Verzweiflung

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Das letzte was ich sah, bevor meine Tränen mir die Sicht verschlechterten, war Harry, der unsanft zu Boden fiel.

Eine Frau schrie und unzählige Menschen rannten einfach davon.
Ich konnte es gar nicht richtig fassen, was gerade passiert ist.

Ich lief zu Harry und beugte mich über ihn. Sein weißes Hemd hatte sich schon rot gefärbt und seine Haut war blass.

"HILFEEEE!", rief ich so laut ich konnte, während Tränen über meine Wangen liefen.

Ich zog meine Jacke aus und drückte sie fest gegen Harrys Brust, um das Blut wenigstens ein bisschen zu stoppen.

Zu meiner Erleichterung rief ein Mann den Krankenwagen und kam danach auf mich zu.

"Bitte!! Helfen sie ihm!!", brüllte ich ihn an und drückte immer fester auf die blutende Wunde von Harry.

"Beruhigen Sie sich. Ein Krankenwagen ist unterwegs.", versuchte er auf mich einzureden.

Wie soll ich mich beruhigen, wenn meine große Liebe blutend am Boden liegt? Und dazu, war es nicht nur irgendein Terrorist, der dies verursacht hat... Nein, es war Luke!

"Es tut mir leid...", murmelte ich über Harrys Gesicht, doch natürlich würde er nicht antworten. Er lag einfach regungslos da. Es tat so unheimlich weh, ihn so zu sehen...

Ich hörte die Sirenen immer näher kommen, was mich etwas erleichterte, jedoch nicht beruhigte.

Dann ging alles ganz schnell:
Die Sanitäter platzierten Harry auf einer Trage und schoben ihn in den Krankenwagen.
Ich konnte nur hilflos zusehen.

"Sind Sie die Freundin?", fragte einer der Sanitäter.

"Ja..", meinte ich und wischte mir mit meinen blutverschmierten Händen meine Tränen weg.

"Gut, Sie fahren dann hinten mit"

Ich nickte leicht und stieg dann ebenfalls hinten im Krankenwagen ein.
Die ganze Fahrt über hielt ich Harrys Hand und flüsterte einmal "Ich liebe dich" in sein Ohr, doch wie eben kam natürlich keine Antwort.

..................

Mittlerweile waren wir im Krankenhaus. Sie brachten Harry sofort auf die Intensivstation, während ich zusammengekauert auf dem Wartezimmer Boden saß.

Ich wurde die ganze Zeit über dumm angeschaut, wahrscheinlich weil ich auf dem Boden, anstatt auf einem der Stühle saß und ich und meine Kleidung blutrot waren, aber das konnte mir gerade so egal sein!

Ich würde es nicht übers Herz bringen, Harry zu verlieren...
Es war irgendwie meine Schuld.
Nur durch mich, hat er Luke am Hals.

Noch immer vergrub ich mein Gesicht in meinen Händen, als mich plötzlich jemand an der Schulter fasste.

"Amanda", sagte die Person sanft und sah mich an.
Ich stand ruckartig auf und fiel ihr schluchzend in die Arme.

"Oh Aria!", heulte ich lauthals, während sie mich fest drückte.

Ich bemerkte Liam, Louis und Niall, die hinter Aria standen und mich traurig ansahen. Sie alle hatten geweint, denn sie hatten alle rot, glasige Augen.

Ich löste mich von Aria und stürzte mich regelrecht in Liams Arme.
"Es ist alles meine Schuld", schluchzte ich in seine Schulter.

"Nichts ist deine Schuld", sagte er sanft und gab mir einen Kuss auf die Haare.

Nachdem ich mich von Liam löste, umarmte ich noch Louis, der sowas wie "alles wird gut" sagte und Niall, der "Harry wird das schaffen, mach dir keine Sorgen" zu mir sagte.

Es tat gut, sowas von ihnen zu hören, trotzdem machte ich mir unheimliche Sorgen um Harry.

"Bitte sag mir, dass es nicht Luke war, der ihn angeschossen hat!", wendete Aria sich nun wieder an mich.
In ihren Augen war Wut und Angst zu erkennen.

"D-doch", stotterte ich und sah unter mich.

"Aber wie, aber wo?", fragte sie hektisch, während eine Träne ihre Augen verließ.

"In der Stadt...Harry hat ihn gesehen und wollte ihn fertig machen, aber Luke hat direkt geschossen..", brachte ich leise heraus.
Das Reden fiel mir im Moment wirklich nicht leicht.

"Das wäre alles nicht passiert, wenn ihr einfach nicht abgehauen wärt! Liam ging's verdammt nochmal nicht gut und ihr macht euch einen schönen Tag in der Stadt!!", brüllte Aria mich plötzlich an.

"Achja? Das nennst du einen schönen Tag? Ganz ehrlich, du und Niall habt Louis letztens auch alleine im Restaurant sitzen gelassen! Meinst du wirklich, das war oke?", brüllte ich zurück und erntete komische Blicke von den anderen.

"Das war ganz was anderes! Niemand war verletzt, also red dich bitte nicht raus, Amanda!"
Aria sah mich todernst an.

Sie hatte eigentlich recht, aber ich wollte jetzt nicht wie der Verlierer dastehen, also brüllte ich weiter: "Das ist genau dasselbe, Aria! Wenn du jetzt streiten willst, kannst du gleich gehen, dann warte ich alleine!"
Dies gesagt zu haben, bereute ich im nächsten Moment auch wieder.

"Wie bitte? Vergess mal nicht, wer dir damals aus der Scheiße mit Luke geholfen hat und wegen wem du hier in New York sein kannst! Also hör jetzt ganz schnell auf, mich hier dumm anzupappen!"
Autsch! Das hat gesessen!

"Mädels! Das ist immernoch ein Krankenhaus, also seit ruhig oder ich setz euch beide in verschiedene Zimmer!", mischte sich Liam plötzlich ein und stellte sich zwischen uns.

Wir sahen uns einen Augenblick nur an. Diese peinliche Stille machte mich verrückt.

"Es tut mir leid, Aria. Du hast ja recht..so wie immer", fing ich an und ging auf sie zu.

"Mir tut's auch leid", meinte sie und nahm mich langsam in den Arm.

Das war bei uns öfter so.
Wir streiten uns, wir entschuldigen uns und vergessen, dass es jemals passiert ist.
Ich könnte ihr nicht länger wie 5 Minuten böse sein, und sie mir auch nicht. Das machte uns so unzertrennlich.

"Bist doch mein kleines Hohlköpfchen", lächelte sie und umarmte mich noch fester.

"Und du mein großes", lächelte ich ebenfalls.

"Und ich bin Niall!", sagte plötzlich Niall, der die ganze Zeit nur ruhig hinter Liam stand.

"Ja, mein Niall!", meinte Aria und ließ mich los, um Niall einen Kuss auf die Wange zu drücken.

"Und wer bin ich?", fragte dann Louis.

"Boobear", antwortete Liam und verschränkte die Arme.

"Halt doch die Klappe, Daddy!", lächelte Louis und schlug Liam spielerisch gegen die Brust.

Wir begannen alle zu lachen.
Ich begab mich langsam zu Liam und meinte: "Achja, auch bei dir muss ich mich entschuldigen"

"Für was?", fragte er und nahm meine Hände in seine.

"Ich hätte dich nicht im Stich lassen sollen... ich fühl mich richtig schlecht deswegen...", murmelte ich und sah ihm direkt in seine brauen Rehaugen.

"Nicht weiter schlimm. Wenn man einen Boyfriend wie Harry hat, achtet man eben nicht mehr so auf andere", meinte er und lächelte, obwohl es irgendwie aufgesetzt aussah.
Ich weiß nicht, ob er das jetzt positiv oder negativ gemeint hat.

Eigentlich waren wir dabei, den Schmerz für einen kurzen Moment zu vergessen, doch meine Laune verflog auch sofort wieder, als ich den Arzt mit schnellen Schritten auf uns zu kommen sah...

If You love Me ~ h.s.Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt