Trinken, wenn ich wütend bin

7K 219 3
                                        

Ich rannte und rannte und wusste immer noch nicht, wohin ich rannte. Es war, als wäre die ganze Welt um mich herum aufgelöst und es gab nur noch mich und meine Wut. Irgendwann klingelte ich an einer Tür, hatte aber keine Ahnung, bei wem ich bin und war sehr überrascht, als mir Alex die Tür öffnete. Es war, als wäre ich unterbewusst zu ihm gerannt. Er war wohl auch ziemlich überrascht, als er mich sah: ,,Sophia, was machst du denn hier?" Doch ich konnte nicht reden! Ich fiel ihm in die Arme und fing wieder an zu weinen. Er wusste wohl nicht genau, was er machen soll, deshalb blieb er einfach still stehen und beruhigte mich. Irgendwann sagte er: ,,Sophia, was ist los? Ich muss gleich los. Ich bin mit Freunden verabredet." Aber ich konnte mich nicht von ihm lösen. Wie konnte Paul mir nur so etwas antun. Alex seufzte und hob mein Kinn, damit ich ihn ansehen musste: ,,Willst du mitkommen? Dich von dem ablenken, weshalb du so aufgelöst bist?" Bevor ich nachdenken konnte, nickte ich und Alex schon mich Richtung Auto. Die ganze Fahrt über starrte ich einfach nur aus dem Fenster und starrte auf die Welt, die an mir vorbei zog. Irgendwann hielt das Auto und wir stiegen aus. Wir standen vor einem Reihenhaus und ein Typ öffnete uns die Tür und begrüßte uns. Es war ihm wohl egal, das Paul mich einfach mitbrachte. Im ganzen Haus waren Leute. Alex sagte zu mir: ,,Meine Freunde und ich feiern nicht wirklich Weihnachten. Während unsere anderen Freunde mit der Familie zusammen sitzen feiern wir unsere eigene Party." Egal was das hier ist, ich hoffte, es lenkt mich von dem Schmerz in meinem Herzen ab. Ich ging ins Haus rein und sofort schoss mir der Duft vom Alkohol in die Nase. Es waren schon mehrere Leute betrunken und grölten irgendetwas zu irgendwem. Ich sah mich um. Überall standen Flaschen rum. Manche halbvoll, manche schon leer. Ich nahm mir eine Flasche und trank einen großen Schluck. Ich hatte keine Ahnung, was das hier war, aber es brannte in der Kehle. Ich trank noch einen Schluck und noch einen. Ich hatte keine Ahnung, wieso ich immer trank, wenn ich wütend oder verletzt auf Paul war, aber es half mir, nicht ganz durchzudrehen. Ich ließ mich an einer Tür runterrutschen und trank noch mehr. Niemand beachtete mich und das war auch gut so. Ich wolle alleine sein! Nur ich und der Alkohol! Mein Handy vibrierte zum wiederholten Mal und ich schaute drauf. Schon 19 entgangene Anrufe von Paul! Ich drückte den Anruf weg. Nach einer halben Ewigkeit war die Flasche alle. Ich musste mir eine neue holen. Ich versuchte aufzustehen und nach mehreren Versuchen schaffte ich es auch. Ich bahnte mir einen Weg zwischen allen Leuten und plötzlich stieß ich jemandem direkt gegen die Brust. Ich entschuldigte mich, sah hoch und sah Alex direkt in seine schimmernden Augen. Er hatte ich schon sehr viel Alkohol getrunken und was ich als nächstes tat, schob ich auf den Alkohol in mir. Ich lächelte und drückte meine Lippen auf seine. Sein Mund fühlt sich irgendwie komisch an. Ich denke einfach die ganze Zeit daran, es wäre Paul, den ich hier gerade küsse. Es ist so lange her! Aber egal wie sehr ich daran denke, dass es Paul wäre, es war Alex! Seine Hände an meinen Wangen brannten, aber nicht so, wie Pauls Hände auf meinen. Er stöhnt auf und drängt seine Zunge in meinen Mund. Er legt mir die Hände auf meinen Rücken und zieht sich noch näher an ihn ran. Das war der Punkt, an dem ich wieder einen klaren Kopf bekam. Ich drückte Alex von mir, allerdings so fest, dass ich selbst fast hinfiel. Der Boden schwankt sehr unter meinen Füßen. Alex lächelte, aber ich konnte ihm nicht in die Augen sehen. Auf einmal wurde mir übel. Ich rannte an ihm vorbei ins Badezimmer, welches zum Glück frei war, beugte mich über die Toilette und übergab mich. Einerseits war es so ein total ekliges Gefühl, aber andererseits hätte ich das Gefühl, dass der Alkohol aus mir raus kam. Auch wenn ich mich danach überhaupt nicht besser fühlte. Mir war schlecht, der Boden schwankte noch genauso doll wie vorher und allgemein war alles scheiße! Ich ließ mich an der Toilettentür runterrutschen und fing wieder mal an zu weinen. Ich nahm mein Handy, um zu schauen, wie viel Uhr es war. Es war schon 01.30. Ich hatte bis jetzt schon 39 unbeantwortet Anrufe von Paul, als in diesem Moment sein Name auf dem Display aufleuchtete. Ich wollte den Anruf ablehnen, aber meine Orientierung war ein bisschen am schwanken, sodass ich den Anruf aus versehen an nahm. Instinktiv nahm ich mein Handy ans Ohr. ,,Sophia?! Gott sei Dank gehst du endlich ran. Ich habe mir Sorgen gemacht!" ,,Du hast gar nicht die Befugnis, dir um mich sorgen zu machen!" ,,Hast du was getrunken, Sophia!" Was geht es ihn denn bitte an? Soll er doch weiter mit seiner Tusse abgeben. ,,Ja, habe ich!" Paul seufzte: ,,Wieso machst du das? Du verträgst kein Alkohol!" Aber bevor ich auf seine Frage eingehen konnte, sprach er weiter: ,,Wie viel hast du getrunken?" ,,Keine Ahnung! Da stand so eine Flasche. Da war noch so einiges drin! Die habe ich getrunken!" Auch wenn ich ihn nicht sah, wusste ich, dass seine Gefühle gerade zwischen Wut und Sorge schwanken: ,,Sophia, du bist total besoffen! Das ist total kindisch von dir, wie du dich in dieser Situation verhältst." Jetzt fing bei mir die Wut an: ,,Kindisch? Ich bin ja auch noch ein Kind! Du müsstest von uns beiden eigentlich der Erwachsene sein. Ich bin noch nicht erwachsen! Du bist der Erwachsene!" Paul seufzt: ,,Scheiße! Sophia, ich weiß das du wütend auf mich bist! Aber du kannst dich nicht einfach so fallen lassen. Und du bist kein Kind mehr. Du hast eine kleine Tochter und bist erwachsener als so manche andere Mädchen in deinem Alter. Du bist kein Kind mehr, auch wenn du dich manchmal so benimmst!" ,,Wieso bist du denn dann nicht bei Victoria geblieben? Die war gleich alt wie du und war nicht kindisch!" Man hörte, wie Paul die Luft zwischen seinen Zähnen durchzog: ,,Du bist total betrunken! Du weißt überhaupt nicht, was du da sagst." Plötzlich hämmerte jemand an die Badezimmertür und ich zuckte heftig zusammen. Irgendwann hat dieser jemand begriffen, dass er hier nicht reinkommt und ging. ,,Ich weiß ganz genau, was ich sage! Wärst du bei Victoria geblieben, würde ich jetzt nicht diesen Schmerz durchstehen; wieder einmal!" Paul seufzte noch einmal: ,,Wo bist du, Sophia?" ,,Keine Ahnung! Ich bin mit Alex bei irgendeinem Freund." ,,Alex!" Man hörte richtig, wie Paul den Namen angewidert aussprach, ,,Ausgerechnet mit dem?" Klang das gerade nach Eifersucht? ,,Ja, mit dem bin ich hier. Ich glaube, diese Straße heißt irgendwas mit Marie oder Sophie oder irgendein Name." Paul seufzte: ,,Ich glaube, ich weiß wo du bist. Komm nach draußen und warte da auf mich, okay? Ich hole dich an!" Und bevor ich überlegen konnte, stimmte ich zu und beendete das Telefonat.

Der Freund meiner SchwesterWo Geschichten leben. Entdecke jetzt