441 // Alexa

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441 Tage danach
Alexa

„Das hier ist das Letzte, was ich machen will," murmle ich, während ich meinen Kopf gegen die Fensterscheibe lehne. Die kühle Oberfläche tut gut, selbst wenn das Auto bei jeder Kurve leicht ruckelt. Der Regen hat nachgelassen, und die Wischer bewegen sich in einem gleichmäßigen Rhythmus. Woher auch immer Nick diesen schäbigen Wagen hat.   

„Ja, das höre ich jetzt zum hundertsten Mal," antwortet Nick trocken und biegt rechts ab. Sein Griff am Lenkrad ist locker, sein Ton fast beiläufig, was mich nur noch mehr reizt. 

„Das ist kein Witz. Ich meine es ernst," sage ich und richte mich auf, werfe ihm einen scharfen Blick zu. 

„Glaube ich dir," sagt er ruhig, ohne mich anzusehen. „Aber du bist trotzdem auf dem Weg dorthin." 

„Nur weil du mich erpresst hast." 

„Weil du es brauchst, Alexa." Diesmal sieht er mich an, kurz, aber eindringlich, bevor er sich wieder der Straße zuwendet. 

Ich verschränke die Arme vor der Brust und sage nichts mehr. Es bringt nichts, mit Nick zu streiten.
Er hat sich irgendwie Informationen besorgt und weil ich die Terminerinnerungen ignoriert habe ist das seine Bedingung für neue Infos. Also erpresst er mich dass ich Dinge tue, die ich hasse – wie dieser Sitzung bei William Piaget. Dass William auch der Psychologe von Lucy und Jay ist, macht es nur schlimmer. Der Gedanke, dass er wahrscheinlich mehr über sie weiß, als ich jemals wissen werde, lässt mich unruhig werden. 

Im Warteraum des Psychologen herrscht beklemmende Stille. Die Wände sind mit beruhigenden Farben gestrichen, aber sie wirken eher steril als beruhigend. Meine Hände spielen nervös mit den Ärmeln von Nicks Lederjacke, die ich immer noch trage. Irgendwie habe ich das Gefühl mich in ihr verstecken zu könne und solange er sie nicht zurück will werde ich sie auch noch behalten.

Nick sitzt neben mir, eine Zeitschrift in der Hand, die er nicht liest. Er sagt nichts, aber ich spüre seinen Blick gelegentlich auf mir. Es nervt, dass er nicht in den Raum mitkommen kann – und gleichzeitig bin ich froh darüber.

„Alexandra?" Williams Stimme reißt mich aus meinen Gedanken. Er steht in der Tür, sein Notizblock locker in der Hand, und beobachtet mich mit diesem ruhigen, analytischen Blick, den ich hasse. 

Ich stehe auf, meine Muskeln angespannt, und gehe an ihm vorbei in den Raum. Er schließt die Tür hinter mir, und ich nehme widerwillig auf der Couch Platz. Meine Arme bleiben verschränkt, und mein Blick gleitet über den Raum, bleibt aber nirgendwo lange hängen. 

William setzt sich in seinen Sessel und schlägt das Notizbuch auf. Seine Bewegungen sind kontrolliert, fast schon methodisch. Es macht mich nervös. 

„Es ist eine Weile her," beginnt er, seine Stimme ruhig und abwartend. 

„Ja, wahrscheinlich," sage ich knapp. 

„Was hat dich dazu gebracht, heute hier zu sein?" fragt er und lehnt sich leicht nach vorne. 

„Ich bin erpresst worden," murmle ich und richte meinen Blick auf einen Punkt hinter ihm. 

„Von wem?" Seine Stimme ist neugierig, aber nicht drängend. 

„Einem neuen Freund," sage ich, bevor ich darüber nachdenken kann. 

William hebt leicht eine Augenbraue. „Ein neuer Freund? Du hast nie erwähnt du hättest neue Freunde." 

„Weil es nichts zu erwähnen gibt," sage ich scharf und beiße die Zähne zusammen. 

Er schreibt etwas in sein Notizbuch, und ich spüre die Spannung in meinem Nacken zunehmen. Ich hasse es, wenn er schreibt. Es fühlt sich an, als würde er meine Gedanken aufschreiben, bevor ich sie selbst formulieren kann. 

What happend to usGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt