21. Jetzt geht es los

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Malina drängte sich durch den Gang des Zuges und spähte in jede Kabine. Überall waren die Plätze bereits besetzt, Gepäck stapelte sich auf den Sitzen, und Stimmen erfüllten die Abteile. Langsam machte sich Verzweiflung in ihr breit.

Gerade als sie weitergehen wollte, hörte sie eine vertraute Stimme. Ohne zu zögern öffnete sie die Tür einer Kabine und trat ein. Drinnen saß Ron, der mit gerunzelter Stirn seinen Zauberstab auf eine Süßigkeit richtete.

„Na, ob das was wird?", sagte Malina trocken.

Ron blickte auf, und sein Gesicht hellte sich sofort auf. „Hallo, Mali! Schön, dich zu sehen. Komm, setz dich doch."

Malina ließ ihren Blick durch die Kabine schweifen und wollte sich gerade setzen, als sie bemerkte, dass noch ein weiterer Junge dort saß. Er hatte dunkle, zerzauste Haare und eine runde Brille. Etwas Unsicheres lag in seinem Blick.

„Hallo", sagte sie und streckte ihm die Hand entgegen. „Ich bin Malina McGonagall."

Der Junge sah sie freundlich an. „Ich bin Harry. Harry Potter."

Für einen Moment blieb Malina wie erstarrt stehen. „Ach du meine Güte", platzte es aus ihr heraus. „Du bist der Harry Potter? Wirklich? Oha, ich habe schon so viel von dir gehört."

Harry wurde leicht rot und lächelte verlegen. „Ähm ... ja, das sagen viele."

Malina setzte sich schließlich und musste sich erst einmal sammeln. Die Zugfahrt hatte gerade erst begonnen, und doch hatte sie das Gefühl, dass dieses Schuljahr alles andere als gewöhnlich werden würde.

Eine kurze Stille entstand, nur das Rattern des Zuges war zu hören. Ron legte seinen Zauberstab beiseite und griff nach einer Packung Schokofrösche, während Malina noch immer ein wenig aufgeregt wirkte.

„Also", begann Ron schließlich, „bald ist ja die Hausverteilung."

Harry sah von seinem Sitz auf. „Hausverteilung?"

Malina wandte sich ihm zu. „Du weißt nicht, was das ist?"

Harry schüttelte den Kopf. „Nein. Die Dursleys haben mir nichts darüber erzählt."

Malina zog die Augenbrauen hoch, sagte aber nichts weiter dazu. Stattdessen erklärte sie ruhig: „In Hogwarts werden alle Schüler bei ihrer Ankunft einem von vier Häusern zugeteilt. Gryffindor, Hufflepuff, Ravenclaw und Slytherin. Jedes Haus steht für bestimmte Eigenschaften."

Harry hörte aufmerksam zu.

„Gryffindor steht für Mut", fuhr Malina fort. „Ravenclaw für Klugheit und Wissensdurst, Hufflepuff für Fleiß und Fairness und Slytherin für Ehrgeiz."

„Und wie entscheidet man, in welches Haus man kommt?", fragte Harry.

Malina lächelte leicht. „Das übernimmt ein magischer Hut. Der Sprechende Hut. Er schaut in deinen Kopf und entscheidet, wohin du gehörst."

Harry schluckte. „Der schaut wirklich in meinen Kopf?"

Ron grinste. „Genau. Und er singt auch."

Malina nickte. „Ich hoffe sehr, dass ich nach Gryffindor komme", sagte sie entschlossen. „So wie meine Mutter früher."

Harry sah sie neugierig an. „Deine Mutter war auch dort?"

„Ja", antwortete Malina stolz. „Und sie ist heute Hauslehrerin in Gryffindor."

Harrys Augen weiteten sich. „Echt? Das ist ja ... ziemlich beeindruckend."

Malina zuckte mit den Schultern, ein kleines Lächeln auf den Lippen. „Schon. Aber es setzt einen auch ein bisschen unter Druck."

Der Zug fuhr weiter durch die Landschaft, während die drei noch lange über die Häuser sprachen. Harry dachte darüber nach, wo der Hut ihn wohl einteilen würde – und ob es einen Ort gab, an dem er wirklich dazugehören konnte.

Der Zug verlangsamte seine Fahrt, bis er schließlich mit einem leisen Zischen zum Stehen kam. Stimmen wurden lauter, Türen schlugen auf, und die Erstklässler drängten auf den schmalen Bahnsteig hinaus. Malina stieg aus dem Zug und atmete tief durch. Vor ihr lag Hogwarts – auch wenn sie es noch nicht sehen konnte, spürte sie die Bedeutung dieses Moments.

Plötzlich erklang eine tiefe, vertraute Stimme.

„Erstklässler! Erstklässler hier entlang!"

Ein riesiger Mann mit wirrem Bart und freundlichen Augen stand am Rand des Bahnsteigs. Hagrid. Sein Blick fiel sofort auf Harry.

„Harry!", rief er erfreut. „Schön, dich wiederzusehen."

Harry lächelte überrascht. „Hallo, Hagrid."

Dann wanderte Hagrids Blick weiter, bis er bei Malina stehen blieb. Sein Gesicht hellte sich noch mehr auf. „Na, wenn das nich' die kleine Malina McGonagall is! Du siehst deiner Mutter immer ähnlicher."

Malina lächelte höflich. „Hallo, Hagrid."

„Deine Mum wartet schon auf euch", sagte er verschwörerisch und zwinkerte.

Die Gruppe folgte Hagrid durch die Dunkelheit. Malina lief ein Stück hinter den anderen, ihre Gedanken kreisten nur um eine Person. Ihre Mutter. Professor Minerva McGonagall. Für alle anderen war sie streng, würdevoll und respekteinflößend. Für Malina war sie all das – und gleichzeitig einfach ihre Mutter.

Schließlich erreichten sie den Eingang der Schule. Die schweren Türen öffneten sich, und Hagrid führte die Erstklässler in eine hohe Vorhalle. Dort stand sie.

Professor McGonagall.

Aufrecht, in smaragdgrünen Roben, mit strengem Blick und zusammengepressten Lippen. Als sie die Kinder musterte, war sie ganz die stellvertretende Schulleiterin von Hogwarts. Nur für einen winzigen Augenblick traf ihr Blick Malinas – und in diesem Bruchteil einer Sekunde lag darin etwas Weiches, fast Stolzes.

„Vielen Dank, Hagrid", sagte Minerva knapp. „Ich übernehme ab hier."

Hagrid nickte und zog sich zurück.

Professor McGonagall trat einen Schritt vor. „Willkommen auf Schloss Hogwarts", begann sie mit fester Stimme. „In wenigen Minuten werden Sie die Große Halle betreten und an der Hausverteilung teilnehmen. Die Einteilung in die Häuser ist von größter Bedeutung, denn Ihr Haus wird während Ihrer gesamten Schulzeit wie eine Familie für Sie sein."

Malina hörte jedes Wort genau. Sie kannte diese Rede bereits, hatte sie sich unzählige Male vorgestellt, doch jetzt klang sie anders. Offizieller. Entfernt.

„Während Ihrer Zeit hier werden Erfolge Ihrem Haus Punkte einbringen", fuhr Minerva fort, „Regelverstöße hingegen führen zu Punktabzügen. Ich erwarte von jedem Einzelnen Disziplin, Respekt und Einsatzbereitschaft."

Ein leises Murmeln ging durch die Reihen.

Malina stand ganz still. Sie spürte das Gewicht des Namens, den sie trug, und die Erwartungen, die damit verbunden waren. Sie wusste, dass ihre Mutter sie jetzt nicht als Tochter sah – zumindest nicht offiziell. Und genau das machte diesen Moment so schwer und so wichtig zugleich.

„Folgen Sie mir nun bitte", sagte Professor McGonagall abschließend und wandte sich zur Großen Halle.

Malina richtete sich auf. Gleich würde sich entscheiden, wohin sie gehörte. Nicht als McGonagalls Tochter. Sondern als Malina.

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⏰ Letzte Aktualisierung: Dec 28, 2025 ⏰

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