Am nächsten Morgen stand Malina schon ganz früh auf. Sie war so aufgeregt – sie würde tatsächlich in nur wenigen Stunden zum ersten Mal mit dem Hogwarts-Express fahren! Eine unglaubliche Vorstellung. Vielleicht würde sie ja gleich neue Freunde finden.
Und – ach ja! – sie würde Ron wiedersehen. Wie wunderbar! Sie freute sich schon riesig. Es war schön zu wissen, dass sie dort jemanden kannte, einen herzlichen Freund.
Mit klopfendem Herzen stürmte sie die Treppe hinunter.
„Mama! Kannst du meinen Koffer holen? Kannst du das noch einpacken? Und das da bitte auch?"
Minerva – noch etwas verschlafen und leicht überfordert – sah sie mit hochgezogener Augenbraue an.
„Malina, ich fahre selbst nach Hogwarts, weißt du? Ich habe auch einiges zu packen. Du bist durchaus imstande, ein paar Dinge selbst zu erledigen."
Malina verzog kurz das Gesicht, doch Minerva fügte mit einem sanften Lächeln hinzu:
„Aber deinen Koffer kann ich dir später gerne runterzaubern – wenn du soweit bist."
„Oh bitte, ja! Das wäre super!" rief Malina, die schon wieder von einer Ecke zur anderen flitzte.
Minerva schüttelte leicht den Kopf, während sie eine Tasse Tee aufgoss.
„Ich freue mich doch so!", rief Malina, während sie schon wieder die Treppe hinaufrannte, um zu prüfen, ob sie auch ja nichts vergessen hatte.
„Ja, ich weiß, dass du dich freust", antwortete Minerva ruhig. „Und das darfst du auch – das ist dein gutes Recht."
Ein liebevolles Lächeln huschte über ihr Gesicht, als sie den eiligen Schritten lauschte.
Sie erinnerte sich nur zu gut daran, wie sie selbst damals zum ersten Mal in den Hogwarts-Express gestiegen war – mit genau derselben Aufregung, demselben Kribbeln im Bauch.
Wenig später stand Malina wieder unten, leicht außer Atem, aber mit funkelnden Augen.
„Ich glaube, jetzt habe ich alles!"
„Hoffen wir es", sagte Minerva schmunzelnd und sah zum Kamin, in dem schon das Flohpulver bereitstand.
„Dann geht's jetzt los. In ein paar Minuten sind wir am Gleis neundreiviertel."
Malina nickte, ihr Herz schlug bis zum Hals.
Das Abenteuer konnte beginnen.
Mit einem lauten Fwoosh! wirbelte das grüne Flohpulver auf, und im nächsten Moment traten Minerva und Malina aus einem der Kamine im Tropfenden Kessel. Kurz darauf standen sie, nach einem kleinen Umweg durch die geheimnisvolle Mauer, auf dem Gleis neundreiviertel.
Der Bahnsteig war wie immer erfüllt von geschäftigem Treiben. Überall liefen Kinder mit Eulen, Katzen und Koffern durcheinander, Eltern winkten, Dampf stieg aus der Lokomotive des scharlachroten Zuges auf.
Malina blieb einen Moment lang stehen – mit offenem Mund und leuchtenden Augen.
„Das ist also... der Hogwarts-Express", flüsterte sie ehrfürchtig.
„In der Tat", sagte Minerva mit einem kaum sichtbaren Lächeln. „Pünktlich wie immer. Zum Glück."
„Mina!" rief da eine warme, aber etwas zittrige Stimme hinter ihnen.
Minerva drehte sich um – und ihre ernste Miene hellte sich auf.
„Mutter! Ich dachte, du würdest gar nicht mehr kommen!"
„Unsinn", erwiderte Isobel McGonagall, eine kleine, aber aufrecht stehende Hexe mit grauem Dutt und funkelnden Augen. „Glaubst du etwa, ich würde verpassen, meiner Enkelin alles Gute zu wünschen?"
Malina strahlte. „Oma Isobel!" rief sie und lief in ihre Arme.
„Ach, meine Kleine", sagte Isobel liebevoll. „Pass gut auf dich auf, hörst du? Und vergiss nicht – Hauspunkte sind schön und gut, aber ein gutes Herz ist wichtiger."
„Ja, Oma", antwortete Malina brav, obwohl sie innerlich hoffte, dass sie trotzdem viele Hauspunkte gewinnen würde.
Währenddessen hatten einige Schüler auf dem Bahnsteig begonnen, neugierig herüberzublicken.
„Ist das nicht Professor McGonagall?", flüsterte ein älterer Schüler mit Hufflepuff-Schal.
„Doch, das ist sie! Aber... was macht sie hier?"
„Vielleicht kontrolliert sie den Zug? Oder sucht nach Schmuggeltränken?"
Minerva hob eine Augenbraue und drehte sich langsam zu der kleinen Schülergruppe um.
„Ich versichere Ihnen, Mr. Abernathy, ich bin heute nicht im Dienst. Und Schmuggeltränke wären das Letzte, was ich auf einem Bahnsteig voller Erstklässler erwarte."
Die Schüler erröteten, einige kicherten verlegen.
Malina sah sie an – und plötzlich schienen alle Augen auf sie gerichtet.
Ein murmelndes Flüstern ging durch die Menge:
„Hat Professor McGonagall etwa... eine Tochter?"
Minerva räusperte sich und richtete sich noch ein wenig gerader auf – was kaum möglich schien.
„In der Tat. Und ich wäre Ihnen allen sehr verbunden, wenn Sie diese Information mit der Diskretion behandeln würden, die man von Hogwarts-Schülern eigentlich erwarten dürfte."
Die Schüler nickten eifrig und zogen sich etwas zurück, flüsternd, aber nun respektvoller.
Isobel lächelte amüsiert. „Na, das war wohl das erste kleine Schulgeheimnis, das sich heute verbreitet."
Minerva seufzte, aber ihre Lippen zuckten kurz.
„Ich fürchte, das war unvermeidlich."
Dann wandte sie sich wieder ihrer Tochter zu.
„So, Malina. Zeit, einzusteigen."
Malina nickte, doch ihre Augen glänzten.
„Bis später Mama."
„Bis gleich, mein Schatz", sagte Minerva leise, und für einen winzigen Moment schien der sonst so kühle Ton ihrer Stimme zu schmelzen. Sie strich Malina sanft über die Wange.
„Nun geh. Und zeig Hogwarts, was in dir steckt."
Malina stieg in den Zug, drehte sich noch einmal um und winkte heftig.
Isobel legte Minerva eine Hand auf die Schulter.
„Du hast gute Arbeit geleistet, Mina. Sie ist stark. Und sie ist glücklich."
Minerva nickte nur stumm, während der Hogwarts-Express mit einem lauten Pfiff langsam anfuhr.
Der Dampf umhüllte sie wie ein Schleier – und in ihren Augen blitzte für einen Moment der Stolz, den sie sonst so gut zu verbergen wusste.
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Das geheime Kind
FanfictionMinerva hat ein Kind von Albus, allerdings halten sie es geheim, dass Voldemort ihr nichts tun kann. So aufgebaut, wie die Harry Potter Reihe
