Gitarrensolo

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Alle starrten sie mich an. Die ganze Mannschaft. Vor allem Vanessa. Offenbar konnte es keiner glauben, was ich gesagt hatte. Aber Joschka und Markus hatte doch auch gesagt, dass sie nichts dagegen hätten, wenn sie bei Vanessa liegen würden. Und da hatte auch keiner was gesagt. Gut, bei mir hatte bis jetzt auch niemand was gesagt. Stattdessen verschluckte sich Klette an einem Gummibären und Maxi bekam einen Hustenanfall. Mit einem Mal wanden sich alle von mir ab und schauten in die Luft oder pfiffen auffallend unauffällig. Bis auf die Unerschrockene. Sie starrte mich immer noch ausdruckslos an und ich hatte in diesem Moment so viel Schiss wie noch nie.

Plötzlich begannen ihre Augen zu funkeln und ein Lächeln zog sich über ihr Gesicht, sie realisierte langsam was ich meinte. Ich betete, dass sie mich jetzt nicht auslachte, oder wir uns wieder stritten.
„Okay" sagte sie nur, und ich dachte, mir würden die Augen aus dem Kopf fallen. „Okay? Okay? Okay!" sagte ich leise, eher zu mir selbst, als zu ihr. „Vanessa?" riefen die Kerle ungläubig durcheinander. „Das tust du doch nicht wirklich, oder?", fragte Klette, die Angst hatte, ebenfalls mit einem Jungen in ein Zimmer zu müssen. „Ich hab nur gesagt, ich akzeptiere seinen Wunsch, ich hab nichts davon gesagt, dass ich da zusage, immerhin losen wir aus", erklärte die Unerschrockene und enttäuschte mich damit gewaltig. Der Rest der Mannschaft atmete dankbar auf.
Für einen kurzen Moment hatte ich wirklich gedacht, sie wollte das auch.
Doch es wäre ja auch zu schön gewesen, wahrscheinlich wollte sie wenn, dann mit einem anderen Kerl in ein Zimmer. Traurig starrte ich auf meine Füße.


POV Vanessa:

In mir kribbelte wieder alles. Seit Leons Stellungannahme zu den Schlafzimmern konnte ich nicht mehr ruhig sitzen. Er wollte wirklich mit mir auf ein Zimmer? Mit mir? Wollte er etwa...-NEIN ausgeschlossen, so ein Ar*** ist er nicht. Trotzdem ist es merkwürdig das er ausgerechnet mit mir auf ein Zimmer will. Vielleicht will er sich doch endlich für die Sache mit den Silberlichten entschuldigen? Eigentlich bin ich ja nicht nachtragend, aber Leon brachte mich sofort auf die Palme.
Und da ich jetzt in Australien bin kann man das wohl wortwörtlich nehmen.
Aber es war lieb von ihm, dass er die Wahrheit gesagt hat. Angelogen hat er mich ja noch nie.
Darauf war ich auch sehr stolz.
Aber seit ich ihm offenbart habe, dass es gar nicht fix ist, dass er bei mir liegen darf, schaut er so traurig aus. Vielleicht ist es ihm doch ernst.

Nach langem hin und her hatte sich die Jungs darauf geeinigt, dass Nerv bei Maxi schlafen würde und ich konnte mir aussuchten, wo ich schlafen wollte. Klette grinste siegessicher, sie hatte keine Zweifel, dass sie meine Zimmergenossin werden würde. Doch ich selbst war sich dessen nicht so sicher. Alle Kerle bis auf den Anführer starrten mich hoffnungsvoll an. Was sollte ich denn jetzt sagen?
Schitte!
„Naja, es wär natürlich logisch dass ich mich zu Klette lege...aber ich weiß nicht so recht", gar ich wahrheitsgemäß zu.
„Wie du weißt nicht?", entfuhr es Klette. „Du denkst doch nicht im Ernst daran, dich zu einem Kerl zu legen, oder Vanessa?"
„Ha, erwischt! Du bist ein Mädchen!" rief Nerv aus.
„Bin ich nicht", entgegnete Klette genervt.
„Nerv hat schon irgendwie Recht", gab ich zu. Als Klette mich mit ihrem ich-bring-dich-um-wenn-du-dich-nicht-zu-mir-legst-also-leg-dich-zu-mir-ich-will-keine-Mörderin-sein-und-vergiss-endlich-Leon-Blick anschaute, bekam ich es doch etwas mit der Angst zu tun.
„Wisst ihr, wie wär's mit einem Kompromiss?", fragte ich in die Runde, wobei mein Blick an Leon hängen blieb. Er starrte immer noch auf seine Füße. Als er merkte, dass ich ihn anschaute, blickte er auf und ich wand meinen Blick schnell ab.
„Und wie soll der aussehen?", fragte Markus.
„Naja, jede/r die/der will, dass ich bei ihm/ihr liege, bei denen liege ich eben „Probe", und dort wo's mir am besten gefällt, dort bleib ich", erzählte ich von meinem Vorschlag.
Die Jungs waren hellhörig geworden und natürlich wollten auf einmal alle, dass ich mich zu ihnen legte. Alle, bis Auf Maxi und Nerv, die sich ja bereits ein Zimmer teilten, und deshalb genervt aufstöhnten.
„Also gut Jungs, auf eure Zimmer", scheuchte ich sie nach oben. Sie gehorchten ohne Wiederrede.
In Wirklichkeit würde ich mich, falls ich wirklich Zweifel haben sollte, welcher der Richtige Zimmergenosse sein würde, einfach nach der Ordnung des Zimmers richten. Demnach konnte ich gleich einpacken und nach Hause fahren, die Kerle waren alle verdammt chaotisch.
Trotzdem bin ich noch nie neben Leon gelegen, es wäre einfach eine neue Erfahrung. Und wenn es nicht so gut laufen würde, könnte ich natürlich immer noch zu einem anderen oder zu Klette.

Das erste Zimmer, das ich mir vornahm, war Rabans, da es gleich am Anfang war. Doch schon nach einem Blick in das Zimmer, verging es mir. Überall hatte er sein Geheimerfinder und Mystery-Zeugs aufgebaut.
Dasselbe erwartete mich in Joschkas Zimmer. Auch wenn er einer meiner besten Freunde war, damit konnte ich nicht leben. Wer weiß, vielleicht würde er die ganze Nacht an irgendwelchen Sachen basteln...
Ne damit konnte ich nicht leben...oder besser gesagt schlafen.

Das nächste Zimmer wurde dann schon interessanter. Es war Leons.
Ich klopfte erst gar nicht, das hatte ich bei den anderen auch nicht gemacht.
Sonst räumen sie noch all ihr Zeugs in den Schrank und kehren den Staub unter den Teppich.
Nene, ich wollte doch genau wissen, was mich erwartete.
In diesem Fall war das wohl etwas unangebracht.
Leon hatte nicht sonderlich viel an, Gott sei Dank stand er mit dem Rücken zu mir. Was heißt Gott sein Dank, eigentlich war es ja schade, dass er nicht-
„Vanessa reiß dich zusammen", befahl meine innere Stimme.
„Tschuldigung", sagte ich schnell.
Leon fuhr herum. Offenbar hatte er mich noch gar nicht bemerkt. Schnell machte ich die Tür zu.
„Da Vanessa, bist du jetzt zufrieden?" fragte mein Gewissen. Blut schoss mir in den Kopf und mir wurde heiß. „Sorry". Ich atmete tief durch. Gott wie peinlich!
„Du kannst wieder reinkommen", rief Leon von drinnen raus.
Ich fuhr mir kurz durch die Haare und öffnete die Tür. Er saß unschuldig auf seinem Bett und sah aus, als wäre nichts gewesen.
„Hi" sagte ich leise, immer noch mit einem Rotschimmer auf den Wangen.
„Hey", entgegnete er ebenfalls leise, da die anderen schon schliefen.
„Es tut mir Leid, dass-", begann ich, doch er unterbrach mich. „Ist ja nix passiert"
„Ja aber ich hätte klopfen sollen", meinte ich.
„Vielleicht wäre es für uns alle besser gewesen, aber jetzt ist es schon passiert, macht nix."
„O-okay"
„ähhh setz dich doch", meinte er und klopfte neben sich.
Ich nahm die Einladung dankend an und saß nun neben ihm. Es war eines der schönsten Zimmer, fand ich.
„Und? Wieso sollt ich mich zu dir legen?", fragte ich frech.
„na weil, also, weil ich es toll fände...halt damit wir wieder mal quatschen können und so halt...", stotterte er herum.
„Das können wir am Tag natürlich nicht", sagte ich ironisch. „Und überhaupt: seit wann redest DU denn gerne?"
„Ich? Ach eigentlich immer schon...mit dir kann man doch toll reden, und wir sind doch Freunde, und irgendwie doch auch..."
„Ja?", fragte ich hoffnungsvoll. „Was?"
„Naja, du weißt schon, einfach...die zwei Anführer", sagte er schnell, doch ich wusste, dass er eigentlich etwas anderes sagen wollte.
„Wir? Die Anführer? Ich dachte du machst das allein?", fragte ich weiter.
„Ja schon, früher, aber jetzt, du hast mir doch sooft geholfen und wärst doch auch ne gute Anführerin", meinte er ehrlich.
Ich fühlte, wie ich wieder rot wurde. Was war bloß mit ihm los? Auf einmal überhäufte er mich mit Komplimenten und spielt den Schüchternen? Das passte doch gar nicht zu ihm.
„Findest du wirklich?"
„Na klar", antwortete er sofort. „Du bist total fair, die wildeste von uns, die cleverste und mutigste, und du kannst dich gut durchsetzten"
Ich musste an die Sache mit Raban und den Abwasch denken und erkannte in seinen Augen, dass er an das gleiche dachte.
„Ohne dich hätt ich das nie geschafft", sagte ich ganz leise. Er sah mich erstaunt an.
„Und ohne dich wärn wir jetzt gar nicht hier. Ohne dich wären wir nicht die wilden Kerle. Ohne dich-"
Er verstummte. Er war immer leiser geworden und letztendlich hatte seine Stimme versagt.
Ich sagte nichts sondern schaute ihn an. Vor kurzem war die Sonne untergegangen, deshalb konnte ich nur noch seine Silhouette sehen, doch das reichte mir. In all den Jahren hatte ich sein Gesicht gut studiert und kannte es mittlerweile auswendig.
Nur der Mond beschien seine Haare von Hinten, sodass sie wunderschön glänzten.
Er setzte erneut an, um etwas zu sagen. Doch wieder brachte er nichts heraus. Stattdessen nahm er meine Hand. Sofort kribbelte es in meinem ganzen Körper. „Hör zu Vanessa, ich-"
„LEUTE DAS GLAUBT IHR NICHT!". Nerv war in das Zimmer gestürmt. Blitzschnell waren Leon und ich auseinandergefahren und aufgestanden.
„Was ist denn Nerv?", fuhr Leon den Kleinen unsanft an. Er war offenbar genauso enttäuscht wie ich, dass unsere schöne Situation zerrissen worden war.
„Joschka hat am Strand ein komisches Mädchen gesehen. Die geht er jetzt schwimmen, mitten in der Nacht!", sagte Nerv ohne auf Leons Unterton einzugehen.
„Ja eben, es ist Nacht, deshalb solltest du schlafen!", befahl Leon.
„Och menno! Aber Joschka ist, dann als er zurück ist, um es uns zu sagen, eine Kokosnuss auf den Kopf geknallt und-"
„Toll Nerv, erzähl's uns morgen!", und mit diesen Worten schob er ihn nach draußen.

Leonessa - Firework | Die Wilden KerleGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt