Kapitel 7

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Die Tage vergingen nur zäh. In der Uni war ich mittlerweile soweit, dass ich mit meiner Bachelorarbeit anfangen konnte und Jordan hatte sich ein weiteres Mal für sein Verhalten am Kino entschuldigt und hing mir seitdem dauernd an den Hacken.
Als hätte ich Honig am Hintern.
Und ich hatte ein Problem. Das Problem hieß Ashton aka Mr.Geheimnisvoll, der sich seit dem Disco-Abend, welcher nicht ganz nach Plan abgelaufen war, nicht mehr gemeldet hatte.
Und dabei hatte er meine Nummer!
Wahrscheinlich fand er mich abstoßend, dass ich mich auf Kyle eingelassen habe und war nur so gütig mich vor schlimmerem zu bewahren. Ich bin so dumm.
Miesepetrig stellte ich die Kaffeetassen etwas zu fest auf das Tablett, sodass der heiße Kaffee überschwappte und mir die Hände verbrühte.
"Auuuuu, scheiße man!", fluchte ich und ließ Tablett samt Kaffee fallen.
Eine dunkle Kaffeelache bildete sich auf dem Boden.
Fassungslos starrte ich sie an.
"Luce? Ist alles in Ordnung bei...?"
Sam führte seinen Satz nicht zu Ende, sondern sah mich überrascht an.
"Was ist los?"
Ich riss mich vom Anblick meines Malheurs los. "N-nichts a-alles gut", stammelte ich und Tränen traten mir in die Augen. Was ist denn jetzt los? Warum muss ich wegen sowas heulen?
Sam sah mich mitfühlend an, warf einen kurzen Blick auf die Uhr und sagte beruhigend: "Du kannst nach Hause gehen. Ich mach den Laden eh gleich zu."
Ich nickte nur dankbar, schnappte meine Sachen und stürmte aus dem Caffee.

*
Als ich mich etwas gesammelt hatte schlug ich zu Fuß den Rückweg zu meiner Wohnung ein. Ich brauchte einfach ein wenig frische Luft.
Als ich gedankenverloren durch den Park schlenderte hörte ich auf einmal, wie jemand meinen Namen rief, ich drehte mich aber nicht um. Viele heißen Luce.
Doch als ein erneutes: "Hey, Luce, jetzt warte doch mal" ertönte, blieb ich stehen und entdeckte Jordan, der mir mit langen Schritten entgegenkam. Ohne es zu bemerken war ich zum Unigelände geschlendert, wo Jordan mit seinen Freunden noch in der Sonne gesessen hatte um an seiner Bachelorarbeit zu schreiben.
Na ganz toll.
Auch wenn ich Jordan schon seit langem unglaublich gern hatte, war der ungewollte Kuss für mich wie ein Schlag ins Gesicht.
Es war klar, dass er sich mehr zwischen uns erhoffte, doch das galt leider nicht für mich.
"Was machst du denn hier? Ich dachte du musst arbeiten?" Ich rümpfte die Nase. "Durfte früher Schluss machen", murmelte ich und zuckte mit den Schultern.
Das war nicht gelogen.
Jordan schien begeistert zu sein.
"Hast du Lust dich noch zu uns zu setzen?", fragte er direkt und ich freute mich über seine offene Einladung. Aber ich hatte für heute nur noch einen Wunsch. "Ist echt lieb von dir Jordan, aber ich möchte einfach nur noch nach Hause. " Unsicher trat ich vom einen Bein auf das andere und sah ihn an. Er kratzte sich überlegend das Kinn und lächelte dann sanft. "Ich werd den Jungs bescheid geben und begleite dich dann nach Hause. Es wird immerhin bald dunkel."
Jaja Jordan, alles nur zu meiner Sicherheit und ganz ohne Hintergedanken, stimmts?
Erst war ich kurz davor ihm zu widersprechen, doch etwas in mir sehnte sich danach mit jemandem zu sprechen.
Maja hatte sich auf meine Anrufe hin nämlich noch nicht gemeldet und ich wollte sie nicht stören, wenn sie vielleicht noch bei ihrer Partybekanntschaft war.
Die hats gut. Keine komplizierten Blödmänner, die einem den Abend schlecht machen und einen dann auch noch abblitzen lassen.
Als ich die Augen von meinen Händen hob sah ich Jordan eilig auf mich zukommen und lächelte leicht.
Wie lieb er doch ist.
"Bist du bereit?", fragte Jordan, sobald er mich erreicht hatte und hielt mir seinen Arm hin. Ich ergriff ihn und ließ ihn den richtigen Weg einschlagen, während wir uns in ein angenehm ablenkendes Gespräch vertieften.

*
Jordan war ein richtiges Plappermaul. Er redete wie ein Wasserfall, und ich kannte ihn auch nicht anders. Es war so unglaublich entspannt einfach nur seinen Worten zu lauschen und mich von ihm ablenken zu lassen, sodass ich gar keinen Gedanken mehr an Mr.Geheimnisvoll verschwenden musste.
Und leider auch nicht an meine Umgebung.
Wo zum Geier sind wir hier?
Das ist aber nicht mehr der Weg zu meiner Wohnung.
Nun etwas aufmerksamer, betrachtete ich einen beleibten Mann vor mir, der einen Regenschirm zückte und schnellen Schrittes Richtung Parkhaus eilte.
Das Parkhaus sagt mir gar nichts.
Verwirrt sah ich nach oben zum Himmel und erblickte dunkle Wolken, die die Sonne verdrängt hatten. Ein erster Regentropfen viel mir ins Gesicht.
"Jordan, wo sind wir hier gelandet? Ich kenne den Ort hier nicht." Ich blickte meinen Freund an, der verwirrt aufsah und etwas blass um die Nase wurde.
"Ähhhm, theoretisch habe ich auf die Straße geachtet... praktisch anscheinend nicht." Er drückte beruhigend meine Hand, doch ich konnte ein genervtes Schnauben nicht unterdrücken. Ich wollte wirklich nach Hause.
"Ich kenne den Weg", murmelte er und zog mich nach rechts in eine Seitenstraße.
Den Spruch kenne ich.
Wir haben uns verlaufen.

Dunkles VerlangenWo Geschichten leben. Entdecke jetzt