Kapitel 4 | Friends Invasion

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Friends Invasion
Kapitel 4


England
6. Juni 2023


Oscar



„Überraschung!"
Wobei das nicht so überraschend kam, dass Frederik ihn mit diesen Worten begrüßte.
Nicht einmal das Aufgebot hinter ihm überraschte ihn, denn als es so unerwartet geklingelt hatte, rechnete er irgendwie schon mit einem Überfall. Deswegen beließ er es auch bei den hochgezogenen Augenbrauen, während er ziemlich reglos im Türrahmen stehen blieb, während er die vier musterte, die hier aufgeschlagen waren.
„Guck nicht so. Das war seine Idee", rechtfertigte Logan und zeigte dabei nicht sonderlich dezent auf Frederik.
„Strenggenommen unsere", behauptete Frederik.
„Strenggenommen ist das total gelogen", schaltete sich Arthur ein, der zwei Schritte hinter den Beiden stand.
„Strenggenommen hätten wir mal anrufen können", war es mal wieder Rob, der das einzig Sinnvolle einwarf.
„Jetzt stellt euch alle nicht so an", verlangte Frederik, der die Klärung der Schuldfrage bereits leid war und wahrscheinlich hätte er jetzt den ganzen Abend hier stehen und den Vier bei ihren Wortgefechten zugucken können. Das wäre sicher lustig geworden, aber da wandte Frederik sich ihm zu. „Danke, dass wir bei dir feiern dürfen."

Nicht, dass ihn einer von diesen Clowns um Erlaubnis gefragt hätte.
Er versuchte nicht zu offensichtlich schockiert zu gucken, als sein Blick auf die ganzen Sixpacks fiel und was die da sonst noch so mitgebracht hatten. Man könnte meinen, sie hätten auf dem Weg zu ihm eine Tankstelle überfallen.
Eins dieser Pakete drückte Frederik ihm auch direkt in die Hand, als er sich schon an ihm vorbeischob.
„Schmeiß uns einfach raus, wenn der Kühlschrank leer ist", lautete Logans Kommentar, ehe er es Frederik gleichtat. Wie gut, dass ihn nichts aus der Ruhe bringen konnte, aber als er sah, was die anderen noch so dabeihatten, musste er einfach mal was loswerden.
„Wer kommt denn noch?", wollte er wissen, als auch Arthur und Rob seine Wohnung betreten hatten und er hinter ihnen die Tür wieder schließen konnte.
„Eigentlich niemand", zuckte Arthur wie so oft ganz unbekümmert mit den Schultern. Er würde seine Superlizenz darauf verwetten, dass keiner von denen Arthur gesagt hatte, dass er im Grunde nichts von diesem Besuch wusste und selbst wenn, fiel der Groschen wohl wieder Cent weise.

„Und uneigentlich?", hakte er nach, während er seinen Freunden und Kollegen in sein Wohnzimmer folgte, wo sie es sich natürlich direkt bequem machten.
Zu deren Glück hatte er dagegen auch nichts. Es wunderte ihn nur, dass sie hier direkt im Rudel aufgeschlagen waren. Er hatte schließlich keinen Liebeskummer oder so einen Scheiß, also war das etwas unnötig. Aber er kombinierte einfach mal, dass Frederik und Logan sich nach dem vergangenen Rennwochenende irrationale Gedanken um ihn machten.
„Wir bleiben unter uns. Keine Sorge", versuchte Rob ihn direkt zu beruhigen. Der war eben einfach immer nett, höflich, freundlich und wollte keinen Ärger, wurde aber von Frederiks Lachen sofort unterbrochen.
„Als ob er dir das glauben würde."
„Jedenfalls ist unsere Gesellschaft immer noch besser, als das englische Fernsehprogramm", behauptete Logan, woraufhin Arthur genau das aussprach, was ihm auch durch den Kopf gegangen war.
„Alles ist besser als englisches Fernsehen." Dem konnte er nur beipflichten.
„Ja, weil du die Hälfte nicht verstehst", richtete Rob das Wort an Arthur und jeder andere wäre jetzt vielleicht ein wenig angefressen gewesen. Nicht Arthur. Der konnte selbst darüber lachen.
„Eben."

„Wieso tut ihr eigentlich so, als würde ich das hier brauchen?", hakte er mal nach.
Immerhin begriff er nur nicht so genau, warum sein Teamkollege dumme Spitzen gegen ihn austeilte. Er war ja deswegen nicht verzweifelt. Er war ganz gut darin, sich selber Streit zu suchen, wenn jemand es immer wieder drauf anlegte. An Angriffslust hatte es ihm nie gemangelt und es fehlte bei Lando nicht mehr viel, bis er seine anerzogene Höflichkeit vergessen würde.
„Weil wir dich kennen und wissen, dass du immer noch genervt bist", begründete Logan, wobei er sich auch vorstellen konnte, dass die einfach nur lange Weile hatten und das als Vorwand benutzten. Am Ende des Tages war das auch ganz egal. Das mochte nicht unbedingt sein, was er sich unter diesem Abend vorgestellt hatte, aber schlecht war es ja nicht.
„Und es ist wichtig, dass man auch mal abschalten kann", ergänzte Rob noch.
„Kotz dich aus, wenn dir das hilft", fügte Frederik noch hinzu, der sich bereits an seiner Musikanlage zu schaffen machte. Seine Freunde durften sich hier jeder Zeit wie zu Hause fühlen, solange sie sich nicht auch so benahmen.
„Oder freu dich über vier Bekloppte in deiner Wohnung", meinte Arthur noch leichthin und dieses spezielle Lächeln auf Arthurs Lippen brachte ihn irgendwie auch immer zum Schmunzeln.

„Na schön, aber nächstes Mal treffen wir uns bei Logan. Der hat die größere Wohnung", gab er nach und genoss es vielleicht ein bisschen zu sehr, wie dieser nun ein wenig erschrocken aussah, denn wie nur er wusste, hatte dieser es seit Jahren nicht geschafft, mal seine Umzugskartons auszupacken und hing deswegen immer bei seinen Freunden rum.



Alles in allem wurde es ein schöner Abend.
Das war auch nicht anders zu erwarten gewesen. Er hatte es zumindest noch nie bereuen müssen, seine Zeit mit diesen Chaoten zu verbringen. Frederik hatte mal wieder den halben Alkoholbestand alleine vernichtet, ohne, dass es ihn in irgendeiner Art und Weise beeinträchtigen würde, Rob hatte penibel darauf geachtet, dass hier nichts aus dem Ruder lief, er hatte sich eine schöne Diskussion mit Logan über ihre Sprachunterschiede geliefert und Arthur hatte festgestellt, dass er sie beide schlecht verstand.
Etwas später hatte er Logan und Frederik gemeinsam mit Rob blutige Ohren beschert, weil sie nahezu jeden Song einfach mitgegröhlt hatten, während Arthur wieder abgelenkt von den ganzen Wörtern war, die er offensichtlich falsch verstanden hatte. Es war jedes Mal wieder interessant, was Monegassen so alles aus englischsprachigen Texten raushören konnten.
Tatsächlich hatte er lange nicht mehr an das Rennwochenende gedacht, bis er sich mal kurz zur Toilette entschuldigt hatte und dann auf dem Rückweg zwischen Bad und Wohnzimmer hängen geblieben war. Eigentlich wollte er sich sagen, dass Lando sie nicht mehr alle hatte und sich nur noch darauf konzentrieren, diese Saison so nah wie möglich an ihm dran zu bleiben, um sich sein Cockpit auch für das kommende Jahr zu sichern.

Aber es ließ ihn leider nicht so ganz los.
Diese Spitzen, die teilweise echt ganz schön übertrieben waren, diese ganzen verbalen Attacken und dann dieser Moment, als er fast vor dieses Taxi gelaufen wäre. Man konnte ihm sagen, was man wollte, aber sowas tat niemand, bei dem alles okay war. Konnte es nicht viel mehr sein, dass Lando so um sich biss, weil ihm etwas zu schaffen machte? War zwar eine dumme Art, es seine Umwelt spüren zu lassen, nur ging ja jeder anders mit sowas um.
Irgendwie war er sauer auf sich, dass er sich deswegen echt Gedanken machte. Was musste das denn sein Problem sein? Vielleicht war der Kerl echt einfach nur daneben. Offensichtlich hatte er noch nicht genug getrunken. Das sollte er besser ändern. Mit diesem Vorhaben war er in die Küche gegangen. Wie und warum er dann aber auf einem der Küchenstühle gelandet war und blöd auf sein Handy glotzte, während seine Freunde weiter feierten, war ihm ein Rätsel. Wieder war er einfach in seine Gedanken versunken.
Zumindest solange, bis Arthur seinen Kopf hineinreckte und mal nachhakte: „Alles klar?"
Da war er wohl schon vermisst worden und das in seiner eigenen Wohnung. Das musste man auch erstmal hinbekommen. Er kam sich so bescheuert vor.

„Ja, sicher. Wieso?", gab er also erstmal zurück.
„Weil du seit zwei Minuten dein Handy anglotzt", kam es zurück. Waren das zwei Minuten gewesen? Er hatte keine Ahnung und es spielte ja auch keine Rolle. Nur, vielleicht sollte er seine Chance nutzen, doch mal den Mund aufzumachen, denn wenn eins echt nicht sein Ding war, dann lange zu grübeln.
Wenn er merkte, dass etwas nicht lief, wie es sollte, verließ ihn schnell die Geduld und dann wollte er Klarheit haben. Das schaffte man mit Untätigkeit aber nicht und deswegen schritt er normalerweise auch direkt zur Tat.
„Ja... Kann ich dich mal was fragen?", wollte er wissen und wie eigentlich immer war Arthur für ein Gespräch auch durchaus immer offen.
„Klar. Worum geht's?"
„Hattest du schon mal mit einem Menschen zu tun, der dich grundlos immer wieder ablehnt? Der gegen dich stichelt, der dir das Leben schwer macht und wenn du das normal ansprichst, dich nur wieder anmotzt?", brachte er Landos Verhalten mal deutlich auf den Punkt. Er überlegte kurz, ob Artur überhaupt wusste, von wem die Rede war, aber für so verpeilt hielt er ihn nun auch wieder nicht.

Arthur nahm sich den Moment, über seine Frage nachzudenken, ehe er aber den Kopf schüttelte.
„Nee, ich glaub, sowas Extremes hatte ich noch nicht. Wieso?" Inzwischen war Arthur zu ihm in die Küche gekommen und hatte sich ihm gegenübergesetzt.
„Es ist albern, dass ich daran denke, ich weiß. Aber irgendwie beschäftigt mich das diesmal schon. Wenn ich Stress mit jemandem hab, dann kenn ich normalerweise auch den Grund dafür", erklärte er, denn das störte ihn so sehr daran. Man konnte ja unterschiedlicher Meinung sein, aber dann wollte er auch wissen warum.
„Psychospielchen sind echt beschissen. Mir wäre sowas ja auch viel zu anstrengend. Aber, wenn er dich abblockt, dann kannst du wenig machen. Er will ja offenbar nicht reden", warf Arthur ein und bestätigte ihm damit, dass er ganz genau wusste, dass sie über Lando redeten. Dann musste er Arthur wenigstens nicht noch erklären, was Frederik und Logan ja schon eine Weile wussten.
„Trotzdem glaub ich nicht, dass der einfach nur ein Sackgesicht ist. Da muss es doch einen Grund geben", überlegte er laut, denn irgendwie wollte es ihm nicht in den Kopf, dass manche Typen einfach Arschgeigen waren, ohne, dass das einen bestimmten Grund hatte.

Arthur musterte einen Moment nachdenklich die Tischplatte.
„Naja, da hilft dann wohl nur penetrant sein und dranbleiben", lautete dessen simpler Plan nach einer kurzen Überlegung.
Er warf ihm einen skeptischen Blick zu. „Meinst du wirklich?"
Penetranz lag ihm auf der Rennstrecke, nicht unbedingt in zwischenmenschlichen Dingen. Da schlug er halt einfach drauf, wenn es zu sehr nervte, nur sollte er das bei Lando vielleicht wirklich besser lassen, wenn da mehr hinter steckte. Oder erstrecht? Dann würde er mal Rede und Antwort stehen müssen, nur etwas warnte ihn, es mit dem Holzhammer zu versuchen.
„Keine Ahnung, ich mach mir um sowas normalerweise keine Gedanken. Ich bin ein schlechter Ratgeber", behauptete Arthur, aber das konnte er nun wirklich nicht bestätigen.
„Bist du nicht. Viele sollten sich mal weniger Gedanken um gewisse Dinge machen", meinte er, verwirrte den anderen damit aber mal wieder nur unnötigerweise und biss sich auch direkt dafür auf die Lippe.
„Wie jetzt?"

„Schon gut. Weißt du, vielleicht bin ich blöd oder sowas, aber ich mach mir schon Sorgen. Also, ob hinter diesem Verhalten nicht mehr steckt. Ich meine, wenn man so durch ist, dass man nicht mehr merkt, dass man beinahe überfahren wird...", setzte er nochmal am eigentlichen Problem an.
„Frag ihn doch noch mal", schlug Arthur vor und es beeindruckte ihn immer wieder, wie leicht aus dessen Mund immer alles klang.
„Er will doch eh nicht mit mir reden", wandte er ein.
„Vielleicht ja doch. Meinungen können sich ändern und manch einer braucht etwas, um über seinen Schatten springen zu können", begründete Arthur und das war auch gar nicht so blöd. Irgendwo musste sein Eindruck schließlich herkommen, dass da mehr war und dass Lando einiges eventuell gar nicht meinte, wie er es rüberbrachte. Das war zumindest sein Eindruck.
„Das könnte natürlich sein", musste er also einsehen.
„Außerdem kennt ihr euch ja noch nicht so lange. Kann doch sein, dass er Probleme hat, anderen zu vertrauen. Dann musst du ihm erst zeigen, dass er bei dir keine Sorge deswegen haben muss", stieß Arthur ihn direkt noch auf etwas ganz anderes und das war ebenfalls nicht von der Hand zu weisen.

Jetzt musste er schon wieder schmunzeln, als er daran dachte, was Arthur eingangs ihres Gesprächs noch behauptet hatte.
„Und du findest echt, dass du ein schlechter Ratgeber bist?", konnte er sich darüber echt nur wundern, denn das war ein verdammt gutes Gespräch gewesen, von dem er jetzt echt das Gefühl hatte, dass es ihn weiterbringen würde.
„Naja, wäre ich gut darin, würde man das ja häufiger tun, aber du bist der Erste", plapperte Arthur wie so oft einfach drauflos und er wüsste zu gerne, welchen Gesichtsausdruck er selbst draufhatte, nachdem Arthur das sagte.
„Das klingt voll traurig", entgegnete er seinem Gegenüber, der das aber scheinbar nicht so empfand und selbst darüber lachen konnte.
„Keine Sorge, ist es nicht", versicherte Arthur ihm, während er sich nun aufrichtete und dann wieder zu den anderen verschwand, nachdem er noch einmal zu ihm blickte und meinte: „Viel Glück!"
Er schmunzelte.
„Danke."

Das würde er definitiv brauchen können, wenn er noch mal über seinen Schatten sprang, um das Gespräch mit Lando zu suchen.

Papaya ClashesWo Geschichten leben. Entdecke jetzt