F I F T E E N
13. Dezember

Als ich aufwachte war Harry weg. Die Bettseite neben mir war leer und kalt und ich konnte seinen schweren Arm auf mir nicht spüren und seinen Atem nicht hören. Seine Abwesenheit tat fast schon weh.

Er war erst einmal geblieben am morgen. Erst einmal. Und ich wusste, dass er nicht gegangen war, weil er seine Flug erwischen wollte und er mich nicht wecken wollte.

Er war gegangen weil er nicht bleiben konnte.

Er konnte nicht, auch wenn er wollte.

Und ich wünschte ich könnte ihn dafür hassen, aber ich liebte ihn mit all seinen Fehlern. Dabei wollte ich niemanden um mich haben, der eine Tag da war und den nächsten verschwand.

Ihn zu lieben war wie das Meer zu lieben. Er war so schön und blau und so voll mit Leben Und plötzlich wird man eingesogen und dann ist man Unterwasser und die Wellen schlagen über dem Kopf zusammen und man sinkt tiefer und tiefer und die Farben werden blasser bis grün und blau völlig verschwinden und es einfach nur noch schwarz ist. Kein Lebenszeichen mehr vorhanden und man konnte nicht mehr atmen.

Seine Dunkelheit verschlang mich.

Ich hatte nicht gewusst, dass jemand so schönes, so tötlich sein konnte.

Mit den Händen tief in den Manteltaschen vergraben schlenderte ich auf Harry zu. Er stand einfach nur mit hängenden Schultern und schlaffen Armen, den Kopf in den Nacken gelehnt und die Augen geschlossen.

Er genoss nicht den Ausblick auf den von kahlen Bäumen gesäumtem See oder den Schnee auf seinen Wangen.
Er stand einfach nur da. Nicht mehr und nicht weniger.

Seine Hand in meiner war eiskalt und es war als würde ich mich an etwas klammern, dass gar nicht festgehalten werden wollte.

Ich wusste nicht ob ich ihn weiter halten konnte.

"Bist du glücklich Brooklyn?", Harrys Stimme war rau und er sah mich immer noch nicht an.
"Nicht immer. Aber ich wäre es gern", langsam schloss ich seine linke Hand in meine beiden und hauchte sie an. Ich versuchte so wenigstens ein bisschen Wärme abzugeben und küsste seine Fingerknöchel.

"Das habe ich mir gedacht."

Er klang so nüchtern und emotionslos, dass es mir Schauer über die Arme schickte und ich fror.
"Ich liebe dich, weißt du das  Brooklyn?"
Zum ersten Mal sah er mich und ich musste mich unwillkürlich fragen, ob er überhaupt geschlafen hatte. Die Schatten unter seinen Augen waren so tief und dunkel, dass ich es mir nicht vorstellen konnte.

"Ich weiß Harry."
Egal wie blöd es klang, aber ich hatte das Gefühl, dass er die Bestätigung brauchte, dass ich wusste was er empfand. Das ich es bemerkte.

"Reicht es dir?"

Sanft strich er mir eine Strähne aus dem Gesicht und lächelte auf mich herab. Seine Lippen waren blau.

"Ich will nur dich Harry. Niemand sonst."

Einen Moment blitzte in seinen Augen etwas anderes als Freude auf. Mitleid. Aber da drückte er schon seine kalten Lippen auf meine und die Kälte verschwand aus meinem Körper.

Vielleicht verschwand auch die Wärme aus mir selbst, aber ich war bereit Harry meine Wärme zu geben.

Er brannte mich ohnehin schon aus.

"Ich geh jetzt Harry."

Noch ein Kuss.

"Ich muss meinen Flieger erwischen."

Ein letzter Kuss und dann drehte ich mich um. Unsere Hände blieben bis zum Schluss verschränkt ehe wir und trennen mussen. Ich drehte mich nicht um und blickte nicht zurück.

~

"Warum gibt es von Harry und mir auf dieser blöden Hochzeit gleich sechs Bilder und von dir nicht ein einziges. Nicht ein einziges", beschwerte sich Cyd und klatschte ein Stapel Magazine vor mir auf den Tisch.

"Ich bin einfach nicht so interessant. Und unauffällig.", Ich grinste und überflog die üblichen Überschriften 'Harry's neue Flamme', 'Harry und Cyd?', 'One Direction in Love?'.

Cyd schnaubte.
"Du bist mit fucking Harry Styles zusammen. Das ist als würdest du mit einem gepunktetem Zebra spazieren gehen."
Der Vergleich brachte mich zum lachen, aber Cyd hatte Recht. Harry war alles andere als unauffällig aber meine Tarnumhang-Fähigkeiten waren wohl gut.

Aber ich wusste nicht wie lange das gut gehen würde. Und vorallem nicht was passieren würde wenn es nicht mehr klappte.

"Bist du noch glücklich", Cyd sah mich forsch an und automatisch huschte mein Blick zu Harry's Abbibild. Er sah fast friedlich aus. Und trotzdem wusste ich, dass er in dem Moment nicht friendlich war.

Das war er nie.

"Nein Cyd. Aber ich versuche es so sehr."

Vielleicht waren Harry und ich als Person und Paar richtig füreinander, aber Zeit und Ort waren einfach falsch. Vielleicht wenn unsere Gedanken weniger hektisch waren und wir reifer waren. Denn jetzt waren er Chaos für meine Gedanken und Gift für mein Herz.

"Liebst du ihn?"
"Ja"
"Und liebt er dich?"
"Ja"
"Und warum hat es dann nicht funktioniert?" Cyd sah mich mitleidig an und müde rang ich mir ein Lächeln ab. Es gab immer diese Menschen die das Feuer in einem entfachten - traurige Wahrheit war, dass das nicht unbedingt die Menschen waren, mit denen wir unser Leben verbrachte. 
"Weißt du? Manchmal ist Liebe nicht das selbe wie mit jemanden wie ein Gegenstück zusammen zu passen."

Cyd schwieg und ich empfand es al passenden Moment um zu gehen.
Es war alles gesagt und auch wenn es weh tat würde ich es beenden.

Ich konnte nicht weiter an etwas festhalten was losgelassen werden wollte.
Ich konnte so nicht weitermachen, weil er mich immer und wieder zurück wies.

Weil er nicht mit mir sprach.

Burned out ||h.s.Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt