Sonntag, 14.Juni

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Meine Mutter ist immer noch sauer. Wirklich echt sauer. Sie hat die Nase voll von uns. Fand meine Idee mit dem Kleber gar nicht gut. Die Symbolik war ihr nicht klar, sie fand es nur völlig hirnrissig. Sie denkt noch über eine Strafe nach.

Ups, sie brüllt schon wieder, ich soll das Licht ausmachen. Mach ich mal besser.

...........................Montag,15.Juni......................................

Das muss man mit eigenen Augen gesehen haben, um es zu glauben. Folgendes: Wir sitzen am Frühstückstisch. Meine Mutter schmiert Schulbrote. Es liegen bereits sieben Brote da. Meine Mutter ist sauer. Sie schmiert immer weiter Brote. Eisiges Schweigen, sogar Lucy ist still.

Ich versuche vorsichtig ein Gespräch: "Mami, ich wollte doch nur..."

Meine Mutter fällt mir sofort ins Wort: "Dafür gibt es keine Erklärung, du bist zu alt, um so einen Blödsinn zu machen. Was hast du dir dabei gedacht?"

"Ich dachte..."

Meine Mutter unterbricht mich: "Sei still, ich will nicht hören."

Klasse, was?! Typisch Mütter; Sie stellen eine Frage, und wenn du antworten willst, sagen sie: "Sei still."

Sie schmiert weiter wütend ihre Brote. Inzwischen das zehnte, weil sie nicht darauf achtete, was sie tut.

Lucy gibt mir ein Zeichen, macht ein quälendes Gesicht, weil unsere Mutter ihr bereits wieder ein Brot hingelegt hat und immer noch weitermacht. Ich zuckte bloß die Schultern.

Meine Mutter schaut mich an. "Ich kann es immer noch nicht fassen. Wieso machst du so etwas?"

Ich ganz vorsichtig wieder: "Aber Mami..."

Sie hebt die Hand: "Sag nichts."

Lucy mischt sich mit ein: "Mami, Vilu will dir nur sagen, dass du gerade das zwölfte Butterbrot schmierst. Damit kann ich ja meine ganze Klasse durchfüttern."

Meine Mutter faucht Lucy an: "Und du bist auch still."

Dann schaut sie auf die Brote, legt das Messer beiseite und meint: "Ich bin wirklich viel zu nett zu euch."

Sie sammelt alle Brote wieder ein und stapelt sie auf ihren Teller. "Macht euch eure Brote selber. Die ess ich!" Herzhaft beißt sie in ein Brot und geht mit dem Teller in der anderen Hand in ihr Arbeitszimmer.

Wie soll denn da aus uns Kindern was werden, bei so einem Vorbild?

Lucy hat mir dann rehmütig den Bären über den Tisch geschoben und ich war zu geknickt, um ihr 'ne Ohrfeige zu geben.

Komisch. Ich vermisse Marco. Schade, dass wir keine Freunde mehr sind. Nicht dass ich verliebt in ihn wäre oder so. Er ist eben nur..., ach ich weiß nicht. Er ist schon ganz in Ordnung. Eigentlich richtig cool. Also gut-cool, nicht doof-cool, wie die meisten.

Hexen küsst man nichtWo Geschichten leben. Entdecke jetzt