"Ich verstehe. Komm morgen pünktlich zum Training!" Sie lächelt ihn dankbar an. Schnell beugt sie sich vor und gibt ihm einen Kuss auf die Wange.
"Danke, Steve."
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Als Violette am nächsten Tag ins Labor geht, ist dort etwas anders. In einem seperaten Teil wurde eine Puppe aufgestellt, welche mit Elektroden und Messgeräten überzogen ist. Sie ist sich nicht sicher, ob das etwas Gutes ist. Fragend schaut sie zu Bruce, welcher noch am Computer einige Einstellungen vornimmt.
"So, das sollte gehen", murmelt er und kommt lächelnd auf Violette zu. Doch das unugte Gefühl im Bauch, verschwindet nicht.
"Wir wollen heute in die zweite Testphase gehen. Es soll jetzt nicht mehr darum gehen zu sehen was du kannst und wie dein Hirn arbeitet, sondern darum wie du deine Fähigkeiten nach außen tragen kannst. Beziehungsweise wie du dies verhindern kannst", erklärt der Arzt ihr.
"Ich hab da irgendwie ein ganz schlechtes Gefühl bei...", gibt sie zu.
"Hab keine Angst. Du kannst jeder Zeit abbrechen. Aber ich denke es ist auch in deinem Interesse weiter voran zu kommen, denn dann kannst du wieder in die Öffentlichkeit." Dabei horcht sie auf. Bisher herrscht ein strenges Verbot das Quartier zu verlassen. Endlich wieder hinaus zu können und sei es selbst unter Aufsicht, würde Violette sehr gefallen. Und wenn man sie nur für einen Spaziergang gehen lässt. Das was sie am meisten vermisst, ist das Gefühl der Sonne und des Windes auf der Haut. Die Luft die morgens noch so kalt ist, dass sie in die Lungen schneidet... Es ist das Gefühl zu leben. Wenn sie mit den Tests diesem Gefühl endlich wieder näher kommt, ist sie bereit ein Risiko einzugehen. Sie nickt entschlossen. Bruce Lächeln wird etwas traurig.
"Ich wusste, dass du das einsiehst... Die Sache hat aber einen Harken. Es geht zunächst nicht darum deine Fähigkeiten auszutesten, sondern darum sie zurück zu halten. Wir werden dir dies am Kopf befestigen." Er hebt eine Art Haube, welche überall Anschlüsse hat.
"Darüber werden wir dein Gehirn stimulieren, während du die Puppe berührst. Ziel ist ist, dass du keine Stromstoße oder ähnliches abgibst", sagt er weiter.
"Was bedeutet stimulieren in diesem Fall?", fragt Violette unsicher.
"Wir werden dafür sorgen, dass du verschiedene Emotionen empfindest. Positiv und Negativ..." Da war also der Haken an der Sache... Mit dem Gedanken an die Luft nach einem Regenschauer, nickt sie. Sie muss einfach an die Freiheit die sie dadurch gewinnt. Alles für die Freiheit... Sie bekommt die Haube auf und begibt sich zu der Puppe. Alles für die Freiheit...
"Bereit?", fragt Bruce von der anderen Seite der Glasscheibe. Sie legt ihre Hände auf die Schultern der Puppe und stellt sich die Beine etwas auseinander hin.
"Bereit...", murmelt sie unsicher. Alles für die Freiheit... Zunächst ist es nur ein Kribbeln. Doch bald merkt Violette welcher Bereich im Gehirn stimmuliert wird, denn mit einem Mal überkommt sie die Angst. Panische Angst. Sofort spürt Violette wie ihr Kopf beginnt zu brennen und wie sich die Spannung in ihren Händen sammelt. Je höher die Geräte geschaltet werden, desto schlimmer wird es. Ihr Herzschlag beschleunigt sich, ihre Atmung geht nur noch stoßweise. Viel zu schnell beginnt das Ziehen im Kopf die Oberhand zu gewinnen. Violette beißt die Zähne zusammen, um es aufzuhalten, doch sie kann es nicht. Die Angst beginnt sie zu übernehmen und mit einem Mal fließt der Strom nur so aus ihr heraus. Sofort stellt Bruce alles ab. Auf einen Schlag ist die Angst verschwunden. Auch wenn Violette es nicht gerne zugibt, ist sie den Tränen nah. Wie konnte sie so schnell nachgeben?
"Noch mal!", ruft sie entschlossen ihren Fehler wieder gut zu machen.
"Wir können auch erst mal eine Pause machen...", schlägt Bruce vor.
"Nein, ich brauch keine Pause, macht es noch mal!" Kurz zögert er, dann beginnt es wieder mit dem Kribbeln und endet in panischer Angst und damit, dass sie einen Schlag abgibt. Wütend über sich selbst, verlangt sie von Bruce es wieder zu tun. Wieder und wieder und wieder. Alles für die Freiheit, sagt sie sich dabei. Zwei Stunden lang machen sie das, dann weigert Bruce sich.
"Du zitterst seit einiger Zeit, du brauchst dringend eine Pause. Wir machen eine Stunde Pause und machen dann mit einer anderen Emotion weiter", begründet er es und nimmt ihr die Haube ab. Nur sehr widerwillig verlässt Violette das Labor. Ihr Schatten folgt ihr still in die Kantine, wo sie sich ein Glas Wasser holt und an den Tisch setzt. Noch immer spürt sie die Angst, als würde sie durch sie hindurch fließen.
Als plötzlich Steve von hinten kommt und ihr eine Hand auf die Schulter legt, fährt Violette extrem zusammen. Ihr Herz rast wieder wie beim Test und ohne es verhindern zu können, stehen ihr die Tränen in den Augen.
"Hey, alles gut! Ich wollte dich nicht verschrecken! Tut mir leid!", meint er sofort, während er sich neben sie setzt und sie besorgt mustert. Violette versucht über sich selbst zu lachen, doch das klingt eher verzweifelt. Schnell wischt sie sich die Tränen weg, doch sofort sind dort Neue.
"Was ist denn los?", fragt Steve besorgt. Sie will es ihm erklären, bekommt jedoch kein Wort hinaus. Schließlich rückt er näher und zieht sie zu sich ran.
"Ganz ruhig, komm erst mal wieder runter, alles ist in Ordnung..." Sie lässt ihren Kopf gegen seine Schulter sinken und beginnt sich allmählich zu beruhigen. Dann löst sie sich wieder und berichtet ihm was ihr im Labor geschehen ist.
"Ich muss sagen, dass ich dich für deine Stärke bewundere. Nicht jeder würde sich freiwillig wieder und wieder der Angst aussetzten. Du kannst stolz auf dich sein. Ich weiß nicht, ob ich das könnte", versucht er als sie fertig ist sie aufzuheitern.
"Und das kommt von einem Supersoldaten. Danke, Steve...", bedankt sie sich mit einem schiefen Lächeln.
"Du darfst nicht vergessen, dass hinter dem Supersoldaten auch nur ein Junge aus Brooklyn steckt. Ich muss leider wieder los. Wir sehen uns nachher zum Training, wenn du das dann noch möchtest", verabschiedet er sich und steht auf.
"Auf jeden Fall! Bis später." Er wirft ihr noch ein letztes Lächeln zu, ehe er verschwindet. Violette macht sich daraufhin wieder auf den Weg ins Labor. Bruce hat beschlossen nun mit einer positiven Emotion weiter zu machen. Daher folgt auf das Kribbeln nun keine Angst, sondern Glück. Dabei klappt das Kontrollieren wesentlich besser. Sehr zu Violettes Leidwesen, denn das bedeutet, dass sie wieder auf Negative Gefühle gehen müssen. Sie entscheiden sich für Wut. Es verläuft ähnlich wie bei der Angst. Absolut schlecht... Schließlich beendet Bruce das Ganze vorzeitig und schickt Violette hinaus zum Training.
Schnell macht sie sich auf den Weg. Doch das Gefühlschaos in ihr lässt nicht nach. Die Wut mischt sich mit der Angst und auch wenn Violette sie nicht mehr wirklich empfindet, sind die Emotionen doch noch da und lassen sie nicht los. Daher achtet sie beim Training mit Steve ganz besonders darauf ihn nicht zu berühren. Tatsächlich läuft es diesmal besser und sie schaffen es die gesamte Grundlagen Technik durch zu arbeiten. Als es an die Umsetzung geht, lässt sich der Kontakt nicht ganz vermeiden, weswegen Violette sich stark konzentriert, um ja keinen Schlag abzugeben. Und es funktioniert.
Nach dem Training stellt sie unter die Dusche und lässt das warme Wasser auf sich einprasseln. Sie spürt jeden Muskel und weiß, dass es morgen einen Muskelkater geben wird, doch das ist ihr nur Recht. Denn das erste Mal seit langer Zeit, hat sie wirklich das Gefühl der Freiheit näher gekommen zu sein.
"Alles für die Freiheit", sagt sie laut zu sich selbst, bevor sie das Wasser wieder ausstellt.
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Dreamdancer - Ich träum von dir (Avenger FF)
FanficEs began alles mit einem Traum. Doch als Violette plötzlich dem Mann aus ihrem Traum gegenübersteht, gerät mit einem Mal alles aus den Fugen. Es zeigen sich Kräfte die sie nicht haben dürfte und ehe sie sich versieht, findet sie sich im S.H.I.E.L.D...
