418 // Alexa

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418 Tage danach
Alexa 

"Ich wollte dir nur helfen," erklärt Lucy ruhig.

Ich bin sauer, meine Wut ist unbändig und ich versuche erst gar nicht mich selber zu beruhigen. Lucy hat mal wieder in meinen Sachen geschnüffelt und noch schlimmer, sie hat meine Tabletten weggeworfen, das was mich davon abhält durchzudrehen. 
Meine Handflächen sind schwitzig und mein Körper wechselt von heiß zu kalt. 
Die Gedanken in meinem Kopf versuchen aus ihrer Schublade zu platzen in der ich sie eingesperrt habe. 

"HÖR AUF SO ZU TUN ALS WÜRDE ICH DICH INTERESSIEREN!" 
Ich bin so unendlich wütend, dass ich es nicht einmal schaffe meine Stimme ruhig zu halten. 

Mir ist egal, dass die Beiden halb nackt sind und ich sie mitten in der Nacht in ihrem Schlafzimmer überfalle, mir ist alles egal. 
Ich sehe wie Lucy anfängt zu zittern, sie kommt mit meinen Wutausbrüchen nicht mehr klar und eigentlich will ich es nicht, aber ich kann nicht anders als gegen den Türrahmen zu schlagen. 

Alles was die Schmerztabletten sonst in Zaum halten platz aus mir heraus und ich balle meine Hände zu Fäusten. 

"Lass dich von Jay ficken aber lass die Finger von meinen Sachen," spucke ich ihr entgegen. 

Jayson der bis jetzt nur stumm in der Position über Lucy verharrt ist regt sich. 

"Halt deine Fresse Alexa," er ist auch sichtlich sauer. 
"Halt deine verdammte Fresse und nimm beim nächsten Mal einfach alle Tabletten, dann bist du nicht mehr ganz so ekelhaft." 

Er richtet sich auf und wirft sich dabei sein Oberteil über, dann kommt er auf mich zu. Er hält den Sicherheitsabstand von zwei Metern den ich brauche nicht ein, sondern baut sich direkt vor mir auf. 
Durch meine Gedanken huschen die Bilder von dem Schuss der uns getroffen, wie wir zusammen auf dem Boden landen. Kurz fällt mein Blich zu seiner rechten Schulter bevor ich angewidert das Gesicht verziehe.

"Ich wünsche mir jeden Tag mehr auf dem Kies verblutet zu sein," erkläre ich ihm. 
Ich werde so sauer, dass ich die Tränen nicht zurück halten kann. 
"Ich hätte niemals auf Jasper hören sollen sondern dich Fettsack bei den Opfern bleiben lassen sollen." 
Ich spiele extra unfair auf Jaysons Körpergewicht an, was weit über dem Durchschnitt war als er hier her gezogen ist. Die Meisten aus unserer Stufe haben ihn geärgert, aus einem unergründlichen Grund wollte Jasper aber unbedingt, dass er unser Freund wird. Ein paar Jahre später ist Jay aus den Sommerferien in seiner Heimat als ein neuer Jay zurück gekommen, der Jay der die Herzen aller Mädchen bricht. 
"Der einzige Grund warum du hier wohnst ist Lucy, weil es mir egal wäre wenn du auf der Straße erfrierst," feuert er zurück. 

Ich ziehe mein Telefon aus meiner Hosentasche und werfe es achtlos gegen die Wand neben uns. 

"Hoffentlich könnt ihr es irgendwann nicht mehr umgehen, dass eure Beziehung für'n Arsch ist" erkläre ich. 
Bevor ich aus der offenen Schlafzimmertür verschwinde drehe ich mich noch einmal zu Lucy um die stumm in den Laken sitzt und vor sich her weint. 
"Und ich hoffe du fällst auf die Schnauze und dann werde ich nicht da sein um dich zu retten." 

Ich schnappe mir meinen Koffer und werfe dann mit einem Klirren den Schlüssel achtlos ins Wohnzimmer. Dankbar über Nicholas Jacke ziehe ich sie fester um mich, als ich wieder zurück in den Regen trete. 

Ich bereue es mein Telefon geworfen zu haben, andererseits hat Jay es bezahlt und dementsprechend kann er sich seinen Scheiß sonst wo hin stecken. 

Wir streiten uns öfter aber niemals so krass, dass ich meine Sachen mitnehme und wir uns solche Dinge an den Kopf schmeißen. Wütend trete ich gegen den nächsten Mülleimer und presse dann den Koffer feste gegen meine Brust. Ohne überhaupt zu wissen wo ich hin laufe lande ich am Ende vor einem mir nur allzu bekannten Gebäude. 

Ich klingle und kurz darauf macht mir Bernd Henderson die Tür auf. Er trägt einen Bademantel und ist nicht einmal überrascht mich zu sehen, sondern lässt mich stumm rein. Ich habe schon ein paar Mal hier übernachtet, wenn Jay mich nicht von der Wache abgeholt hat, die Zelle aber für jemand anderen gebraucht wurde. Jeremy und er sind wohl die einzigen Polizisten der Stadt, die sich noch mit meinem Fall beschäftigen und das tut gut. 

"Sei bitte um 8 Uhr weg, Jeremy taucht um halb neun von seiner Schicht hier auf," erklärt mir Bernd während er mir eine Decke und ein Kissen reicht. 
"Danke," flüstere ich und lasse den alten Mann dann wieder schlafen. 

Ich weiß, dass die Hendersons ihre Mutter und Ehefrau bei einem Raubüberfall verloren haben und sich seitdem mit Herz und Niere der Wache widmen. Jeremy war in ein paar Kursen mit mir und ich hätte mir nicht einmal im Traum vorgestellt, dass er einmal so wichtig für mich wird. Auch wenn ich wohl ziemlich ätzend sein muss hatten wir schon das ein oder andere tiefgründige Gespräch. Ich tausche die klebrigen nassen Klamotten gegen trockene aus meinem Koffer und lege mich dann auf die Couch. 

Mein Körper kommt leider nicht zur ruhe, weil die Tabletten fehlen und so kämpfe ich bis die Sonne wieder aufgeht dagegen an Travis aus meinem Kopf fern zu halten.  Ich bin die erste die vor der Apotheke steht und ich kann nicht aufhören mit meinem Bein zu zappeln während ich auf Bene's kleine Schwester warte. Sie zieht verwundert die Augenbrauen zusammen als sie scheinbar vom Joggen wieder kommt. Ihr ist bewusst was ich hier möchte, denn sie nickt und ich folge ihr durch die Regale bis sie eine Schublade mit einem großen B darauf öffnet. Bevor sie mir eine der Schachteln gibt hält sie inne. 

"Ich mach das für Ben, aber ich glaube er würde dir raten aufzuhören," erklärt sie bevor sie mir die Schachtel reicht. 

Ihre Worte treffen einen Nerv. 
Bene hat immer gesagt ich soll mit dem Mist aufhören und gedroht, dass die nächste Packung die Letzte sein wird. Wenn ich dann aber mal wieder mit einem blauen Auge aufgetaucht bin konnte er nicht nein sagen. Ich muss an ihn und an Timo denken. Sie haben ihre Leben für uns gegeben und ich konnte es nicht ändern. Ich schlucke meine Worte hinunter und fummle einfach zwei Tabletten aus der Packung und schlucke sie dann während sie zusieht. 
Sie soll aufhören auszusehen wie er. 

What happend to usGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt