"Heute Abend wird der absolute Hammer!"
Almas Laune wollte Enid mal haben und ihre Begeisterungsfähigkeit sowieso.
Sie saßen bei Alma in der Küche, die verdammt hässlich in einer Kombination aus Silber-Blau vor sich hin existierte, denn sie wurde von allen drei WG-Bewohnern nur für das Nötigste verwendet. Umso unordentlicher war es hier dafür. Erstaunlicherweise hielt Alma nur ihr Zimmer sehr ordentlich und aufgehübscht, die restliche Wohnung interessierte Sie herzlich wenig.
"Irgendwie wage ich das zu bezweifeln."
Bitte lass Elijah nicht kommen, fügte sie in Gedanken hinzu.
Alma verdrehte die Augen.
"Sei nicht immer so pessimistisch. Dein Outfit sieht übrigens klasse aus."
Enid blickte zweifelnd an sich herunter. Sie trug eine weiße Jeans und ein rosafarbenes Spitzentop, welches Alma ihr aufgedrängt hatte. Dazu Sneakers in altrosa. Die standen seit ihrem 18. Geburtstag bei ihr unberührt in der Ecke und sie hatte sie nun herausgekramt, weil eine kleine Eingebung ihr gesagt hatte, dass sie zu dem Top passen könnten. Alma hatte ihre Haare zudem mit ihrem Glätteisen bearbeitet und zum ersten Mal seit sie sich erinnern konnte, stand es nicht wirr ab. Zu einem leichten Make-up hatte sie sich schließlich auch überreden lassen und sie musste Alma lassen, dass sie wusste, was sie tat.
"Das habe ich mir dir zu verdanken", entgegnete Enid und lächelte.
"Papperlapapp! Möchtest du was trinken, bevor die Jungs kommen?"
"Wasser bitte."
Alma biss sich auf die Unterlippe. "Ich meinte eigentlich etwas Alkoholisches."
"Ach so. Nein, ein Wasser."
"Okay." Sie stand von ihrem weißen Klappstuhl auf und holte eine Flasche aus dem Kühlschrank, dessen Inhalt sie in ein Glas füllte. Dieses stellte sie dann auf den Tisch vor Enid.
"Ich genehmige mir dann mal ein Bier zum Einstieg."
Ein Knacken ertönte, als sie hinter Enid eine Bierflasche öffnete, mit welcher an den Lippen sie sich sogleich auf ihren Stuhl setzte.
"Wie kann man das nur trinken?" Enid war immer wieder perplex. Bier schmeckte doch unglaublich bitter.
"Man gewöhnt sich daran. Dann ist es lecker."
Alma erzählte davon, was sie bei ihrem letzten Ausflug mit Stephano gemacht hatte, der gerade mit ihrem Mitbewohner und dessen Freunden noch ein wenig für das Trinkgelage einkaufen gegangen war. Lustigerweise verstand er sich mit den anderen Kerlen trotz der Sprachbarriere blendend. Er kam heute Abend also auch mit.
Während sie so plauderten, hörte man auf dem Hausflur schließlich Getrampel und Stimmen, dann einen Schlüssel im Schloss der Wohnungstür drehen. Mit einem Mal war es sehr laut in der WG, denn eine Gruppe junger Männer betrat den Wohnungsflur. Gelächter wurde unterstrichen von zwischengerufenen "Hallo Mädels" und "Hi", während neue Ladungen Alkohol in den Kühlschrank gefüllt wurden. Alma stand auf und half mit, während Enid sich bereits blöd vorkam. Sollte sie sie ansprechen und mithelfen?
Schlussendlich entschied sie sich dazu, auch wenn schon das sie große Überwindung kostete.
Ein großer schlacksiger Typ drückte ihr ohne viele Worte eine Kiste in die Hände und deutete mit einer Kopfbewegung ins Wohnzimmer. Enid quetschte sich an den anderen vorbei und lud die Kiste neben dem hässlichen IKEA-Holztisch ab, der in der Mitte des Raums stand und auf welchen irgendwer eine Art Spielbrett mit Edding gezeichnet hatte. Während Enid die Felder studierte, kam jemand in den Raum hinein gestapft.
Es war ein Mann, sehr groß und von kräftiger Statur, dunklen kurzen Haaren und markanten Gesichtszügen.
Ach, zum Glück nur Benny, dachte sie.
Benny war Almas Mitbewohner und immer nett zu ihr gewesen. Warum er mit Elijah befreundet war, war Enid ein Rätsel.
"Hey Kleines... oh wow, wie siehst du denn aus?"
Er stellte zwei Schalen mit Knabberzeug auf den Tisch, die er in den Händen getragen hatte und lief dann einmal um sie herum. Enid musste schmunzeln.
"Was machst du da?", fragte sie in belustigtem Tonfall.
"Dich bewundern! Du siehst ja... so anders aus. Wow... ich meine, du... wow. Woher der plötzliche Sinneswandel?"
Seine eisblauen Augen musterten sie interessiert.
"Ach... Alma...", brachte sie nur hervor, doch das schien ihm als Antwort schon zu genügen.
"Ich verstehe", entgegnete er mit wissender Miene und grinste schief. "Auch wenn ich mir das nervig vorstelle, muss ich zugeben, dass sie echt gute Arbeit geleistet hat."
Sie spürte, wie sie rot wurde und dass Benny nun seine Hand auf ihre Schulter legte, machte es nicht gerade besser.
"Schön, dass du heute dabei bist", sagte er noch, bevor er den Raum verließ, um weitere Sachen aus der Küche zu holen.
Irgendwie ist es peinlich, darauf angesprochen zu werden. Hoffentlich gewöhnen sich alle schnell daran...
Innerhalb der nächsten zehn Minuten wurde alles fertig vorbereitet und die ersten lümmelten sich schon auf das alte Sofa im Wohnzimmer. Weil Enid nicht in ein peinliches Gespräch verwickelt werden wollte, half sie Alma beim Stühle schleppen, bis sich auch die niederließ und schließlich alle Anwesenden einen Platz gefunden hatten.
"Es kommen noch ein paar Leute", warf Benny in den Raum, nachdem er von seinem Handy aufgesehen hatte. "Vanessa und ihre komische Freundin mit den roten Haaren..." "Zoey", unterbrach Alma ihn, doch es lachten bereits einige über Bennys Wortlaut. "Genau." Er nickte Alma zu. "Auf jeden Fall wollen die beiden noch eine Freundin mitbringen, irgendeine Lea."
"Ich kenne eine Lea, aber keine Ahnung, ob die das ist." Der schlacksige Typ, der Enid auch die Getränkekiste in die Hände gedrückt hatte, meldete sich zu Wort. Er war hellblond und hatte zahllose Sommersprossen im Gesicht. Nachdem sein Satz geendet hatte, zündete er sich eine Zigarette an. Enid beobachtete, wie der giftige Qualm gen Decke zog.
Benny zuckte mit den Schultern und öffnete sich ein Bier mit einer anderen Flasche.
"Noch jemand?", fragte er in die Runde und die Jungs nahmen alle eins. Alma verkündete, sie hätte jetzt mehr Lust auf Wein und stieg somit bereits auf das nächste Getränk um.
Oh nein... ich hoffe, sie hält sich an unsere Abmachung...
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Are you my Badboy?
Romansa- Für jeden Tag, an dem mich Elija Androwis seit meinem siebten Geburtstag schikaniert, beleidigt oder gedemütigt hat, habe ich einen Euro in mein Sparschwein, welches eigentlich ein dicker brauner Beagle ist, geworfen. Mit achtzehn Jahren hatte ic...