Hating The Friends
Kapitel 17
Aéroport international Pierre-Elliott-Trudeau de Montréal, Kanada
12. Juni 2023
Lando
Er wippte nervös von einem Fuß auf den anderen.
Die Kapuze seines Hoodies hatte er tief ins Gesicht gezogen. Noch ein Stück tiefer und er könnte gar nichts mehr sehen. Ohne es zu bemerken, begann er an seinen Fingernägeln zu kauen, während er das Gepäckband beinahe schon hypnotisierte.
„Hast du alles?", wurde er so unverhofft von seinem Physio Jon angesprochen, dass er regelrecht wie unter einem Schlag getroffen zusammenfuhr.
Wie er das hasste. Zum Glück war er schon immer ein wenig schreckhaft gewesen, weshalb sein Begleiter nicht sofort einen Anlass sehen würde, ihn darauf anzusprechen. Er hatte gerade überhaupt keine Nerven dafür. Er wusste wirklich nicht, wie es ihm nach den vergangenen Tagen gelungen war, überhaupt seine Sachen zu packen und seine Wohnung zu verlassen.
Jon stand direkt neben ihm, hatte die Arme vor der Brust verschränkt und wartete noch auf eine Antwort.
„Mein Koffer ist noch nicht da", erklärte er Jon.
Er fand selbst, dass es kühl klang. Jon fragte ihn ja oft, was los war, ob ihn etwas belastete. Das war der Nachteil, wenn man dauernd von Menschen umgeben war, die einen schon ewig kannten. Es mussten inzwischen ungefähr acht Jahre sein. Das machte Jon nicht nur zum perfekten Personal Trainer für ihn, sondern auch zu einem Freund.
Problematisch, weil Freunde wussten, wenn etwas nicht in Ordnung war. Weil Freunde helfen wollten und dann ständig versuchten, etwas rauszufinden. Etwas, was er unbedingt verbergen musste. Aber wie?
„Wir müssen los", informierte Jon ihn und obwohl er ja recht hatte, ging ihm das gerade schon wieder auf die Nerven. Er brauchte seinen Koffer nun einmal und er hatte genug Probleme, da konnte er sich nicht noch mit sowas rumschlagen.
„Weiß ich auch", wurde er ein wenig patzig.
Er hatte viel zu wenig geschlafen, die Sache mit Carlos machte ihn komplett fertig und er hatte Angst, dass er Oscar in seinem sentimentalen Moment wieder zu viel verraten hatte.
So gerne er mit ihm redete, aber jetzt war das nächste Rennwochenende und jetzt musste er seine Mauer wieder hochziehen. Niemand durfte sie einreißen. Insbesondere nicht Oscar.
„Na gut, ich frag mal nach", entschied Jon.
„Ist gut." Das drückte nicht einmal ansatzweise aus, wie dankbar er Jon dafür war. Dass er jetzt nicht einfach loswollte, dass er erkannte, dass es ihm wichtig war und er nach einer Lösung suchte. Etwas, was ihm selbst ja nicht mehr gelang.
Einerseits war ihm zum Heulen zumute und andererseits beschlich ihn eine beängstigende Gleichgültigkeit. Das Schlimmste war eigentlich, dass er sich selbst nicht mehr einschätzen konnte. Er wusste nicht, ob er im nächsten Moment zusammenbrechen würde oder wieder nur Menschen weg biss, die es gut mit ihm meinten.
Das Klingeln seines Handys holte ihn aus seinen Gedanken und als er einen Blick drauf warf, bekam er sofort Magenschmerzen. Er wollte nicht. Er wollte da einfach nicht rangehen, sah sich hilflos um. Aber er wusste, dass es schlimmer für ihn wurde, wenn er das ignorierte.
Seine Hände zitterten und doch versuchte er seine Stimme so fest wie möglich klingen zu lassen, als er ranging.
„Was willst du schon wieder?"
Es war so anstrengend. Immer musste er sich zusammenreißen, immer musste er allen etwas vorspielen. Klar, er könnte es lassen, aber dann würde dieser Kerl seiner Schwester etwas antun und das war ein Risiko, welches er unter keinen Umständen eingehen konnte.
„Dich daran erinnern, dass ich dich gut im Auge behalten werde", wurde ihm von dieser schmierigen Stimme mitgeteilt. Dieser Psychoscheiß! Das wusste er doch! Er war ja kein Vollidiot und kein dummes Kind mehr. Wobei. Eigentlich schon.
Sein Selbstbewusstsein schwand jedes Mal, wenn er sich mit diesem Dreckskerl auseinandersetzen musste. Diese Worte dienten nur dazu, ihn zu verunsichern, ihn in Fehler zu treiben und ihn wieder fertigmachen zu können.
Wie konnte man nur auf sowas stehen? Er begriff das alles nicht und er wollte es auch gar nicht. Er wollte nur endlich in Ruhe gelassen werden.
„Sonst noch was?", gab er zurück, versuchte sich davon nicht beeindrucken zu lassen. Aber was konnte er schon großartig tun? Er hatte ja zugelassen, dass der ihn in der Hand hatte und mit ihm machen konnte, was immer er wollte. Hätte er gleich etwas unternommen und-
Was sollte das nur wieder? Er hatte es doch versucht. Mit seinen Eltern zu reden, aber die hatten ja nicht zugehört. Genauso wenig wie Carlos. Er musste doch alleine klarkommen.
„Das wird besser ein gutes Rennen für dich. Sonst weißt du, was dich erwartet", wurde er unnötigerweise erinnert.
Ein perfides Spiel, dessen Sinn er nicht verstand. Wenn er irgendwann durch diese ganze Scheiße seinen Platz bei McLaren verlor, dann war er doch aus der Reichweite dieses Idioten. Wenn er gute Leistung brachte, um sich davor zu retten, dann fand ja kein Übergriff statt. Was also sollte das? Er hatte mit Flo ein super Druckmittel. Wenn es passieren sollte, konnte er das jeder Zeit haben. Unabhängig von seinem Rennergebnis.
Er grübelte so viel darüber. Ob es einfach Leute gab, denen solche Spiele gefielen. Ob er ihn in sein Karriereaus drängen wollte, um danach erst so richtig über ihn herzufallen. Ob das alles einfach Teil dieses Psychospielchens war. Am Ende war es jedoch egal, weil er ohnehin keinen Weg fand, ihm zu entkommen.
„Schon kapiert."
Was sollte er dazu denn auch sonst sagen? Er wollte das Gespräch nur noch beenden, seinen Koffer haben und dann verschwinden. Und er wollte Oscar im Rennen einfach weit hinter sich lassen, damit sowas wie in Barcelona nicht wieder passierte.
Vom dritten Platz gestartet und am Ende nur Siebzehnter. Das durfte auf keinen Fall wieder passieren. Alles nur, weil George ihn gleich beim Start berühren musste und für einen Platten gesorgt hatte.
Er könnte George echt eine reinhauen dafür, obwohl der natürlich gar nichts für seine Situation konnte.
Im Moment suchte er nur immer nach einem Ventil für seine eigene Wut und Verzweiflung und immerhin hatte George in der Quali schon die Berührung mit Hamilton gehabt. Hätte er nicht vorsichtiger sein können? Was war denn los mit ihm? Er wusste doch wie es geht? Und wieso hätte er sich nicht wieder mit Hamilton oder irgendwem anders anlegen können. Warum ausgerechnet mit ihm?
„Gut. Hoffentlich hast du die richtigen Sachen eingepackt, falls nicht", kam es zurück.
Genau das, was er zu verdrängen versuchte. Dass er den Koffer eben auch deswegen unter allen Umständen brauchte und nicht einfach hier am Flughafen lassen konnte. Hoffentlich hatte Jon Erfolg. Er brauchte ihn. Er hasste es auch so schon, wenn seine Sachen nicht bei ihm waren und er nicht wusste, was mit ihnen passierte. Selbst, wenn es nur blöde Shirts waren.
„Ich verliere nicht gegen ihn!", platzte es aus ihm heraus und zu so einer Reaktion hatte er sich gar nicht treiben lassen wollen. Er war so unfähig. Er kam dagegen einfach nicht an.
„Wir werden sehen."
Er konnte dieses Ekelpaket am anderen Ende lachen hören, bevor er einfach auflegte.
Am liebsten hätte er sein Handy jetzt gegen die nächste Wand geworfen.
Bevor er das tatsächlich tat, steckte er es lieber wieder ein und fixierte erneut das Gepäckband. Wenigstens das musste funktionieren. Wenigstens seinen Koffer musste er haben. Wenn das nicht der Fall sein würde, dann kam er gar nicht mehr zur Ruhe.
Er stierte so lange geradeaus, bis ihm schon beinahe die Augen tränten, als könnte er das Laufband damit hypnotisieren und dafür sorgen, dass es ihm genau das brachte, was er jetzt so dringend brauchte.
„Hast du deinen Koffer jetzt?", kam Jon in diesem Moment allerdings zurück und erschreckte ihn damit erneut. Er war so in seine verzweifelte Hypnose vertieft gewesen, dass er Jon schon wieder komplett ausgeblendet hatte.
„Nein..." Sehr zu seinem Bedauern. Was sollte er nur machen? Wieso hatte Jon denn keine Wunderlösung mitgebracht?
„Dann müssen wir den nachschicken lassen, wir müssen los", drängte Jon und sprach damit genau das aus, was aus seiner Sicht nicht passieren durfte. Er verspürte den Drang, sich an diesem dämlichen Laufband festzuklammern, als würde sein Leben davon abhängen, damit Jon ihn nicht hier wegbekam.
„Auf gar keinen Fall!", platzte es aus ihm heraus.
Er konnte nicht ohne seine Sachen gehen. Nicht das auch noch. Im Moment ging alles schief und dabei war alles schon unerträglich, wenn solche Dinge nicht passierten. Wie sollte er damit jetzt wieder klarkommen?
„Lando, wir können hier nicht stundenlang warten", probierte Jon ihm zu erklären und diese Hilflosigkeit und der Druck zerfetzten seine Nerven einmal mehr, sodass eine heftige Impulsreaktion folgte, die er nicht mehr kontrollieren konnte. Immer diese Wut, die er nicht verstecken konnte.
„Ich geh nicht ohne meine Sachen!", stellte er trotzig klar, konnte sich hier nicht vom Fleck bewegen und fing an, sauer auf Jon zu werden, weil er so penetrant war und ihn einfach nicht in Frieden lassen konnte.
„Es geht nicht anders", bestand Jon darauf, professionell zu sein. Er hatte vollkommen recht. Er konnte hier nicht bleiben. Er musste im Hotel einchecken und hatte an diesem Wochenende ein Rennen zu fahren. Aber er musste den Koffer haben und seine eigene Ausweglosigkeit rief ungeahnte Aggressionen in ihm hervor.
„Halt die Fresse und lass mich!", schrie er Jon an.
Dem fiel alles aus dem Gesicht. Verständlich. Immerhin redete er so nie mit ihm. Er konnte schon mal laut, deutlich und unausstehlich sein. Aber jemanden dermaßen den Mund zu verbieten, war etwas, was er normalerweise nicht tat. Das sprudelte so aus ihm heraus und er konnte es nicht aufhalten.
„Hallo? Wie redest du denn mit mir?", wunderte Jon sich und war auch zurecht hörbar verärgert über sein bockiges und kindisches Verhalten.
Ja. Ein bockiges Kind. Das war er für alle. Er konnte es ja nicht mal bestreiten. Er war zwischenmenschlich gesehen ein totaler Versager, er war kompliziert und tat seinen Mitmenschen wegen seiner bekloppten Art nicht gut. Es gab nichts Gutes an ihm. Er war das Letzte. So wie er Carlos behandelt hatte, so wie er mit Oscar umsprang. Er hasste sich doch längst selbst und er hasste gerade Jon, weil der ihn daran erinnert hatte, ohne es zu wollen.
„Fick dich doch!", verlor er komplett die Kontrolle über sich und seine Worte.
Jons Augen wurden nur noch größer. Er sah aus, als glaubte er, dass er sich verhört hatte.
„Fahr runter, sonst kannst du dir einen neuen Physio suchen. Ich bin nicht dein Leibeigener", stellte Jon an dieser Stelle mal klar, denn natürlich war der auch längst frustriert über seine Wesensveränderung. Er sollte einlenken, es damit begründen, übermüdet zu sein. Aber ein neuer Physio würde ihn nicht kennen und nicht sofort bemerken, dass etwas los war.
„Und ich kein dummer Junge, den du rumkommandieren kannst, wie es dir passt!", stieg er also mal wieder auf einen unnötigen Streit ein, den er gerade selbst vom Zaun brach. Sollten sie doch alle aus seinem Leben verschwinden. Carlos. Jon. Seine Eltern. Sie waren alle besser ohne ihn dran.
„Reden wir gerade aneinander vorbei?", schien Jon noch etwas retten zu wollen und am liebsten würde er weiter draufprügeln, aber er hatte Kopfschmerzen und ihm war irgendwie nicht gut. Er wollte sich irgendwie weiterstreiten und doch verließ ihn auch schlagartig die Kraft dafür.
„Lass mich einfach in Ruhe", entgegnete er also nur, worauf Jon den Kopf schüttelte. Es machte ihm keinen Spaß, Menschen so zu behandeln. Noch etwas, wofür er sich inzwischen selbst nicht mehr ausstehen konnte.
„Für den Moment. Das klären wir noch", entschied Jon und ließ ihn tatsächlich einfach hier stehen.
Kaum war Jon weg, kamen ihm die Tränen.
Was passierte er nur? Wieso konnte er das nicht stoppen? Er wollte doch nicht dauernd streiten. Er wollte nicht immer ein Arschloch sein. Er wollte nicht alles verlieren, was ihm mal wichtig war und doch konnte er gar nichts dagegen tun.
Er würde doch so gerne sagen, was passiert war und jemanden haben, der ihn verstehen konnte und wusste, wie er da rauskam. Er wollte, dass Flo vor diesem ekelhaften Kerl sicher war, dass ihr nichts passieren konnte und dass der einfach verschwand und nie wieder in seinem Leben auftauchte. Er wollte sein altes Leben zurück. Dann lieber das scheiß Mobbing in der Schule oder ewig auf sich warten lassende Stimmbruch. Egal. Er würde jedes dieser alten Probleme eintauschen, wenn er dieses dafür loswerden könnte. Aber das ging nicht. Es war so aussichtslos.
Und beinahe hätte er dabei verpasst, wie sein Koffer nun tatsächlich endlich auf dem Gepäckband erschien. Er konnte es kaum glauben. Wie war das denn jetzt passiert?
Aber am Ende war das egal. Es erleichterte ihn für einen kurzen Moment. Er musste weitermachen. Er musste hier weg, er musste ins Hotel. Hier konnte er jederzeit gesehen und erkannt werden. Er riskierte blöde Fragen und sonst was.
Also sah er zu, dass er den Koffer vom Band hievte und loslief.
Zum Glück war er ja nicht zum ersten Mal hier.
Er wusste, wohin er laufen musste, stand nicht wie ein verlorener Schuljunge dämlich und hilflos herum. Vor dem Flughafen nahm er einfach das nächstbeste Taxi und erklärte, wo er hinwollte. Jon war sicher schon dort. Morgen würden sie miteinander reden müssen und er hatte bereits jetzt Panik davor.
Was sollte er ihm diesmal sagen, was mit ihm los gewesen war? Jon konnte diese ganzen Ausreden doch sicher auch nicht mehr hören.
Vielleicht war es wirklich besser, wenn er ihn dazu brachte, den Job zu kündigen. Er sollte alle alten Brücken abbrechen und zusehen, dass er damit alleine klarkam. Egal wie.
Sein Blick war aus dem Fenster gerichtet. Es war schon fast dunkel, überall waren die vielen Lichter zu sehen. Am Anfang war das alles so aufregend gewesen und er hatte sich alles ganz genau angesehen. Jetzt war für ihn ein Ort, wie der andere und überall nur die Angst, am Ende wieder mit höllischen Schmerzen auf einem fremden Zimmer zu liegen.
Würde der ihn wohl in Ruhe lassen, wenn er seine Karriere hinschmiss?
Das war eine Möglichkeit, über die er schon öfter nachgedacht hatte, als ihm lieb war.
Er wusste eben nicht, was er sonst noch machen sollte. Wenn er nicht irgendwann an den Punkt geraten wollte, an dem der einzige Ausweg ein Suizid war, musste er dringend eine andere Lösung finden. Sollte er deswegen seinen Traum aufgeben?
Das war nicht fair. Aber er hatte sich das auch nicht ausgesucht.
Konnte er etwas unternehmen? Konnte er es nicht einfach zur Anzeige bringen? Nein. Konnte er nicht. Dann war Flo die nächste. Konnte er ihr von dieser Gefahr erzählen? Nein. Dann würde sie aktiv werden und ihr würde trotzdem etwas passieren.
Es brauchte nur eine Kleinigkeit rauskommen und ihr passierte etwas.
Es musste einen anderen Weg geben. Und was, wenn er den Kerl um die Ecke brachte? Er hatte noch nie an einen Mord gedacht. Aber wäre das jetzt noch das größere Übel? Selbst, wenn er dafür bestraft wurde und sein ganzes Leben aufgab und seine Freiheit und alles andere verlor? Immerhin wäre Flo dann immer sicher. Dann könnte ihr nichts mehr...
Doch, selbst dann. Er hatte ihren Trainer darauf angesetzt, ihr etwas anzutun. Brachte er sein Problem um die Ecke, wusste der auch weshalb und schlug trotzdem zu.
Und, wenn er ihn auch ausschaltete?
Aber die waren ja nie zusammen irgendwo.
Er verstrickte sich so sehr in dieses Komplott, dass er beinahe verpasste, dass sie das Hotel erreicht hatten und der Fahrer gerne sein Geld wollte.
Er war ganz durcheinander, bezahlte aber und stieg aus. Der Fahrer war so freundlich, ihm mit dem übergroßen Koffer zu helfen und bevor er darüber nachdenken konnte, ob er ihm überhaupt ein angemessenes Trinkgeld gezahlt hatte, war er auch schon wieder verschwunden.
Ihm kam wieder in den Sinn, wie er in Barcelona am Flughafen fast von einem Taxi erfasst worden wäre, weil er nicht aufgepasst hatte.
Ohne Oscar, hätte er jetzt schwerverletzt in einem spanischen Krankenhaus liegen können oder gar tot sein können. Er wünschte, er hätte sich an diesem Tag richtig bei ihm bedankt und ihm sagen können, wie froh er darüber war, dass er in diesem Moment dort gewesen und aufgepasst hatte.
Einen Moment stand er hier rum, dachte an diesen Tag vor nicht einmal einer Woche zurück und wieder wurde er von jemandem erschreckt und aus seinen Gedanken gerissen.
„Hey..."
Carlos.
Super.
Er verdrehte die Augen und setzte seinen Weg ins Foyer des Hotels fort.
„Redest du jetzt gar nicht mehr mit mir?", wollte Carlos wissen, der ihn einfach begleitete. Was erwartete der eigentlich nach diesem Rauswurf? Dass er ihm sagte, dass es ihm leidtat? Er konnte jetzt nicht mehr zurück.
Wieso musste er ihm das so schwer machen? Ihm brannten so die Augen und er wollte nicht, dass ihm heute nochmal die Tränen kamen, sonst sah er morgen wieder aus, als wäre er die ganze Nacht irgendwo versackt.
„Willst du mir jetzt eine Szene machen oder was?", blockte er seinen Freund mal wieder ab. Und er sollte wohl aufhören, ihn in Gedanken immer wieder so zu nennen. Das machte alles nur noch schwieriger für ihn. Er hatte sich entschieden und nun musste er das durchziehen. Ganz egal, wie schwer das auch war.
„Nein. Aber wir sind Freunde", traf Carlos mal wieder zielgenau die offene Wunde.
Dass er ihn auch immer wieder dazu zwingen musste, ihn erneut von sich zu stoßen.
„Ach ja? Sind wir das? Wenn ich mich richtig erinnere, sind Freunde für einander da, haben keine Geheimnisse voreinander und können sich auf einander verlassen. Nicht gerade deine Qualitäten, oder?" Seine zugegebenermaßen auch nicht, aber es ging ja gerade um Carlos.
„Ich hab viel falsch gemacht. Das geb ich doch zu. Aber ich verdiene auch die Chance, es wieder gut zu machen", argumentierte Carlos und sicher stimmte das.
Das war ja das Problem am unfair sein. Die anderen hatten recht und man kackte sie dafür trotzdem grundlos an.
„Lass mich endlich in Ruhe."
„Na schön. Tut mir leid, dass du denkst, dass das nötig ist", fing er wieder so an.
Wieder verdrehte er die Augen. Er war es leid und es machte ihn echt mürbe.
„Komm mir nicht dauernd so!"
„Wie denn?"
Es reichte ihm wirklich und nachdem er Jon vorhin schon so zusammengestaucht hatte, fiel ihm das mit Carlos gerade erstaunlich leicht.
„Du bist so dämlich!"
Und damit ließ er ihn stehen, ging zum Empfang und wollte nur noch auf sein Zimmer.
Alles Routine. Wirklich aufmerksam war er längst nicht mehr. Er bedankte sich nicht einmal, sondern griff direkt nach der Schlüsselkarte und wandte sich den Aufzügen zu.
Mist.
Offensichtlich waren sich Carlos und Oscar dort über den Weg gelaufen. Von dort aus konnten sie ihn nicht sehen. Wieso ausgerechnet die beiden? Das war die schlechteste Kombination der Welt!
Trotzdem nutzte er seine Chance, sie unbemerkt belauschen zu können. Bestimmt hatte Oscar das alles mitbekommen und nun redeten sie über ihn. Das konnte er ihnen dann wenigstens wieder vorhalten, wenn er sie wieder von sich stoßen musste.
Und ja, er hatte recht, Carlos musste direkt über ihn reden.
Toller Freund!
„Ist er zu dir auch so?", richtete der das Wort nämlich an Oscar.
Er rechnete fest damit, dass Oscar das bestätigen würde. Aber zu seiner großen Überraschung tat er das nicht.
„Ist glaub ich eure Sache, es zu klären", blieb Oscar neutral und versuchte sich aus der ganzen Angelegenheit rauszuhalten. Das hätte er gar nicht gedacht. Oscar musste doch mega wütend auf ihn sein, wegen seines blöden Benehmens. Das war doch die Chance, mal Dampf abzulassen.
„Hast du was mitbekommen?", fragte Carlos weiter.
Er würde ihn am liebsten direkt anschnauzen, nur irgendwie war es ja auch verständlich. Carlos kam bei ihm nicht weiter, also probierte er über andere was rauszufinden. Hätte er umgekehrt auch gemacht.
Ob Oscar jetzt doch etwas durchblicken ließ? Der hatte schließlich eine Menge mitbekommen. Und da kam ihm auch in den Sinn, was er Oscar dummerweise schon alles gesagt hatte. Dass er Angst hatte, dass es ihm nicht gut ging, dass er so viel machte, was er bereute...
„Nicht wirklich", hielt Oscar sich aber weiterhin bedeckt.
„Bitte, verbreite nicht irgendwas über ihn", richtete auch Carlos nun eine bitte an Oscar, die er gar nicht erwartet hatte.
Dann hatte Carlos also nicht gefragt, weil er schon wieder was über ihn rausfinden wollte. Er machte sich Sorgen, dass Oscar bemerkte, dass was mit ihm nicht stimmte und ihn in Verruf brachte...
Jetzt fühlte er sich gleich noch elender...
„Das hatte ich nicht vor. Wie gesagt, ich hab nichts mitbekommen und dabei kann's auch bleiben", wich Oscar nicht von seiner Haltung ab.
„Danke."
Fuck!
Warum musste er es hier mit zwei so unglaublich tollen Menschen zu tun haben?
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Papaya Clashes
Fanfiction⊱ Er sparte sich lange Begrüßungen und Erklärungen lieber gleich, als er Lando abpasste. Das war der letzte Versuch, den er unternehmen würde, um im Sinne des Teams besser mit ihm auszukommen. Wenn er ihm jetzt wieder blöd kam, dann würde er sich um...
