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Nur sehr langsam und unter Elijahs Ächzen konnten sie ihm das Shirt wieder anziehen und als sie aus dem Bad traten, machte er gute Miene zum bösen Spiel.

"Ich muss nochmal kurz aufs Klo...", druckste Enid herum, denn dafür war sie schließlich hergekommen.

Er verdrehte nur die Augen. "Dann geh halt. Aber beeil dich."

Sie nickte und nach zwei Minuten stand sie wieder neben ihm auf dem Flur - und schon hatte er wieder irgendein Mädel am Hals.

Fast schon erleichtert sah er zu ihr hinüber.

"Komm, lass uns endlich gehen."

Unsanft packte er sie am Arm und zog sie bis vor die Tür. Wo nahm er plötzlich diese Kräfte her? Sobald sie im Vorgarten angekommen waren, ließ er sie los und fuhr sich mit der Hand durchs Gesicht.

"Fuck, das tut weh!", fluchte er leise.

"Bist ein guter Schauspieler", musste sie zugeben, zuckte aber im gleichen Moment zusammen, als er seinen Arm über ihre Schulter legte und sich an ihr stützte.

"D... das ist nicht so, wie es richtig herum sein sollte...", witzelte sie stotternd und zu ihrer Überraschung reagierte er nicht mit Ekel.

"Du bist ungefähr so lustig wie ein toter Köter", entgegnete er nur trocken.

Enid wusste nicht, wie sie das einordnen sollte, also schwieg sie einfach.

Sie gingen los bis zur nächsten Kreuzung und dann ein Stück in die abgehende Straße hinein. Dort befand sich eine Bushaltestelle und auf der dazugehörigen Bank setzte sich Elijah mit einem langgezogenen Stöhnen nieder.

Ohne ein weiteres Wort zu verlieren, zog Enid ihr Handy aus der Tasche, um den Notarzt zu verständigen.

"Warte."

Sie hielt inne.

"Warum hilfst du mir?"

"Was?", entgegnete sie verwirrt.

"Du hast mich schon verstanden. Warum hilfst du mir ohne jede Gegenleistung? Ich war nicht gerade nett zu dir. Ich würde mir nicht helfen."

"Ist das jetzt... so ne Art Entschuldigung?"

"Nein."

Enid seufzte resigniert. Natürlich war es das nicht.

"Aber um auf deine ursprüngliche Frage zurückzukommen: Woher willst du wissen, dass ich keine Gegenleistung will?"

Er schaute auf.

"Ich hatte für einen kurzen Augenblick deinen Akt des Altruismus bewundert, aber du hast diesen Moment soeben zunichte gemacht."

"Du hast selbst gesagt, du erwartest für einen verkorksten Menschen wie dich keine Selbstlosigkeit."

Sein Blick senkte sich auf den Boden unter ihm. Er schien nicht wirklich zu wissen, was er sagen sollte, also schwieg er.

"Über deine Gegenleistung reden wir, wenn du wieder fit bist", beendete sie das Gespräch und tippte die Nummer ein.

Als nach einigen Sekunden eine junge Frauenstimme erklang, gab Enid den Ort an und wurde an die lokale Stelle weitergeleitet. Kurz erklärte sie die Sachlage und bekam als Antwort, dass sie in zehn Minuten dort sein würden. Dann verabschiedete sie sich und legte auf.

Nach kurzem Zögern setzte sie sich neben Elijah auf die Bank.

"Erzählst du mir, warum du so scheiße zu mir bist?"

Er warf ihr einen kurzen Blick zu, schwieg jedoch. Enid fürchtete schon, es würde gar keine Antwort mehr kommen, doch dann räusperte er sich.

"Es ist nicht so, dass ich zu besonders vielen Menschen ausgesprochen nett wäre. Wenn mir jemand egal ist, behandle ich ihn auch so und vor allem will ich nicht, dass sich jemand in mein Leben einmischt. Du dagegen scheinst etwas über mich zu wissen, willst es mir aber nicht sagen. Das hat mich... nervös gemacht. Beunruhigt. Zufrieden?"

Ja, das war tatsächlich zufriedenstellender gewesen als sie erwartet hatte.

"Ja. Danke. Du hast also Angst, ich wüsste etwas über dich, womit ich dich in Schwierigkeiten bringen könnte? Du hast also was zu verbergen?"

Er zog drohend eine Augenbraue hoch. "Du treibst es zu weit."

"Ich wollte nur sagen, dass du dir wegen mir keine Sorgen machen brauchst. Ich werde dir keine Schwierigkeiten bereiten, wenn du mich in Ruhe lässt."

"Okay."

Er hielt ihr seine Hand entgegen und sie legte ihre Kleinere in seine.

Im nächsten Moment hörten sie das Heulen der Sirene und dann kurze Zeit später die Blaulichter, als der Krankenwagen um die Ecke bog.

"Wie übertrieben", stöhnte er und verdrehte die Augen. Mit einem Blick auf Enid fügte er noch hinzu: "Du kannst jetzt gehen."

Sie nickte und entschied, dass es besser wäre, ihn den Sanitätern zu überlassen.

Dass sie aus seinem Mund kein Danke zu erwarten hatte, war ihr eigentlich auch klar gewesen.

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