Verloren!

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Scheiße! Was habe ich nur wieder gemacht?
Paul setzt sich zu mir ans Bett:
,,Wie meinst du das, Sophia?"
Bitte, Gott! Lass irgendwas passieren, damit es sich vermeiden lässt, auf diese Frage antworten zu müssen.
Als hätte Gott meine Gebete erhört, wacht genau im richtigen Moment Emma an zu weinen.
,,Es tut mir leid, Paul! Ich muss mich jetzt leider um unsere Tochter kümmern!"
Doch bevor ich aufstehen kann, zieht Paul mich wieder zurück.
Mit einem eisernen Blick sieht er mir direkt in meine Augen:
,,Was hast du gemeint?"
,,Paul, was bist du denn bitte für ein Vater. Lässt einfach dein Kind schreien, um irgendeine Antwort auf eine banale Frage zustellen."
Ich will wieder aufstehen, aber Paul zieht mich wieder zurück.
,,Sophia?"
Jetzt war dieser gewisse Unterton in seiner Stimme, welcher mir zeigte, dass er nicht locker lässt.
,,Sophia?"
,,Ähm, ich bin noch ganz durch den Wind wegen der Geburt. Man darf heute noch nicht ernst nehmen, was ich sage. Ich rede eh nur dummes Zeug."
Doch Paul bleibt angespannt.
Er glaubt mir nicht!
Warum auch?
Meine Ausrede war ungefähr so glaubwürdig, wie Marsmenschen auf der Erde. Gleich Null!
Paul steht auf und geht zu Emma.
Er nimmt die hoch und schuckelt sie.
Emma beruhigt sich sofort.
Paul mustert ihr Gesichtskonturen.
Dann sieht er wieder mir in die Augen:
,,Weißt du, was mich heute sofort als erstes irritiert hat?"
Ich sehe ihn fragend an.
,,Das Emma mir jetzt schon ähnlicher aussieht, als Valerie. Valerie hat zwar meine Augen und meine Haare aber sonst..."
Ich weiß nicht, was ich sagen soll.
Doch Paul übernimmt das Reden für mich, während er wieder Emma ansieht: ,,Ich habe gerade vor kurzem heimlich ein Telefonat zwischen Marc und Victoria mit angehört. Sie sagten, dass es niemand heraus bekommen darf. Ich wusste die ganze Zeit nicht, worüber sie sprachen, aber jetzt wird es mir langsam klar."
Nun sieht er mir wieder in die Augen:
,,Mein Bruder ist ihr Vater, oder?"
Ich sage nichts, doch Pauls Blick zeigt mir auch ohne Worte, dass er es weiß.
Ich stehe auf und lege ihm eine Hand auf seine Wange: ,,Es tut mir so leid. Ich weiß, du liebst sie über alles."
Paul drückt mir Emma in den Arm und dreht und dann den Rücken zu.
Er rauf dich seine Haare: ,,Wie konnte sie mir so etwas nur antun?
Und dann auch noch mit meinem Bruder? Wie kann die mich nur betrügen? Das ist ein Vertrauensbruch!"
,,Ähm, ich will ja nichts sagen, aber so darfst gerade du nicht reden!"
Verwirrt dreht er sich zu mir um:
,,Na ja, sie hat dich nur ein Paar Tage früher betrogen, als du sie.
Du hast sie mit ihrer Schwester betrogen und sie dich mit deinem Bruder. Gerade du darfst sie nicht verurteilen."
Man sieht Paul in den Augen an, dass er weiß, dass ich Recht habe.
,,Ach übrigens!"
Ich weiß, es ist jetzt gerade alles andere als die perfekte Gelegenheit, aber gibt es die schon, für das, was ich ihm sagen möchte?
Er sieht mich fragend an.
Ich hole noch einmal tief Luft:
,,Victoria weiß jetzt, dass du Emmas Vater bist!"
Er sieht mich fassungslos an, schüttelt den Kopf und verschwindet dann aus dem Zimmer.
Ich lege Emma wieder zurück in das Beistellbett und lege mich auf meins.
Was habe ich nur getan?
Ich habe gerade zwei meiner wichtigsten Menschen verloren.
Mir Laufen mal wieder Tränen übers ganze Gesicht.
In diesem Moment kommen auch Mama und Papa ins Zimmer zurück.
,,Sophia, weißt du, wo Victoria und Paul mit Valerie sind. Wir finden Sie im ganzen Stockwerk nicht. Weißt du, wo die drei sind?"
,,Sie sind gegangen!"
Meine Eltern sehen mich verwirrt an:
,,Sie sind was? Wieso machen sie das?"
,,Weil ich sie enttäuscht habe.
Sie beide hassen mich!"

Der Freund meiner SchwesterWo Geschichten leben. Entdecke jetzt