444 // Alexa

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444 Tage danach
Alexa

Der Regen hat aufgehört, aber die Straßen glitzern noch nass im Licht der Laternen. Ich höre das leise Plätschern von Wasser, das in die Gullis tropft, während ich mit schnellen Schritten über den Asphalt laufe. Der Wind hat gedreht und trägt den Geruch von kaltem Stein und feuchtem Laub mit sich. Es ist eine dieser Nächte, die alles in Dunkelheit hüllt – alles außer meinen Gedanken, die sich endlos um die gleiche Frage drehen: Wie weit wird er gehen?

Nick ist ein paar Schritte voraus, ein Schatten, der sich fast lautlos bewegt. Es ist fast ironisch, wie einfach es ihm gelingt, sich in diesem Chaos zurechtzufinden, während ich das Gefühl habe, ständig kurz vor dem Ersticken zu stehen. Er hält kurz inne, schaut sich um, bevor er sich langsam zu mir umdreht. Sein Blick ist wie immer ruhig, abwartend.

„Fast da," sagt er knapp und nickt in Richtung des alten Gebäudes vor uns. Es ist ein verlassenes Lagerhaus, wie die meisten Orte, an denen wir seine Spuren finden. Es sieht aus wie der perfekte Ort für einen weiteren sinnlosen Hinweis. Und trotzdem folge ich Nick durch die verzogene Metalltür, die mit einem ächzenden Geräusch nachgibt.

Drinnen ist es kalt und still, die Luft schwer von Staub und Rost. Unsere Schritte hallen dumpf auf dem Betonboden wider. Die Taschenlampe in meiner Hand wirft zuckende Schatten an die Wände, und für einen Moment muss ich den Impuls unterdrücken, den Lichtstrahl auf mich selbst zu richten einfach, um sicherzugehen, dass ich noch da bin. 

„Lass uns systematisch vorgehen," murmelt Nick, während er sich an die rechte Wand hält. Ich nicke, sage nichts, und lenke mein Licht in die entgegengesetzte Richtung. 

Meine Gedanken wandern, während meine Augen mechanisch die leeren Regale und die verstreuten Kisten absuchen. Ich denke an Lucy, an ihr Gesicht, das immer ein bisschen zu besorgt wirkt, und an Jay, dessen schweigende Urteile sich anfühlen, als würden sie mich verfolgen. Sie beide haben versucht, mich zurückzuholen. Ich weiß das. Aber was sie nicht verstehen, ist, dass ich nicht zurückkommen kann. Nicht zu ihnen, nicht zu dem Leben, das wir hatten. Es gibt keinen Weg zurück, wenn alles, was du bist, in Trümmern liegt.

Das Licht meiner Taschenlampe trifft auf etwas an der Wand, einen Rahmen, der schief an einem rostigen Nagel hängt. Ich trete näher und hebe den Strahl höher. Es ist ein Bilderrahmen, innen leer bis auf eine einzige, lange dunkle Haarsträhne, die sorgfältig hinter das Glas gelegt wurde. Mein Magen verkrampft sich.

Mein Atem bleibt kurz stehen. Die Welt um mich herum zieht sich zusammen, bis nur noch der Rahmen und die Strähne existieren. Ich weiß, was das ist. Ich weiß, warum er das getan hat.

"Nick." Meine Stimme ist flach, fast tonlos, aber er ist sofort bei mir. Sein Licht fällt auf den Rahmen, und ich höre, wie er scharf die Luft einzieht. 

"Was zur Hölle?" murmelt er und sieht mich an. "Sind das... deine Haare?" 

Ich nicke langsam, der Kloß in meiner Kehle wird immer größer. "Ja. Das sind meine Haare." Meine Stimme klingt trocken, als würde ich jedes Wort durch Sandpapier pressen. 

Er starrt mich an, seine Stirn in Falten gelegt. "Warum hat er deine Haare?" 

Ich schließe die Augen, versuche, den Sturm in meinem Kopf zu kontrollieren. "Er hat sie mir abgeschnitten," sage ich schließlich, und meine Stimme ist kaum mehr als ein Flüstern. "An dem Abend auf der Farm. Er hat mich festgehalten und..." Ich schüttle den Kopf, öffne die Augen und blicke wieder auf den Rahmen. "Meine Haare waren lang. Dunkelbraun. Und er hat sie einfach abgeschnitten, bis sie so aussahen wie jetzt." 

Nick sagt nichts, aber ich spüre seinen Blick auf mir. Er wartet, gibt mir den Raum, den ich brauche, um weiterzusprechen, obwohl alles in mir dagegen ankämpft.

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⏰ Letzte Aktualisierung: Aug 21, 2025 ⏰

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