10 Rapunzel und der Turm

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Stiles war blind von seinen Tränen und taub vom eigenen Wehklagen und als er plötzlich eine Hand auf seiner Schulter fühlte, erschrak er beinah zu Tode.

'Bitte sei nicht Peter!' betete er im Stillen, 'Bitte nicht!' und dann vernahm er eine sanfte, beruhigende und vertraute Stimme:

„Hey, mein Junge! Was ist denn mit dir passiert?"

Stiles hob den Kopf und war beinahe glücklich, das gütige, aber irgendwie immer auch ein wenig sorgenvoll wirkende Gesicht des Sheriffs zu sehen.

Stilinski setzte sich neben ihn und legte einen Arm um Stiles, dessen erster Impuls es war, sich an die breite, Schutz spendende Brust des Gesetzeshüters zu werfen und Trost zu suchen.

Doch dann fiel ihm die Umhängetasche mit dem verbotenen Inhalt wieder ein.

Mit einem Fuß schob Stiles die Tasche von sich fort, in einen schattigen Winkel und verkroch sich dann in Stilinskis Armen, wo er stumm eine Weile weiter weinte.

Der Sheriff wirkte ein klein wenig unbeholfen, als er dem jungen Mann tröstend das hellbraune Haar kraulte:

„Sagst du mir nun, was vorgefallen ist?"

Der Sheriff berührte die Würgemale an Stiles Hals:

„Wer war das?"

Stiles blickte den Gesetzeshüter mit riesigen, hellbraunen Kinderaugen an, doch er brachte kein Wort heraus:

„Du kannst es mir sagen, mein Junge, ehrlich! Selbst, wenn es etwas wäre, was dich in Schwierigkeiten bringen könnte. Du weißt, wie ich zu dir und Scott stehe. Wenn du mich lässt und wenn es mir irgendwie möglich ist, dann würde ich versuchen, euch da raus zu hauen!"

Stiles wusste, dass der Sheriff sich gerade sehr weit für ihn aus dem Fenster lehnte. Und für den Bruchteil einer Sekunde klang es für den Jüngeren wirklich sehr verführerisch, Stilinski alles zu sagen; über sein Geschäft, über Peter, einfach über alles, doch er besann sich sehr schnell.

Was, wenn der Sheriff ihn am Ende doch bloß in den Knast stecken wollte?

Stiles schüttelte innerlich den Kopf.

Selbst in seinem verkorksten Herzen wusste er, dass dieser Mann, der niemals etwas anderes als freundlich zu ihm gewesen war, ihn nicht in eine Falle locken würde, wenn er emotional am verwundbarsten war.

Stilinski die ganze Geschichte zu erzählen konnte er aber dennoch nicht wagen, wenn er wusste, dass dieser dann das Gesetz brechen müsste, um Scott und ihn zu beschützen und dadurch Gefahr laufen würde, seine Stellung und sein Ansehen zu verlieren.

Das hatte der Sheriff sicher nicht verdient; dass sie ihn am Ende noch mit sich in den Abgrund zögen!

Sie standen nun einmal auf unterschiedlichen Seiten und es war nicht die Schuld des Gesetzeshüters, dass Stiles immer wieder dumme Entscheidungen für sein Leben getroffen hatte und nun an einem Punkt angekommen war, wo die Rückkehr in ein normales, bürgerliches Leben unmöglich geworden war:

„Tut mir leid, Sheriff, aber ich kann nicht!" sagte Stiles also mit belegter Stimme.

Stilinski nickte:

„Ich verstehe, Kleiner! Aber merk's dir einfach für später, wenn es irgendwann einmal etwas gibt, was ich für dich und Scott tun kann, dann sag es mir bitte! Mein Angebot bleibt bestehen. Ich will dir wirklich helfen!"

Stiles gab nickend zu verstehen, dass er die Worte vernommen hatte, auch wenn klar war, dass er nie darauf zurückkommen wollte.

Stattdessen vergrub er sein Gesicht wieder an der Brust des Sheriffs, wie ein hilfloses Kind.

Beacon Hills 1920Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt