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Als Enid am nächsten Morgen zur Psychologie-Vorlesung über den Hof der Universität lief, bemerkte sie die Blicke der Umstehenden wie brennende Pfeile auf ihrer Haut. Sie hatte die neue Jeans und ein schwarzes, hautenges Oberteil an, dazu eine dunkelbraune Lederjacke. Und es schien, als würde sie plötzlich jeder beobachten. Sich zu schminken hatte sie zwar trotzdem nicht über sich gebracht, aber vor den Blicken war sie dennoch nicht sicher.

Der Ausschnitt ihres Shirts war eigentlich viel zu tief und entblößte ihre ziemlich ausgeprägten Rundungen. Sie war gut ausgestattet, was das anging, hatte es jedoch bis heute immer geschickt unter dicken Pullis versteckt oder weiten, zugeknöpften Blusen.

Sie meinte sich ganz sicher zu sein, dass einige Leute tuschelten und wünschte sich in diesem Moment sehnlichst Alma an ihre Seite. Die hatte allerdings keine Psychologie-Vorlesung. Schließlich entschied sich Enid, einen Umweg über den Parkplatz zu nehmen, da sich dort zumindest keine Menschentrauben bildeten. Und sie behielt Recht, leerer war es durchaus auf dem Parkplatz, wenn nicht sogar vollkommen menschenverwaist. Nur sollte sich das nicht als positiv herausstellen...

Es standen nur fünf Autos in den Parkbuchten und eines davon war ein schwarz glänzender, perfekt in Schuss gehaltener Oldtimer. Ziemlich auffälliges Auto. Als Enid neugierig näher kam, bemerkte sie zu spät, dass im Innenraum jemand saß.

Nicht nur jemand. Es war er.

Elijah war schneller aus dem Auto gesprungen, als ihr lieb war und bekam sie am Arm zu fassen. Unsanft zog er sie zurück und drückte ihren Körper gegen das kalte Blech seiner Karosserie.

Enid zog schützend den Kopf ein, als seine beiden Hände sie unsanft an ihren Oberarmen an Ort und Stelle fixierten.

"Na wen haben wir denn da? Dêja-vú."

"Lass mich los, Elijah."

Seine einzige Regung war das unzufriedene Heben einer Augenbraue, bevor er ihr schließlich sehr nah mit seinem Gesicht kam.

"Kaum lasse ich dich zu Wort kommen, stellst du deine Dummheit wieder unter Beweis. Ich sagte dir doch schon, dass du nichts zu melden hast... und woher kennst du meinen Namen?"

"A...Alma... sie wohnt mit einem Freund von dir zusammen."

Nicht schlecht, Enid, nicht schlecht...

"Du meinst diese Blondine, die dich letztens im letzten Moment gerettet hat?"

Enid nickte etwas zu heftig in der Hoffnung, dass er es ihr abkaufte. Und sie hatte Glück, er schien es geschluckt zu haben. Etwas anderes beschäftigte ihn wohl und er verzog die anmutig geschwungenen Lippen zu einem zufriedenen Grinsen.

"Auch wenn ich nichts dagegen hätte, sie näher kennenzulernen, kann sie dich wohl diesmal nicht aus der Scheiße ziehen, in der du steckst."

Aus irgendeinem Grund kam ihr sofort der Gedanke zu einer frechen Antwort und es entwich ihr, bevor sie es überdenken konnte.

"Du würdest also deine Gesellschaft als Scheiße bezeichnen?"

Schon beim letzten Wort verfluchte sie sich für ihre Dummheit.

Elijahs Grinsen fiel in sich zusammen wie ein Kartenhaus und in seinen Augen funkelte es boshaft.

Er schob seinen Körper noch näher an sie heran, sodass sie sich kaum mehr bewegen konnte und platzierte sein Bein zwischen ihre.

Are you my Badboy? Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt