mit ihm viel Spaß haben. Obwohl er als fester Freund einfach perfekt wäre. Aber als Freunde würden wir uns womöglich nicht sooft streiten. Andererseits war er doch so süß geworden...Verdammt was mach ich bloß?
Ich schaute mich im Zimmer um. Ein zweites Bett stand nicht zur Verfügung – komisch.
Wenn ich bei Leon bleiben würde, wo sollte ich dann schlafen?
Ich stand langsam auf und ging im Zimmer herum. Leon hatte die Augen geschlossen und schlief vielleicht schon.
An seinem Nachttisch machte ich halt. Darauf lag seine Geldbörse-geöffnet. Ein Foto war hineingeklebt. Ich nahm sie in die Hand und ging damit zum angelehnten Fenster. Verblüfft stellte ich fest, dass die Person auf dem Foto niemand anderes war als ich. Leon hatte doch tatsächlich ein Bild von mir in seiner Geldbörse! Kaum zu glauben.
Ich warf ihm einen Blick zu. Sein Brustkorb hob und senkte sich gleichmäßig, und auf Grund seines ruhigen Atems ging ich davon aus, dass er schlief.
Er sah süß aus. Und gut, unglaublich gut. Doch dann überkamen mich wieder Zweifel.Was, wenn er hier ein Mädchen kennenlernte?Was wenn ist gut, natürlich würde er.Und dann?War ich dann abgeschrieben?War ich überhaupt angeschrieben?Er ist doch so nett zu mir, aber vielleicht nur aus Schuldgefühlen weil er nicht in mich verliebt ist?Hier liefen doch all diese gutaussehenden Mädels rum, nur im Bikini...Kein Junge würde da wegschauen, Leon schon gar nicht. Ich wünschte, er würde mich doch nur so ansehen. Aber wahrscheinlich bin ich sowieso nur der Kumpeltyp für ihn.
Kein Mädchen, mit dem er gesehen werden wollte, wo es doch hier so viel Auswahl gab.
Wieso sollte er da ausgerechnet mich nehmen?
Ich legte mich wieder neben ihn. Aber er wollte doch offensichtlich, dass ich den ganzen Sommer über in einem Zimmer schlafen würde. Das musste doch auch was bedeuten. Oder? Obwohl...ich bin neben Klette das einzige Mädchen. Er hat ja nicht viel Wahl. Ach, ich sollte nicht so viel darüber nachdenken. Er hat mich noch nie angelogen. Wenn er mir seine Gefühle jemals gestehen sollte, dann entsprach dies sicher den Tatsachen.
In diesem Moment öffnete er die Augen.
„Du hast gesagt, du hättest ne Überraschung für mich?", fragte er ohne Umschweife.„Ja, aber die gibt's erst morgen", meinte ich.
Er schob die Unterlippe nach vorn und machte einen extrem süßen Welpenblick. „Ne, da kannste mich noch so unschuldig anschauen, morgen gibt's die Überraschung und damit basta!"„Bist du müde?", lenkte er ab.
„Nö, du?" war meine Gegenfrage. „Auch nicht" sagt er leise. „Hast du vielleicht Lust, noch ein bisschen rauszugehen?" „Klar", sagte ich überrascht.
Wir machten uns auf den Weg nach draußen und versuchten dabei so leise wie möglich zu sein.
Es war eine sternenklare Nacht.
Wir beschlossen, am Strand spazieren zu gehen. Es war toll, barfuß am noch immer warmen Sand zu laufen und immer wieder Wasser auf die Füße zu bekommen. Und so liefen wir nebeneinander her.
Plötzlich blieb er stehen. „Hast du Lust zu schwimmen?", fragte er.
Ich schaute ihn misstrauisch an. Schwimmen? Um die Uhrzeit?
„Ich weiß nicht, das Wasser ist doch bestimmt schon kalt, und außerdem haben wir doch keine Badesachen an", versuchte ich mich rauszureden.
„Braucht man die denn unbedingt? Seit wann gehen wir den im Bikini baden?", fragte er. „Du hoffentlich nicht", sagte ich leise, doch er hörte es trotzdem. „Wie bitte?" fragte er.
Ich räusperte mich. „Ich denke nicht, dass du im Bikini eine besonders gute Figur machen würdest. „Dafür du umso mehr", grinste er.
Ich war nicht sicher, ob dies als Kompliment gedacht war oder bloß als Konter. „Leoooooon", sagte ich mit ahnendem und etwas angsterfülltem Unterton. „Jaaaaaaa", erwiderte er und kam näher. Plötzlich versuchte er mich zu fangen, doch ich war darauf vorbereitet und lief schreiend davon.
Er setzte mir sofort nach. Qietschend liefen wir den Strand entlang. Ich quietschend vor gespielter Angst und er vor Lust, mich ins Wasser zu schmeißen. Doch ich hatte keine Lust, mitten in der Nacht baden zu gehen.
Doch ich hatte offenbar keine Chance gegen Leon, er war halt einfach schneller als ich. Nach kurzer Zeit hatte er mich eingeholt, von hinten seine Arme um mich geworfen und mich wild durch die Luft gewirbelt. Ich schrie vor Angst und Lachen. Mit einem Mal ließ er mich runter, ließ aber die Arme um mich gelegt. Ich fühlte das Kribbeln wieder hochkommen. Eigentlich war es ja ständig da, aber immer wenn ich mit ihm allein war, wurde es deutlich spürbar.
„Weißt du was?", fragte er leise. „Nein, was denn?" entgegnete ich ebenso leise. „Du solltest mir gehorchen und mit mir schwimmen!". Bei jedem Wort wurde er lauter. Dann packte er mich und hob mich an, als wäre ich seine frische Braut, die er gerade über die Schwelle trug. Ich bettelte, lachte, tobte, schrie, weinte vor Lachen und gab mich schließlich geschlagen. Als das Wasser tief genug war, ließ er mich ohne Vorwarnung fallen.
Ich hatte keine Zeit mehr, die Augen zu schließen, somit drang das kalte Wasser sofort durch meine Kleidung und in meine Nase. Meine Augen brannten und für kurze Zeit verlor ich den Orientierungssinn. Ich spürte Boden unter meinen Füßen, doch ich hatte einen meiner Flip-Flops verloren. Die hatte ich erst neu gekauft! Wie ein Delfin schoss ich aus dem Wasser und zog scharf die Luft ein. Leon saß am Sand und lachte fürchterlich. Er lachte mich aus. Ich fühlte mich gedemütigt und bloßgestellt. Er war auch nicht besser als all die Spinner! Erst macht er auf lieb und brav, und auf einmal...Jungs echt! Arg!!! Und das gleich am ersten Ferientag...Stinksauer wartete ich aus dem Wasser und ließ mich dann ebenfalls auf den Sand fallen, jedoch meterweit von ihm entfernt.
Er sah kurz zu mir rüber, doch ich würdigte ihn keines Blickes. Drei heftige Atemzüge und 7 Herzklopfen später stand er vor mir. Er war gebückt und hielt mir seine Hand entgegen, doch ich schlug sie weg. „Hey!". Verwundert blickte er mich an. „Was hast du denn?" „Lass mich in Ruhe!", schrie ich heiser. Mein Mund war noch immer voller Salz und mein Hals juckte. „Was hab' ich denn jetzt schon wieder falsch gemacht?", fragte er auch etwas lauter. Er verstand wie immer gar nichts.
„Du machst IMMER ALLES falsch!". Ich war aufgesprungen und baute mich vor ihm auf. „Allein schon, dass du nicht mal weißt, was deine Fehler sind, nein du musst auch noch weitere begehen. Immer und immer wieder. Nie kannst du was richtig machen. Immer versaust du alles! Du bist echt der größte Idiot und Vollpfosten den es überhaupt gibt!" Ich musste kurz Luft holen, meine Lunge fing an zu brennen, hoffentlich holte ich mir keine Erkältung. Doch das war jetzt im Moment nebensächlich.
Vor mir stand mein Freund, oder Ex- Freund oder was-auch-immer. Ich setzte zum erneuten Angriff an: „Du warst immer gefühlskalt, immer! Und auf einmal bist du der nette Junge von neben an? Spielst den schüchternen, süßen Typen, der gerne ne Freundin hätte?" Er starrte mich ungläubig an.
Auch wenn sein verletzter Blick mich innerlich weich werden ließ, kochte ich. Ich hatte keine Wahl. Ich fühlte mich, wie in der Zwickmühle.
„Aber, Vanessa, du und ich, wir sind doch-" „WAS SIND WIR? ZUSAMMEN? EIN PAAR?". Er nickte langsam und wollte mich in den Arm nehmen, doch ich stieß ihn weg. Ich konnte das alles einfach nicht mehr ertragen. Ich hatte mich so auf den Sommer gefreut. „Du musstest doch die Stewardess anmachen, du musstest doch immer so untreu sein", beschuldigte ich ihn. „Moment, ich habe nie irgendwen angemacht und ich war auch nie untreu", schwor er. „Pah..." Ich verschränkte die Arme. Darauf konnte er lange warten. „Vanessa, bitte, wir können doch nochmal von vorne anfangen", bat er mich. „Vergiss es! Egal was zwischen uns war, es ist aus. Aus, hörst du!", schrie ich wütend.
Er begann übermäßig oft zu blinzeln und schließlich sah ich, wie eine Träne seine Wange runterkullerte. Für einen kurzen Moment wollte ich mich noch entschuldigen und das Gesagte zurücknehmen. Doch er war schon wütend an mir vorbei gegangen und hatte mich dabei unsanft angerempelt. „Sag mal geht's noch?" fuhr ich ihn an. „Was ist denn dein Problem?", schrie er zurück.
„Mein Problem? Ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll. Aber jedes dieser Probleme hat einen zentralen Grund...UND DER BIST DU!" Ich war am Rande des Wahnsinns angelangt. Meine Geduld hing-wie man so schön sagte-am seidenen Faden. Meine Nerven lagen blank und ich konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen. Er drehte den Kopf weg, und sein Körper zuckte unregelmäßig-er weinte. Ich hatte ihn noch nie weinen sehen. Im Allgemeinen hatte ich noch nie irgendeinen Jungen weinen sehen. Ich wusste, dass es ihm genauso viel Kraft kostete wie mir, aber er verstand mich eben nicht.
Ich ging auf ihn zu und legte ihm eine Hand auf die Schulter. Ich wollte ihn wieder anschreien, wollte sagen, dass ich ihn hasste, dass er alles kaputt gemacht hatte. Doch ich konnte es nicht. Wieso war ich nur so ein guter Mensch? Wieso? Ich konnte nicht lange böse auf ihn sein, eigentlich überhaupt nicht. Meine Hand, die auf seiner Schulter lag, wurde mitgeschüttelt von seinen Krämpfen. Er tat mir wirklich leid. Ich war doch etwas grob gewesen. „Leon, es tut mir Leid", sagte ich so leise, dass ich hoffte, er würde es gerade noch so verstehen. Er blickte auf. In seinem Blick lag tiefe Trauer. „Ich hätte dich nicht anschreien dürfen, du hättest mir auch so zu gehört. Und ich hätte dir zuhören sollen. Tut mir leid. Aber ich würd mir gerne anhören, was du zu sagen hast", sagte ich sanft und legte die Hand von meiner Schulter, strich über seinen Nacken und massierte ihn dann leicht.
„Ich war ein Idiot, du hast Recht. Aber ich wollte-", er musste abbrechen, da der Tränenfluss gar nicht aufhören wollte. Er schluckte und begann leise. „Ich wollte dir nie wehtun, wirklich nicht. Jedem, aber nicht dir. Es ist doch schön zu sehen, dass es dir gut geht. Und es ist schlimm, dass wir uns gleich am ersten Tag der Ferien in den Haaren liegen. Aber daran bin nur ich Schuld." Ich wollte ihn unterbrechen, doch er legte mir den Finger auf die Lippen, nahm meine Hand und zog mich auf den Sand. Es war vollkommen still. Irgendwo zirpten ein paar Grillen, aber das nahmen wir gar nicht war.
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Leonessa - Firework | Die Wilden Kerle
RomanceDie wilden Kerle haben die Silberlichten besiegt und den Freestyle-Soccer-Contest gewonnen. Doch wie geht es jetzt mit dem Anführer und seiner Freundin weiter? Will Vanessa etwa doch Maxi? Und was denkt Vanessa überhaupt über die Beziehung zwischen...
