Sie hatten also Frieden geschlossen. Enid war begeistert. Das hieß, er würde sie endlich in Ruhe lassen und sie konnte ihr altes, normales Leben weiterführen.
Doch sie hatte die Rechnung ohne Lukas gemacht...
Als sie Elijah das nächste Mal in VWL wieder traf, war seine Laune ohne Zweifel unterirdisch. Von ihm ging eine Aura aus, die ausstrahlte: "Wer auch nur falsch meine Luft weg atmet, den bringe ich eigenhändig um."
Also unterließ Enid jegliche Versuche der Kommunikation, bis er sie unter dem Tisch trat. Und es war nicht gerade sanft.
"Autsch! Was soll das?" Wütend starrte sie ihn an.
Doch er schien nicht minder wütend zu sein... warum nur?
"Wir müssen reden", knurrte er leise.
"Jetzt? Hier?" Sie befanden sich mitten in der Vorlesung.
"Nein. Draußen. Geh."
"W-was?"
"Los." Er beugte sich zu ihr hinüber, sodass seine stechenden Augen sie bedrohlich fixierten. Wie ein Raubtier seine Beute.
"Okay. Aber nur fünf Minuten", flüsterte sie und er nickte.
Mann war das peinlich, jetzt mussten alle in ihrer Reihe aufstehen. Sie quetschte sich an ihren Kommilitonen vorbei und verließ dann den Hörsaal. Etwas fünf Minuten später kam auch Elijah aus dem Raum. Enid dachte zum ersten Mal daran, dass das hier vielleicht eine dämliche Idee gewesen sein könnte.
Mit verdüsterter Miene kam er mit riesigen Schritten auf sie zugestürmt und war innerhalb von zwei Sekunden viel zu nah.
"Du verdammte kleine Hure hast mich angelogen. Ich muss mir um dich keine Sorgen machen? Du machst mir keinen Ärger? Willst du mich eigentlich verarschen?"
"W-was?" Enid wusste nicht, was sein Problem war.
"Verdammt, du hast mir und Vanessa das Juckpulver verpasst! Lukas hat mir erzählt, dass du dich kurz vorher in der Küche herumgetrieben hast! Hast du eigentlich den Arsch offen?"
Oh Shit.
"Hör mal, ich..."
"Ach halt dein Maul. Ihr seid alle gleich. Worum ging es dir, hm? Vanessa? Ich? Wie kommt man überhaupt auf so eine beschissene Idee?"
"Wie kommt man verdammt nochmal auf die beschissene Idee, jemanden öffentlich auf einem Parkplatz sexuell zu nötigen?", schrie sie jetzt fast schon erstickt unter den ersten Tränen, die sich in ihren Augen sammelten.
"Wie, Elijah? Und wie kann man so ein empathischer Krüppel sein, dass einem immer nur auffällt, wenn man selbst verletzt wird, aber nicht, wenn man selbst andere verletzt? Ja, ich habe das getan. Und es geschieht dir recht!"
Er nickte mit zusammengebissenen Zähnen.
"Also Rache. Wie erbärmlich, ich hatte mir einen besseren Beweggrund von dir erhofft."
Völlig überfordert machte sie nur eine irritierte Handbewegung.
"Ja das diente nur der Befriedigung meiner Rachegelüste, da ich nicht davon ausging, dass man das mit dir klären kann. Und der erste Versuch ist ja jetzt anscheinend schon wieder gescheitert."
"Du hast es verbockt, nicht ich. Ich hatte ernsthaft das Gefühl, dass man die trauen könnte. Aber da habe ich mich getäuscht. Und damit kann ich auch nicht zulassen, dass du etwas anscheinend sehr Persönliches über mich weißt. Wenn du damit also nicht rausrückst, werde ich dir das Leben zur Hölle machen, genauso wie vorher. Willst du das?"
Enid schüttelte nur den Kopf, aber nicht, um auf seine Frage zu antworten.
"Kannst du mich denn gar nicht verstehen?"
"Selbst wenn, es wäre egal. Ich habe Wichtigeres zu tun, als dass ich auf deine Gefühle Rücksicht nehmen könnte."
"Und ich habe zu viel zu verlieren, als dass ich auf solch eine schwammige Aussage hin einfach so etwas preisgeben könnte, was mich noch verletzlicher macht."
"Oh bitte, was könntest du schon für Probleme haben?"
"Dito", zischte sie säuerlich.
Nun, das schien ihm auch nicht zu gefallen. "Du weißt gar nichts über mich."
Sein Gesicht näherte sich ihrem und seine grünen Augen nahmen ihren Blick gefangen. Es war so erdrückend, dass sie ihn abwendete, doch plötzlich lagen seine schlanken Finger an ihrem Kinn und drehten ihr Gesicht zurück.
"Es geht hier nicht um dich. Sag mir einfach, was du weißt und ich lasse dich in Ruhe."
"Ich werde nicht das letzte bisschen Macht, was ich über dich habe, einfach so hergeben."
Er ließ ihr Kinn los und trat einen Schritt zurück. Enid meinte Verachtung in seinem Blick lesen zu können.
"Du bist noch ekelhafter als die meisten anderen Frauen, die ich kenne. Das bedeutet Krieg, das weißt du?"
"Du bist die ekelhafte Person hier. Der Krieg zwischen uns hat längst begonnen, längst bevor du es wusstest. Und bis jetzt hast du die ganze Zeit Angriffe gestartet. Jetzt bin ich dran."
Mit diesen Worten ließ sie ihn stehen und kehrte in den Hörsaal zurück.
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Are you my Badboy?
Romance- Für jeden Tag, an dem mich Elija Androwis seit meinem siebten Geburtstag schikaniert, beleidigt oder gedemütigt hat, habe ich einen Euro in mein Sparschwein, welches eigentlich ein dicker brauner Beagle ist, geworfen. Mit achtzehn Jahren hatte ic...