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Lukas nippte an seinem Kaffee und schaute sie über den Rand hinweg an.

Das Café war niedlich, lag direkt auf dem Campus und besaß eine sympathische Vintage-Atmosphäre. Die Wände waren überladen mit den verschiedensten Fotografien und kein Tisch oder Stuhl sah aus wie der andere, das gesamte Inventar wirkte wild zusammengewürfelt.

"Mir gefällt es hier", brach Enid die Stille.

"Irgendwie habe ich mir das gedacht." Er schmunzelte und seine Augen blitzten dabei im schräg einfallenden Sonnenlicht auf. Sie saßen direkt am Fenster und konnten auf einen Teil des Campusgeländes hinausblicken.

"Und?" Unruhig rutschte sie auf ihrem Stuhl herum. Sie mochte Lukas zwar, aber es war bei genauerer Betrachtung doch etwas seltsam, sich einfach so mit ihm auf einen Kaffee zu treffen. Sie kannten sich schließlich gar nicht.

"Was willst du denn wissen?"

"Keine Ahnung... wie lang kennt ihr euch?"

"Unsere Eltern kannten sich, deshalb haben wir schon seit unserer Geburt Zeit miteinander verbracht. Auf die gleiche Schule gegangen sind wir nie, aber wir hatten immer mal wieder Kontakt. Seit wir erfahren haben, dass wir an der gleichen Uni studieren, haben wir uns wieder öfter gesehen."

"Was studiert er eigentlich?"

"Internationales Wirtschaftsrecht im dritten Semester."

Das ergab Sinn, er war zwar etwas älter als sie, hatte aber als ihr Klassenkamerad im gleichen Jahr das Abitur abgeschlossen. Im Gegensatz zu ihr musste er sofort im Anschluss angefangen haben, zu studieren. Sie hatte Glück gehabt, dass man Wirtschaftspsychologie an ihrer Uni auch im Sommersemester beginnen konnte.

"Klingt nach einem Studiengang für Krösus höchstpersönlich", mokierte sie sich und ihr Gegenüber schmunzelte.

"Tatsächlich haben seine Eltern ziemlich viel Geld. Aber er wohnt nicht mehr bei ihnen und das schon seit er sechzehn ist."

Enid horchte auf.

"Warum das?"

"Das hat er mir nicht erzählt. Weißt du, du liegst falsch in der Annahme, dass er spezifisch dich am wenigsten leiden kann. Er kann so gut wie niemanden leiden. Und er erzählt auch nichts über sich... nicht mehr."

Enid nickte und trank einen Schluck ihres Getränks.

"War er früher denn anders? Was ist passiert?"

Lukas zuckte nur mit den Schultern.

"Er war schon immer ein verschwiegener, eigenbrötlerischer Egoist. Aber früher hat er mir schon mehr erzählt, als wir noch Kinder waren. Ist ja klar. Es ist nicht so, dass er nicht auch gute Seiten hätte. Elijah ist absolut zuverlässig, er hält immer seine Versprechen. Und er mischt sich nicht in das Leben anderer ein und versucht ihnen zu einzutrichtern, was richtig und falsch ist."

"Wow, das ist für mich eine Selbstverständlichkeit", entgegnete Enid und lehnte sich auf ihrem Stuhl zurück.

"Das ist aber keine. Man sollte sowas nicht standardmäßig erwarten."

Enid schwieg und schaute aus dem Fenster. Beobachtete die Menschen, die den Uni-Platz überquerten.

"Ich verstehe nicht, warum er so ist. Und was ich ihm getan habe."

Lukas schnaubte belustigt.

"Ist das nicht egal? Er hasst quasi jeden. Wolltest du nicht dafür sorgen, dass es noch schlimmer wird?"

"Ich hatte eigentlich nicht vor, mich erwischen zu lassen."

Mit einem kleinen Lächeln auf den Lippen nickte der sommersprossige junge Mann.

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⏰ Letzte Aktualisierung: Nov 28, 2016 ⏰

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