auf-die-Palme-bringen und Gedankenchaos

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Als sie später Stimmen wahrnahmen, öffneten sie müde die Augen.
Ineinander verhakt, sodass man kaum noch erkennen konnte welcher Körperteil wem gehörte, waren sie eingeschlafen. Nervs und Klettes Rumgezanke war von weitem zu hören. Wissend grinsten sich der Wilde-Kerle-Anführer und seine Freundin an.
Sie schnappten sich die Decke und liefen schnell zum Haus. Leon drehte den Wasserhahn des Gartenschlauchs auf, während Nessi diesen in die Hand nahm und sich hinter einer mittelgroßen Palme versteckte, um dem Rest der Meute einen gebührenden Empfang zu bereiten. Wie Kleinkinder schrien die Kerle auf, als sie vom Strahl des Gartenschlauches erwischt wurden. Klatschnass und halb wütend, halb belustigt schrien sie nach Leon und Vanessa. Die Unerschrockene kam hinter den Sträuchern hervor und kringelte sich vor Lachen. Leon winkte ihnen unschuldig vom Eingang des Hauses her zu. Und ehe sich einer der Beiden versah, wurde Vanessa der Schlauch aus der Hand gerissen und sie direkt davor platziert. Leon, der wohl besser einfach das Wasser abgedreht hätte, lief zu ihr hin und stellte sich schützend vor sie. Sie nahm seine Hilfe dankbar an und versteckte sich hinter ihm, sodass nur Leon wirklich nass wurde. Doch als er sah, dass sie ihn offenbar nur benutzt hatte, umarmte er sie fest, sodass auch sie dem Wasser nicht verschont blieb.


Marlon saß einstweilen am Fensterbrett in seinem Zimmer. Was heißt Zimmer? Er durfte auf dem Dachboden schlafen. Da ihn das nicht interessierte würde er sich unten eine Hängematte aufhängen. Wütend riss er sich die Kopfhörer von den Ohren. „Facebook-Love" von David May ft. Max Urban hatte der Musikplayer abgespielt. Horizon hatte gesagt das wäre ihr gemeinsames Lied. Pah! 2 Tage danach hatte sie ihn fallen lassen. Wie eine heiße Kartoffel. Wie eine Einwegflasche, die man nach dem Gebrauch einfach wegwarf. Wie ein Kondom das „danach" im Mülleimer landete oder die Toilette hinunterspülte.
Bei dem Gedanken musste er grinsen. Maxi hatte ihn von Vanessas Bekanntschaft mit dem roten Ding erzählt und er fand das Ganze äußerst amüsant. Leon und sein Dad war gar icht als so übervorsichtig bekannt.
Seine Gedanken schweiften wieder zu Horizon. Ja, er hatte mit ihr geschlafen. Es war nichts Besonderes gewesen. Außerdem hatte sie sich gelangweilt. Aber sie war das erste Mädchen, das ihm wirklich etwas bedeutet hatte. Doch sie hatte ihn nur ausgenutzt. Schamlos. Rücksichtslos. Ohne Rücksicht auf seine Gefühle. Für sie war das mit ihm nur ein „kleines Abenteuer" gewesen, wie sie es ihm hochnäsig erklärt hatte. Und damit hatte sie ihn zu tiefst verletzt. Sein Stolz. Sein Selbstbewusstsein. Sein Ego. Seine Hoffnung. Alles hatte sie ihm weggenommen. Er hatte sich alles mit ihr vorstellen können, ALLES. Sogar Hochzeit und Kinder. Und was machte sie? Nutzte ihn aus. Brach sein Herz nicht nur entzwei, sondern riss es auch noch aus seiner Brust. Und als ob sie ihn nicht schon genug gedemütigt hatte, trat sie auch noch auf seinem zerbrochenem und herausgerissenem Herz herum. Verdammt! Niemals hätte der wilde Kerl gedacht, er könnte sich verlieben. Er hatte alles auf eine Karte gesetzt. Alles für sie aufgegeben. Und alles verloren.
„Wer nicht wagt, der nicht gewinnt", hallten sie Worte seines Vaters in seinem benebeltem Kopf. „Um ein Mädchen muss man halt kämpfen, aus das wartet man nicht", hatte er gesagt, als Vanessa zu Gonzales abgehauen war.
Aber wenn dieses Mädchen eine abgedrehte, schlampige, hinterlistige Schlange war, die sich wie ein verschlagener Schleimer ohne Rückrat mit Hintergedanken verhielt, war die ganze Sache anders. Alle hatten ihm gesagt, dass sie zwielichtig war und zweigleisig oder mehrgleisig fuhr. Letztendlich hatte sogar Leon versucht, ihm das klarzumachen. Aber er hatte sich nichts einreden lassen, mit seinem verdammten Sturkopf. Er war naiv geblieben. Blind vor Liebe. Alle hatten sie Recht gehabt. Und er hatte sie auch noch verteidigt! Sie weiß halt, was sie will, hatte er sie angefahren. „Außerdem ist es meine Sache". „Gott ist der verknallt" und Ähnliches hatten sie gemeint. Sie hatten ja so Recht. Er hatte nur noch an sie gedacht, nur noch sie gesehen. Er war gerade mal 17, er konnte sich doch nicht auf eine Frau fixieren, schon gar nicht auf eine mit der er überhaupt keine Zukunft haben würde. Gott, wieso war er nur so blind gewesen?
Wieso hatte er sich so verzaubern, so blenden lassen?

Niedergeschlagen stand er auf und machte sich auf den Weg ins Treppenhaus. Er war trotzdem froh, dass Vanessa ihn eingeladen hatte. Naja eigentlich hatte sie ihn dazu zwingen müssen. „Ich muss dich eben zu deinem Glück zwingen, wenn du's anders nicht willst. Wenn du nur in deinem Zimmer sitzt, wird's auch nicht besser, davon kommt sie auch nicht zurück.", hatte sie gesagt und ihm ein Ticket erster Klasse auf die Brust gedrückt. BAM! Das hatte gesessen. Wieder hatte sie Recht. Er sollte erst kurz später fliegen, weil Vanessa Leon überraschen wollte. Verstohlen hatte er gegrinst als sie dies mit hochroten Wangen erwähnt hatte. Er hatte schon immer das Knistern in der Luft bemerkt, wenn Vanessa und Leon sich ansahen.
Und wenn er ehrlich zu sich selbst war, war er durchaus froh, mit deinen Freunden im Urlaub zu sein.
Das Leben ging schließlich weiter. Und er wollte nicht als alleinstehender Couch-Potato enden, während alle Welt um ihn verliebt war.
Und da war noch etwas: Egal wie hart er es versuchte, seine Gedanken schweiften unentwegt zu diesem Mädchen, in das er in der Stadt fast gelaufen war. Sie war wunderschön. Eine Naturschönheit. Markellos. Und doch hatte sie irgendetwas Unnatürliches an sich. Vielleicht waren es ihre unergründlich tiefblauen Augen? Vielleicht die welligen dunkelbraunen, langen Haare?
Vielleicht ihre tollte Figur? Vielleicht alles zusammen? Sie war viel schöner als Hor- Nein, stop! Nicht schon wieder an sie denken. Gemütlich schlenderte er die Treppen hinab, holte sich noch ein Bier aus dem Kühlschrank und legte sich schlafen.



Lachend stürzten Leon und Vanessa in ihr Zimmer und warfen sich aufs Bett. Die Blicke der anderen Kerle waren ja auch zu köstlich gewesen. Und ihre Reaktion auf die unerwartete Dusche erst.
Die Beiden einigten sich darauf noch ein Gläschen auf der Terrasse zu trinken um ihren Triumph zu feiern. Nachdem sie sich ausgiebig ausgelacht hatten, meinte Vanessa nach einem kleinen Hickser: „Du Liebling, du hättest mir aber schon helfen können, als die Jungs zum Gegenangriff übergeschritten sind" Leon war sich sicher, dass sie das ironisch meinte und lachte laut. Vanessa blickte enttäuscht. „Stehst du etwa nicht zu mir? Bin ich dir irgendwie peinlich?", sie wurde bei jedem Wort lauter und hysterischer. „Komm schon", meinte er einfach und wollte sie auf seinen Schoß ziehen. „Ach lass mich", wütend rückte Vanessa den Stuhl zurück und ging eingeschnappt ins Zimmer hinein, aber nicht ohne hinter sich die Tür abzusperren. Leon vergrub den Kopf in seinen Händen und rieb sich die Augen. Nachdem er 10 Minuten lang geklopft hatte, wurde die Türe schließlich geöffnet und als er eintrat sah er gerade noch wie sich eine saure Vanessa aufs Bett schmiss. Er atmete tief durch und verdrehte kurz die Augen. Wenn sie jetzt auch so zickig wurde, konnte das ja was werden...

Leonessa - Firework | Die Wilden KerleGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt