3 Das Herz der Schneekönigin

886 54 97
                                        



Die vereinbarte Lieferung für Peter würde erst morgen fertig sein und das bedeutete für Scott und Stiles ein weiteres Mal, dass die gedeckte Tafel für sie der Wald war.

Das Dumme war bloß, dass jeder Beerenstrauch, an den sie gerieten bereits abgeerntet war und die Fische heute einfach nicht beißen wollten. In einer der Fallen saß ein winziges, mageres Kaninchen:

„Für dich Bruder!" sagte Stiles: „Ich habe gestern gut gegessen!"

Scott schüttelte den Kopf:

„Wir teilen!" beharrte er.

Stiles gab ein kurzes, trockenes Lachen von sich:

„Was denn teilen? Davon wird doch nicht einmal einer satt! Und du bist so verdammt dünn geworden! Ich mache mir Sorgen um dich!"

„Und was ist mit dir? Du bist genauso dünn!" beharrte Scott:

„Ich esse morgen, wenn wir bezahlt werden." gab Stiles gleichgültig zurück:

„Ich rühre das Tier nicht an, wenn du nicht auch davon isst!"

Scott verschränkte entschlossen die Arme vor der Brust:

„Dann ist das arme Vieh umsonst gestorben." entgegnete Stiles ebenso entschieden.

Er zog Scott in seine Arme, drückte ihm einen Kuss auf die Wange und fügte hinzu:

„Ich finde schon noch irgendwas anderes zu essen im Laufe des Tages. Du kennst mich: Überlebenskünstler! Und ich muss doch für dich sorgen Bruder. Ich bin schließlich der Ältere!"

„Die zwei Monate!" murmelte Scott geschlagen: „Wo willst du denn etwas zu essen finden?"

„Vielleicht öffnet Malia ja noch mal ihr Herz für mich?" gab Stiles schulterzuckend zurück:

„Und ehe alle Stricke reißen, gehe ich zu Peter und prostituiere mich für ein Sandwich!"

Es sollte ein Scherz sein, doch Scott konnte nicht darüber lachen:

„Ich will nicht, dass du dich näher auf ihn einlässt. Du kennst die Gerüchte! Peter ist höllisch gefährlich. Er ist ein Mörder! Er ist der mächtigste Gangster der ganzen verdammten Stadt. Mit so einem ist nicht zu spaßen!"

„Eben! Ist es dann nicht gut, ihn bei Laune zu halten? Und glaub' mir einfach: Als ich ihn gestern verlassen habe, war er bester Laune!" gab Stiles ungerührt zurück:

Scott zog ein angewidertes Gesicht bei der Vorstellung und kommentierte:

„Du spielst mit dem Feuer!"

„Apropos!" erwiderte Stiles, begann eine Feuerstelle einzurichten, sammelte trockenes Holz und zückte dann sein Messer, um das 'Frühstück' für Scott verzehrfertig zu machen.

Eine Weile später saßen die beiden beim Essen und Stiles lehnte es jedes Mal ab, wenn Scott ihn aufforderte, auch etwas zu nehmen:

„Du weißt, dass es etwas gibt, das wir entscheiden müssen, oder Kumpel?"

Scott nickte widerwillig.

Die offene Frage war, wie sie nun, da Peter ihnen fünfzig Prozent mehr gab, mit Deaton umgehen würden. Auch mit der besseren Bezahlung würden sie beide immer noch keine großen Sprünge machen können. Sie würden lediglich nicht mehr ganz so oft Hunger haben.

Doch selbst, wenn sie Deaton erklärten, dass die Nebengeschäfte nicht mehr liefen, so würde dieser dies sicherlich nicht einfach so hinnehmen.

Vielleicht würde er Peter einen Tipp geben, wie es bisher gelaufen war?

Beacon Hills 1920Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt