Prolog

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Ein heißes Bad erfrischt den Körper, ein heißer Tee den Geist.

Minerva McGonagall:

Müde ließ sich die Schulleitern von Hogwarts in den Stuhl ihres Schreibtisches fallen und atmete durch. Ihr Rücken schmerzte ein wenig und sie musste zugeben, dass sie bedauerlicherweise auch nicht jünger wurde. Sie schien ihr Leben gelebt zu haben und nun war sie froh Hogwarts zu Diensten stehen zu können, da diese Schule ihr so viel gegeben hatte. Minerva McGonagall würde als neue Direktorin nicht versagen und versuchen ihren Schülern die beste Ausbildung für ihr späteres Leben zu geben.
Der Mittag war angebrochen und die Sonne strahlte an ihrem höchsten Punkt angekommen direkt in das sonst etwas dunkle Büro. Die Briefe für die Kinder wurden heute in der Frühe losgeschickt und mussten spätestens abends alle erreicht haben, denn bald jährte sich der Schulanfang wieder und der 1. September stand an. Sie hatte natürlich alle herzlich eingeladen wieder nach Hogwarts zu kommen und ihre Ausbildung abzuschließen oder auch nicht, denn, wie sie wusste, hatten einige ihrer Schüler bereits eine andere Karriere begonnen.

Schmerzlich dachte sie an den Kriegshelden Harry Potter, ihren alten, unverbesserlichen Schüler, der sie so sehr an seine wunderbaren Eltern erinnerte.
Er führte die Aurorenabteilung an gegen die verbliebenen Anhänger Voldemorts. Sie würde diesen Jungen vermissen, aber auch seinen rothaarigen Freund Ron Weasley, der ihm dabei half. Beide hatten ihr schon angekündigt, dass sie Hogwarts nicht mehr aufsuchen würden.
Eine altbekannte Stimme riss sie aus ihren Grübeleien. Mit einem Lächeln drehte sich ihr Kopf zu einem großen Portrait, welches an der Wand hing und einen alten Mann mit einem langen, silbernen Bart und Halbmondbrille zeigte: Albus Dumbledore.

"Minerva, meine Liebe, du wirst eine glänzende Schulleiterin abgeben.", munterte er sie auf.

"Um meinen Ruf mache ich mir keine Sorgen, Albus. Ich habe zu viel durchgestanden, um mir über solche Banalitäten Sorgen zu machen. Es geht mir um meine Schüler. Der Krieg sitzt vielen immer noch in den Gliedern und mir scheint es, als ob manches Misstrauen nicht versiegt.", sprach die Schulleiterin ihre Befürchtungen laut aus.

Ein verständnisvoller Gesichtsausdruck breitete sich auf der gemalten Gestalt im Bild aus. Minerva schien durch das Portrait ihres Freundes seinen Tod besser zu verarbeiten. Es nagte an ihr, dass er sie niemals ins Vertrauen gezogen hatte, sondern nur Severus Snape, der ebenfalls als Portrait im Büro war.
Doch es waren nur Schatten ihrer Geister und manchmal verleiteten diese Bilder sie zu glauben, dass die Toten noch in der Gegenwart verweilen würden.

"Die außerschulischen Aktivitäten wurden für dieses Jahr bereits erhöht und dabei muss man mindestens eine in seinem Stundenplan aufnehmen, besonders die 7. Klassen wurden dazu aufgefordert. Durch die Zusammenkunft der Häuser wird sich alles normalisieren. Es muss erst wieder ein gewisser Alltag nach Hogwarts schlüpfen.", versuchte Dumbledore sie zu beraten.

"Ja, du hast Recht. Ich habe in deinen Sachen ein Teeservice gefunden, es beinhaltet eine Vielzahl an Tassen und verschiedene Teesorten sind ebenfalls enthalten. Natürlich habe ich Professor Trewalney danach gefragt, ob sie es haben will. Doch sie hat zu meinem Bedauern nur mit dem Kopf geschüttelt. Irgendetwas von schlechter, auffälliger Aura gemurmelt... Mir ist es unbegreiflich, wieso sie es nicht haben wollte. Also dachte ich mir, dass unsere Schüler eine Teegesellschaft bilden könnten..."

Dumbledores Augen funkelten. Minerva überraschte diese Emotion ein wenig, sodass sie innehielt.

Das Portrait antwortete freudig: "Ach, eine wunderbare Idee! Sehr interessant, gar erfreulich... Verzeih mir meine Vorfreude, Minerva. Es ergreift mich, dass du alte Traditionen wie das englische Tee-Trinken nicht in Vergessenheit geraten lässt. Aber ich würde eine Maximalzahl der Gruppe vorschlagen? So viele Teilnehmer, wie es Tassen gibt? Ich wollte sogar selbst eine Teegesellschaft ins Leben rufen, aber naja, die Zeit und dann kam der Krieg... Wie gesagt eine tolle Idee, Minerva, aber das Service ist schon sehr alt. Die Schüler sollten darauf gut Acht geben. Ein heißes Bad erfrischt den Körper, ein heißer Tee den Geist, wie man sagt."

Minerva nickte und konnte ihre Verwunderung nur schwer verbergen. Dumbledore war noch nie der Mann gewesen, der sich mit Kleinigkeiten beschäftigt hatte und nun setzte er sich fürs Tee trinken ein? Wahrscheinlich wurde einem als Portrait recht langweilig, schlussfolgerte sie. Aber trotzdem war sie stutzig. Er starrte nostalgisch in die Leere, als würde er sich an etwas erinnern.

"Gut, danke, Albus. Ich werde nun der Küche einen Besuch abstatten.", erwiderte die ältere Frau und schenkte dem Gemälde ein mildes Lächeln.

Als sie sich erhob, streifte ihr Blick die kleine Holztruhe auf dem Schreibtisch, in welcher sich die Teetassen und alles weitere befanden. Alte, verschnörkelte Verzierungen waren darin eingeritzt worden.
Minerva bezweifelte, dass sich ihre jungen Schüler für so etwas aus der Mode Gekommenes ernsthaft interessieren würden, aber ein Versuch war es wert, nicht wahr?
Jedenfalls fand sie immer ein wenig Ruhe und Frieden bei einem heißen Pfefferminztee oder Earl Grey.

Die Küche lag etwas weiter entfernt von dem Schulleiterbüro und Minerva McGongall machte sich schnell auf den Weg, denn ihr Magen hatte heute noch nichts runter bekommen.
Als sie endlich vor dem Bild mit der Obstschale ankam und die darin gemalte Birne kitzelte, sprang es zur Seite und die ältere Frau begab sich in die Küche, um von den Hauselfen ein Mittagessen zu erbitten.
Nach kurzer Zeit fand man diese in der neu errichteten Großen Halle wieder, während sie am Lehrertisch saß und eine Kürbissuppe löffelte.
Die orangefarbene Flüssigkeit war mit etwas Sahne und Kürbiskernöl verfeinert worden und sie staunte wieder einmal über die Kochkunst der Hauselfen.
Neben der Schüssel lag der Tagesprophet und neugierig begutachtete Minerva die Titelseite.

Lucius Malfoy war einerseits darauf abgebildet. Die Haare des ehemaligen Todessers hatten an Länge verloren und waren hässlich verfilzt. Man hätte meinen können, dass dieser Anblick schon abstoßend genug gewesen wäre, doch der verzweifelte und hysterische Ausdruck in den Augen des Mannes trug einen erheblichen Teil zur Gesamtwirkung bei.
Das Foto wurde nach dem Urteil vor einem Tag geschossen. Es hieß Askaban für 15 Jahre. Viele wollten ihn lebenslänglich büßen lassen, aber dementsprechende Gönner hatten die Jahre vermindert. Sie spürte Mitgefühl für ihn, welches sofort wieder verblasste. Sie kannte Lucius Malfoy gut und leider hatte er es verdient, obwohl er einfach ein riesiger Feigling war.
Im Hintergund des bewegten Bildes war seine Familie zu sehen.
Narzissa Malfoy und Draco Malfoy, die freigesprochen, aber trotzdem vom Ministerium streng überwacht wurden.
Tränen schmückten das Gesicht der Frau mit den weißblonden Haaren und der spitzen Nase. Ihrem Sohn war eine unbegreifliche Fassungslosigkeit ins Gesicht geschrieben und die zusammengekniffenen Augen verrieten, wie nahe er den Tränen stand.
Egal, was diese Familie getan hatte, sie waren eine Familie geblieben und das bewunderte die Schulleiterin, musste sie feststellen. Auch dem jungen Malfoy hatte sie einen Brief geschickt. Es wäre unfair ihn von der Schule zu verbannen, denn nach einem langen Gespräch am Anfang des Sommers mit ihm war ihr klar geworden, wie viel Reue in ihm steckte, solange er sie dies nicht nur glauben hatte lassen.

Sie wusste, dass neue Zeiten anbrechen würden, aber sie gab zu, dass sie befürchtete, dass die Zauberer und Hexen sich zu sehr von Vergangenheit beeinflussen ließen. Es herrschte eine Angespanntheit in der Luft und nur die Zeit würde dieses Aufbrausen beruhigen können und hoffentlich auch außerschulische Aktivitäten mit einer hoch gepriesenen Tasse Tee von Albus Dumbledore. Die Häuser würden lernen müssen miteinander klar zu kommen und endlich erkennen, dass Vorurteile und Zweifel beiseite gelegt werden müssten.

Nur dann hätte die magische Welt etwas gelernt und wer konnte bestreiten, dass es nicht notwendig war aus seinen Fehlern zu lernen?

Eine neue Fan-Fiction von mir mit einer ausgeklügelten Idee!
Na, wie gefällt euch der Prolog? Gut, unsere Hauptpersonen kommen erst im nächsten Kapitel, aber ich mag McGonagall irgendwie....
Seid gespannt☺️
Beim nächsten Kapitel, welches höchstwahrscheinlich morgen oder übermorgen bereits kommt, folgen mehr Informationen und die Geschichte beginnt mit keiner anderen als der brillanten Hermine Granger!

Eure -flames

Die Teegesellschaft - DramioneWo Geschichten leben. Entdecke jetzt